AnosmiaAnosmias Parfumkommentare

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Anosmia vor 22 Monaten 22

Solider Duft fürs erste Date
Irgendwer hat hier Hypnotic Poison mal als perfekten Duft für einen Affären-Auftakt beschrieben, ich würde sagen dieser Pokal sollte eigentlich an Oud Satin Mood gehen. Und nicht zwingend nur für Affären, so eindeutig ist die Message hier nicht
Die Vorredner haben es ja schon gesagt: Exzentrische Experimente oder inspirierende Entwicklungen sollten hier nicht erwartet werden, meine Mutter, die sich bei einem Duft-Einkauf wahrscheinlich prima und nahezu blind mit Terra verstehen würde fand den "zwar schön", aber auch ziemlich langweilig und nicht sehr kreativ, ich glaube "zu rund" waren ihre genauen Worte.

Dafür gefällt er aber bisher ausnahmslos allen, das erste Kriterium eines guten Date-Dufts, denn Gewagteres wirkt zwar zweifelsohne charismatischer, kann aber auch spontan komplett abschrecken.
Bisher konnte niemand groß Noten raus riechen, mit Ausnahme der Vanille, um die alles herum orchestriert ist bzw ihr eine Richtung gibt - tief, nicht quietschig, vermutlich durch das Oud, das hier aber niemals durchdrückt. Also maximal kam "lecker Vanille", ansonsten nur mmmmh und oooohh.

Ein schwüler Pantydropper oder das, was gemeinhin darunter verstanden wird, ist Oud Satin Mood aber nicht. Auch eher angenehm-schön-kuschelig als erotisch. Und wenn erotisch, dann nicht laut. Keinesfalls schrill.

Diese wohlig für sich hinriechende abgedunkelte Süße kommt auch bei leichter Überdosierung nicht mit Totschläger-Sillage daher. Jedenfalls auf meiner Haut hat das Parfum einen ziemlich hautnahen Radius, vor allem nach der ersten halben Stunde.
Bei allerdings extrem langer Haltbarkeit. So wie sich 3 Wetter Taft angeblich von Wind, Regen und Sonne nie aus der Ruhe bringen lässt hält Oud Satin Mood Kneipenrauch, Regen und lange Nächte unbeschadet durch.
Er riecht noch nach dem Aufwachen und bleibt auch in den Kissen hängen.

Hat sich mittlerweile etabliert: Wenn dieser Duft aus meinem Zimmer wabert ruft irgendeiner aus meiner WG: "Du hast ein Date!"
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Anosmia vor 22 Monaten 14

Der Lucas-Trick
Ich dauerteste jetzt diverse Lucas-Parfums. Und gerade die in den völlig spacigen Flakons verfolgen eine - den Rückmeldungen zufolge - erstaunlich ähnliche Strategie: In der Auftaktphase, so eine Stunde lang ca, werden sie als ungewöhnlich, interessant, strange, schwierig, befremdlich und ab und zu auch mal eklig wahr genommen um dann, in der Basis nahezu massentauglich zu werden.
Düfte für Berliner Spätpubertierende also: Auf den ersten Blick völlig exzentrisch und überdreht zeigt sich nach dem Kennenlernen, dass die auch nur mit Wasser kochen aka auch nur auf der Suche nach jemanden sind, mit dem sie sich kuschelnd durchs Netflix-Angebot gucken können.

Im Fall von Qom Chillom heißt das: Auf einen Auftakt, den Leute wahlweise als aufregend zitrisch-holzig-würzig, Rote-Grütze-Kakophonie (vor allem, wenn man zuviel sprüht) oder (strange) rauchig-süßlich wahrnehmen folgt eine lange - wirklich lange, Haltbarkeit ist prima - Phase des dezent und angenehm vor sich hin Duftens.
Der Auftakt ist insofern speziell, als Leute in den Säure oder Süße reinlesen, je nach Nase, vielleicht auch je nachdem an welchen Zeitpunkt im Duftverlauf man sich befindet.
Der Rauch - wenn ihn Leute denn riechen - ist wohl auch kein knarzendes, trockenes Geräuchere, sondern eben eher dieser süßlich-fruchtig-würziger Rauch-Dampf, der aus einer Shisha quillt, woran der Duft einigen Werbetexten im Internet zufolge erinnern soll. Shisha ist ja auch nicht jedermans Geschmack, deshalb vielleicht bisweilen der Ekel.
Ich bin ein bisschen erstaunt, dass Latex hier als so prominente Duftnote gevotet wird, dass habe ich überhaupt noch nie gehört, dafür aber - vielleicht, weil das verlässlich fast jeder Mensch riechen kann - VANILLE, mal wieder.
Interessant ist , dass Qom Chilom sowohl Leuten gefällt, die hauptsächlich holzig-würzige Düfte ohne viel Süße mögen als auch Leuten, die sich vor allem für "essbare" Düfte begeistern.
Der Duft scheint von vorne bis hinten konsequent auf dem schmalen Grad zwischen süßlich-fruchtig und zitrisch-holzig-würzig zu balancieren.

Ich werde zu diesem Parfum das Bild nicht los, wie ein Pärchen aus dem KitKat wankt, irgendwann morgens um sieben - und nicht in Latexklamotten - die Nacht war aufregend, jetzt kuscheln sie in der U-Bahn und beschließen, noch schnell Brötchen vom Bäcker zu holen und dann endlich mal Game of Thrones weiter zu gucken.
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Anosmia vor 22 Monaten 17

Lufterfrischer?!
Geerbt habe ich den schon vor Jahren von meiner Mutter: Die mochte das Frucht-mit-Holz, stolperte aber regelmässig über eine Duftphase, die sie als "Apothekennote" beschrieb: bitter und störend. Nach dem 10. Gebrauch gab sie den Kampf auf und das Fläschchen wanderte noch randvoll zu mir. Jetzt ist es fast leer.

Und das kam so:
Das Konzept des Lufterfrischers, der schlechte Gerüche neutralisieren soll, ist ja nun eigentlich eher außerhalb des Parfum-Markts verbreitet.
Meine Oma pflegte zum Beispiel immer große Mengen "Glade" zu versprühen, wenn sie geraucht hatte - meistens abends, nachdem mein Opa nach 2 Tafeln Schokolade und getotterten Lamento über unfähige Politiker im Sesseln weggedöst und von ihr ins Bett geschickt worden war.
Meiner Mutter zufolge diente die Glade-Spüherei nur dazu, der Rauchnote noch ein aufdringliches Meeresbrisen- oder Blumen-Aroma hinzu zu fügen.
Auch sehr beliebt: Polster, Gardinen und Klamotten mit Febreeze bearbeiten.
Und, so hörte ich, das mit Abstand schauerlichste Produkt sind wohl diese Tannenbäumchen, die vor allem in den 90ern (den fiesen, absonderlichen, stilfeindlichen 90ern) in vielen Autos herumbaumelten - wohl einer dieser Fälle (so wurde mir berichtet), in denen es ganz fabelhaft ist, nicht riechen zu können.

Concentré d'Orange ist mein Sportduft. Und im Sommer auch Arbeitsduft. Nicht nur weil er herb-mackerig zitrisch-frisch riechen soll, sondern weil er immer(!) als Leuchtfackel des orangigen Wohlgeruchs in stinkenden Umgebungen gelobt wird.

Die besten Ergebnisse erzielt dieser Duft in Situationen, die mit Gestank einher gehen. Sport und Clubs morgens um sechs, zum Beispiel. Dann kann ich mir sicher sein, dass sich irgendwer erleichtert an meine Schulter hängt und einmal tief durchatmet. Beim Sport hat er mir einmal das Kompliment eingetragen: "Du bist die Einzige, die hier nicht stinkt, sondern duftet."
Bei mir hat sich deshalb das Bild durch gesetzt, dass das Orangenkonzentrat ein wirklich gut gemachter teurer Lufterfrischer ist. Ein Duft also, der mit Rauch, Schweiß und Biergeruch nicht ein widerliches Ganzes bildet, sondern tapfer kämpft, diese Gerüche zu vertreiben.

Und ich weiß immer noch nicht, wie er das eigentlich macht.

Über die "Apothekennote" habe ich übrigens nie wieder von jemanden Beschwerden gehört.
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Anosmia vor 24 Monaten 66

Eleganz ist ein Stahlbad
Ganz im Gegensatz zur Modelinie des Konzerns die durch Lagerfeld einen deutlichen Drall Richtung Punk bekommen und sich darüber beim jungen Publikum beliebt gemacht hat ist das No 5 wohl im Sinne der Erfinderin modernisiert wurden und hat seine klassische, elegante Anmutung behalten, so höre ich jedenfalls.
Als ich es neu hatte "teilte" ich es mir sozusagen mit einer Freundin und meiner Mutter und landauf, landab wurde das Eau schwärmerisch gepriesen: Blumig, frisch, pudrig, edel, elegant, klassisch, feminin, unvergleichlich, nicht zum satt riechen, geeignet für rund um die Uhr, das Büro, das erste Date, das Theater, ein fantastischer, nicht zu überbietender Duft.
Übrigens kamen diese Begeisterungsstürme fast ausschließlich von Frauen. Als würde er etwas verkörpern, was fast alle Frauen ausstrahlen wollen - Selbstsicherheit und Stilbewusstsein vermutlich.
Eau Premiere hatte bisweilen ganz merkwürdige Effekte auf die Trägerinnen: Meine Freundin zum Beispiel, bis dahin eher von der Lederjacken&Boots-Fraktion lief auf einmal mit Trenchcoat und schlichter heller Ledertasche herum und probierte sich in French Manicure. Und meine Mutter ließ sich von mir stapelweise schwarze Longsleeves mit eingesetzten weißen Hemdkragen und -manschetten nähen die immer mit Eau Premiere getragen werden mussten. Sicher trug der Name (CHANEL!) einiges zu diesem Sinneswandel bei, war aber durchaus nicht der ausschlaggebende Punkt.
Die ersten Unkenrufe kamen von den Typen, mit denen die Freundin und ich damals liiert waren. Die fanden den Duft altbacken, bieder, penetrant und absolut unsexy. Vermutlich war er ihnen zu parfümig, vielleicht störten sie auch die Aldehyde und die oft beschriebene Seifigkeit. Und ganz bestimmt störte sie, was dieser Duft ausdrückt. Eleganz und Understatement waren ihre Sache nicht und unter Erotik stellten sie sich Netzstrumpfhosen, Strapse, Röhrenjeans mit Boots oder Hotpants aber ganz sicher keine Seidenblusen und Trenchcoats vor.
Und dann passierte es:
Meine Mutter und meine Freundin waren das Eau Premiere quasi über Nacht leid: Sie konnten es nicht mehr ausstehen und fanden es anstrengend. Zeitgleich verschwanden die Nude-Nägel und der Hang zu ausgewählt eleganter Kleidung, die auch noch bis in die Nachtstunden zu Hause getragen werden mussten.
Was war nur passiert?

Formvollendete Eleganz ist etwas Wunderbares. Wann immer ich eine Frau sehe mit ganztags perfekt liegender Kurzhaarfrisur oder einem kunstvoll aufgesteckten Chignon, in einer perfekt blassblauen knitterfreien Seidenbluse die perfekt an der mindestens fast perfekten Figur fällt, dazu ein Bleistiftrock und ein lässig wehender Trenchcoat - nicht zu vergessen perfektes MakeUp und perfekt manikürte Fingernägel - dann bleibe ich stehen und staune und schwärme.
Eleganz als durchgängiger Lebensstil ist auch etwas ausgesprochen Seltenes. Ich finde man sieht ob sich jemand für ein Ereignis gestylt hat oder jeden Tag so unterwegs ist.
Und nicht zuletzt (Chanel sagte das mal so ähnlich) ist Eleganz etwas Zeitloses: Einzelne Accessoires mögen sich ändern, eine bestimmte Haltung, ein bestimmter Grundstil scheinen aber erhalten zu bleiben. Und so wurde aus No 5 das No 5 Eau Premiere.

ABER: Für mich selbst finde ich Eleganz ein Stahlbad und ich habe den Eindruck, dass ich damit nicht allein bin. Es gibt Mädchen, die bestehen als Kinder darauf ganz in weißer Spitze eingeschult zu werden, vergessen sich aber nach dem ersten Stück Kuchen und kommen abends - als hätten es alle Großen nicht geahnt - mit gerissener Strumpfhose, Matsch auf dem Kleid und Blättern in den Haaren zurück. Diese Mädchen wachsen dann möglichweise zu Frauen heran, die sich Trenchcoats und Eau Premiere zu legen um nach 3 Monaten fest zu stellen dass dieses Ensemble so gar nicht für ihren Alltag gemacht ist.
So wie dieser Duft Haltung verleiht, so verlangt er sie auch. Räuberprinzessinen ist er auf Dauer möglicherweise zuviel, auch wenn sie sich in seiner Selbstsicherheit und Bestimmtheit erstmal wieder finden.

Was - schlussendlich - aber gar nichts daran ändert dass hier ein ganz großes Parfum erfolgreich modernisiert wurde.
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Anosmia vor 4 Jahren 27

Leder oder nicht Leder, das ist hier die Frage
Als meine Mutter mir die Flasche andrehte, naja, anempfahl, schwor sie es handle sich hier um einen wild-animalischen superpräsenten ledrigen Kracherduft, der "hier bin ich" jubelt, nein kreischt. Aber: sie hatte ja auch den Leoparden auf der Flasche und das ultra-kitschige, absolut nicht postkoloniale Savannen-Werbefoto gesehen sowie sich die Ingredienzien erzählen lassen.
Ausserdem kannte sie den Namen.

Alle, die dem Duft ganz ohne Interpretationshinweise begegneten klangen eher so: Oh, Gewürze. Ganz schön alkoholisch, ist das vielleicht Rum? Hach, sehr angenehm. Schön. Schöne Creme hast du heute benutzt.
Doch, der ist interessant. Sehr interessant. Aber eher kerlig. Ziemlich herb. Aber, wirklich, der ist gut, der gefällt mir.

Keine Irritation.
kein überschwänglicher Jubel.
Keine Beladonna-Pupillen.

Und kein Mensch verlor je ein Wort über Leder.
Einer meiner Probanden, den ich dann verbal mit der, genau, Nase auf die Ledernote stossen wollte antwortete bloss: "Leder? Faxen!"
Aber vielleicht hat er sich sein Näschen für subtilere Ledernoten auch einfach versaut, jedes Wochenende eingeklemmt zwischen meterweise vollgeschwitztem Leder im derzeit angesagtesten Club der Welt.

Also ein durch und durch beliebter, von unglaublich vielen Leuten als "angenehm" (ist das das neue "nett"?) empfundener Duft mit ebenso angenehm körpernaher Sillage.
Dennoch: Wer angesichts des schicken Flakons denkt: "Oh, ich habe mich schon immer wie eine Wildkatze in Lederstrapsen auf Safari gefühlt, der hier ist meiner!" hängt sich mit einem Blindkauf möglicherweise ein bisschen zu weit aus dem Fenster.

Ich nenne ihn jetzt Kumpel und trage ihn immer wenn ich Männer davon ablenken will, dass ich eine Frau bin.
Das klappt hervorragend.
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