
Yatagan
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Yatagan
Top Rezension
32
Analoge Zeiten
Es gibt wohl kaum eine Musik, die ich so oft gehört habe wie die Titelmelodie der Fernsehserie Derrick. Sie stammt von Les Humphries und ist eine musikalische Ikone der 70er. Meine Eltern hatten in meiner Kindheit ein analoges Tonstudio und dort wurden vor allem in den 80er Jahren endlose Folgen des internationalen Tons (Geräusche, Musiken...) legendärer Krimiserien (Ein Fall für Zwei, Der Alte, Derrick) für den ausländischen Markt umgespielt und anschließend vom ZDF verkauft. Insbesondere Derrick war extrem erfolgreich, ist die meistverkaufte deutsche Fernsehserie und lief in mehr 100 Ländern weltweit. Meine Eltern hatten ganz offenbar einen entscheidenden Anteil daran.
Natürlich blieb ich an dem Duft gleichen Namens hängen, auch wenn es sich bei Orlanes Derrick keineswegs um einen Marketinggag für die deutsche Fernsehserie handelt, sondern um einen Duft, der den amerikanischen Vornamen Derrick trägt und damit wohl eher nur zufällig an ein Stück deutscher Fernsehgeschichte erinnert.
Lohnt es, eine alte Folge Derrick zu verfolgen, wenn sie wieder einmal in Wiederholung auf einem wenig prominenten Sendeplatz läuft? Aus nostalgischen Gründen sicher, auch wenn die bedächtige Inszenierung, das Fehlen hektischer Schnitte und die langsame Entwicklung der Handlung aus heutiger Sicht irritieren kann und gelegentlich, vor allem bei den älteren Folgen, nicht nur ein wenig verstaubt, sondern sogar unzeitgemäß wirkt.
Direkt vergleichen sollte man ihn allerdings nicht mit Serien neueren Datums und das ist nicht nur als Kritik, sondern ein wenig auch als Kompliment zu verstehen. Hat man sich erst einmal auf den trägen Fortgang der Handlung eingelassen, auf den eher mäßigen Spannungsaufbau, dann wird einem klar, dass man in den 70ern, 80ern und 90ern (Derrick lief von 1973 bis 1998) offenbar noch mehr Zeit hatte. Der Begriff Burnout war noch nicht erfunden, Krimis waren weniger blutrünstig, es wimmelte nicht von Psychopathen und Serienmördern, sondern von klugen Ermittlern (Inspector Columbo lässt grüßen) und die schrittweise Aufklärung eines Verbrechens nahm größeren Raum ein als die explizite Darstellung von Gewalt.
Lohnt es, sich einen Flakon Derrick von Orlane zuzulegen, wenn er wieder einmal auf Ebay zu überraschend günstigen Preisen angeboten wird? Aus nostalgischen Gründen sicher, auch wenn die wenig spektakuläre, langsame Duftentwicklung aus heutiger Sicht irritieren kann und gelegentlich, vor allem beim ersten Test, nicht nur ein wenig verstaubt, sondern sogar unzeitgemäß wirkt.
Direkt vergleichen sollte man ihn allerdings nicht mit Düften neueren Datums und das ist nicht nur als Kritik, sondern ein wenig auch als Kompliment zu verstehen. Hat man sich erst einmal auf die langsame Duftentwicklung eingelassen, auf die eher mäßige Sillage, dann wird einem klar, dass man in den 70ern, 80ern und 90ern (Derrick erschien 1978) offenbar noch mehr Geduld mit Düften hatte. Der Begriff Nischenduft war noch nicht erfunden, Düfte waren weniger linear und auf Kopfnoten konzentriert, es wimmelte noch nicht von Neuerscheinungen, die Jahr für Jahr den Markt überschwemmen und an die sich im Folgejahr kaum noch jemand erinnern kann.
1978, in einer Zeit als es keine Handys, keine PC‘s im heutigen Sinne, keine Emails, keine Downloads gab, in einer Zeit als die Menschen gezwungenermaßen noch mehr Zeit hatten, in einer Zeit als die Menschen noch nicht Stolz auf ihre Überstunden waren, war die rechte Zeit für einen Duft wie Derrick, der sicherlich auch damals kein spektakulärer Vertreter war. Der Duft überzeugt einerseits durch seine präsenten und doch dezenten, wenig süßen Gewürznoten (v.a. Pfeffer, Zimt, Ingwer, Muskat) und seine grüne, holzige Basis (nur Moos ist allerdings wirklich deutlich wahrnehmbar, von Patchouli und Sandelholz bei mir kaum eine Spur), ist andererseits aber auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil von Anfang bis zum Ende eine alkoholische Schärfe mitschwingt, fast so, als wäre der Duft kein Eau de Toilette oder Cologne, sondern ein After Shave - sicherlich beabsichtigt in einer Zeit, in der sich richtige Männer immer noch schwer taten mit Düften und Parfümeriebesuchen und ein Rasierwasser oft schon den Gipfel männlicher Pflege markierte.
Ist angesichts von Für und Wider ein Resümee möglich?
Ich selbst trage den Duft sehr selten. Meine Bewertung schwankt zwischen 70 und 80%. Gelegentlich sehe ich ganz gerne mal eine alte Folge Derrick und ja, gelegentlich trage ich ganz gerne mal Orlanes Derrick, auch wenn ich mir damit vorkomme wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, die manchmal aber gar nicht so schlecht war: Alles wird dann langsamer, bedächtiger, ruhiger, alles erinnert an früher, an analoge Zeiten.
Natürlich blieb ich an dem Duft gleichen Namens hängen, auch wenn es sich bei Orlanes Derrick keineswegs um einen Marketinggag für die deutsche Fernsehserie handelt, sondern um einen Duft, der den amerikanischen Vornamen Derrick trägt und damit wohl eher nur zufällig an ein Stück deutscher Fernsehgeschichte erinnert.
Lohnt es, eine alte Folge Derrick zu verfolgen, wenn sie wieder einmal in Wiederholung auf einem wenig prominenten Sendeplatz läuft? Aus nostalgischen Gründen sicher, auch wenn die bedächtige Inszenierung, das Fehlen hektischer Schnitte und die langsame Entwicklung der Handlung aus heutiger Sicht irritieren kann und gelegentlich, vor allem bei den älteren Folgen, nicht nur ein wenig verstaubt, sondern sogar unzeitgemäß wirkt.
Direkt vergleichen sollte man ihn allerdings nicht mit Serien neueren Datums und das ist nicht nur als Kritik, sondern ein wenig auch als Kompliment zu verstehen. Hat man sich erst einmal auf den trägen Fortgang der Handlung eingelassen, auf den eher mäßigen Spannungsaufbau, dann wird einem klar, dass man in den 70ern, 80ern und 90ern (Derrick lief von 1973 bis 1998) offenbar noch mehr Zeit hatte. Der Begriff Burnout war noch nicht erfunden, Krimis waren weniger blutrünstig, es wimmelte nicht von Psychopathen und Serienmördern, sondern von klugen Ermittlern (Inspector Columbo lässt grüßen) und die schrittweise Aufklärung eines Verbrechens nahm größeren Raum ein als die explizite Darstellung von Gewalt.
Lohnt es, sich einen Flakon Derrick von Orlane zuzulegen, wenn er wieder einmal auf Ebay zu überraschend günstigen Preisen angeboten wird? Aus nostalgischen Gründen sicher, auch wenn die wenig spektakuläre, langsame Duftentwicklung aus heutiger Sicht irritieren kann und gelegentlich, vor allem beim ersten Test, nicht nur ein wenig verstaubt, sondern sogar unzeitgemäß wirkt.
Direkt vergleichen sollte man ihn allerdings nicht mit Düften neueren Datums und das ist nicht nur als Kritik, sondern ein wenig auch als Kompliment zu verstehen. Hat man sich erst einmal auf die langsame Duftentwicklung eingelassen, auf die eher mäßige Sillage, dann wird einem klar, dass man in den 70ern, 80ern und 90ern (Derrick erschien 1978) offenbar noch mehr Geduld mit Düften hatte. Der Begriff Nischenduft war noch nicht erfunden, Düfte waren weniger linear und auf Kopfnoten konzentriert, es wimmelte noch nicht von Neuerscheinungen, die Jahr für Jahr den Markt überschwemmen und an die sich im Folgejahr kaum noch jemand erinnern kann.
1978, in einer Zeit als es keine Handys, keine PC‘s im heutigen Sinne, keine Emails, keine Downloads gab, in einer Zeit als die Menschen gezwungenermaßen noch mehr Zeit hatten, in einer Zeit als die Menschen noch nicht Stolz auf ihre Überstunden waren, war die rechte Zeit für einen Duft wie Derrick, der sicherlich auch damals kein spektakulärer Vertreter war. Der Duft überzeugt einerseits durch seine präsenten und doch dezenten, wenig süßen Gewürznoten (v.a. Pfeffer, Zimt, Ingwer, Muskat) und seine grüne, holzige Basis (nur Moos ist allerdings wirklich deutlich wahrnehmbar, von Patchouli und Sandelholz bei mir kaum eine Spur), ist andererseits aber auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil von Anfang bis zum Ende eine alkoholische Schärfe mitschwingt, fast so, als wäre der Duft kein Eau de Toilette oder Cologne, sondern ein After Shave - sicherlich beabsichtigt in einer Zeit, in der sich richtige Männer immer noch schwer taten mit Düften und Parfümeriebesuchen und ein Rasierwasser oft schon den Gipfel männlicher Pflege markierte.
Ist angesichts von Für und Wider ein Resümee möglich?
Ich selbst trage den Duft sehr selten. Meine Bewertung schwankt zwischen 70 und 80%. Gelegentlich sehe ich ganz gerne mal eine alte Folge Derrick und ja, gelegentlich trage ich ganz gerne mal Orlanes Derrick, auch wenn ich mir damit vorkomme wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, die manchmal aber gar nicht so schlecht war: Alles wird dann langsamer, bedächtiger, ruhiger, alles erinnert an früher, an analoge Zeiten.
22 Antworten



Kopfnote
Zeder
Zimt
Pfeffer
Vetiver
Herznote
Ingwer
Koriander
Muskat
Patchouli
Basisnote
Eichenmoos
Sandelholz








Axiomatic
Yatagan
SiameseDream
Reyzel
ClemensJ






























