Jas0NJas0Ns Parfumrezensionen

1 - 5 von 61
Jas0N vor 4 Monaten 18
9
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage

Zeitlose Eleganz
Geschmäcker verändern sich fortlaufend. Nach meiner bescheidenen Meinung hat jede Generation, dass sogenannte "Etwas", dass ihr besonders gefällt, sie vielleicht auch auszeichnet. Das ist nicht nur bei Parfum der Fall, vielmehr zeichnet sich dieses Bild in vielen Dingen ab. Musik wäre da unter anderem zu nennen.
Nach meinem Empfinden, sollte man immer offen für Neues sein, zugleich aber auch die Toleranz aufbringen, hervorragendes aus der Vergangenheit als das anzuerkennen, was ist es ist. Nämlich hervorragendes.

Colonia gelingt dieses ausgesprochen gut. Unbestritten haben wir hier ein Meisterwerk und Klassiker seiner Zeit vor uns. Dennoch ist es AdP geglückt, zeitliche Eleganz in die Moderne zu transportieren, sodass dieser keineswegs altbacken riecht oder seiner Generation verhaftet ist. Ganz im Gegenteil. Diese Klassik strahlt auch heute noch, obgleich sie für eine Perfektion aus der Vergangenheit steht.

Ich bin schon recht häufig in Italien gewesen. Und das Flair, dass dieser Flakon eingefangen hat, macht mich sprachlos. Diese zugleich schlichte aber auch markant edle Interpretation, fängt für mich die Art von Duft ein, die ich mit sanften Colognes verbinde. Eine ruhige, sanfte Attitüde. Unscheinbar und nur nah, aber ausgesprochen elegant.

Colonia ist geprägt von einem durch und durch sehr spritzigen Zitronenauftakt. Unterschwellig mischt sich Bergamotte hinzu. Gerade an extrem heißen Tagen liebe ich einen solchen frischen Auftakt besonders.
Alsbald gesellt sich Lavendel hinzu und Eisenkraut misch sich in das Ensemble.
Zum Ende wird es meines Erachtens holziger, präsentiert sich nach wie vor aber sehr sauber und frisch. Ein wirklich toller Cologne.

Die Haltbarkeit ist erwartend gering oder geringer. Macht aber nichts, da üblich für das Genre von Duft.

Die Projektion findet eher hautnah statt, schmiegt sich aber wie ein sanfter Begleiter an die Haut. Das finde ich richtig klasse.

Alles in allem ein ganz toller, zeitloser Duft. Ein Duft der damals, als auch heute, sowie in der Zukunft Anklang finden wird.
9 Antworten

Jas0N vor 4 Monaten 13
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage

Zu Beginn unrund, zum Ende authentisch schön
Ja, ich weiß das weiter oben "Woman" steht. Ja, ich erkenne auch das weibliche Symbol. Und nein, mich stört es nicht, dass ich gerne auch mal eine weiblichere Note zu meinen Poloshirts trage. Ganz im Gegenteil. Als ich seinerzeit diesen und noch einige weitere Duftproben in einem Tauschgeschäft erhalten habe (DANKE an die liebe Parfuma an dieser Stelle), war mein expliziter Wunsch, dass nach Möglichkeit viele tendenziell feminine Düfte dabei sein sollten.
Ich stöbere sehr gerne in allen Duftbereichen herum und trage auch gerne zu Abwechslung - nach herrschender Meinung vorliegenden Definition - weibliche Düfte. Denn mal ganz ehrlich: Wenn einem die Düfte an Frauen sowieso gut gefallen, wieso dann nicht auch einfach selber tragen?

Ich habe mit Amouage eigentlich ein gutes Verhältnis, obgleich man dies eher als eine kurze Liaison beschreiben kann. Ich trage diese gerne, aber meistens nur sehr unregelmäßig und in zeitlich länger voneinander liegenden Abständen. Zumeist verlassen mich die Flakons auch wieder zügig und mir reicht eine Abfüllung.
Dennoch gefällt mir die Marke sehr gut. Sie hat sehr komplexe als auch durch und durch einfache, lineare Duftkonzepte in ihrem Reportoire.

Honour Woman hat den einen oder anderen Twist, hat mir nicht immer gut gefallen und mich zeitweise sogar genervt. Am Ende der Vorstellung ist dies aber ein wirklich toller Duft.

Den Beginn finde ich auch nach einigen "Test" störend, unrund, einfach nicht hamonierend. Ich habe es in meinen Statement als Zickenkrieg beschrieben und daran möchte ich festhalten. So ganz wissen Tuberose und Gardenie nicht, was sie gemeinsam in den noch recht frühen Stunden des Parfums sollen. Sogleich habe ich immer wieder mit Pfeffer zu kämpfen, den ich schon im Essen nicht allzu gerne sehe/mag.
Alsbald sich diese Kombination etwas legt und der Duft in seiner Entwicklung voranschreitet wird es angenehmer. Ich nehme nun Jasmin und Maiglöcklichen war, die Assoziation "weiße Blüten" unterschreibe ich. Er wird sanfter, ein sehr harmonisches Bild umgibt mich. Immer wieder weht Gartennelke durch mein Geruchszentrum. Der Duft spielt nun eindeutig seine Stärken aus und weiß, trotz meiner Meinung nach schwierigen Startes, zu überzeugen.
Meine Vorrednerin sprach von einer zugleich warmen als auch frischen Ausstrahlung. Dies kann ich teilen. Ich nehme auch Amber im Abgang war und denke, dass dies an diesem liegt. Diese gewollte Kombination aus frischem aber auch zugleich warmen Flair, empfinde ich sowieso als eine sehr spannende Interpretation. Gleiches kenne ich von Enigma. Gleichwohl eine ganz andere Richtung Duft, vereint auch dieses Parfum die Stärke, einen frischen als auch warmen Eindruck zu erzeugen.

Die Haltbarkeit war erstaunlich gut, hat er bei mir fast 10 Stunden gehalten. Etwas mehr Power nach außen hätte ich mir gewünscht, aber so ist er ein ruhiger, authentischer, introvertierter Duft. Elegant ist hier wohl das richtige Stichwort.

Ich kann mich nur wiederholen: Ja es ist einem der Kategorie "Frau" zugeordneter Duft. Gleichwohl trage ich diesen selber ab und zu ganz gerne!
4 Antworten

Jas0N vor 10 Monaten 24
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

Wenn der rationale Verstand auf das emotionale Herz trifft
Ich bin ein vollkommener Rationalist. Bei mir entscheidet selten das Herz. Eine wirklich sprunghafte, spontane Entscheidung treffe ich so gut wie nie. Als unflexibel möchte ich mich nicht beschreiben, das lässt meine Arbeit nicht zu, aber auch hier steht das rationale Denkvermögen vor kreativen und spontanen Entscheidungen.
Für gewöhnlich treffe ich auch private Entscheidungen nach oben beschriebenen Muster.
Das führt aber leider in gewisser Häufigkeit zu Konflikten.

Parfum ist für mich schon mit einer gewissen Emotionalität verbunden. Gerüche rufen Erinnerungen an Personen, Situation und sonstigen Geschehnissen in unserem Leben hervor.
Ich habe durchaus eine kleine Sammlung, die auf das nötigste reduziert ist. Manchmal denke ich mir: "Mensch der Duft ist doch gut. Kauf ihn dir". Und dann steht links auf meiner Schulter der Verstand und sagt: "Nein, du hast doch was ähnliches, brauchst du nicht". Die Diskussion ist schnell beendet.
Dieses Problem ist durch Orion erneut aufgetreten.

Ich liebe Aventus. Für mich ist der Duft eine Benchmark. Und ich teste gerne Düfte, die eine gewisse gewollte oder ungewollte Nähe zu eben jenem haben.
Orion wird hier häufig als erwachsener, besserer Aventus beschrieben.
Das hat mich natürlich neugierig gemacht.

In der Tat. Eine gewisse, entfernte Ähnlichkeit hat er, ABER mMn. hinkt der Vergleich, da der Duft schon zu Beginn einen ganze anderen Weg einschlägt. Das mag nur meine Meinung sein, aber als solches empfinde ich den Duft.

Der Beginn ist durchaus geprägt durch einen sehr frischen, angenehmen Auftakt, welcher sich auch gut bis in die Basis wahrnehmen lässt. Die Konzentration liegt hier nicht allein auf der Ananas, sondern auf einer durchaus sehr gelungen Früchtemischung. Ich rieche vor allem Johannisbeere und Apfel heraus. Ananas nehme ich eher im Hintergrund war, zurückhaltend. Das mag für mich auch schon der erste große Unterschied sein. Denn bei Aventus, dem Original oder Ursprung (wenn man es so bezeichnen darf) ist die Ausprägung eine andere. Die Ananas ist dort zu Beginn der einzige dominierende Faktor.

Gleitet man weiter, so stelle ich eine weiteren Unterschied fest: der rauchige Teil, den Aventus eigentlich erst zu dem macht was er letztendlich ist, fehlt hier komplett.
Der Duft bleibt seiner frischen Linie komplett treu. Es wird hölzerner ja, aber die rauchige Komponente fehlt. Aventus mag sich da auch unterscheiden (die ewige Batchdiskussion), aber Orion verfolgt hier eine ganz andere Zielsetzung.
Es ist die Birke, die mir durch die Nase geht. Sanft begleitet durch einen Hauch Jasmin und Patchouli. Alles sehr ausgeglichen, kein wirklicher Hauptspieler, der den anderen Noten den Platz wegnimmt. Harmonisch spielen sie ihre Stärke aus. Ich finde den Duft in der Tat in dieser Phase etwas besser gelungen als Aventus. Er ist komplexer, ausgewogener und durch die verschiedenen Bestandteile ausgefallener.

In der Basis bleibt er frisch. Das wird aber durch die durchaus hölzerne Ausrichtung etwas gemindert. Finde ich perse gut undgelungen. Das macht ihn tragbarer in kälteren Tagen und schenkt ihm eine längere Haltbarkeit.
Es ist Zeder und Moschus, den hier wahrnehme, bin mir aber ehrlich gesagt nicht ganz sicher.
Die Haltbarkeit war erstaunlich gut und auch die Sillage war besser als angenommen.

Zurückgehend auf den Ausgangspunkt stelle ich mir die Frage, ob Orion für mich eine Notwendigkeit besitzt. Da ich Aventus und l'aventure habe, den ich aufgrund seiner zitrischen Auslegung sehr schätze, ist die Frage: ist Orion nun so anders, dass ich ihn brauche.
Das Herz sagt: Schlag zu. Toller Duft! Und jetzt kommt es; sogar der Verstand urteilt, dass dieser Duft ein potentialer Kandidat für die Sammlung ist. Durch eine ganz andere Entwicklung, Grundausrichtung und Konzeption, sehe ich hier einen vollständig eigenen Duft, mit einer minimalen Anlehnung an den Urvater.
Ich finde Orion sogar alltagstauglicher. Aventus ist für mich nur für den Abend., Orion uneingeschränkt nutzbar.

Final kann ich sagen: auch wenn das Herz nur gewonnen hat, weil der Verstand zugestimmt hat, freue ich mich, wenn Orion bei mir einzieht!

Das war mein letzter Kommentar für dieses doch bescheidene Jahr. Wer es bis hierhin ausgehalten hat, dem darf ich frohe Feiertage/Festtage wünschen. Lasst euch gut beschenken, feiert ordentlich im Kreise euer Familie und kommt gut in das neue Jahr. Und vor allem: bleibt gesund!
Bis in 2021! :)
Euer jas0N
7 Antworten

Jas0N vor 10 Monaten 11
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage

Alpha und Omega
Alpha und Omega. Zwei sehr populäre Begriffe. Nicht zuletzt dienen diese Wörter als Symbol (Die Marke Omega als Schweizer Uhrwerk) oder als Definition eines Archetyp (Alpha als die Begrifflichkeit für Anführer, Ranghöchster).
Sie bilden den Anfang und das Ende des griechischen Alphabets und haben eine nicht unbedeutende Wichtigkeit im Christentum. Einfach dargestellt, hat sich Christus als Erster und Letzter vorgestellt und somit eine Wesensidentität zu Gott hergeleitet. Anders oder freier beschrieben, lassen sich die Begrifflichkeiten Alpha und Omega auch als Anfang und Ziel übersetzen.

- sorry, ich will euch nicht mit Geschichte langweilen, ist jetzt aber auch zu Ende. -

Ich finde, der Grundgedanke lässt sich gut auf Amber Star und Star Musk übertragen.
Amber Star hatte ich bereits beschrieben. Mein vorläufiges Urteil fiel sehr gut aus, war aber nur vorläufig, da ich dieses auch in Kontext mit Star Musk setzen wollte. Schlussendlich proklamiert Xerjoff die Düfte als Paar, für mich wie Alpha und Omega.

Star Musk ist ein wie ich finde sehr heller Duft. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe durchaus das Gefühl an frischer weißer Wäsche zu riechen. War es Persil, die mit langem Wäscheständer, weitreichender grüner Wiese und weißer Wäsche warb? Ich weiß es nicht mehr.

Zu Beginn liegen frische blumige Noten vor. Meiner Nase nach schwingt unterschwellig eine minimale Zitrik mit, kann mich hier aber durchaus täuschen. Mandarine, die ich überdies sehr gerne essen, nehme ich gut war. Der Start ist etwas zu präsent. Zu laut, zu einnehmend. Ein wenig mehr Ruhe hätte hier gut getan.
Alsbald nähern wir uns dem Herzen, dass mit Patchouli eröffnet und toll begleitet wird durch Vetiver und Iris. Zimt nehme ich nicht wirklich war - ist aber auch nicht wirklich tragisch, da ich Zimt nicht mag und nie verstanden habe warum Leute Milchreis und Zimt essen ;).
Das Gesamtkunstwerk ist stark ineinander verwoben, sodass seine einzelnen Bestandteile nur schwer zu differenzieren sind. Vanille hat jetzt schon einen begleitenden Ton und wird mit der Zeit stärker. Ich mag Vanille sehr gerne, sodass mich das glücklich stimmt. Moschus wabert irgendwann noch schimmernd durch meine Nase und er klingt nach langen Stunden aus.
Haltbarkeit und Sillage sind ähnlich gut wie bei Amber Star. Der gefällt mir allerdings minimal besser.

Für sich genommen, haben wir also zwei gute Düfte, nein gut - sehr gute Düfte.
Aber warum nun Alpha und Omega?

Grundgedanke hinter dem Konzept war es sicherlich durch beide Düfte Vollkommenheit zu erreichen. Durch das Layern interagieren sie miteinander und zeigen nochmal andere Qualitäten. Ihre wahre Stärke sozusagen.
Jetzt zeigt sich für mich, dass sie für sich stehend der Anfang sind, kombiniert das Ziel der Reise.
Gelayert haben wir einen unfassbaren, tollen harmonischen Duft, den ich absolut gerne trage, wenn auch nicht immer.
Zumal der 10 Meter gegen den Wind zu riechen ist :)

Vllt empfehlen ich dem Kundenservice ja, mal über die Idee nachzudenken, einen Zusatz auf die durchaus schönen Kunstobjekte zu Lasern. ;)

Xerjoff. Das hast du klasse gemacht!
7 Antworten

Jas0N vor 12 Monaten 21
3
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Chemie-Baukasten
Vorneweg möchte ich eines sagen: ich habe nichts gegen Jeremy. Ich kenne ihn nicht, deswegen werde ich mir auch kein Urteil zu seiner Person bilden. Wer wäre ich, wenn ich mir soetwas rausnehmen würde. Ganz im Gegenteil. Für sein Geschick und sein Marketing darf man durchaus Anerkennung zeigen. Das spiegelt sich auch in seinem Erfolg wieder. Es heißt nicht umsonst so schön: der Erfolg gibt dir recht. Von daher: meinen Respekt für die Leistung.

Was ich mir allerdings erlaube, ist seinen Duft zu bewerten. Und hier - so leid es mir tut - kann ich leider keine positives Resümee ziehen. Ich finde es gelinde gesagt ein wenig unverschämt, so eine Chemiekeule für diesen Preis zu verkaufen. Normalerweise setze ich Preis niemals in Relation zu Duft, aber Regeln sind dazu da um gebrochen zu werden. Und jetzt breche ich diese. Ich könnte ja Verständnis aufbringen, wenn 50 ml 70 Euro kosten. Aber nicht bei 150 Euro.

Der Beginn besticht durch einen unerwartet angenehmen frischen Start. Mit Bergamotte macht man eigentlich wenig falsch. Den finde ich sogar wirklich gelungen.
Das ist aber auch das wenige Positive, dass ich zu berichten habe.
Es braucht keine 10 Minuten und es schwingt dir die volle Breitseite Chemiekeule entgegen. Chemiebaukasten auf, suche nach Reagenzglas mit Aufschrift "Ambroxan" und alles rein in den Pott. Ich kann dieses Zeug einfach nicht mehr riechen. Es ist penetrant und unangenehm.
Wir brauchen kein zweites Sauvage. Das ist schon anstrengend genug.
Der Pfeffer macht es nicht besser. Die Chemiekeule holt nochmal richtig aus und jetzt gibt's richtig eins auf die Rübe. Dank Pfeffer habe ich nun Kopfschmerzen. Richtig stechend, aggressiv, medizinisch-synthetisch-künstlich. Der Duft hat ein wirklich unangenehmes Level erreicht.
Patchouli hab ich vergebens gesucht. Das ist irgendwo in der Brühe abgesoffen.
Klingt hölzern aus und hält leider ewig.
Das macht er allerdings wirklich gut.
Halten und nicht mehr verschwinden. Gleiche Performance den Duft betreffend und das hätte wirklich was werden können.

Fazit:
0815 Mainstream Plörre, duftet wie Drogerieware, kostet wie Nische.
Duftet nicht nach Büro. Zumindest nicht nach meinem.


15 Antworten

1 - 5 von 61