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Top Rezension
Ein ambritionierter Gentleman
Nach einer hervorragenden Beratung in Mannheims Kurfürsten Parfümerie (aka Online Shop Essenza Nobile) und mit den Worten "Ich habe da doch noch etwas ganz besonderes im Lager..." hielt man mir einen mit L'Ambre de Carthage besprühten Teststreifen unter die Nase und meine olfaktorischen Ohren standen senkrecht.
Ihr kennt das. Bei circa 1 von 28 Teststreifen denkt man "hm, joah, mkay", aber nur bei 1 von 72 brüllt man entzückt durch den Laden "Ich kaufe alle!" So ging es mir mit L'Ambre de Carthage.
Ambra- bzw. Amber als Baustein in Duftpyramiden kennen wir zu Genüge. Und Düfte mit Ambra- bzw. Amber als Hauptthema gibt es ebenfalls viele. Oft sind sie zu hipstermäßig, bumssüß, manchmal "billig", machen einen blümerant oder unterliegen der überstrapazierten Oud-Weihrauch Mode.
Wo Armani mit Ambre Orient, Tom Ford mit Amber Absolute oder Serge Lutens Ambre Sultan dem aktuellen Mainstream unterliegen, wo Montales Blue Amber mit schwieriger Kopfnote kühl-metallisch wirkt, wo Histoires de Parfums mit Ambre 114 rasch und zu eintönig hell-süß verklingt, wo Maitre Parfumeur et Gantier mit Ambre Precieux ein süßes Schoko-Amber-Bouquet verbreitet, zeigt L'Ambre de Carthage im Gegensatz dazu eine umwerfende Zurückhaltung. Eben jene, die ich als ein Understatement der eleganten Oberklasse bezeichnen würde.
Bei L'Ambre de Carthage geht es nicht um den lauten, mit Gewürzen, süßen Leckereien und rauchig muffigen Duftschwaden überfüllten Bazar, sondern um die Erholung nach einem anstrengenden Wüstenritt in einer schattigen Oase mit kühlen Getränken.
So ist der Auftakt auch unaufdringlich süß und frisch. Ein wässriger Jasmintee bestimmt die Kopfnote, die nur langsam abklingt. Im Verlauf wird es im Herzen etwas balsamischer, ohne dass Labdanum oder Patchouli dominieren. Der Übergang zur Basis entspricht dem beginnenden kühleren Wüstenabend, wo warme, weiche orientalische Duftschwaden lange anhalten und man sich nach der Reise in sengender Sonne ausgiebig erholen kann. Gewürze oder eine klassische markante "männliche Note" wird man in dieser Oase nicht finden.
Der Duft ist insgesamt sehr hell, weich und zeigt eine vorsichtige Süße, die sich im Alltag uneingeschränkt tragen lässt. Er ist alles andere als aufdringlich, man erahnt ihn eher. Die Haltbarkeit ist für meine Nase überdurchschnittlich gut. Trotz der Bezeichnung "Homme" ist er eindeutig unisex.
Vom Hause Isabey bereits im Jahr 1924 als Exklusivduft produziert, während der Kriegswirren in den 40ern vom Markt verschwunden und seit 2006 wieder auferstanden, haben wir hier ganz sicher nicht die Originalrezeptur unter der Nase. Vergleicht man die Parfums der 20er oder 30er z.B. aus dem Hause Chanel, Guerlain etc., so haben die im Vergleich eindeutig mehr Wumms.
L'Ambre de Carthage ist mit seiner Jasmin-Ambra-Komposition ein feiner, unaufdringlicher, sehr eleganter Gentlemanduft. Auch wenn man ihn in keine Kategorie der Herren-, Frauen- oder Unisexdüfte einordnen möchte, so hat er unbedingt einen gesteigerten Bekanntheitsgrad verdient!
Ihr kennt das. Bei circa 1 von 28 Teststreifen denkt man "hm, joah, mkay", aber nur bei 1 von 72 brüllt man entzückt durch den Laden "Ich kaufe alle!" So ging es mir mit L'Ambre de Carthage.
Ambra- bzw. Amber als Baustein in Duftpyramiden kennen wir zu Genüge. Und Düfte mit Ambra- bzw. Amber als Hauptthema gibt es ebenfalls viele. Oft sind sie zu hipstermäßig, bumssüß, manchmal "billig", machen einen blümerant oder unterliegen der überstrapazierten Oud-Weihrauch Mode.
Wo Armani mit Ambre Orient, Tom Ford mit Amber Absolute oder Serge Lutens Ambre Sultan dem aktuellen Mainstream unterliegen, wo Montales Blue Amber mit schwieriger Kopfnote kühl-metallisch wirkt, wo Histoires de Parfums mit Ambre 114 rasch und zu eintönig hell-süß verklingt, wo Maitre Parfumeur et Gantier mit Ambre Precieux ein süßes Schoko-Amber-Bouquet verbreitet, zeigt L'Ambre de Carthage im Gegensatz dazu eine umwerfende Zurückhaltung. Eben jene, die ich als ein Understatement der eleganten Oberklasse bezeichnen würde.
Bei L'Ambre de Carthage geht es nicht um den lauten, mit Gewürzen, süßen Leckereien und rauchig muffigen Duftschwaden überfüllten Bazar, sondern um die Erholung nach einem anstrengenden Wüstenritt in einer schattigen Oase mit kühlen Getränken.
So ist der Auftakt auch unaufdringlich süß und frisch. Ein wässriger Jasmintee bestimmt die Kopfnote, die nur langsam abklingt. Im Verlauf wird es im Herzen etwas balsamischer, ohne dass Labdanum oder Patchouli dominieren. Der Übergang zur Basis entspricht dem beginnenden kühleren Wüstenabend, wo warme, weiche orientalische Duftschwaden lange anhalten und man sich nach der Reise in sengender Sonne ausgiebig erholen kann. Gewürze oder eine klassische markante "männliche Note" wird man in dieser Oase nicht finden.
Der Duft ist insgesamt sehr hell, weich und zeigt eine vorsichtige Süße, die sich im Alltag uneingeschränkt tragen lässt. Er ist alles andere als aufdringlich, man erahnt ihn eher. Die Haltbarkeit ist für meine Nase überdurchschnittlich gut. Trotz der Bezeichnung "Homme" ist er eindeutig unisex.
Vom Hause Isabey bereits im Jahr 1924 als Exklusivduft produziert, während der Kriegswirren in den 40ern vom Markt verschwunden und seit 2006 wieder auferstanden, haben wir hier ganz sicher nicht die Originalrezeptur unter der Nase. Vergleicht man die Parfums der 20er oder 30er z.B. aus dem Hause Chanel, Guerlain etc., so haben die im Vergleich eindeutig mehr Wumms.
L'Ambre de Carthage ist mit seiner Jasmin-Ambra-Komposition ein feiner, unaufdringlicher, sehr eleganter Gentlemanduft. Auch wenn man ihn in keine Kategorie der Herren-, Frauen- oder Unisexdüfte einordnen möchte, so hat er unbedingt einen gesteigerten Bekanntheitsgrad verdient!
14 Antworten


Sehr schöner Kommentar, dafür ein Pokal.