FabianOFabianOs Parfumkommentare

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21.12.2019 12:53 Uhr
13 Auszeichnungen
Ich mag diese etwas subtilen Düfte. Gerade auch, nachdem ich heute Morgen a) in der Supermarktschlange und b) in der Bäckerschlange gleich zweimal von zwei(!) Männern olfaktorisch über Gebühr mit dampfenden Schwaden von-...wollt ihr raten oder ist es doch zu simpel?!..- ja, mit Diors "Sauvage" malträtiert worden bin.

Yves Saint Laurents "Grain de Poudre" fällt angenehm mittellagig, harmonisch, erfreulich frühlingshaft frischgrün aus. Salbei ist deutlich erkennbar, flankiert von zitrisch-weicher Bergamotte, untermalt von leicht unterkühltem Veilchen und grundiert von einem sehr feinen Hauch Wildleder, das erheblich subtiler eingesetzt wurde als etwa in "Tuscan Leather" oder anderen Schwergewichten.

Anzug-leger, würde ich sagen, leicht offenes Hemd, herumflanieredn an einem der ersten wärmeren Tage des Jahres, vielleicht im April, vielleicht in Paris. Wo einem dann gleich wieder der hübsch melancholische Jazz-Klassiker "April in Paris" von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald einfällt, den man schon so lange nicht mehr gehört hat, dessen klangvoller Name einem aber immer wieder im Hinterkopf herumwandelt.

Genug Bögen geschlagen - was ich einfach sagen will: YSL ist hier ein feiner, runder Allrounder gelungen, der Subtilität ausstrahlt, ohne ins Banale zu driften. Das wünschte ich mir mal von "Sauvage"....


21.12.2019 12:32 Uhr
10 Auszeichnungen
Ja, ich habe im letzten Jahr (erschreckend) wenig kommentiert und auch getestet, weil mir viele Neue einfach außer dem Gefühl, nur noch wiederholt Vergleichbares, Ähnliches oder gar Identisches zu riechen, nichts geben.

Der noch sehr junge "Moustache", eine extrem abgewandelte und modernisierte Variante des etwas stacheligen 1949er-Zitroners, gehört zu den 5-6 interessantesten und angenehmsten Düften dieses zuende gehenden Jahres (wenngleich er schon Ende 2018 erschienen ist).

In seiner Dichte und seinem Schwelgertum erinnert dieser Rochas mich durchaus an oben genannten Guerlain-Klassiker und an Tom Fords "Noir". Ein wenig fruchtig durch eine wirklich angenehm runde, harmonische, fast cremige, unbittere Mandarine, auch floral mit deutlicher Rose, die schön wächsern und auch pudrig von Benzoe gerahmt wird.

Wenngleich "Habit Rouge" und "Noir" andere Aromenpaletten verwenden, ist den dreien gemein, dass sie etwas leicht Aristokratisches, fast Dekadentes ausstrahlen, ohne dabei jedoch die Wucht oder Penetranz so manch eines drückenden Orientalen zu besitzen.

Haltbarkeit top,Sillage durchaus selbstbewusst. Schon einer für die Festtage...


15.12.2019 17:06 Uhr
14 Auszeichnungen
Ja, ich hatte den allerersten 'Bleu' damals gleich bei Erscheinen und er gehörte zu der Gruppe meiner Flakons, die niemals leer wurden, weil er mir nach etwa der Hälfte über war. Erst angefixt durch den coolen nachtblauschwarzen Behälter, dann alsbald vom doch für Chanel-Verhältnisse (und die sind für mich dank 'Antaeus', 'Egoiste' und 'Monsieur' wahrhaft monolithisch!) mauen säuerlich - synthetisch-klirrenden Inhalt abgetörnt.

Das hier war nun eine Probe in der neuesten Ausgabe der 'Zeit' und im Vergleich stelle ich fest, ist das noch recht junge 'Parfum' wohl gar der beste der blöden Bleus.

Redundanter, ohne die stechende Grapefruit, irgendwie harmonischer. Kühl, leicht mineralisch, auch etwas synthetisch, aber zugleich unaufdringlich, etwas holzig mit duschgelreinigender Ummantelung.

Durchaus wie seine Vorfahren etwas cybermäßig, am Ende auch meilenweit hinter meinen oben genannten Favoriten, aber doch wohltuend lässig im Vergleich etwa zum aktuellen Dior-Hass-Objekt meines Lebens, dem überall penetrant um die Ohren geprügelt bekommenden 'Sauvage'.


26.09.2019 16:49 Uhr
6 Auszeichnungen
Ja, ein Vollgourmand, wie er in keine Low-carb-Ernährung zu integrieren wäre. ????

Vanille pur, allerdings keine so schöne und echte wie bei Guerlain, eher eine, die mich in Möbelhäusern bei den Gläsern mit den rausragenden Holzstäbchen zur Raumbeduftung 'terrorisiert'.

Karamell dabei, mineralisch unterschichtet, mittendrin eine irgendwie helle, unpassende, sehr synthetische Aromatik. Unentschlossen, unterschwellig gar etwas säuerlich.

Es gibt bessere, runder, wertigere, kuscheliger, erlesener, stimmiger Gourmands, wahrhaftig.


26.09.2019 16:28 Uhr
5 Auszeichnungen
Was nicht heißen soll, dass ich das Gebräu mit unter 18 gut gefunden hätte. Aber ich vermute, es geht in Richtung dieser Zielgruppe.

Kommentar eigentlich Zeitverschwendung, daher aus ökonomischen Gründen ohne Verben.

Duschkabinenflair, Laborobst, vornehmlich Johannisbeere. Seicht, indes nervig in seiner drahtigen Mücken-Stichigkeit in der Nase.
Aquatisch nach hinten raus, wässrig, synthetisch zuvorderst. Weg damit!


24.09.2019 11:50 Uhr
5 Auszeichnungen
Die Hexe aus den alten russischen Märchen also. Der Flakon(-mantel) ist schon mal ein schöner Hingucker, im Badezimmer fraglos ein Blickfang.

Im Auftakt peitscht es einem gleich kräftig durch die Nüstern. Viel Pfeffer, noch mehr Gewürznelke lassen einen grübeln, ob man versehentlich gerade in den Gewürzschrank geniest hat. Muskat knüppelt noch obendrauf.

Man muss schon ein paar (mehr) Minuten warten, bis die Hexe sich etwas beruhigt. Immerhin arbeitet (Bitter)-orange dagegen an, auch ein wohlwollend milder, beinahe seifiger Mittellagen-Ton versucht es mit einer zumindest halbherzigen Umarmung.

Zimt und Leder kommen später ebenfalls noch zum Tragen und nach rund 20 min. hat sich das Weiblein im russischen Hain etwas eingekriegt und wird zweifelsohne kein Gastgeber, der etwa bei AirBnB aufgrund seiner Herzlichkeit dick weiterempfohlen werden kann, bei dem man aber zumindest nicht vor Langeweile stirbt wie auf einem dieser Ich-steh-schon-mal-wie-alle-3-Stunden-sonst-auch-in-der-Buffetschlange-an-Kreuzfahrtschiffe.

"Baba Yaga" und ich werden sicher keine Freunde, dafür ist der Duft mir zu speziell, zu nelke-/pfeffer-lastig, aber Ausstrahlung und Individualität, das hat er, das muss man ihm lassen.



24.09.2019 11:18 Uhr
6 Auszeichnungen
Das Wort "Wald" versuche ich ab JETZT zu vermeiden, weil es unten gefühlte 133-mal zur Charakterisierung von "Monsieur" gebraucht wurde. Ich lese was von ultragrüner Variante von "Jubilation XXV", und an der Stelle wäre es doch mal interessant einzusetzen.

Es ist mein erster Guillaume-Duft und man liest doch extrem viel Mittelmäßiges über ihn hier bei Parfumo, wobei fraglos dieser "Monsieur" herauszustechen scheint.

Nun, ich kann verstehen, was mit dem Querverweis zum "Jubilation" gemeint ist. Wenngleich ein völlig anderer Aromenstil, ähnelt der "Körper" (um sich der Weinsprache zu bedienen) jenem Amouage. Die Arme ausbreitend, "auslüftend", ohne im Inneren zu dichtgedrängt zu sein.

Indes: Mir sagt- und da muss ich dann an "Encre Noire" denken - die aromatische Sättigung durch Vetiver (oder vielmehr leider das häufig gebrauchte, nervig-planare und immer etwas plastikartig raumgreifende Vetiverylacetat), Weihrauch, Moos und Papyrus nicht so ganz zu, sind die Bausteine doch in ihrer recht plakativen Ausbreitung recht rasch (über)sättigend, irgendwie auch ermüdend.

Viel Raum für freie Assoziationen besteht jedenfalls nicht, man wird mit doch recht großer Gewalt gezwungen, mit seiner Nase im Erdreich der Natur herumzuschnüffeln und mit Tannenzweigen gibt´s noch einen hinten drauf...
Etwas bedrängend und nach hinten raus auch zu eindimensional, möchte ich meinen.


24.09.2019 10:33 Uhr
2 Auszeichnungen
Wahrlich, das ist "Chypre" pur, wie ich es schon länger nicht unter der Nase hatte.

Der "Gamekeeper", recht interessant im Flachmann mit Skelett-Biker abgefüllt und direkt bei Bud Parfums in Australien zu bestellen (100 ml ca. 75 Euro), setzt stilistisch in richtig alten Zeiten an, als Hemden noch offen getragen und Brusthaare rausluken durften (okay, David Hasselhoff macht das mit fast 70 auch noch immer exakt so, aber der ist ja auch retro-cool...:) )

Eine zunächst fast verschütt gehende Orangenblüte, eher zitrustönig im Vordergrund, flankiert von reichlich Labdanum/Eichenmoos-Gemisch, in der Tiefe etwas Cologne-Artiges, gepaart mit guten alten Rasierwässerchen aus den 70er-Jahren, verströmt entsprechendes Flair.

Grün, sauber, etwas eingeseift, dabei aber fraglos grün, kernig, leicht bitter, klar, redundant, in allem zugleich ausdrucksstark und nicht die Spur von nervig (Ja, Diors "Sauvage", hör genau zu! DICH meine ich!) :-)

Gute Haltbarkeit, klare Kante, ausgewogen, maskulin, erfrischend und zugleich beruhigend. Howard Javis hat da eine wirklich schöne Retro-Kreation geschaffen.


24.09.2019 10:20 Uhr
4 Auszeichnungen
Kaffee und Vetiver? Da war doch was... Ja, Diors "Vetiver" mag hier als Vorbild gedient haben; ich habe jenen aber nach anfänglicher Begeisterung ("Vetiver und Kaffee!!:-)") rasch zum Teufel gejagt, weil er mir zu drückend, zu prägnant, zu geschlossen war.

Eight & Bob geht etwas sportiver an die Sache, ein bisschen mehr light-gemäß, was zum einen am eher ungesüßten Kaffee liegen mag, zum anderen an der Akzentverschiebung zur Tonkabohne.

Nun, ich muss feststellen: War ich vor ein paar Jahren zusehends von Oud genervt und zuletzt von Iso-E-Super und Cashmeran, beiße ich mir aktuell an Tonkabohne die Zähne aus. Mich nervt sie, schlicht gesprochen, in ihrer oft breiigen, karamellig-seichten, konturlosen Art und sie schafft es, noch jeden interessanten, auch kantigen Duft mit Profilpotential kaputtzuglätten und seicht zu schleifen.

So auch hier. Das Vetiver und der eher dunkle Kaffee halten zwar eine Zeitlang ganz gut dagegen, aber nach einer halben Stunde übernimmt die Tonka immer mehr die Regie und überführt die hübsche Ausgangsnote in ein etwas diffuses Mischmasch. Immer noch solide und in der Grundausrichtung ganz angenehm herbstlich, aber auch ein wenig austauschbar. Okay.


24.09.2019 09:55 Uhr
3 Auszeichnungen
Bogners frühere Werke. Das fiel mir beim ersten Schnuppern von "Luce" (100 ml - 172 Euro) spontan ein. Irgendwie auch "Background" von Jil Sander, wobei das vor allem für den Auftakt gilt.

Auf eine merkwürdig anachronistische Weise erinnert der Fusciuni in seiner Machart zunächst etwas an früher 1990er-Jahre-Düfte wie oben genannte. Liegt es womöglich am üppig eingesetzen Benzoe, das ja damals auch ein Idealstandard war?

"Luce" gehört jedenfalls - das zeigt der Verlauf - zu eher sparsam einzusetzenden Düften. Recht rasch werden Birke, Patchouli und Tabak einnehmend und der unten im Statement stehende Bezug zum Kräuterwald und alten Riten ist nicht von der Hand zu weisen. Da kommt dann auch die Wende, weg von den eher aufgeschlossenen 90er-Jahre-Düften hin zu einer deutlich packenderen, verwobeneren Machart und Textur.

Vor allem Patchouli und Birke sowie später eine mineralisch-balsamische Ambra sorgen für ein etwas harziges, leicht petroleumartiges, holziges, herbstlich-waldiges Sammelsurium an Eindrücken, das irgendwo zwischen "noch tragbar" und "Konzept-/Kunstduft" changiert, wobei "Luce" aufgrund seiner eher cremig zu nennenden Grundierung recht weich wirkt, wenngleich die Aromen an sich würzig geraten sind.

Mir - ehrlich gesagt - etwas zu üppig im Mittelteil, für Patchoulifans aber sicher eine Bereicherung.


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