Layering: Kunstvolle Kreationen oder olfaktorisches Chaos?
In der Welt der Düfte hat sich in den letzten Monaten und Jahren ein Trend etabliert, der die traditionelle Nutzung von Düften auf ein neues, kreatives Level hebt - mit dem Layering. Hierbei geht es vielen darum, mehrere Düfte zu kombinieren, um eine ganz persönliche und unverwechselbare Duftkomposition zu schaffen. Nun, viele kennen mittlerweile einige coole Kombos und ja, manchmal riechen die schon ganz in Ordnung, aber was haltet ihr eigentlich davon?
Warum wird gelayert?
Die Gründe fürs Layering sind unzählig und individuell. Insofern wäre ich auch gespannt auf eure Meinungen und Beweggründe im Kommentarfeld :)
1) Kunst der Individualität
Aktuell streben ja viele nach Selbstverwirklichung und Individualität. Nie zuvor hat sich so eine breite Masse so intensiv mit Düften beschäftigt, und vielfach wird die "Norm" einem einfach zu simpel. Man will eine einzigartige Duftsignatur kreieren und so seiner eigenen Duft-Identität einen Feinschliff verleihen.
2) Kreativer Ausdruck der Experimentierfreude
Layering bietet eine endlose Spielwiese für kreative Parfumos. Verschiedene Duftfamilien - holzig, blumig, würzig, zitrisch etc. - können kombiniert werden um neue, überraschende Effekte zu erzielen. Dieses Experimentieren an sich kann für viele eine grosse Freude sein und eine Art künstlerische und sinnesfrohe Weise sich auszudrücken.
3) Mehrdimensionalität und Komplexität
Layering kann auch den Zweck erfüllen, durch die Kombinationen weitaus komplexere Kreationen mit mehr Tiefgang und Charakter herzustellen, das klassisch einfach gestaltete Parfüm hochwertiger erscheinen zu lassen, mehr dem eigenen Drang nach Komplexität zu entsprechen, neue Nuancen zu setzen innerhalb des Duftverlaufs.
Es gibt definitiv noch viele weitere Gründe, aber lasst uns mal auch anschauen, warum es vielleicht auch die Gegenseite geben kann, die weniger davon hält.
1) Risiko der Überladung
Ein grosses Risiko ist, dass teilweise einfach vieles überladen wird und übertrieben unharmonisch wirkt. Düfte können unter Umständen - auch wenn auf dem Papier die Duftnoten eventuell passen könnten - komplett anders in der Interaktion reagieren, weniger ansprechend, zu mühsam für die Nase.
2) Komplexität der Duftchemie
Nicht alles passt automatisch zu allem. Manche Noten vertragen sich einfach schlecht und können einander sogar neutralisieren, sodass die Wirkung der Parfums im Endeffekt komplett untergeht oder unschön wirkt im Gesamtkonstrukt. Wenn man zum Beispiel frische Düfte mit Oud und Patchouli mischt, kann - wenn das Duftkonzept nicht in einem Duft durchdacht ist, sondern einfach nur gelayered - es sein, dass die Zitrik komplett untergeht und/oder nicht seine Wirkung erzielt.
3) Verlust Originalität einzelner Düfte
Viele Düften sind ja schon Meisterwerke für sich und ich persönlich finde es teilweise wirklich challenging, so schöne Düfte zu mixen und deren einzigartige DNA sowas von zu zerstören. Oft verliert man durch das Layering die Kontrolle über den Duftverlauf, was initial gut riechen kann, kann sich im Drydown wirklich schlecht entwickeln. Natürlich gibt es auch Molecule Düfte, die zum Layern gemacht sind, insofern gibt es einen guten Markt dafür.
Nun ja, es gibt sicher auch noch ganz viele andere Gründe "gegen das Layering", aber die könnt ihr ja gerne noch zum Ausdruck bringen :)
Insgesamt kann Layering sehr viel Spielraum für Kreativität und olfaktorische Freiheit bringen, gleichzeitig auch einige Düfte "entwerten" wenn falsch gemacht.
Nun würde mich aber persönlich interessieren:
1) Was haltet ihr vom Layering? Pro/Con
2) Welche Kombos findet ihr genial?
3) Welche Düfte eignen sich besonders in welcher Kombination?
4) Layert ihr Düfte mit "Molecule-Düften" oder auch komplette eigenständige Kreationen?
Danke für eure Meinungen!


Cimi

Dann habe ich versucht, einen Lederduft mit einem Vanilleduft zu layern, um ihn süßer bzw. sanfter zu machen. Auch diese Abfüllung habe ich entsorgt und merke mir jetzt: An einem fertigen Duft pansche ich selbst nicht mehr herum. Entweder er gefällt mir wie er ist oder eben nicht (aber dann kaufe ich den Duft auch nicht).
B) Konsumenten getriebenes Layering: Mehr Synthetik als notwendig, da jedes Layer-Parfum seine Booster und Fixiermittel mitbringt, die auch einmal reichen würden. Und ein leichteres Vergehen in Richtung Respekt gegenüber dem Parfumeur.
Unabhängig davon 😀, meine Lieblingskombo: Asad Zanzibar mit Qaed Al Fursan.
Aber das soll jeder gern machen wie er möchte!
Bewusstes Layering anzustreben, mag ich nich so; Parfüms sind immerhin Ergebnisse durchdachter „Rezepte“, also nix, wo ich als Laie was dazu panschen will. Ein Schlüsselerlebnis war für mich, als ich Cuir Intense mal mit e i n e m Tropfen Ylang Ylang ergänzte - sofort war das Ganze alles doof.
Dabei ist der Ylang Ylang in Cuir Intense ausgeprägt.
D a hab ich gemerkt, dass das Gesamtkunstwerk in Wirklichkeit nur das Ergebnis sorgfältigen Dosierens beim Duftdesignen ist. Irgendwer hats hier doch schonmal auf den Punkt gebracht: Layern ist meistens, als würde man zwei Musikstücke gleichzeitig spielen. - Was einigermaßen funktioniert, ist manchmal der „Staffellaufeffekt“: Wenn man einen passenden Duft auf den ausklingenden (!) DD des vorherigen Duftes sprüht. Das ist toll für wechselhafte Tage ^^
Dem gibt es nichts hinzuzufügen😊
Meiner Erfahrung nach kochen die meisten Männer strikt der Reihe nach, exakt vorportioniert gemäß des Rezeptes und sind bassentsetzt, wenn wir Frauen eher nach Gefühl kochen und gerne hie & da etwas verfeinern ...