31.07.2025 - 06:19 Uhr

SebastianM
53 Rezensionen

SebastianM
Top Rezension
16
Ein bukolisches Bouquet
Dieses Parfüm hat offensichtlich ein Konzept, das viele Menschen erreicht. Der Duft wird mit existenziellen Erfahrungen wie Angst, Schmerz und Heilung verbunden. Mir geht das anders, ich versuche es einmal nüchterner mit einer kurzen, möglichst objektiven Einordnung.
Der Auftakt von Sanctuary ist grün, mit sanften, gedämpften Zitrusnoten und Anklängen an Lavendel und Kräuter. Dann kommt ein St.-Clair-typisches Blumenbouquet, auf jeden Fall mit Iris, auch Narzisse, vielleicht Rose - wie in einem ganz klassischen Damenparfüm. Ein wenig pudrig ist es, aber nicht staubig, und auch ein wenig herb: kein zuckriges Bouquet, sondern eher wie ein Vintage-Cologne auf Naturbasis.
Im Laufe der Zeit wird der Duft immer heuiger und wärmer. Leise Animalik taucht hier und da auf und gibt ihm ein bisschen angenehme, körperliche Substanz. Ich rieche vor allem Wachs und Honig, weiches Leder, trockenes Heu und einen Hauch von Harz. Ein dezenter Anklang von Tabak oder getrockneten Wiesenblumen kann dabei sein, aber das betrachte ich als Teil des Heus. Im ersten Viertel des Verlaufs macht sich außerdem eine gewisse Fruchtigkeit bemerkbar. Aber es sind keine klassischen Pfirsich- oder Pflaumentöne, sondern ein natürlich gärender, warm-fruchtiger Effekt. Auch das kennt man von anderen Parfüms, die diese Art von Heu-Honig-Kombination verwenden.
Zusammengefasst: Sanctuary ist ein herb-blumiges, heuig-warmes, honigsüßes, ein wenig altmodisches und dezent ländliches Parfüm. Es ist reichhaltig, aber nicht schwer. Der Duft ist leise und strahlt nur wenig ab, wirkt intim und zurückhaltend. Alles ist dicht verwoben und sehr schön.
Um Sanctuary in der Duftlandschaft zu positionieren, helfen vielleicht Bezüge zu anderen Parfüms. Mir sind eingefallen:
- Slowdive (Hiram Green) wegen des Frucht-Honig-Akkords, der an Trockenobst erinnert.
- Sables (Annick Goutal), auch wegen der Ahornsirup-Aprikosen-Note, aber vor allem wegen des trockenen Heus und Bienenwachses und der Rustikalität.
- Jicky (Guerlain) wegen der Kombination von Lavendel, Kräutern und einem warmem, leicht animalischem Unterbau. (Sanctuary fehlt die Vanillesüße und die glatte Politur von Jicky, sozusagen ein Jicky auf dem Bauernhof.)
- Dryad (Papillon) wegen des herben, grünen Narzissen-Akkordes. Aber auch St. Clair's eigenes Song of Aubrac kann hier Pate gestanden haben.
- Cuir de Russie (Chanel) wegen der Kombination aus Leder und floraler Note. Das Leder in Cuir de Russie ist allerdings weniger zart als in Sanctuary, und Sanctuary hat auch keine Aldehyde.
Die Summe Sables + Jicky + Dryad + eine Spur (aldehydfreiem) Cuir de Russie + ein Schuss extra Honig klingt viel chaotischer als Sanctuary wirklich ist. Trotzdem kann sie einem schon eine ganz gute Vorstellung von dessen Charakter geben. Ich mag Sanctuary sehr! Das sollte niemanden überraschen, denn ich bin als Fan von Diane natürlich voreingenommen.
Der Auftakt von Sanctuary ist grün, mit sanften, gedämpften Zitrusnoten und Anklängen an Lavendel und Kräuter. Dann kommt ein St.-Clair-typisches Blumenbouquet, auf jeden Fall mit Iris, auch Narzisse, vielleicht Rose - wie in einem ganz klassischen Damenparfüm. Ein wenig pudrig ist es, aber nicht staubig, und auch ein wenig herb: kein zuckriges Bouquet, sondern eher wie ein Vintage-Cologne auf Naturbasis.
Im Laufe der Zeit wird der Duft immer heuiger und wärmer. Leise Animalik taucht hier und da auf und gibt ihm ein bisschen angenehme, körperliche Substanz. Ich rieche vor allem Wachs und Honig, weiches Leder, trockenes Heu und einen Hauch von Harz. Ein dezenter Anklang von Tabak oder getrockneten Wiesenblumen kann dabei sein, aber das betrachte ich als Teil des Heus. Im ersten Viertel des Verlaufs macht sich außerdem eine gewisse Fruchtigkeit bemerkbar. Aber es sind keine klassischen Pfirsich- oder Pflaumentöne, sondern ein natürlich gärender, warm-fruchtiger Effekt. Auch das kennt man von anderen Parfüms, die diese Art von Heu-Honig-Kombination verwenden.
Zusammengefasst: Sanctuary ist ein herb-blumiges, heuig-warmes, honigsüßes, ein wenig altmodisches und dezent ländliches Parfüm. Es ist reichhaltig, aber nicht schwer. Der Duft ist leise und strahlt nur wenig ab, wirkt intim und zurückhaltend. Alles ist dicht verwoben und sehr schön.
Um Sanctuary in der Duftlandschaft zu positionieren, helfen vielleicht Bezüge zu anderen Parfüms. Mir sind eingefallen:
- Slowdive (Hiram Green) wegen des Frucht-Honig-Akkords, der an Trockenobst erinnert.
- Sables (Annick Goutal), auch wegen der Ahornsirup-Aprikosen-Note, aber vor allem wegen des trockenen Heus und Bienenwachses und der Rustikalität.
- Jicky (Guerlain) wegen der Kombination von Lavendel, Kräutern und einem warmem, leicht animalischem Unterbau. (Sanctuary fehlt die Vanillesüße und die glatte Politur von Jicky, sozusagen ein Jicky auf dem Bauernhof.)
- Dryad (Papillon) wegen des herben, grünen Narzissen-Akkordes. Aber auch St. Clair's eigenes Song of Aubrac kann hier Pate gestanden haben.
- Cuir de Russie (Chanel) wegen der Kombination aus Leder und floraler Note. Das Leder in Cuir de Russie ist allerdings weniger zart als in Sanctuary, und Sanctuary hat auch keine Aldehyde.
Die Summe Sables + Jicky + Dryad + eine Spur (aldehydfreiem) Cuir de Russie + ein Schuss extra Honig klingt viel chaotischer als Sanctuary wirklich ist. Trotzdem kann sie einem schon eine ganz gute Vorstellung von dessen Charakter geben. Ich mag Sanctuary sehr! Das sollte niemanden überraschen, denn ich bin als Fan von Diane natürlich voreingenommen.
20 Antworten