Ich bin ein Freund von dunkler oder auch ab und an von schwülstiger Animalik, wobei es hier die (ich nenne sie mal völlig wertfrei) Hau-Drauf-Animalik oder besser noch Fäkal-Animalik a la Hyrax oder Stercus gibt (die kann auch durchaus was für sich haben) oder aber die eher gefälligere oder auch kuscheligere Sorte a la Fortis oder Camel.
Ich schreibe dies vorweg, denn wahrscheinlich muss man bei Mriga schon eine kleine Vorliebe für wäldliche und animalische Düfte besitzen...
Schon Aran hat mit seiner grün-ätherischen Animalik einen für mich eher ungewöhnlichen und vielleicht sogar neuen Weg eingeschlagen. Mriga tut es ihm gleich. Auch dieser Duft begeht (zumindest für mich) nochmals neue Pfade, was den Bereich Animalik angeht. Beide Düften sind in ihrer Kombination der Inhaltsstoffe sowie in der Art und Weise wie das Thema Animalik umgesetzt wurde etwas einzigartiges.
Der Duft
*Nebelverhangen, glitzernd von einzelnen Sonnenstrahlen, die sich durch das fast undurchdringliche Blattwerk kämpfen ragen die riesigen Bäume in den Morgenhimmel empor.
Das Waldleben erwacht. Vogellaute und Knistern auf dem Waldboden, der Geruch von feuchtem Moos, Gräsern und Erde; der vertraute Geruch von Natur und Tier. *
Mriga eröffnet mit einem Schwall von Moschus; Tanne und Kraut. Hirschmoschus um genau zu sein. Begleitet wird das Ganze von einer kräuterig-zitrischen Note, in der das Zitrische so stark im Hintergrund bleibt, dass es kaum erwähnenswert ist aber irgendwie auch hervorragend hineinpasst und Kontrast gibt.
Der Auftakt wirkt als ob man im dichtesten Wald steht und, die zahlreichen Wald- Wiesen- und Tieraomen in sich aufnimmt und gleichzeitig ein Ricola Schweizer Kräuterzucker Bonbon lutscht.
Strange und gleichzeitig total schön.
*Zwischen dem knarzenden Geäst schiebt sich ein anmutiges Geweih hindurch. Gräser knistern, die Steine knacken bei jdem Schritt des anmutigen Geschöpfs. Ohrenbetäubend und betörend zugleich ertönt der Ruf des Waldkönigs. Die Äste vibrieren. Die Vögel schrecken auf und erheben sich flatternd in die Lüfte, hoch oben über den noch schwankenden Baumkronen.*
Hirschmoschus und Costuswurzel, im mittleren bis späteren Duftverlauf auch Zibet geben zwar nicht direkt den Ton an, tragen aber das Duftbild maßgeblich mit und tragen Sorge dafür, dass - dem Namen gerecht werdend - der gesamte Duft letztlich als animlisch-würzig-balsamisch-grün bezeichnet werden kann.
Zibet gibt Schärfe hinzu, die aber gut abgepuffert bzw. im Zaum gehalten wird. Hierfür sorgen die eher erdigen und wäldlichen Nuancen.
Blumen, insbesondere die Rose, blitzen hin und wieder durch, verschwinden aber auch genauso schnell wieder. Wie zwischendurch vom Wind vorbeigehweht.
Dafür kommt nun der Wermut (vermutlich auch das Labdanum) ins Spiel und verleiht dem ganzen Waldgeschehen eine kleine Schnapsnote.
*Beim entspannten Glas Wein, in derDämmerung sitzend auf dem Waldboden. Alles stimmt und alles ist irgendwie toll. Null Sorgen, null Verpflichtungen. Der Wald, die Tiere und ich. Und mein Glas Wein.*
Schluß
Mriga zeichnet sich durch ein eher dunkles Duftbild aus. Nicht destruktiv oder depressiv. Dunkel, einhüllend, für den passenden Kandidaten (mich) evtl. sogar etwas meditativ.
Mal erscheint das Duftbild kraftvoll und wärmend, mal beruhigend und kühlend.
Ich bin merklich fasziniert und kann guten Gewissens die 10 vergeben, denn für mich ist Mriga ist ein außerordentlicher Duft in jederlei Hinsicht.
Was für eine schrecklich verwirrende Bewertung! Vielleicht nächstes Mal ein bisschen weniger blumige Sprache und etwas mehr auf den Punkt, oder? Der Duft ist Kunst, aber die Bewertung sollte ziemlich eindeutig sein, was sie kommunizieren will!
Für mich darf es auch ruhig mal, wenn gut eingebaut, etwas fäkalisch- animalischer sein. Kann dem Träger etwas kraft- und würdevolles verleihen. Das scheint hier der Fall zu sein, danke für deinen tollen Kommentar! Waldkönig- Pokal!
Der Duft ist Kunst, aber die Bewertung sollte ziemlich eindeutig sein, was sie kommunizieren will!