Marienbad ist ein Kurort in Böhmen, in dem schon im Mittelalter Kranke an den dort befindlichen Heilquellen Genesung suchten und das im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut wurde. Aufgrund des unangenehmen Schwefelgeruchs der kohlensäurestarken Marienquelle, an der Anfang des 19. Jahrhunderts ein Badehaus entstand, wurde diese auch Stinkquelle genannt.
Populär wurde der Ort, als Johann Wolfgang von Goethe in Marienbad regelmäßig kurte und dabei seine letzte große Liebe Ulrike von Levetzow kennen lernte, die seinen späteren Heiratsantrag (er war fast 72 Jahre, sie gerade mal 19 Jahre) ablehnte, was ihn zu der so genannten „Marienbader Elegie“, einem melancholischen Liebesgedicht inspirierte. Aber auch viele andere Berühmtheiten der Geschichte waren zum Kuren zu Gast. Darunter Frédérique Chopin, Thomas Alva Edison, Sigmund Freud, Maxim Gorki, Henrik Ibsen, Franz Kafka, Friedrich Nietzsche, Zar Nikolaus II. und viele mehr.
Heute ist Marienbad ein beschauliches Kleinstädtchen mit etwas über 10.000 Einwohnern, über 40 unterschiedliche Heilquellen sowie vielen Sehenswürdigkeiten, darunter etliche klassizistische Bäder bzw. Thermen mit Kreuzgängen und Parkanlagen.
Da fragt man sich, was sich Prada dabei dachte und wie deren Hausparfümeurin Daniela Andrier das Thema für die Olfactories-Serie umgesetzt hat. Die erste Frage bleibt wohl erst mal ungelöst. Bei der zweiten würde ich persönlich mit ziemlich angenehm antworten.
Herausgekommen ist ein Duft, der vor allem mit sanft umschmeichelnder süßlich-pudriger Vanille beginnt und dem Träger beinahe das Gefühl vermittelt, in einer Wohlfühloase gelandet zu sein, was wahrscheinlich dem Wellnessgedanken von Marienbad nahe kommt. Dazu sorgt auch Amber für eine fluffige Kuschelatmosphäre.
Doch unter dem watteweichen Pudrigen verbirgt sich mit Weihrauch sowie Oud und etwas birkenteerartigem Leder ein leicht herber Kontrapunkt. Beinah hat es was leicht medizinisch Bitteres, aber fügt sich dem Gesamtwerk harmonisch ein. Schließlich bedeutet Kuren ja nicht nur es sich rund um die Uhr gut gehen zu lassen, sondern auch mit ein bisschen Disziplin in Form von Workouts, Ernährungsumstellung oder medizinischen Maßnahmen bestimmte Gewohnheiten über Bord zu werfen um sich zu erholen bzw. zu genesen.
Somit geht das Konzept auf und Marienbad macht dem Namen dieses Parfüms als hochwertiger Stoff zum Wohlfühlen und Ausdruck positiver Energien alle Ehre.
Vielen Dank an meine Lieblingsparfuma für die Leihgabe :-)
Herrlicher Kommentar, Monsieur. Aber nichts anderes habe ich erwartet. Schleimen bringt aber bei mir garnichts, zumal die Parfuma No. 1 eigentlich eine andere ist....