Habit Rouge Rouge Privé 2023

Habit Rouge Rouge Privé von Guerlain
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8.2 / 10 173 Bewertungen
Ein neues und limitiertes Parfum von Guerlain für Herren, erschienen im Jahr 2023. Der Duft ist ledrig-zitrisch. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird von LVMH vermarktet.
Aussprache Limitierte Edition
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Duftrichtung

Ledrig
Zitrus
Würzig
Pudrig
Süß

Duftnoten

LederLeder BergamotteBergamotte VanilleVanille PatchouliPatchouli

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.2173 Bewertungen
Haltbarkeit
8.2156 Bewertungen
Sillage
7.8155 Bewertungen
Flakon
8.5161 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.9136 Bewertungen
Eingetragen von TheBladi11, letzte Aktualisierung am 12.06.2024.

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Leder 6
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Rezensionen

11 ausführliche Duftbeschreibungen
7
Preis
7
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
Ponticus

63 Rezensionen
Ponticus
Ponticus
Top Rezension 64  
Im Haus der roter Brüder
Natürlich ist wieder mal nicht aufgeräumt, Junggesellenwirtschft eben und der Geruch ist auch nicht vom Feinsten. Kein Wunder, wenn soviel maskulines Potential aufeinander hockt und alt neben jung ungezügelt nebeneinanderher duftet. Die vier anwesenden Brüder in ihren roten Jäckchen stört dies aber wenig, denn ein jeder lebt seinen eigenen Traum von einem eleganten, kultivierten und weltmännischen Träger oder gar einer Trägerin mit denen es galt ins Leben zu treten und die Welt zu erobern. Dennoch erhielt die derzeitige Parfümeurin, Madame Delphine Jelk, volle Aufmerksamkeit, als sie eintrat, um sich nach dem Befinden ihres neuesten Sprößlings, Habit Rouge Rouge Privé, zu erkundigen.

Im Haus der roten Brüder herscht ein rauer Ton vor und so blaffte der Älteste, der Altstar Habit Rouge EdT, dem Neuen ginge es bestens und er hätte es sich neben ihrem letzten, kleinen „Stinker" dem Habit Rouge L'Instinct recht bequem gemacht. L'Instinct zog sich daraufhin beleidigt in seine Ecke zurück. Madame Jelk rollte vorwurfsvoll mit den Augen und fragte, war das jetzt nötig? Wohl wissend, daß von allen 20 roten Brüdern, die jemals hier wohnten, der L'Instinct die schlechtesten Bewertungen von allen erhalten hatte. Also, fragte sie erneut, was ist nun mit dem neuen Rouge Privé, wie macht er sich?

Der Alte, das EdT, räusperte sich erneut. Ich habe hier in den letzten, fast 60 Jahren alle roten Brüder kommen und gehen sehen, einige sind schon tot, andere verschollen oder verbannt. Ab und an taucht mal einer fern der Heimat wieder auf, um auch gleich wieder zu verschwinden. Um ihren derzeitiger Schützling, den Rouge Privé brauchen sie sich aber nicht zu sorgen. Dieser dralle Wonneproppen ist voller Saft und Kraft und gebärdet sich recht ungestüm. Das imponiert nicht nur mir.

Herb, frisch und zitrisch startet er los mit einer gewaltigen Willkommenspräsenz von vollreifen, prallen Bergamottefrüchten. Deren ölige Zesten der aromatischen Schalen begrüßen uns dabei kraftvoll spritzig mit einer feinsäuerlichen und bitterschaligen Fruchtaromatik. Es ist ein Fest der Sinne für Liebhaber kräftiger Zitrusaromen und hat ein wenig von „mit der Tür ins Haus fallen“, aber leise anklopfen war noch nie eine Stärke der roten Brüder.

Da lege ich gleich noch einen nach, meldet sich der ungestüme Racker Rouge Privé selbst zu Wort. Die üppige Präsenz der Bergamotte verbirgt gerade zu Beginn meine opulente dunkle Ledernote, die, nachdem sich alle an der reichhaltigen Zitrik satt gerochen haben, nach ca. einer Stunde die Führung übernimmt. Es ist ein markantes, warmes Leder mit den rauen, charakteristischen Facetten von neuem, ungebrauchten Wildleder, dabei aber weich, samtig und anschmiegsam wie feinstes Nubukleder. Dieser angenehme und robuste Ledergeruch bestimmt nun über ein paar Stunden das Geschehen, wobei im Hintergrund die Bergamotte präsent bleibt. Mit den Stunden wird das Leder dann immer schwächer und ein Hauch, wirklich nur ein zarter Hauch einer dunklen Vanille durchdringt die bis zum Schluss anwesende schalige Zitrik der Bergamotte.

Ja, mit der Vanille haben sie, Madame Jelk, beim Rouge Privé tüchtig gespart, warf die Ikone Habit Rouge EdP ein. Wir, die erfolgreichen roten Brüder, stehen in der Gunst unserer Träger für den dynamischer Dreiklang von bitterer Zitrik, samtigem Leder und aromatisch süßlicher Vanille. Dafür lieben die Kunden uns und halten uns seit Jahren die Treue. Warum der so hoffnungsvoll startende Rouge Privé von ihnen hintenraus so abgewürgt wurde, bleibt uns ein Rätsel. Dennoch ist er unser Bruder mit seiner außergewöhnlich intensiven, bitterschaligen Eröffnung, der anschließenden angenehmen, kräftigen und gehaltvollen Ledernote und dem Anflug einer aromatischen Vanille. Leider verausgabt er sich zu Beginn recht stürmisch, so daß ihm, schneller als uns, die Puste ausgeht. Madame Jelk ficht dies alles nicht an, aber wer weiß schon, unter welchen Zwängen sie selbst steht?

Ich persönlich halte Rouge Privé für einen sehr guten Duft, schon komponiert nach Vorlage des alten Habit Rouge um auch den Namen zu rechtfertigen und dennoch eigenständig. Im direkten Vergleich würde ich aber immer zum Habit Rouge EdT oder EdP greifen. Diese sind ausgewogener, komplexer, duften grandios, haben eine etwas besser H/S, ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhältnis und sind sogar im direkten Preisvergleich wesentlich günstiger. Das bestärkt mich weiter in meiner Einschätzung, Habit Rouge EdT/EdP sind absolut großartige, imposante und einzigartige Düfte!

Lieben Dank für die Begleitung zu dieser Neuentwicklung aus alten, bewährten Duftgefilden!
53 Antworten
6
Preis
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
6
Duft
Axiomatic

105 Rezensionen
Axiomatic
Axiomatic
Top Rezension 38  
Eine Traumsequenz
Die rote Reiterjacke bekommt heuer zum 58. Geburtstag ein recht strenges Geschenk.
Limitiert ist diese Auflage, wohlwissend, dass ihre Machart durchaus anecken wird.
Bewahrheitet es sich etwa, dass es darauf ankommt, auf welcher Seite der Peitsche man steht?

Zisch!

Die sogenannte Guerlinade zeugt ja von hochwertigen Ausgangsstoffen und einem für das Haus typischen Hintergrundakkord.
In der Kopfnote begrüßt mich eine sehr markante Bergamotte, qualitativ einwandfrei gewiss, aber etwas gewöhnungsbedürftig.
Frisch gepflückt wird diese bittere Zitrusfrucht alsbald gerieben, ihrer Schale entweichen noch stärkere Aromen. Monothematisch.
Dazu gesellen sich wesentlich später und sehr bescheiden die typischen Begleiter in Form von Ethylvanillin und dieses Mal nur geisterhafter Iris - das sonst so vertraute Pudrige ist hier nicht mehr vorhanden, zumindest nicht direkt riechbar.

Die Vorgabe wurde also erfüllt, die Guerlinade umhüllt mich.
Aber ich habe es mit einer äußerst spartanischen Guerlinade zu tun, welche hauptsächlich Bergamotte offeriert.
Als Anhänger guter Zitrusdüfte sollte mich diese Dufteröffnung eigentlich begeistern. Mir jagt aber ein sonderbarer, kalter Schauder den Rücken runter. Einer dermaßen strengen und egozentrischen Bergamotte bin ich selten wenn überhaupt begegnet.
Sie wird den größten Teil des Duftverlaufs begleiten und ihren Wesenskern nicht ändern.
Ihr Geruch verletzt sehr subtil meine Nasenschleimhaut.

Doch meine Abrichtung läßt sich Zeit, die Session hat gerade begonnen und man tastet die physischen Grenzen behutsam ab.

Ab hier empfehle ich von Clock DVA das Stück The Sonology of Sex 1.

Irgendetwas Dunkles wabert im Hintergrund. Ebenfalls streng betrachtet es das Präludium.
Doch ich spüre bisher nun den kühlen Hauch der Bergamotte.
Sonderbare Kerzen lodern grünlich, ihre Flammen paradox kühl.
Man hat vom Schloss des Marquis in Lacoste nur noch die Ruinen übrig gelassen, die Einrichtung aber global einsetzbar gerettet.
Elegant schwarzgebeizte (Patchouli) Louis XV Fauteuils sind mit Leder bezogen.
Gebieterisch setzt sich die Bergamotte auf den erhabensten dieser Sessel und überlässt nun dem dunklen Meister das Feld. Sie wird aber stets alles im Blick behalten.
Alles verläuft sehr ruhig und gemächlich ab. Man hat es nicht eilig, Zeit soll keine Rolle spielen.

Ich rieche die Ledermontur des stillen Beobachters. Schwarz, gut gegerbt, etwas rau und weich zugleich - wieder ein Widerspruch. Kein zusätzlicher Duftstoff wird mir den Verarbeitungsprozess des Leders verstellen.
Hier holte man sich Inspirationen des Hauses Memo in Paris. Deren Leder riecht meist sehr ähnlich.
Mir kommen Bilder traditioneller Gerbereien in den Sinn. Die Häute werden mit verschiedenen Substanzen, darunter auch Fischöle, behandelt. Nicht stechend, aber unverkennbar markant. (Kleiner Hinweis: es riecht NICHT nach Fischöl, sondern nach Gerberei.)
Das, was ich unter die Nase bekomme, wurde noch nicht verkaufsfertig gelagert. Es verströmt noch den restlichen Gerbvorgang. Wildleder riecht ähnlich.

Das Safeword wird Vanille sein.
Es hält den drohenden Peitschenhieb an.

Ich bin inmitten eines Spannungsdreiecks im Kreis gefangen.
Bergamotte, Leder und Vanille beäugen sich misstrauisch, wollen keinen Deut ihrer Macht abgeben.
Ihr Akkord ist fordernd, etwas unverständlich und starr.
Einzig das Patchouli versucht hier zu vermitteln und sucht die jeweiligen Eckpunkte auf.

Und nun empfehle Clock DVA The Sonology of Sex 2.

Patchouli umtänzelt mich, färbt die Bergamotte bitterer, das Leder bestimmender, die Vanille ambrierter.
Dieser Viererakkord braucht seine Zeit, um begriffen zu werden. Seine Gegensätze wollen sich nicht fügen.

Und dennoch erschließt sich mir hier ein Machtspiel.
Rebellieren und Strafen.
Zuckerbrot und Peitsche.

Da ich keine Animalik verspüre, wird die rote Reiterjacke sich mit der Reitpeitsche wohl nicht in den Stallungen ein aufmüpfiges Gegenüber aussuchen, nein, das Spiel wird in wohliger Umgebung ausgetragen. Eine vertraut verkehrte Eleganz besitzt der Duft ja.

Unheimlich? Etwas.
Fordernd? Gewiss.
Überzeugend? Im Nachhinein ja, aber kein Muss.

Das Tragen des Duftes erzeugt bei mir das Gefühl einer gespannten Saite. Man läuft Gefahr der Überspannung und folgerichtig des Reißens.
Doch der Duft behält gerade noch diese Balance.
Der resultierende Ton gleicht fast dem eines mit Wasser gefülltem Glases.
Man ahnt das Zerbrechliche bei einer zu starken Drehung des Fingers um den angefeuchteten Rand, das Glas könnte die Schwingungen nicht aushalten und einen Riss bekommen.

Gegen Ende wird der Duft versöhnlicher, die Basis streichelt mit ambriertem Patchouli. Und dennoch kann man einen synthetischen Beigeschmack ausmachen. Das Wort mit X hat hier auch Einzug gehalten, aber es ist perfekt verbaut und überhaupt nicht störend.

Die Flakonfarbe passt prima zum Duft. Dieses dunkle Rot verströmt eine Aura des Verborgenen, eines Gemütszustands.
Gediegen unheilvoll.
Und erhaben machtvoll.

Vielleicht hat sich Delphine Jelk, die Schöpferin dieser Habit Rouge Variante, von einer Filmszene inspirieren lassen.

Das ursprüngliche Habit Rouge wurde 1965 eingeführt. Zwei Jahre später, 1967, kam der Film Belle de Jour von Luis Buñuel in die Kinos.
Die surrealistische innere Reise einer wohlhabenden und gelangweilten Séverine (Catherine Deneuve) bringt uns Einblicke in ihr Verlangen, welches alle Regeln der gesitteten bourgeoisen Übereinkunft bricht.

In einer Traumsequenz erlebt sie eine Züchtigung sondergleichen. Sie trägt ein rotes Kleid, während sie von zwei Kutschern in dunklen Reiterjacken ausgepeitscht wird.

Eine treffliche Inspirationsquelle meine ich.

Ich bin mir sicher, dass Habit Rouge Rouge Privé ein Nasenrümpfen bei den Anhängern des Originals auslösen wird.
Hier hat man völlig auf Gartennelke, Rose, Hölzer und subtileren Noten verzichtet.
Recht minimalistisch und fast schon karg wird hier ein Spannungsakkord geschaffen, welcher sicherlich für Gesprächsstoff sorgen wird.

Zum Glück habe ich alles nur geträumt.
28 Antworten
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Taurus

1062 Rezensionen
Taurus
Taurus
Top Rezension 24  
Doppelt Rot mit extra Leder
Nach der Schmach von L´Instinct, dachte ich schon, dass Guerlain die Habit Rouge Reihe nicht mehr ernst nehmen würde. Einige sagen, es ist nicht nur der miserabelste HR, sondern sogar der misslungenste Duft, den das Traditionshaus Guerlain überhaupt hervorgebracht hat.

Quo Vadis Habit Rouge? Quo Vadis Guerlain?

Das Release von Habit Rouge Rouge Privé machte Neugierig und Mut, doch anscheinend polarisiert dieser Flanker. Wenn der wieder daneben geht, könnte man für den Rouge Rot sehen und für Guerlain Schwarz. Doch so viel lässt sich an dieser Stelle schon verraten: ich bin wieder versöhnt. Was hier Delphine Jelk hervorgezaubert hat, ist eine erstklassige Wiedergutmachung ... zumindest für mich.

Hatte der l´Instinct m. E. so gut wie nichts mit dem Original gemeinsam, so werden hier die typischen HR Eckpfeiler besonders hervorgehoben: die Zitrone brizzelt energisch, als gebe es kein Morgen. Das Pudrige macht ebenfalls keine Gefangenen und verbindet sich kongenial mit den zitrischen Elementen, wie es sich für Habit Rouge gehört und mit wirklich keinem anderen Duft auch nur annähernd vergleichen lässt.
Das Leder schleicht sich dann langsam von hinten an. Im Original eher marginal verarbeitet, hier jedoch in voller bzw. in derber Pracht, ohne das feine Gesamtbild zu erschüttern.

Von Patchouli nehme ich irgendwie nichts wahr, aber die Vanille meldet sich weitaus später und gleicht mehr oder weniger als Kontrakpunkt das Leder aus. Die sich daraus ergebene Symbiose aus allen Zutaten, die Habit Rouge ausmachen, ist quasi eine moderne, beinahe nischenartige und durchaus berechtigte Version. Sie kann und soll das Original nicht ersetzen, ist aber ein absolut willkommener Flanker, der das synthetische L´Instinct vergessen lässt.

Wer Leder in Düften bzw. insbesondere in seinem Habit Rouge nicht mag, der sollte über eine Blindbestellung doppelt nachdenken.
27 Antworten
9
Preis
10
Flakon
8
Haltbarkeit
9
Duft
Chanelle

747 Rezensionen
Chanelle
Chanelle
Top Rezension 19  
So muß ein moderner Habit Rouge riechen...
...dann können wir über HR L'Instinct getrost das rote Mäntelchen des Schweigens ausbreiten.
Ich war super gespannt auf den neuen, noch röteren Habit Rouge, nachdem die ersten Stimmen dazu schon überwiegend in's Schwärmen geraten waren. Mit dem gottgleichen, aber extinkten Extrait wurde er verglichen, mit dem ebenso schmerzlich vermissten UR-Habit brachte man ihn schon in Verbindung, die auf eine Rückkehr des perfekten, aber gourmandigen HR Dress Code hoffenden jedoch waren nicht so zufrieden.
Ich sehe ihn als ziemlichen Volltreffer an. So wie die Millesime-Shalimars der letzten 2 Jahre ist auch der männliche Gegenpart dazu bestens geeignet, eine Fangemeinde um sich zu scharen. Hörte ich limitierter Flanker? Dann aber bunkern, wer ihn kennen und lieben gelernt hat.
Der erste Aufschlag, der Eindruck der ersten Minute ist schon einmal sehr ansprechend. Natürlich bin ich als Weib nicht der potentiell wichtige Käuferkreis für den Duft, es sei denn, ich möchte ihn an einem Herren meiner Wahl oft und gerne wahrnehmen, denn der letzte Herrenduft, den ich selbst benutzt habe, und zwar eine ganze Flasche davon, war Fahrenheit in den späten 80ern.
HRRP verführt mit einer würzigen, aber pudrig-sauberen Kopfnote, die mir sehr gefällt. Es blitzen zitrische Einflüsse auf, zum Glück aber nasenschmeichlerisch weich und nicht pieksig. Der Duft gewinnt an Fahrt und an Leder. Butterweiches, warmes, edles Würzleder mit einer leicht süßlichen Irisbutter (?). Jedenfalls schön -und eher das Gegenteil der Brachialleder,die ich in letzter Zeit gerochen habe. Edel, aber nicht zahm.
Patchouli gibt dem ganzen ein langes Leben und ein wenig Erdnähe.
Die Haltbarkeit ist sehr gut, Preis/Leistung auch absolut im Rahmen.
Toller Flacon, wertig und edel.
What's not to love?
12 Antworten
6
Preis
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
5
Duft
ChrisG86

13 Rezensionen
ChrisG86
ChrisG86
Sehr hilfreiche Rezension 13  
Ist der Reiter zum zweiten Mal vom Pferd gefallen?
Liebe Leser, allem voran möchte ich mich als großen Habit Rouge Fan bekennen. Ich besitze sowohl eine aktuelle Version des EDT als auch eine Version vor der Reformulierung. Daneben haben das EdP und sogar das EdC Platz in meiner Sammlung gefunden. Dankenswerterweise habe ich auch noch eine Abfüllung vom Extrait erhalten, die ich wie einen Schatz hüte, da er leider nicht mehr zu haben ist. Nicht zu weit gehe ich also, wenn ich mich als Bewunderer bezeichne. Er zählt zu meinen absoluten Favoriten.

Der Habit Rouge schreibt seit 1965 Erfolgsgeschichte. Aber nicht nur das Original, sondern auch viele der Flanker, die seit des Ur-Habit Rouge rausgebracht wurden, sind gut angekommen.
2022 war jedoch ein düsteres Jahr für die meisten Habit Rouge Fans. Der Jelk‘sche L’INSTINKT folterte das Volk. Voller Erwartungen war ich, als ich von dem Release las. Vielleicht intensiver? Möglicherweise stärker? Vielleicht eine längere Haltbarkeit? Das waren meine Erwartungen. Naja, wie die meisten Leute hier im Forum, habe auch ich gesehen wie der Reiter im roten Frack unter der Führung der neuen Trainerin Jelk erstmals vom Pferd gestürzt ist. Eine völlige Fehlinterpretation des schönen Klassikers. Allerdings verzeiht man einem so erfahrenen Sportler schnell seinen Fauxpas. Denn einmal ist keinmal. Er stieg 2023 sofort wieder aufs Pferd und erschien im neuen dunkelroten Gewand. Wow, dachte ich. Was kommt da? Es kann nur besser werden als letztes Jahr…,oder?

Nun, einer meiner Grundprinzipien ist es, mich nicht oder zumindest nicht lange mit schlechten oder negativen Dingen auseinanderzusetzen, weil dadurch Zeit für die schönen Dinge verloren geht.
Daher nehme ich mir auch grundsätzlich keine Zeit Rezensionen über Parfums zu verfassen, die ich nicht mag. Es reichen kurze Statements, die ich eher für mich selbst als Erinnerungsstütze betrachte, für den Fall, dass ich jenen Duft nochmal in den Händen halten sollte.
Beim HR Prive muss ich allerdings meine Luft rauslassen, denn ich bewege mich am Rande der Verzweiflung. Ich werde also im Folgenden eine Ausnahme machen und von meinen Prinzipien abweichen. Aber bevor ich mit Tränen gefüllten Augen Kopfnüsse auf den neuen HR Prive niederhageln lasse, muss ich zuvor dem werten Leser erklären, wie ich den originalen HR verstehe.

Immer wenn ich das Original HR auftrage, begebe ich mich auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Alles beginnt irgendwann im achtzehnten Jahrhundert. Ich sehe gepuderte Männer und Frauen in Barock-Kleidung vor mir, die mich durch imposante Schlösser und hübsche Schlossgärten führen. Finde mich dann wieder mitten im rosigen Glanze und Überschwang in einem Paris oder New York in den Roaring Twenties wieder. Frauen in Charleston Kleidern und Herren in feinen Anzügen und Black Ties feiern mit mir ausgelassen im Cotton Club oder im Moulin Rouge. Wieder ein Zeitsprung: Diesmal in die wilden Siebziger. Der charmante Sean Connery schüttelt mir die Hand. Wir plaudern etwas über seine Rolle in dem kürzlich in den Kinos erschienenen James Bond jagt Dr. No. Er verzeiht mir meine bescheidenen Englischkenntnisse. Bye Sean.
Schließlich endet meine Reise wieder in der Gegenwart. Vor mir mein Computer an dem ich gerade arbeite, ein Kaffee zur Linken und ein Gefühl der Glückseligkeit, das ich als Andenken von meiner kleinen Zeitreise mitgebracht habe.

Selten hat mich ein Parfum so gefesselt und mitgerissen, mich an die Hand genommen und mir ein gutes Gefühl gegeben. Mich nostalgisch und gar romantisch werden lassen. HR ist wie ein Foto von einem Ort an dem ich nie war oder einer vergangenen Zeit in der ich nie gelebt habe, aber gerne kennenlernen möchte. Er entschleunigt. Ist ein Refugium aus der hektischen Gegenwart. Womöglich ein Fremdweh-Gefühl? (Nein, kein Black Afgano Extrait de Parfum geraucht)

In Woody Allens Film „Midnight in Paris“ wird ein ähnliches wie das oben beschriebene Phänomen gezeigt: Der Protagonist, ein Autor, lebt im 21. Jahrhundert, liebt aber die romantischen Zwanziger und die Schriftsteller aus dieser Zeit und begibt sich auf mysteriöse Weise regelmäßig um Mitternacht auf Reisen in ein Paris der zwanziger Jahre. Er ist der irren Überzeugung, dass eine andere Zeit, in der er jedoch nie gelebt hat - in dem Fall die Zwanziger - besser ist als seine eigene. Im Film wird dieses Phänomen Golden-Age-Thinking (Goldenes Zeitalter Syndrom) genannt. Es ist eine Art Flucht oder Ablehnung der eigenen Gegenwart und der irrtümlichen oder sogar naiven Annahme, dass diese Zeiten besser waren, obwohl man sie nie kennengelernt hat. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass diese Jahrhunderte, Epochen und Jahrzehnte auch ihre Schattenseiten hatten. Und dennoch hätte ich sie gerne mal kennengelernt.

Ich könnte noch weiter über HR, dem Original, schreiben, aber ich schweife zu sehr ab. Hier soll es nicht um das Original HR gehen.

Der neue HR geht direkt in die Vollen. Er übergeht meine so geliebte Kopfnote des Originals. Ich vermisse die pudrige Note, die mich an das 18. Jahrhundert erinnert. Die leicht süße Rose, die mich in die Zwanziger katapultiert, fehlt gänzlich. Das zirtisch-spritzig-lockere Flair der Siebziger ist im Prive durch die heftige Bergamotte viel zu überladen. Stattdessen spielen im Prive insbesondere Bergamotte und Leder die Hauptrollen und bleiben ohne große Entwicklung konsequent präsent. Die Bergamotte erinnert mich stark an Kreationen aus dem Haus Acqua di Parma, mit denen ich nicht gut kann. Der Bezug zum Reitsport wird durch das kräftige Leder im Prive im Vergleich zum Original jedoch etwas klarer. Macht ihn aber deswegen nicht besser. Über allem schwebt eine leicht chemische Nuance, die ich abstoßend finde. In der Basis ist jedoch die familiäre Ähnlichkeit zum Original wieder erkennbar, die im Prive aber dennoch zu streng wirkt.
Insgesamt fehlt es mir an allen Stellen und Enden an der Klasse und dem Stil des Originals. Er besitzt nicht die Reinheit des Extraits, nicht die Tiefe und Dichte des EdP und auch nicht die Leichtigkeit des EdC.
Den Prive nehme ich lediglich als eine Kreation mit gewisser Ähnlichkeit zum Original im Drydown wahr. Ein Reiseführer oder eine Zeitmaschine, wie es das Original ist, ist er nicht für mich. Möglicherweise bin ich zu streng und meine Ansprüche zu hoch. Doch was das Original bei mir auslöst, ist mein persönlicher Maßstab, sodass er sich den Vergleich gefallen lassen muss. Deshalb kann meine Bewertung zum Prive auch nicht gut ausfallen.
Ist man mittlerweile im Hause Guerlain oder hinsichtlich der Fähigkeiten von Frau Jelk verunsichert? Hat man nämlich in Folge des vermeintlichen Misserfolgs von L’INSTINKT eine limitierte Version des Prive geschaffen, weil man einerseits einen zusätzlichen Kaufreiz schaffen und andererseits den Schaden eines weiteren Misserfolgs in Grenzen halten will?

Ich freue mich für alle, die Gefallen am neuen HR Prive finden und entschuldige mich, wenn ich positive Eindrücke oder Erwartungen an dem Duft mit dem Schleier der Ernüchterung bedeckt haben sollte. Meinem Original bleibe ich weiter treu. Irgendwann wünsche ich mir eine Neuauflage des Extraits, welches nicht mehr zu bekommen ist, da es noch die Krönung für meine Sammlung wäre.

Um meine Überschrift noch abschließend zu beantworten: Ja, er ist für mich zum zweiten Mal vom Pferd gefallen…und das liegt am Trainer.

Zum Schluss danke ich allen Lesern für diese anstrengende Rezension. Eine Haftung für bleibende Schäden übernehme ich nicht.
9 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

51 kurze Meinungen zum Parfum
AxiomaticAxiomatic vor 1 Jahr
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
6
Duft
Minimalistisch züchtigend.
Zitrusschale, leicht vanilliert, kontrastiert zum schwarzen Leder.
Patchouli federt den Fall ambriert.
Hart.*
50 Antworten
YataganYatagan vor 1 Jahr
10
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Haltbarkeit
8
Duft
Konsequent gute Neuinterpretation von Habit Rouge. Da ich postmoderne Ledernoten nicht mag, bleibe ich beim unübertrefflichen Original.
30 Antworten
FloydFloyd vor 1 Jahr
6
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
6
Duft
Wirf eine reife Bergamotte
In wildledrig-süße Vanillewatte
Moderne Maskerade
Schade-Guerlinade
38 Antworten
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 8 Monaten
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
der rote Lederfrack
ist schwarz geworden
leuchtet gelb im Neonlicht
der süße Jüngling
kaut Vanilleschoten
30 Antworten
ParfumAholicParfumAholic vor 1 Jahr
10
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Habit Rouge, der zeitlose Schöngeist, trägt 2023 hochwertiges Leder mit Zitrus-Sprenkeln. Dazu sein verschmitztes Lächeln. Steht ihm super.
28 Antworten
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