Annenas

Annenas

Rezensionen
11 - 15 von 25
Spaziergang im botanischen Garten
Aqua Millefolia öffnet wundervoll zitrisch und frisch. Die Minze gibt der Verbene(Eisenkraut) einen leichten Kick und etwas, das sich für mich schon fast sauber/klinisch anfühlt. Keinerlei Synthetik aber ein frisch geputzter Duft. Das klingt für manche jetzt sicher abstoßend, ist aber angenehmer als die Klosteinassoziation vielleicht vermuten lässt.
Wer gerne im botanischen Garten, im Gewächshaus bei den Zitruspflanzen spazieren geht ist hier richtig. Feuchte Frische, leichte Nerolinoten, die auch durch das Gujakholz kommen können umwabern den Zitrusgeruch und machen ihn minimal tiefer und süßlicher. Dabei bleibt durchgehend die Frische erhalten, die Minze ist für mich jetzt stärker wahrnehmbar. Der Duft erinnert stark an ein gut gepflegtes Gewächshaus, in dem die Scheiben blitzen, alles gedeiht und ein emsiger Gärtner über die Wege huscht. Nach etwa drei Stunden ist nurnoch würziges Gujakholz mit einer leichten Zitrusnote wahrnehmbar und hinterlässt eine schöne, holzig-frische Aura.

Der Flakon ist gut verarbeitet, liegt schwer in der Hand und die Farbe des Duftes ist schlicht der Wahnsinn, dieses intensive Grün leuchtet fast schon Absinthfarben. Für mich ist dieser Duft ein wunderschön geradliniges Zitruscologne mit eindeutiger Jean-Claude Ellena Handschrift. Wer die Hermes Jardin Reihe an Düften mag, wird hier sicher auch glücklich. Die kurze Haltbarkeit stört mich eigentlich nicht wirklich, ist für einen zitrischen, frischen Duft aber gar nicht mal schlecht. Durchgehend hautnah ist Aqua Millefolia eindeutig als kleines Privatvergnügen gedacht, wie ein Spaziergang eben, bei dem die hübschen Pflanzen bestaunt, die Gerüche aufgesogen und danach wieder in den Alltag zurück getreten wird.
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In der ägyptischen Grabkammer
Papyrus ist hier wörtlich zu verstehen, mit allen Assoziationen zu ägyptischer Papierherstellung, Hieroglyphen, Wüstensand und geheimnisvoller Grabkammer. PM öffnet leicht muffig, feucht und mit unverkennbarer Papyrusnote. Leicht gewürzt durch Pfeffer und Koriander legt sich der Duft fast schon ölig auf die Haut und bleibt auch genau da: hautnah. Sillage ist kaum vorhanden, aber das stört eigentlich gar nicht, denn wer diesen Geruch gerne an sich hat, wird völlig glücklich damit sein, ihn für sich selbst zu haben.
Ich nehme ihn als feucht war, leicht muffiges Papyrus, erdig und doch irgendwo noch mit pudrigen, staubigen Untertönen. Wir sind hier nicht in einer lichten, hellen Bibliothek, die gar nach Moschus und Druckschwärze duftet. Oh nein, wir stehen mitten in einer ägyptischen Grabkammer. Die Feuchtigkeit perlt von den Steinen der Wände ab, von draußen weht ein trockener Wüstensandelholzwind, irgendwo in der Ecke wächst ein Büschel Koriander. Grabbeigaben sind uralte Papyri und Pfefferkörner. Tabak und Leder geben Tiefe, während die Tonkabohne einen leicht süßlich-modrigen Kontrast setzt.
Im Drydown verfliegt der Muff ein wenig, der Duft wird trockener und klarer, mehr Sand(elholz) und etwas weniger Würze. Und dann ist es ganz plötzlich vorbei. Wir treten aus der Grabkammer ins Licht und irgendwie ist der ganze Geruch einfach weg. Vielleicht noch ein Hauch Sand, ein leichtes Kratzen im Hals und Papyrus Moléculaire hat sich verflüchtigt wie eine Erinnerung an längst vergangene Kultur.
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Rauchige Gourmand Iris
Wer hätte gedacht, dass ich mal etwas positives über einen Irisduft zu sagen habe? Maison Crivelli überrascht mal wieder mit diesem grün-herben aber gleichzeitog gourmand-vanilligen Irismeisterwerk.
Ich habe diesen Duft Abends aufgetragen, draußen Regen, fast kalt aber eben doch nicht. Im Opening Iris (Irisbutter), aber nicht pudrig/staubig, sondern grün, feucht, erdig und leicht herb. Galbanum lässt grüßen.
Im Drydownbeginnt nach mehreren Stunden eine Entwicklung von herb-grün und feucht zu dunkler grourmand Vanille. Immer mit leicht harzigen Noten und einem gewissen Kuschelfaktor. Am nächsten Morgen bleiben ein Hauch Vanille und die Erinnerung an Iris
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Amberregen
Atmen lassen. Diesen Duft muss man atmen lassen.
Kaum aus der Packung (sehr hübsch mit wundervoller Haptik verpackt, wenn auch etwas zerdellt die Post überstanden) haut mich der Alkohol schier um. Hui, der Blindkauf ist ja mal richtig daneben gegangen, denke ich und überlege schon, den Duft wieder herunter zu waschen.
Der Flakon steht neben mir, schlicht, hübsch, handschmeichlerisch geformt und überraschend gut verarbeitet für die Preisklasse.
Dann, nach ein paar Minuten beginnt endlich etwas, etwas, das ich nicht erwartet habe. Fruchtige Noten, oder gar Orange kann ich nicht wahrnehmen, vielleicht nur ein Hauch von Zitrus, dafür von Beginn an Amber. Amber in jeder erdenklichen Facette. Erst etwas würzig, scharf durch den Pfeffer, dann immer holziger.
Dieser Duft macht einen phantastischen Verlauf durch, wo Anfangs nur Alkohol und Chaos wahrnehmbar sind legt sich jetzt cremig ein Gemisch aus Feige, grünlich, weich und Hölzern über die Haut, das sehr melancholisch, fast schon etwas "altmodisch" daherkommt.
Nicht altmodisch im Sinn von altbacken, aber doch irgendwie aus einer anderen Zeit. Eine Zeit, als Männerparfums nach Amber rochen und sich mir diese Note als unverkennbar maskuliner Stil eingebrannt hat. Jetzt erobere ich sie mir zurück. Amber und Feige zusammen wirken durchaus unisex, wenn nicht sogar leicht maskulin, aber immer spannend, immer leicht gepfeffert und tief. Die Feige gibt minimal fruchtige Noten bis zum Schluss. Patchouli spickelt immer wieder mal vorbei und erinnert an nassgeregnete Erde. Für mich hat dieser Duft etwas unglaublich melancholisches. Wie die ersten Herbsttage, an denen es noch warm ist, aber stürmt, immer wieder mal die Sonne hervorkommt und es durchgehend frisch und erdig riecht. Haltbarkeit und Sillage haben mich erstaunt, was sicher auch am Abroxan liegt (der Star aus Molecule 02). Dadurch wird er sich auch auf jeder Haut etwas anders entwickeln und bleibt für andere wahrnehmbar, wenn wir ihn schon nicht mehr riechen. Interessant.

Nachtrag: Auch wenn die Noten etwas auseinandergehen: Aber Fig an Cashmere ist definitiv aus der selben DNA wie Eau des Merveilles von Hèrmes. Im Opening ist AFC etwas kräftiger, etwas weniger vielschichtig und würzig, aber im Duftverlauf sind sie kaum noch zu unterscheiden. Well Played Jo Malone. Tatsächlich hält sich AFC länger, ist aber durch die Bank weg etwas geradliniger und changiert weniger zwischen unterschiedlichen Nuancen,ist weniger würzig. Wer sich mich Eau des Merveilles nicht ganz sicher ist oder nach einer günstigen Alternative sucht... probiert diesen Duft hier aus. Ich bin normalerweise immer auf der Seite der Originalität und Eau des Merveilles hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, aber die Qualität des Zara Dufts ist ziemlich beeindruckend für einen Bruchteil des Preises und durch leichte Aquatik auch eigenständig genug um gegen EdM zu bestehen.
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Annenas vor 4 Jahren 20 4
The one to rule them all oder doch nur überteuerte Sonnencreme?
Beginnen wir mit dem Flakon. Wunderschön verarbeitet, edel, elegant und hups... so teuer, dass ihn sich kein Mensch blind kaufen kann. Also eine Abfüllung her, danke an der Stelle an Parfumo, ohne euch könnte Ich ja nirgends meinen Senf dazugeben.
Neroli Outrenoir also, wunderschöner Name, noch schönerer Flakon. Für schlappe 210Euro bekommt man hier ein Guerlaingebräu, das mich von Grund auf verwirrt und begeistert. Wer zitrische Düfte liebt, aber an kalten Tagen etwas Wärme, Cremigkeit und Tiefe vermisst hat mit Neroli Outrenoir vielleicht den einen Duft gefunden, der alles bietet.

Im Opening zitrisch, frisch, fast schon saftig und fruchtig mit leicht grüner Herbe. Nach etwa fünf Minuten stellen sich erste würzige Teenoten ein, die dem Duft mehr Dimension verleihen. Nach etwa einer halben Stunde (auf meiner Haut) sind die zitrischen Akkorde verflogen, was für den typischen Zitrusduft normalerweise das Aus bedeutet. Nicht aber für NO. Er legt jetzt erst richtig los und eröffnet eine neue Phase, Dimension, Tiefe. Zu hellem Neroli (ohne Kopfschmerz) gesellen sich jetzt viel Tee,sanfter, eleganter Rauch und etwas cremiges, das meiner Meinung nach ein erster Anklang der Ambrettesamen ist. Angenehm weich, tief und warm, ohne die zitrischen Aspekte im Neroli zu verlieren. Bis hier hin ist NO der Eine. Der Zitrusduft, den ich auch das ganze Jahr über tragen würde, der eine, den ich behalten würde, wenn ich nur noch einen Duft im Leben haben dürfte.

Aber dann bricht die dritte Stunde an und ich bin irritiert. Immer wieder weht mir ein cremiger Geruch entgegen, eigentlich nicht schlecht, aber an irgendwas erinnert er mich doch. Als ich dann schließlich drauf komme lässt sich die Assoziation nicht mehr leugnen: Sonnencreme. Nicht unangenehm, immernoch schön, weich, warm, minimal würzig und ganz leicht ist der Tee noch mit dabei, aber unverkennbar (für mich): Sonnencreme. Was fange ich jetzt hiermit an? Der Duft bleibt ab diesem Punkt so, Tee und Neroli verabschieden sich irgendwann ganz, aber der Hauch von Cremigem Ambrettesamen mit Myrrhe bleibt mir den ganzen Tag erhalten. Nur der Sonnencremegedanke leider auch.

Guerlain verkauft Düfte, gut gemachte, in der L´Art et la Matière Reihe sogar Nischenparfums, die wirklich Tiefe haben, aber vorrangig verkauft diese Marke Prestige. Da kann die Flasche, das Schaustück dann auch schon mal über 200 Euro kosten, was zwar für Nischenparfums nicht ungewöhnlich ist, aber dann doch auch mit einer gewissen Erwartungshaltung einhergeht.

Ich erwarte von einem Nischenguerlain, dass er mich von den Socken haut. Und zwar durchgehend. NO schafft das zu zwei Dritteln, Opening und die ersten Tragestunden sind wunderschön. Wer Hermès Eau des Merveilles kennt: NO biegt an der Stelle ins Cremige ab, an der EdM holziger und synthetischer wird. Eigentlich sehr gelungen. Aber wenn Ich gegen Ende nicht die Einzige bin, die hier Sonnenmilch, günstiges Duschgel oder Pflegelotion riecht, möchte ich dann wirklich so viel Geld ausgeben?
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