Du bist schon lange nicht mehr da.
Die Schatten der Vergangenheit werden blasser und der Verlust, der als Kind so übermächtig und groß war das es mir den Atem nahm, der ist etwas kleiner geworden.
Die Zeit heilt alle Wunden sagt man...das stimmt nur bedingt.
Du bist ganz oft bei mir und gehst nun schon so lange an meiner Seite.
Du hast meine Kindheit, meine Jugend und mein Erwachsenenleben verpasst.
Ich bin jetzt älter als du es je sein durftest und du kannst die Fältchen um meine Augen nicht sehen, die die Jahre mir schenkten.
Ich bin immer ganz nah bei dir, wenn ich in der Natur spazieren gehe, die du so sehr geliebt hast und die dir zum Verhängnis wurde.
Die Liebe zum Wald, zu den rauschenden Blättern, dem Duft der Tannen, dem klebrigen Harz, den moosbewachsenen Hölzern, musste ich erst wieder lernen.
Die Schönheit der Natur tut weh.
Und ich weiss wie es ist, wenn das fröhliche Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Grillen den Hals ganz eng machen.
Du hast die Wälder und Wiesen geliebt, die Eiche war dein liebster Baum und ich hebe Blätter und Eicheln auf, betrachte sie eine Weile und lege sie zurück.
Und dann sehe ich dieses Parfum...
for my father...für dich.
Ich habe es blind gekauft und erst im Nachhinein gesehen, dass auch Birke enthalten ist.
Das war ein kleiner ungläubiger Moment. Und dann kommt es bei mir an, ich sprühe den Duft auf meine Haut und irgendwie bist du mir gerade ganz nah.
Der Duft ist mir vertraut und ich rieche die Birke, das grüne Element, graue Steine auf trockenem Waldboden. Aber auch ganz viel Liebe, Wärme und Umarmung.
Etwas in die Jahre gekommenes, süssliches Rasierwasser kitzelt meine Nase.
Meine Gedanken ziehen weiter.
Es ist Herbst, die letzten Sonnenstrahlen blitzen durch die hohen, langsam kahl werdenden Blätterdächer und bunten Baumkronen, die trockenen Gräser wiegen sich im Wind und deine vertraute Stimme ruft mich in Gedanken zu sich.
Ich blinzle gegen die Sonne und versuche dich zu sehen, doch da ist, wie schon mein ganzes Leben lang, nichts als das bittere Rauschen der Blätter.
Dein Text ging mir gerade ebenfalls ganz nah. Denn ich weiß genau, was Du meinst, wenn Du davon schreibst, dass die Schönheit der Natur den Hals ganz eng machen kann. Ich habe das auch einmal erlebt, dass das Rauschen der Bäume an einem strahlend schönen Spätsommertag für mich einfach nur unendlich traurig klang. Und der Wald ist immer da - kann Dir aber nicht helfen. Aber vielleicht ist gerade das der Trost, dass etwas einfach immer nur da ist und Dich nicht verlässt, so wie es Menschen hin und wieder tun ...
Sehr berührend geschrieben. Bin ganz sprachlos. Was Düfte auslösen können, ist immer wieder bemerkenswert. Schön, dass der Duft bleiben darf und der bitteren Erinnerung auch Liebe und Wärme beimischt.
Eine Erinnerung die einfach da ist und auch da bleibt. Sie ist traurig, ja...aber die Erinnerungen kann man sich nicht aussuchen. Dieses Parfum empfinde ich als eine liebevolle ätherische Umarmung.
Den Duft hast Du gehen lassen, sehe ich.
Ein gutes Zeichen…
Danke, für die Zeilen