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Boss Bottled (Eau de Toilette) von Hugo Boss

Boss Bottled 1998 Eau de Toilette

Siebenkäs
27.02.2017 - 08:42 Uhr
17
Hilfreiche Rezension
7.5Duft 6Haltbarkeit 6Sillage 6Flakon

Eine ziemlich deutsche Geschichte

Eines schönen Nachmittags kehrte Fridolin Dropp, der Sohn des Dorfschmieds, von einem Besuch im Krämerladen von Emilie Schimmelpfeng nach Hause zurück und legte wohlgemut die verschiedensten Dinge auf den alten Holztisch, der mitten in der Stube stand: Rauchfleisch, Kordel, Sauerkohl, Pulswärmer, Salz, Schweineschmalz, Zündhölzer und Kautabak. Aber da war auch noch ein kleines Fläschchen, das er sorgfältig statt in den Rucksack in die Hosentasche gesteckt hatte. Es enthielt etwas besonderes – ein Duftwasser, welches ihm die gute Frau Schimmelpfeng empfohlen hatte, denn er hatte ihr vom Dorffest erzählt und vom Tanzboden, auf den er doch heute Abend gehen wollte. Denn dort wollte er sich endlich ein Herz fassen und das rothaarige Mädchen aus Grauwinkel recht forsch um ein Tänzlein bitten. Es hieß Pentilia. Dazu, so hatte sie ihm erklärt, müsse er sich zuvor ein paar Tröpchen von dem feinen Elixir auf die Stirn tupfen und hinter die Ohren, denn leicht könnt’ es sein, dass ihm die Holde dann eher wohlgesonnen sei und gar einwillige auf seine Bitte.
Jetzt öffnete er also sehr vorsichtig das kleine, etwas klobige Fläschlein und verrieb zaghaft ein paar Tröpchen der Flüssigkeit auf seiner grobschlächtigen Hand.
Ei, was war denn das? Roch es hier nicht mit einem mal nach den Holzäpfcheln der Großmutter?
Oder gar nach dem guten Apfelkuchen, den sie zur Kirchweih buk? Oder war es das dicke Kompott, das in Gläsern wohlbedacht als Wintervorrat in der Kammer stand?
Bald darauf besann er sich anders. Nein, seine Nase spielte ihm wohl Possen, denn was roch er jetzt? Derbe Bauholzbretter, waren es, grob und splittrig, wie sie der Onkel im Schuppen hatte, sie rochen nach ehrlicher Arbeit und handfestem Zupacken, bis das Tagwerk verrichtet ist. Aber der famose Apfelkuchen der Großmutter kitzelte ihn doch noch bisweilen in der Nase, so gar ein paar Spezereien vermeinte er wahrzunehmen, wie er sie einst in der Stadt gerochen, Vanillstangen, gar Zimt.
Er band sich sein rotes Halstuch um und machte sich wohlgemut auf den Weg zum Tanzboden hinter dem Mühlweiher.
Wie es unserem Fridolin auf dem Tanzboden nun wirklich erging, wollt ihr wissen, liebe Kinder? Das ist freilich schwer zu sagen. Wohl aber kann man den Aufzeichnungen des Dorf-Schreibers entnehmen, dass Fridolin schon bald darauf mit Pentilia ein Wirtshaus in Grauwinkel eröffnete. Und dass sie ihm bislang fünf Knaben schenkte.
Überliefert ist auch, dass Fridolin schon am nächsten Tag wieder die gute Frau Schimmelpfeng aufsuchte. Auf dem Wege begegnete er wohl dem Schmied, Alfons Schlegel, und bemerkte wohl, dass dieser ganz trefflich nach dem gleichen Elixir roch. Desgleichen bemerkte er an Onkelchen Seidelbast, an seinem Vetter Ignaz, am Dorf-Kalfaktor, am Pastor und am Postillon. Ja, überhaupt an jedem im ganzen Dorf, auch am Bürgermeister und seinem Weibe, ja sogar an Buschel, dem alten Dorfhund.
Ein dunkeläugiges, glutäugiges Fräulein namens Annick soll es gewesen sein, welches das wunderliche Elixir von ganz aus dem fernen Süden des Frankenreichs bis ins Dörflein gebracht hatte. Auch heißt es, dass sich das Dörflein in kurzer Zeit gar munter vergrößert hat, so dass es heute mehr als tausend mal tausend Bewohner zählt.
Aber ob das wahr ist – das weiß keiner so recht zu sagen. Wenn ihr einmal nach Grauwinkel kommt, so geht nur ruhig ins Wirtshaus, ihr findet’s leicht am lauten Geschrei der Knabenschar. Und wenn ihr wollt, so fragt den Wirt, unseren Fridolin Dropp, und seine schöne Pentilia doch einfach selbst.

*Einige namhafte Wissenschaftler der Universität Köln gehen davon aus, dass im Laufe der Jahre durch sprachliche Verschluderung und Wort-Abschliff aus den Namen des Paares der bei jungen Leuten beliebte Ausdruck „Panty-Dropper“ entstanden sei. Aber das muss man nicht glauben.
Aktualisiert am 28.02.2017 - 09:22 Uhr
10 Antworten
MonsieurTestMonsieurTest vor 4 Jahren
Vorzügliche etymologische Mär :-DD.
Überaus korrekte zeithistorisch soziologische Studie zum Duftgebrauch in aufstrebenden Kleinstädten des späten 20.Jahrhunderts.
Dissertation zur Rolle der Rotharigen in Siebenkäse Parfumologischem Oeuvre in Auftrag gegeben!
FoxearFoxear vor 4 Jahren
So war das damals, liebe Kinder. Halstuch, Boss drauf und die Schlüpper werden geworfen. Nech, ob diese Geschichte wirklich so passiert ist? Ihr Jonathan Frakes. Dem Duft konnte ich nichts abgewinnen; Rothaariger-Buk-Pokal!
Edda32Edda32 vor 6 Jahren
Wollte gerade einen Kommentar zu diesem Allherrenduft schreiben, weil mir heute einer seiner zahlreichen Dauerträger samt Dauerfreundin aus der Oberstufe in Erinnerung gerufen wurde. Lasse es jetzt mit meiner eigenen illustren Geschichte, weil du mit der Aufzeichnung dieser bestimmt wahren Begebenheit einfach alles zum Besten gegeben hast. Zwar schon vor zwei Jahren, aber es ist so originell, dass ich noch antworten möchte. Schreibe übrigens von unter dem Tisch, wo ich vor Lachen liege...
SchatzSucherSchatzSucher vor 6 Jahren
Ja die Annick hat uns ein gar wohlgefälliges Duftwasser feilgeboten, welches auch nach über 20 Jahren immer noch angenehm in der Nase wirkt. Ob da jetzt gewisse Kleidungsstücke irgendwo in der Ecke landen oder durch die Gegend fliegen, hat mich nie interessiert.
FittleworthFittleworth vor 7 Jahren
Ei nun, liebe Kinder, so habet denn acht auf die gar trefflichen Lehren, die ihr wohl aus diesem Stücklein zu ziehen vermöget. Dies saget euch der Heinrich Seidel, derselbst dies Märlein nun mit Behagen vernommen und es den anderen gleich gesammelt und in dem großen Buche hinzugefüget hat. Vivat, Herr Siebenkäs!
ParmaParma vor 8 Jahren
Sehr schön historisch angehauchte, humorvolle Geschichte. Ich hatte mich schon gefragt, was hinter den Namen Dropp und Pentilia steckt, da sie ja eher ungewöhnlich sind :) Schöner Einfall ;) Hat denn Schimmelpfeng auch eine Bedeutung?
JumiJumi vor 8 Jahren
Amüsant geschriebene Story :) Habe ich gern gelesen!
SiebenkäsSiebenkäs vor 8 Jahren
Danke, Louvre. Wie schön, dass Jean Paul doch noch nicht ganz vergessen ist.
PreciousPrecious vor 8 Jahren
Sehr fantasievoll geschrieben. Pokälchen :)
SerafinaSerafina vor 8 Jahren
Das Märchen vom Pantydropper mal anders erzählt - sehr charmant! Pokal!