Penhaligon's - Ein Nachruf auf kopflose, vegetarische Düfte, erster Streich
Aquae Mirabilis, später Eaux de Cologne, dominierten bis ins späte 19. Jahrhundert den Parfümeriemarkt und wurden unter anderem durch Beau Brummell auch in Großbritannien zum dominierenden Herrenduft. Diese Eaux de Cologne wurden häufig von Apothekern und Friseuren vertrieben, wobei eine Unzahl verschiedener Rezepturen entstand. Walter Penhaligon, Sohn des Firmengründers, der ein Barbiergeschäft in London betrieb, schuf 1927 eine eigene Rezeptur für ein solches Kölnisch Wasser, das 2010 im Rahmen der Anthology Collection neu aufgelegt wurde. Ob dabei unverändert das Originalrezept verwendet wurde oder nachformuliert wurde bleibt ungewiß. Fakt ist, daß dieses Eau de Cologne am ältesten Bruder, dem Original von Farina Gegenüber, nah dran ist, deutlich näher jedenfalls als an 4711 als dem mittleren Bruder. In die herbfrische Dynamik von Zitrone, Bergamotte und Neroli mischen sich beherzt Duftwellen von süßer Orange und pikanten Kräutern, die den Duft nach und nach in seifige Gefilde abdriften lassen, wobei die initiale Frische fast unverändert bestehen bleibt.
Ein – wie wohl die meisten Colognes – sehr belebendes Wasser, zudem von Voltaire als „den Geiste belebend“ geadelt. Gerade an heißen Sommertagen tut ein Schwall nach dem Aufstehen und nach Feierabend Wunder. Daß der Spuk bald vorbei ist, ist der Duftgattung immanent und tut dem Tragevergnügen keinen Abbruch. Um die wunderbaren Worte meines Vorkommentators aufzugreifen: Penhaligon’s Eau de Cologne erfüllt alle Ansprüche und kann uneingeschränkt empfohlen werden.
Ein wirklich empfehlenswerter und sehr informativer Kommentar! So manches wußte ich tatsächlich nicht. Und Penhaligon´s hatte ich wenig auf dem Schirm. Aber ich denke, daß ich wohl so manches versäumt habe.
Toller Kommentar, ich habe auch mal gelesen, dass diese ursprünglichen Colognes sogar auch zum Einnehmen zusammengebraut wurden, eine ganzheitliche Behandlung sozusagen.