Jas0NJas0Ns Parfumrezensionen

6 - 10 von 61
Jas0N vor 1 Jahr 19
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage

Vollendung
Xerjoff war für mich lange ein ungeschriebenes Blatt Papier. Genauso wie einst Roja. Gerade in meiner Anfangszeit, habe ich die ganz großen Düfte gemieden. Das lag unter anderem am Respekt vor dem Duft selber und auch an den zahlreichen Bewertungen, welche doch überwiegend positiv bis sehr positiv sind. Rückblickend völlig hanebüchen, da hier faire Bewertungen zählen und ich eigentlich auch nichts schlechtes beitragen konnte. Ich wollte zwar das Haar in der Suppe finden, habe es aber nicht geschafft und das obwohl ich mir wirklich Mühe gegegen habe. Und DAS nur, weil der hier nicht auf die Wunschliste sollte.
Jetzt ist mir alles egal. Der Duft ist wirklich gut, wirklich wirklich gut. Das ließt und läßt sich auch an den vorangegangen Kommentaren lesen und erkennen.

Es wird nun kälter. Da passt solch ein Duft sicherlich besonders gut. Das orientalisch-holzige Flair ist sehr einladend. Balsamische Noten machen ihn wunderbar tragbar und nicht aufdringlich. Das schätze ich an Düften sehr. Nicht zu laut, aber auch nicht zu leise. Dieser besondere Kompromiss und Stärke. Das macht sie vielfältig einsetzbar, sowohl auf der Arbeit, als auch im Alltag an sich.

Star in diesem Ensemble ist eindeutig der Amber. Das muss man nicht verschweigen. Und der Rest platziert sich um diesen herum, wissend, dass Amber tonangebend ist, aber auch wissend, dass ohne sie als die anderen Komponenten Amber niemals so glänzen würde. Das so extrem harmonisch darzustellen, ist große Kunst und zweifelslos sehr schwierig. Sehe ich es doch so wie Sweetsmell: Der ist Duft komplex, folgt aber gleichzeitig einer klaren Linie. Es braucht hier keine großen Überraschungen.

Zu Beginn steht wie bereits beschrieben, der Amber im Vordergrund. Etwas zickig noch zu Anfang fügt sich Myrrhe ein. Der Duft wirkt hier etwas eigen und sperrig und wird erst etwas ruhiger, als sich Zedernholz dazugesellt.
Hier ist der Duft zweifelsohne gut, aber es fehlt ihm noch die entscheidene Harmonie, die ihn letzendlich so besonders und ausgeglichen wirken lässt. Als sich die Kopfnote etwas gelegt hat und sich Guajakholz bemerkbar macht, wird es balsamischer, würziger. Diese Entwicklung gefällt mir, stellt sie den Duft doch etwas Kopf.
Da wirkliche Highlight folgt eigentlich in der Basis. Ich bin ein großer Freund von Vanille in Düften, gerade in Kombination mit Sandelholz. Der Duft an sich bekommt eine merkliche Süße, aber keine aufdringliche und nervige, sondern wohldosierte Nuancen, die sich gerade hier wunderbar einfügen. Durch das Zusammespiel mit Amber, der nachwie vor der Mittelpunkt des Geschehens ist, bekommt der Duft eine tolle tiefe und riecht so außergewöhnlich einehmend. Der anfänglich würzige, doch etwas knarzige Eindruck wird nun cremiger, einlullend. Vollendung eines tollen Duftkonzeptes.

Die Haltbarkeit ist gut. Das erwarte ich aber auch bei einem Duft der Preisklasse. Die Projektion und die Wahrnehmbarkeit sind ebenfalls sehr ordentlich, schön ausbalanciert zwischen: ich bin jederzeit dar, aber eigentlich nur für dich. Dem Rest gebe ich eine kleine Probe von mir, gehöre aber dennoch nur dir!
Diesen eingeschlagenen Weg von Xerjoff finde ich klasse (unabhängig davon ob er beabsichtigt ist oder nicht). Er ist nicht aufdringlich und doch immer da und das volle 12 Stunden.

Für diesen Winter muss allerdings die bestellte Abfüllung reichen. Xerjoff hat mich auch schon enttäuscht. Deswegen und auch weil ich diesen erst in Kombination mit Star Musk testen möchte. Ich hoffe, dass das Sharing funktioniert. Sollte das klappen, bin ich sicherlich um einen Kaufkandidaten reicher! :)
9 Antworten

Jas0N vor 1 Jahr 21
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Die schwierigste Zeit in unserem Leben, ist die beste Gelegenheit innere Stärke zu entwickeln
Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass wir uns nicht in einer schlechten Lage befinden. Die Pandemie rund um Corona bringt viele Menschen an ihre Grenzen und selten ist Solidarität in unserer Gesellschaft so bedeutsam wie sie nun erforderlich ist.
Ich zitiere selten große Persönlichkeiten, wenn es um die Beschreibung eines Parfums geht, aber Dalei Lama bringt es für mich auf den Punkt und Habit Rouge ist ein Duft der dem Zitat metaphorisch gesehen gerecht wird.

Für mich verkörpert der Duft innere Stärke, eine Rückkehr zu alter Tradition und Werten. Ganz und gar vergisst er nicht die Bedeutsamkeit der Gegenwart, pflegt diese in seiner Besonnenheit ein. Schafft einen Kontext. Er hat Charakter, einen Charakter der nach so langer Zeit immer noch aktuell ist. Er ist der Ankerpunkt innerer Stärke und Ruhe in schwierigen Zeiten, die Welt still stehen lassend. Ein Duft der zum überlegen anregt, die Werte und Normen des Träger fördernd. Ohne dabei seine eigenen zu vergessen.

Ich habe Habit Rouge vor einer Ewigkeit getestet und attestiere ihm trotz meines jungen Alters Kulturgut wie ich es auch in Pour Monsieur von Chanel sehe. Ein historischer Meilenstein der Duftindustrie
Das ist ein Duft, den man trägt, wenn die Zeiten schwierig sind. Sich zurückzieht, versucht sich alter Stärke zu besinnen und abschalten möchte.
Hier trifft Klassik auf Moderne.
Die bittere Zitrik spielt ein Duett mit einer erdigen Basis und das bis zu seinem ausklingen. Es ist einfach und dennoch so raffiniert, wie ein auf erste Sicht harmloses Zusammenspiel weniger Noten in einer solchen Philharmonie endet.
Grandios!

Man darf sich verneigen vor diesem Klassiker in der Hoffnung, dass dieser nie von der Bildfläche verschwindet.
Denn mit den Pacos und Le Males der heutigen Duftgeneration wird man nie ein derartiges Gefühl erleben.
Du hast wahrhaftig Charakter und innere Stärke.
10 Antworten

Jas0N vor 1 Jahr 13

Da, nicht störend und doch so einprägsam.
Es gibt sie. Diese Art Mensch, die auffällt und doch so unauffällig ist. Menschen, dessen Auftrifft alleine reicht, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen um dann doch schweigend und unauffällig die Bühne zu verlassen. Was bleibt ist dieser ungemein starke Eindruck, der hält und sich einbrennt. Sowas nennt sich Alpha-Tier, aber nicht diese Art Macho oder Draufgänger, sondern ein Anführer. Bestimmend und hart, aber gleichzeitig weich und mitfühlend.
Wenn ich an meine gewählten Worte denke taucht soweit Leather Up vor meinem innere Auge auf. Denn diesem schreibe ich die oben beschriebenen Attribute zu.

Leather Up vereint zwei doch recht unterschiedliche Charakteristika und bringt diese in einen Kontext. Sie verschmelzen allerdings nicht zu eins, sondern laufen linear zu einander und koexistieren.
Auf der einen Seite haben wir eine fruchtig frisch ausgelegte weiche Seite, die der Gegenpool zu einer kantigeren, ledrigen Seite ist, die doch sehr herb daherkommt.
So beginnt der Duft mit einer Mischung aus Mandarine und Bergamotte. Direkt hat man aber den riechbaren Gegenpool, vermittelt durch eine schöne Whiskynote. Der Duft hat so einen fruchtigen Start, der aber durchweg herb ist.
Im weiteren Verlauf wird es würziger. Die Frische bleibt, wird aber ergänzt um einen ledrigen Unterton. Die Unterscheidung zwischen Wildleder und Leder fällt mir schwer, von daher bleibe einfach bei der Unterstützung durch Leder. Der Duft hat jetzt einen stärken Einschlag in den würzigeren Bereich, den ich tendenziell unterstütze. So bleibt er etwas maskuliner und verliert sich nicht in einem Früchtemix. Das ganze bekommt/hat auch eine rauchigen Touch, etwa Tabak ähnlich, den ich total stark finde. Ich finde den Gedanken gut umgesetzt und bekomme direkt die Assoziation eines Holzfällers. Kräftig gebaut, Lederstiefel, Carohemd, Zigarre im Mund und in der Pause der Genuss eines Single Malt.
Durch Patchouli am Ende wird der doch etwas erdiger, gleitet in den Gesamtkontext ohne zu dominant zu sein.

Haltbarkeit ist ordentlich, dezent in der Ausstrahlung. Wie eben beschrieben. Markant, auffällig aber so leise, dass er nicht stört. In das Gedächtnis brennt er sich trotzdem ein.
Ich mag ihn und sehe ihn tendenziell an einem Mann, obgleich er sicherlich auch einer Frau geht steht. Ist aber sicherlich nichts für jede Frau.


5 Antworten

Jas0N vor 1 Jahr 23
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage

Vergänglichkeit
Sein Name war Bryan. Er war Soldat, stationiert in Kandahar. Sein Wunsch war es immer etwas rechtschaffenes zu tun und seinem Land zu dienen. Seine Eltern wollten nie, das er als Soldat tätig wird. Die Gefahren und Risiken, denen er sich womöglich auszusetzen hatte, waren nicht gering.
Es kam wie es kommen musste. Der Auslandsbefehl. Kandahar. Eine Provinz so schön und doch geprägt von so vielen Abscheulichkeiten.
Die Menschen dort hinten so verängstigt, und doch so freundlich. Das einzige was sie wollten war der Frieden. Friede wie er jedem zustehen sollte, ganz gleich welches Land, Religion oder politische Einstellung. Bryan sah diese Menschen auch als das was sie waren: als Menschen und suchte die Nähe. Versuchte sie kennenzulernen und ihnen zu zeigen, dass er keine Gefahr war.
Die Zeit verging und ein Vertrauen baute sich zwischen ihn und den Menschen auf. Eines Tages, außerhalb seines Dienstes, wollte ihm ein Dorfsjunge etwas zeigen. Er führte ihn zu einer prächtigen Landschaft mit unzähligen Blumen. Darunter eine Rose, bekannt als die Rose von Kandahar.

Diese Rose sollte am Ende eine entscheidende Rolle spielen, aber dazu später.

Bryan war mehr als fasziniert. Diese Landschaft und dazu dieser Geruch. Er war mehr als angetan. Die Rose strahle einen so tollen Duft aus, er konnte ihn kaum in Worte fassen.
Zu Beginn vernahm er einen einnehmenden würzigen Start, gepaart mit einer wohldosierten süße. Das muss der Zimt und die Bittermandel sein. Ein toller Kontrast wie er fand. Als er die Aromen ein wenig sacken ließ und die Zeit voranschreitete, konnte er weitere Noten wahrnehmen. Hier waren es vor allem der Tabak, der für ihn immer deutlicher in Erscheinung trat. Unterstützend kam jetzt auch der Duft der Rose durch. Der Duft bestach durch seine vielen Facetten und Dimensionen. Er vermochte gar nicht alles herauszuriechen. Es war opulentes Kunstwerk, komplex und die Umgebung um ihn herum einfangend. In den letzten Zügen wurde es erdiger, Patchouli dominierte das Geschehen und irgendwann verlor sich dann der Geruch.
Ein schmeichelnder, niemals in die süße abgehender Duft.

Verzückt durch diese Wahrnehmung vergaß er die Zeit. So lange war dieser Duft also zu riechen. Eine enorme Haltbarkeit.
Er bedanke sich bei dem Dorfsjungen und fragte, ob er sich einmal im Monat eine Rose pflücken dürfte. Er wollte seiner Frau und seinen Eltern zeigen, welche unfassbaren schönen Seiten Kandahar hat. Der Junge stimmte zu. Ein Teil der Landschaft diente der Bevölkerung für die Bepflanzung mit Rohstoffen und Gewächs.

Jeden Monat schickte er seiner Familie nun eine Postkarte mit einer Rose. Er erzählte von den tollen Bekanntschaften, der Umgebung, der Kultur, dem Essen.
Seine Familie war entzückt und bewahrte alles auf. Die Postkarte und die Rose, welchen den Duft von Kandahar einfing.

Irgendwann blieben die Nachrichten allerdings aus. Die Sorge und Verzweiflung wurde zur bitteren Gewissheit. Ihr Sohn, ihr Mann ist gefallen. Das wovor sie immer Angst hatten ist eingetreten. Was der Familie blieb war sowohl die schöne als auch die hässliche Seite von Kandahar. Die Rose, die das schöne einfing und der Krieg der als das nahm. Die Rosen blieben erhalten. Zur Erinnerung an das positive, das ihr Sohn geschildert hatte und als Erinnerung an ihren Sohn selber.

Das Leben. So schön und doch so vergänglich. Genießt es.
9 Antworten

Jas0N vor 1 Jahr 21
10
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage

Kunst, Magie und ein Stückchen Perfektion
Paris soll ja eine schöne Stadt sein. Ich war noch nie dort und die aktuellen Bedingungen machen eine Reise nahezu unmöglich. Naja eine Chance wird wohl noch kommen.

Meine jüngere Schwester ist da schon weiter. Sie hat Paris in ihren vollen Zügen erlebt - kulinarisch, kulturell und historisch.
Natürlich weiß meine Schwester um mein bescheidenes Hobby Parfum Bescheid und ließ es sich auf meinen Rat hin nicht nehmen, DIE Parfumstadt schlechthin zu erkunden.
Mein Glück bei der Sache: Sie hat mich mit zwei Proben bestückt, eine davon der oben genannte Duft.

Und was soll ich sagen: Wahnsinn. Mir fehlen die Worte. Das ist meisterlich, Kunst, Magie und wahrhaftig Perfektion. Ich habe selten einen so tollen Tonkaduft gerochen, der so unfassbar gut ausbalanciert ist. Die Wertigkeit und Harmonie, welche den Duft kennzeichnen ist erhaben und sucht meiner Ansicht nach ihresgleichen. Der Duft hat natürlich nicht viele Facetten, kann mit keiner unglaublichen Duftentwicklung aufwarten, aber gerade diese einfache Konzeption spiegelt das Gesicht dieses Kunstwerks wieder. Und gerade dieser Umstand, aus einer so einfachen Grundidee einen so tollen Duft zu zaubern, grenzt für mich an Perfektion.
Tonkabohne, Mandel, und Weihrauch sind von der ersten Sekunde da und begleiten dich bis zum Ende. Mit einer ich will es mal soliden Haltbarkeit nennen. Anfänglich kam er mir etwas schwach auf der Brust vor, allerdings hätte hier auch eine Reizüberflutung meiner Nase die Ursache sein können. Im letzten Test, war die Haltbarkeit gut bis solide und die Sillage mehr als auskömmlich. Ich selber habe ihn immer wieder gut wahrnehmen können.

Was bleibt ist eigentlich nur noch mal festzuhalten, das wir einen außergewöhnlichen Duft haben, dessen ungewöhnliche Stärke die fehlende Komplexität ist und ihn für mich perfekt macht. Ich schreibe es nicht oft, aber das hier ist Kunst, Magie und ein Stückchen Perfektion.

5 Antworten

6 - 10 von 61