FabianOFabianOs Parfumkommentare

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22.07.2019 10:39 Uhr
10 Auszeichnungen
Ja, die Louis-Vuitton-Düfte scheinen mein Fall zu sein. Nachdem ich von dem feinen, in seiner grün-grasig-frischen Machart besonderen "Sur la Route" schon eine zweite Abfüllung gekauft hatte, überzeugt mich nun auch dieser "Gewitter"-Duft.

Es gelingt Cavallier-Belletrud, eine recht schwebende, grüne, regenwaldartige, feuchtkühle(nde) Atmosphäre zu erschaffen, die im Gegensatz zu vielen anderen, eher drückend-schweren Vetiver-Parfums sehr lässig daherkommt (und darin übrigens dem "Sur la Route" durchaus ähnelt).

Etwas zitrisch-lebhafte Bergamotte, viel Vetiver und ein wenig pudrig-florale Iris ergeben ein sommertaugliches, unaufdringliches, zwischen feuchtem Gras und nassen Steinen changierendes Aroma, das nach hinten heraus durch eine Idee Patchouli dezent erdige Nuancen verliehen bekommt.

Insgesamt stimmig und rund, darf gerne neben meinem anderen Vuitton-Röhrchen im Schrank verweilen. :-)


16.07.2019 12:05 Uhr
7 Auszeichnungen
Nein, ich weiß ja, ich kann in den meisten Fällen auf Tom Ford nicht. Die Einsicht habe ich ja schon länger. Vieles so aufgepumpt, so amerikanisch überfrachtet, ohne die Lässigkeit französischer oder italienischer Düfte, wenngleich Herr Ford sich meist namentlich Regionen dieser Länder bei seinen Duftbenennungen bedient.

Hier dachte ich aber zumindest, dass es am Ende doch etwas Lebensfroh-Mediterranes hätte werden können. Man muss aber wohl doch das "Venezianisch" im Sinne von Manns "Tod in Venedig" oder - wie loewenherz unten erwähnt - die "Trauer tragenden Gondeln" verstehen.

Ja, die namengebende Bergamotte ist ein schlechter Scherz. Exakt - ich habe auf die Uhr geschaut - 17 Sekunden hält bei mir nach dem Aufsprühen ein freudiges zitrisches Vergnügen, einladend, mediterran, sommerlich.

Und dann - bääääng!!! Aus und vorbei. Ein leider krampfhaft aufdringliche Blumen-Komposition aus Gardenie, Ylang Ylang und Magnolie tritt dermaßen affektiert und narzisstisch in den Vordergrund, dass es wehtut. Damit meine ich gar nicht, dass der Luft laut wäre- im Vergleich zu anderen Schrei-"Hi! Everything fine, guys!!!"-Fords ist dieser durchaus fein geraten, bestenfalls etwas lauter als eine Sonnenmilch.

Und da kommt dann der Bogenschlag zu meinem Titel. Eine Sonnenmilch, zusammengesetzt aus diesen aufdringlich duftenden Blumen, die eher Trauerflor als Hochzeitsgesteck sind, kühl, etwas dumpf, untermalt von (leider) etwas hartnäckigem Pepperwood (TM!), das einen milchigen Synthetik-Schleier darunterwebt.

Nein, ich kann damit nichts anfangen - vielleicht hat speziell die Damenwelt da einen etwas anderen Blick drauf - aber unisex nehme ich ihn auch nicht wahr, sondern eher deutlich feminin. Leider kein Foto von mir. Wirklich nicht.


14.07.2019 17:02 Uhr
11 Auszeichnungen
Ja, wenn ein Duft hier schon mal unter 5.0 Punkte schafft. Dann habe ich, der hier ja immer etwas den Ruf von zu viel Strenge 'genießt' , wahrscheinlich richtig was zum Wüten. :-)

Kurz und gut - ich finde schon die 'normalen' Diesel-Fäuste schrecklich unangenehm und synthetisch.

Hier wird zusätzlich noch mit Zuckerheißkleber gearbeitet.
Künstlich süße Äppel, ein bizarrer Lakritz Touch, irgendwie auch Zuckerwatte, gepaart mit etwas Mineralik.

Nichts harmoniert, nichts passt zueinander. Gosse. Nicht Straße.


18.05.2019 16:16 Uhr
16 Auszeichnungen
Liegt es an meinem sich verändert habenden Geschmacksstil der letzten beiden Jahre oder an einer etwaigen Überarbeitung des Dufts im Rahmen der Flakon-Umstellung?

Jüngst fuhr ich mit dem Zug zurück nach Hause, war vorher auf einer tollen Weinmesse in Hamburg (Chianti Classico) und vertrieb mir am Bahnhof die Zeit mit Douglas. Da ich mittlerweile weitgehend drauf verzichte, überhaupt noch Mainstream-Neuheiten zu testen und lieber bereits bewertetete Mittelfeld-Düfte (so zwischen 5.0 und 7.0) neuen Checks unterziehe, stolperte ich über "Guerlain Homme".

Und was soll ich sagen? Die Rückfahrt wurde olfaktorisch wider Erwarten ganz interessant - tatsächlich gefiel er mir erheblich besser als in meinem Kommentar von 2014, wo ich in als etwas einfallsloses, süßholzig-grasig-minziges Wässerchen abtat.

Doch, er ist schon ein Angenehmer, der eher beim zweiten Hinschnüffeln eine doch recht klar umrandete charakterliche Feinheit zeigt. Quasi ein lässiger, karibisch angehauchter Vetiver-Duft, der gut ins Frühjahr passt.
Mittlerweile bin ich nicht mehr so für Vetiver, oft zu grün, zu schwer, zu grasig-erdig, schlicht anstrengend - hier aber ist Guerlain in Kombination mit der Minze, der Limette und einem Mikrohauch Rum ein äußerst hübsches, lebhaft zitrisch-grünes Parfum, das subtil mit grasigen und süßholzigen Aromen unterschichtet.

Gute Ausdauer, bürotaugliche Sillage, nette Beschwingtheit.


16.05.2019 23:06 Uhr
9 Auszeichnungen
Unten stehen Lobeshymnen über Schwärmereien, wohin das Auge schaut. Und - ja! In der Tat ist dieser Durga durch die Bank weg faszinierend.

Schon beim Aufsprühen verführt einen ein sehr erlesener, feiner Schwall von Edelvanille, die aber eben anders als gewöhnlich daherkommt. Wohl eben irgendwie getreidig, dabei extrem beruhigend, behütend.

Dazu gesellt sich ein tatsächlich extrem komplexer, fein verwobener Mix aus einer nicht zu süßen Birne, eben etwas erlesen Mild-Kräuterigem (wohl die Kamille) und einem Hauch von toastiger Vanille, wie ich oben schon schrieb.

Das Ganze ist einfach extrem schön verschachtelt, erinnert an einen dekonstruierten 'Dior Homme' mit völlig neuer Akzentsetzung bei gleichem Anspruch, Wohligkeit zu generieren.

Ich hoffe, dass der 'Eingestellt' - Status oben ein schlechter Witz sein soll.


15.05.2019 16:09 Uhr
10 Auszeichnungen
Joa, der haut schon rein. Mein erster Jovoy-Duft und gleich so ein Aromen-Wummser. Womöglich auch nur etwas zu sonnig heute, denn "Les Jeux sont Faits" packt auf jeden Fall sehr herbstlich-wärmende Aromen auf den Tisch.

Über allem wabern zu Beginn die Trockenfrüchte, Feigen, Datteln - dank der leicht bitterherben Angelika und dem etwas pflanzlich-vertrockneten Tabakblatt abgefangen und nuanciert. Keine stumpfe Gourmand-Bombe jedenfalls.

Aber auch der Rum haut ordentlich dazwischen und insofern sind die unten stehenden Karibik-Hemingway-Kneipen-Bukowski-Bezüge nicht von der Hand zu weisen. Voluminös, etwas schwadenartig, immer das Süßliche tangierend, dabei erkennbar maskulin in seinem würzig-patchouli-holzartigen Anstrich.

Da entstehen schon Bilder im Kopf, ich denke auch an diesen (leider nur einmal gesehenen) Humphrey-Bogart-Klassiker "Gangster in Key Largo", mit schwül-dampfendem Tropensturm und sich verschanzenden Schwaz-Weiß-Bösewichten.

Ausdauernd, üppig, dabei ziemlich ausgewogen. Einen Test allemal wert.


11.05.2019 14:40 Uhr
17 Auszeichnungen
Durchgerutscht. Obwohl schon 12 Jahre alt, ist dieser Creed mir bislang irgendwie nicht aufgefallen und stieß mir jüngst erst durch die monströs hohen Bewertungen hier beim Rumscrollen auf.

Was soll ich sagen? Eine Bürde, direkt nach Catch22 einen Kommi zu schreiben (was wir beide schon öfter hatten). Man muss dann immer einen Haufen Chat-Scherben zusammenfegen und ich fühle mich da manchmal wie der "Relativator" :-)

Kurz und gut - ich kann den Punkte-Hype hier auch nicht verstehen, würde mich aber hüten, ein Teeren und Federn zu praktizieren. Ohne Frage - der Name des Dufts lässt ein marketingkluges Kopfkino ablaufen, wobei ja allein das Wörtchen "Virgin" den ein oder anderen Gesellen hier sicher hibbelig gemacht haben dürfte.

Das Ganze mit "Island" kombiniert, und schon sind wir bei Roland Kaisers "Santa Maria". Triefend kitschiger Schlager, den ich aber - ich gestehe es - in Kindertagen ohrwurmartig aufgedrängt bekam und der seidem immer wieder im Kopf eine herrliche Klischee-Atmosphäre konstruiert und zum Mitsingen verführt.

Zieht man diese ganzen Paradies-Jungfrauen-weiße-Strände-Lustmolchereien mal ab, bleibt bei diesem Creed ein kurzweiliger, erfrischend-netter, zwischen Zitrus und milder Kokosnuss changierender Sommerduft übrig. Nicht mehr, nicht weniger. Nicht sehr ausgeklügelt, wenig Tiefe, eine furchtbare Haltbarkeit und triste Sillage. Und dennoch ein anständig zu riechender Bursche für die Hundstage und drumherum.

Sein heillos vieles Geld fraglos nicht wert, in meinem Schrank steht ein halbes Dutzend ideal frischer Sommerdüfte herum; aber wer eben gerne noch die Kokosnuss dazuhätte und sein Konto prall gefüllt, der möge sich ein Fläschchen gönnen und dazu vielleicht mal "Santa Maria" anspielen oder "Conquest of Paradise" oder auch "Eldorado", dann wären wir auch musikalisch auf den richtigen Klischee-Breitengraden.



10.05.2019 10:34 Uhr
13 Auszeichnungen
2013 schrieb ich zu "Bois du Portugal" bereits einen etwas schmälernden Kommentar, kam auf zu viel "altväterlich süßliche Holzigkeit" zu sprechen, tat mich mit dem Creed-Klassiker durchaus schwer. Bei einer Neuvorlage nun, aus einem definitiv frischen Flakon, muss ich den damaligen Eindruck erkennbar relativieren.
(Vielleicht liegt es bei Creed auch manchmal schlicht an der etwas mangelhaften Haltbarkeit ihrer Düfte, bei mir bekommen sie nach 3-4 Jahren spätestens oft so eine leichte Ermüdungserscheinung, um nicht gar von Schalheit zu sprechen.)

Nun, das "portugiesische Holz" sagt mit mittlerweile doch durchaus zu. Vielleicht liegt es auch an meinen 6 Jahren mehr Reifung, aber im Portfolio der Marke besetzt dieser Duft doch eine erkennbare Daseinsberechtigung.
Im Auftakt vielleicht immer noch etwas speziell, was wohl am intensiven Lavendel liegen mag, der sich in Kombi mit dem Zedernholz und dem bereits sich etwas mineralisch-balsamisch durchwühlenden Ambra etwas zuspitzt.

Nach 5 Minuten ist aber alles durchaus wohl austariert, der Lavendel ein wenig gezähmt, und das, was ich damals als "altväterlich" bezeichnet hatte, würde ich nun eher mit einer sehr behaglichen, fast umarmend wohlig-holzigen Atmosphäre beschreiben. Daran merkt man dann doch einmal mehr, wie leicht per se neutrale Begriffe sich stimmungsmäßig aufladen mögen bzw. wie stark das eigene Grundbefinden alles Äußere (auch verfälschend) vereinnahmt.

Nach rund 20 Minuten ist "Bois du Portugal" in seiner Herzphase angekommen, für mich der besten bei diesem Duft.
Die Ambra hat sich kuschelig ausgebreitet, das Holz grundiert maskulin-würzig, Lavendel steht erkennbar, aber weich und mild-ätherisch im Hintergrund und der Duft wird von einer ausgewogen warmerdigen, beruhigenden Aura getragen. Ich muss es eingestehen. :-)


08.05.2019 18:16 Uhr
22 Auszeichnungen
1957

1957 - Chanel

9.0
Interessant, dass nahezu 90% der "1957"-Besitzer Damen sind. Der neue Edel-Chanel ist als unisex lanciert und wenngleich er in seiner bildhübschen, schwebend-edlen Machart fraglos viele weibliche Erdbewohnerinnen in Verzückung versetzen dürfte, kann ich durchaus sagen, dass ich ihn auch im Männergebrauch als absolut ideal geeignet empfinde.

Generell ist zu sagen, dass - ich schließe mich den vielen VorrednerInnen an - Chanel mit "1957" ein wunderbar positiver, leichtfüßiger, wirklich ur-französischer Duft gelungen ist, der eben gerade aufgrund seiner Harmonie und Austariertheit ideal an der Schnittstelle zwischen Mann und Frau ansetzt und in seiner sehr naturbelassen wirkenden Sauberkeit, Frische, Eleganz fast ein wenig den Charakter eines sehr edlen Körpersprays hat.

Dezentes Neroli, fluffig-frische Bergamotte, sehr understatementmäßige Honigtupfer ab der Mittelphase, generell eine Mischung aus seidig, etwas seifig, pudrig, mit einem sehr positiven, relaxten Grundstil. Heller Moschus grundiert das Ganze noch etwas.

Absolute Kauf-/Testempfehlung für beide Geschlechter und seinen etwas gehobenen Preis gerechtfertigt. Kunstvoll.


19.03.2019 10:40 Uhr
8 Auszeichnungen
Man macht wahrlich seltenst etwas falsch, wenn man aufs Guerlainsche Pferdchen setzt, und die "Bois"-Reihe enthält so manches schöne, einfach ästhetisch zu nennende Werk.

Das "armenische Holz" ist wieder einer dieser charismatischen Herbst-/Winterdüfte, die in Richtung etwas festerer Umarmung gehen. Anfangs durchaus etwas forsch in der Kombi Weihrauch/Koriander/Guajakholz, entfaltet sich schrittweise ein sehr cremig umrandeter Grundton von eleganter Holzigkeit, welche fast etwas verpudert daherschreitet, feierlich, wenn nicht gar festlich wirkt, und der man am ehesten noch vorwerfen könnte, sie ließe etwas Alltagstauglichkeit vermissen.

Daran mag etwas das brasilianische Kopaivabalsam Schuld sein, das verschiedenen Quellen zufolge als sehr "speziell" (bitter) beschrieben wird und das hier durchaus einen durchaus eigenwilligen Unterton beistiftet, den man als etwas durchdringend herb bezeichnen könnte. Ohne Frage, Guerlain hat das Ganze im Gesamtbetracht gut integriert, aber zu 100% überzeugen kann mich das diesmal nicht.

Interessant gemacht, ohne mich diesmal aber in Gänze gefangennehmen zu können.


1 - 10 von 977