
Skydiver19
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Skydiver19
Hilfreiche Rezension
7
Pandora, Eva und eine App
Zur Pandora-Mythologie gibt es mehrere antike Versionen sowie eine spätere aus der Renaissance, wo Parallelen vom Pandora-Mythos zum biblischen Sündenfall von Adam und Eva gezogen werden.
Demnach soll Eva als geistiger Archetypus den Sündenfall provoziert haben, so lautet die bis heute verbreitete Lesart. Dabei hat sie uns mit der Frucht vom Baum der Erkenntnis lediglich eine 'Geist-App' ausgehändigt. Vermutlich auf Anweisung der Schöpfungsebene ganz oben, da diese den Menschen doch mit Geist auszustatten und über die animalische Ebene hinaus zu heben gedachte. Die Risiken und Nebenwirkungen ahnend, dürfte es von oben auch Warnungen dazu gegeben haben, und vielleicht sind diese als Verbote verstanden worden - wie auch immer. Eva erlitt in den religiösen Erzählungen als Überbringerin der Erkenntnisfähigkeit ein Schicksal, das an Hiob erinnern mag.
Sünde ist sinnverwandt mit Absonderung, und die überbrachte Denk-App hat unsere Seele aus der allverbundenen Einheit ins Irdische purzeln lassen. Weil Denken ohne Absonderung aus einem ungeteilten Ganzen einfach nicht funktioniert. Es braucht Unterscheidbares, gegeneinander klar Abgegrenztes, um sich einen 'Begriff' machen zu können.
Bei Pandora heißt diese App 'Büchse', und warum sie soviel Unheil über die Menschheit bringt, möchten meine bohrenden Gedanken gerne herausfinden.
Jetzt hat der irdische Mensch also eine App zum Erkennen und Denken. Hierdurch ist er in der Lage, sich selbst und seine Sterblichkeit zu wissen. Und erfährt dadurch eine tiefe Verunsicherung. Schöne Bescherung, das Ganze. Der Preis für dieses Wissen ist hoch, zu zahlen mit Jahrtausende langem Leid und Verirrung.
Indes hat der Mensch nur eine Basis-Version der Denk-App erhalten, die er selbst weiterentwickeln muss. Was er wiederum nicht weiß, das Manual wurde nicht mitgeliefert.
Wie funktioniert nun diese Basis-Version? - Gehen wir zurück in die Zeit, als Menschen das Denken 'entdeckten'. Die Matrix, in der sich die Algorithmen entwickelt haben, sind Überlebens- und Reproduktionsvorteile, die von der Evolution mit einer positiven Selektion belohnt wurden.
Kurz: Charaktere, die zum eigenen Vorteil denken und handeln, setzen sich in der Evolution durch und vererben diese Anlagen weiter.
Das mentale Denken mit seinem Bewerten von Dingen und Handlungen dient also im ersten Impuls dem eigenen Vorteil. Diese Denkimpulse steigen in uns auf - automatisch und unbewusst; denn das Denken an sich benötigt kein Bewusstsein.
Im Kopf werden dann die aufsteigenden Gedanken um einen Sekundenbruchteil umdatiert, so dass das mentale Ich den Eindruck gewinnt, es sei selbst der Autor seiner Gedanken. Es hält sich somit für ein vollkommen autarkes Wesen - eines seiner größten Irrtümer.
Seit den 1970er Jahren weiß man es besser: Wir können nicht Denken und Wollen, was wir wollen. Wir haben lediglich ein Vetorecht. Aber immerhin, denn damit können wir die automatisch aufsteigenden Inhalte verwerfen und neue aufsteigen lassen, bis wir mit ihnen einverstanden sind. Dieser Prozess des Beobachtens der eigenen Denk- und Urteilsprozesse setzt allerdings Bewusstsein voraus. Also nicht das Denken, sondern erst das Nach-Denken benötigt Bewusstsein.
Und jetzt die eigentliche Krux. In seiner Abgegrenztheit und Verunsicherung aufgrund seines Wissens um seine Sterblichkeit sieht sich der Mensch alleine zuständig für sein Wohl und Wehe. Das heißt: Kontrolle muss her! Dieser Kontrollzwang wiederum bringt einen bunten Strauß an instinktiven Denkfehlern hervor. Hier ein paar Beispiele:
- um ein Gefühl von Kontrolle zu behalten, werden fix Kausalitäten aus dem vordergründigen Anschein erstellt (wie bei Hiob)
- Fremdes entzieht sich der Kontrolle, wird grundsätzlich als Bedrohung empfunden
- Misstrauen und Feindseligkeit schützen präventiv vor bösen Überraschungen, eine Welt des Gegeneinanders entsteht
- ein Gefühl von Ohnmacht gegenüber höherer Gewalt oder Vorsehung wäre maximaler Stress für den inneren Kontrolleur, es müssen Schuldige ausgemacht werden ( z.B. Pandora und Eva)
- Zweifeln am eigenen Denken und Handeln verunsichert und kann existenzielle Ängste verursachen, das führt zu Verdrängung, Selbstüberschätzung, Rechthaberei und schließlich zu Kriegen der 'richtigen Meinungen', im Kleinen wie im Großen
- gesteigerte Kontrolle = Macht, besonders beliebt bei einem Teil der männlichen Menschheit; denn Herrschen und Beherrschen steigert Reproduktionschancen, und außerdem:
- Überlegenheitsdenken setzt das Libidohormon Testosteron frei, ist also 'geil', auch bei Frauen
Diese Denk- und Handlungsmuster laufen automatisch ab, vor allem in Stresssituationen.
Eine üble Gemengelage, aus dem das Basis-Denken nicht heraus helfen kann. Es ist auf Buchstaben und Begriffe reduziert und auf das Ausmachen von Akteuren und Schuldigen ausgerichtet, was einen enormen Sprengstoff birgt.
Nur mal ein Beispiel: Heilige Schriften werden nicht sinnbildlich, sondern wörtlich verstanden und rechthaberisch verteidigt. Und das ist der Stoff für brutale 'Heilige' Kriege, die über Jahrtausende hinweg Elend und Tod über die Menschen brachten - und in modifizierter Form bis heute noch bringen.
Nach all diesen Überlegungen scheint mir das menschliche Denken selbst die 'Büchse der Pandora' zu sein. Die, wenn sie unbedacht, sprich unbewusst, geöffnet wird, Unheil über die Menschheit bringt.
Doch sie enthält auch Hoffnung. Und die scheint für mich darin zu bestehen, dass wir unser Denken BEWUSST weiterentwickeln. Indem wir unseren Fokus nicht mehr nur auf Trennendes richten, sondern auch auf Verbindendes. Die Welt wäre eine andere. Eine friedlichere, Gemeimwohl orientierte.
Aber: Wo liegt der Schalter für diesen Switch?
Ein weiteres Geheimnis tut sich auf. Werden wir je alles verstehen? -
Wohl kaum. Hauptsache ist, wir hören nicht mit dem (Hinter-)Fragen auf...
***
Der Duft versprüht Verlockung von der ersten Sekunde an - wie könnte es anders sein?
Die Duftstrecke beginnt mit aromatischer zitrischer Frische, welche die Sinne schärft und aufnahmebereit macht für das Kommende. Und was da kommt, und zwar schon gleich mit den zitischen Noten, sind reichhaltige, hypnotische Blüten. Alles, was man sich an weiblicher Anziehungskraft vorstellen mag - hier kommt es auf mich zu. Tiefgründig, distinguiert, ästhetisch durch den Raum gleitend, kaum fassbar, transparent und präsent.
Gut auszumachen sind unschuldiger Flieder, dunkel rauchiger Ylang-Ylang und satte, natürliche Rosen, die allesamt mit einem großen Selbstverständnis, mit ihrer natürlichen Autorität und ausgewogenen Fülle ihren voluminösen Mantel um mich legen und einhüllen, kraftvoll und achtsam zugleich. Die Welt ist schön, das Frausein ein Traum. Geborgenheit in den Sinnen, in anziehenden Tiefen, unergründlich und dennoch Halt gebend. Braucht es mehr im Leben? Für mich gerade nicht.
Diese Etappe des Duftweges nimmt sich Zeit zum Verwöhnen. Der Körper entspannt, die Seele geglättet in feiner, heller Cremigkeit. Das sinnliche Hoch- und Tief-Schweben findet allmählich Bodenkontakt, lässt sich nieder in hellen Samtmoosen, warm glänzenden Seidenharzen und lieblichen Gräsern. Die gelisteten Hölzer zeigen sich mir nur als ferner Anklang.
Und bei genauem Hinspüren landet der Duft nicht auf dem Boden, sondern vielmehr auf einer süß-ätherischen Wolke. Gebildet aus dem Atem von Mutter Erde, mit ihrem Begehren nach dem Fortleben ihrer vielartigen Kinder.
______
Ganz lieben Dank für diese bezaubernde Duftprobe, liebe ElAttarine
Demnach soll Eva als geistiger Archetypus den Sündenfall provoziert haben, so lautet die bis heute verbreitete Lesart. Dabei hat sie uns mit der Frucht vom Baum der Erkenntnis lediglich eine 'Geist-App' ausgehändigt. Vermutlich auf Anweisung der Schöpfungsebene ganz oben, da diese den Menschen doch mit Geist auszustatten und über die animalische Ebene hinaus zu heben gedachte. Die Risiken und Nebenwirkungen ahnend, dürfte es von oben auch Warnungen dazu gegeben haben, und vielleicht sind diese als Verbote verstanden worden - wie auch immer. Eva erlitt in den religiösen Erzählungen als Überbringerin der Erkenntnisfähigkeit ein Schicksal, das an Hiob erinnern mag.
Sünde ist sinnverwandt mit Absonderung, und die überbrachte Denk-App hat unsere Seele aus der allverbundenen Einheit ins Irdische purzeln lassen. Weil Denken ohne Absonderung aus einem ungeteilten Ganzen einfach nicht funktioniert. Es braucht Unterscheidbares, gegeneinander klar Abgegrenztes, um sich einen 'Begriff' machen zu können.
Bei Pandora heißt diese App 'Büchse', und warum sie soviel Unheil über die Menschheit bringt, möchten meine bohrenden Gedanken gerne herausfinden.
Jetzt hat der irdische Mensch also eine App zum Erkennen und Denken. Hierdurch ist er in der Lage, sich selbst und seine Sterblichkeit zu wissen. Und erfährt dadurch eine tiefe Verunsicherung. Schöne Bescherung, das Ganze. Der Preis für dieses Wissen ist hoch, zu zahlen mit Jahrtausende langem Leid und Verirrung.
Indes hat der Mensch nur eine Basis-Version der Denk-App erhalten, die er selbst weiterentwickeln muss. Was er wiederum nicht weiß, das Manual wurde nicht mitgeliefert.
Wie funktioniert nun diese Basis-Version? - Gehen wir zurück in die Zeit, als Menschen das Denken 'entdeckten'. Die Matrix, in der sich die Algorithmen entwickelt haben, sind Überlebens- und Reproduktionsvorteile, die von der Evolution mit einer positiven Selektion belohnt wurden.
Kurz: Charaktere, die zum eigenen Vorteil denken und handeln, setzen sich in der Evolution durch und vererben diese Anlagen weiter.
Das mentale Denken mit seinem Bewerten von Dingen und Handlungen dient also im ersten Impuls dem eigenen Vorteil. Diese Denkimpulse steigen in uns auf - automatisch und unbewusst; denn das Denken an sich benötigt kein Bewusstsein.
Im Kopf werden dann die aufsteigenden Gedanken um einen Sekundenbruchteil umdatiert, so dass das mentale Ich den Eindruck gewinnt, es sei selbst der Autor seiner Gedanken. Es hält sich somit für ein vollkommen autarkes Wesen - eines seiner größten Irrtümer.
Seit den 1970er Jahren weiß man es besser: Wir können nicht Denken und Wollen, was wir wollen. Wir haben lediglich ein Vetorecht. Aber immerhin, denn damit können wir die automatisch aufsteigenden Inhalte verwerfen und neue aufsteigen lassen, bis wir mit ihnen einverstanden sind. Dieser Prozess des Beobachtens der eigenen Denk- und Urteilsprozesse setzt allerdings Bewusstsein voraus. Also nicht das Denken, sondern erst das Nach-Denken benötigt Bewusstsein.
Und jetzt die eigentliche Krux. In seiner Abgegrenztheit und Verunsicherung aufgrund seines Wissens um seine Sterblichkeit sieht sich der Mensch alleine zuständig für sein Wohl und Wehe. Das heißt: Kontrolle muss her! Dieser Kontrollzwang wiederum bringt einen bunten Strauß an instinktiven Denkfehlern hervor. Hier ein paar Beispiele:
- um ein Gefühl von Kontrolle zu behalten, werden fix Kausalitäten aus dem vordergründigen Anschein erstellt (wie bei Hiob)
- Fremdes entzieht sich der Kontrolle, wird grundsätzlich als Bedrohung empfunden
- Misstrauen und Feindseligkeit schützen präventiv vor bösen Überraschungen, eine Welt des Gegeneinanders entsteht
- ein Gefühl von Ohnmacht gegenüber höherer Gewalt oder Vorsehung wäre maximaler Stress für den inneren Kontrolleur, es müssen Schuldige ausgemacht werden ( z.B. Pandora und Eva)
- Zweifeln am eigenen Denken und Handeln verunsichert und kann existenzielle Ängste verursachen, das führt zu Verdrängung, Selbstüberschätzung, Rechthaberei und schließlich zu Kriegen der 'richtigen Meinungen', im Kleinen wie im Großen
- gesteigerte Kontrolle = Macht, besonders beliebt bei einem Teil der männlichen Menschheit; denn Herrschen und Beherrschen steigert Reproduktionschancen, und außerdem:
- Überlegenheitsdenken setzt das Libidohormon Testosteron frei, ist also 'geil', auch bei Frauen
Diese Denk- und Handlungsmuster laufen automatisch ab, vor allem in Stresssituationen.
Eine üble Gemengelage, aus dem das Basis-Denken nicht heraus helfen kann. Es ist auf Buchstaben und Begriffe reduziert und auf das Ausmachen von Akteuren und Schuldigen ausgerichtet, was einen enormen Sprengstoff birgt.
Nur mal ein Beispiel: Heilige Schriften werden nicht sinnbildlich, sondern wörtlich verstanden und rechthaberisch verteidigt. Und das ist der Stoff für brutale 'Heilige' Kriege, die über Jahrtausende hinweg Elend und Tod über die Menschen brachten - und in modifizierter Form bis heute noch bringen.
Nach all diesen Überlegungen scheint mir das menschliche Denken selbst die 'Büchse der Pandora' zu sein. Die, wenn sie unbedacht, sprich unbewusst, geöffnet wird, Unheil über die Menschheit bringt.
Doch sie enthält auch Hoffnung. Und die scheint für mich darin zu bestehen, dass wir unser Denken BEWUSST weiterentwickeln. Indem wir unseren Fokus nicht mehr nur auf Trennendes richten, sondern auch auf Verbindendes. Die Welt wäre eine andere. Eine friedlichere, Gemeimwohl orientierte.
Aber: Wo liegt der Schalter für diesen Switch?
Ein weiteres Geheimnis tut sich auf. Werden wir je alles verstehen? -
Wohl kaum. Hauptsache ist, wir hören nicht mit dem (Hinter-)Fragen auf...
***
Der Duft versprüht Verlockung von der ersten Sekunde an - wie könnte es anders sein?
Die Duftstrecke beginnt mit aromatischer zitrischer Frische, welche die Sinne schärft und aufnahmebereit macht für das Kommende. Und was da kommt, und zwar schon gleich mit den zitischen Noten, sind reichhaltige, hypnotische Blüten. Alles, was man sich an weiblicher Anziehungskraft vorstellen mag - hier kommt es auf mich zu. Tiefgründig, distinguiert, ästhetisch durch den Raum gleitend, kaum fassbar, transparent und präsent.
Gut auszumachen sind unschuldiger Flieder, dunkel rauchiger Ylang-Ylang und satte, natürliche Rosen, die allesamt mit einem großen Selbstverständnis, mit ihrer natürlichen Autorität und ausgewogenen Fülle ihren voluminösen Mantel um mich legen und einhüllen, kraftvoll und achtsam zugleich. Die Welt ist schön, das Frausein ein Traum. Geborgenheit in den Sinnen, in anziehenden Tiefen, unergründlich und dennoch Halt gebend. Braucht es mehr im Leben? Für mich gerade nicht.
Diese Etappe des Duftweges nimmt sich Zeit zum Verwöhnen. Der Körper entspannt, die Seele geglättet in feiner, heller Cremigkeit. Das sinnliche Hoch- und Tief-Schweben findet allmählich Bodenkontakt, lässt sich nieder in hellen Samtmoosen, warm glänzenden Seidenharzen und lieblichen Gräsern. Die gelisteten Hölzer zeigen sich mir nur als ferner Anklang.
Und bei genauem Hinspüren landet der Duft nicht auf dem Boden, sondern vielmehr auf einer süß-ätherischen Wolke. Gebildet aus dem Atem von Mutter Erde, mit ihrem Begehren nach dem Fortleben ihrer vielartigen Kinder.
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Ganz lieben Dank für diese bezaubernde Duftprobe, liebe ElAttarine
10 Antworten



Kopfnote
Apfel
Bergamotte
rote Mandarine
Tomatenblatt
Zitronatzitrone
Herznote
Flieder
Ylang-Ylang
bulgarische Rose Absolue
Irisbutter
türkische Rose Absolue
Jasmin-Sambac
Möhrensamen
Basisnote
Moschus
Eichenmoos
Labdanum
Opoponax Absolue
Tonkabohne
Vetiver
Hölzer

JonasP1
Eggi37
Floyd
Schoeibksr
Yatagan






















