LilibethLilibeths Parfumkommentare

1 - 5 von 20
Lilibeth vor 21 Monaten 13
1.5
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
4
Flakon

Persiko, Apfelkorn – and then: scandal by night.
Mann und Frau Parfumista mag sich fragen, was haben denn diese furchtbaren, alle Geschmacksnerven beleidigenden Alkoholika und ein Parfum gemeinsam, dass sie in einem Titel nebeneinanderstehen?

Die Antwort liegt in meiner individuellen Reaktion: Von allen drei sinnenbetäubenden Zumutungen wird mir schlecht.

So ––– wem dieses – zugegeben zugespitzte – Resumé genügt, darf hier aufhören zu lesen und sich mit einem "oh, wie schade" oder auch "wusste ich es doch" zurückziehen und sich liebgewordenen Düften oder positiven Überraschungen olfaktorischer Art zuwenden.

Für diejenigen, die zögern, hier noch mein Erleben diese neuen (wirklich?) Duftes von JPG mit mehr Details:

Ich war unvorsichtig genug, an einem Samstag-Abend meine Probe zu öffnen und zügig auf mein Handgelenk aufzutragen.
Stand der Waage zu diesem Zeitpunkt: xxx Kilogramm.

Sogleich eroberten süße Duftnoten meine Nase und für Zehntelsekunden war der vorherrschende Dufteindruck: Blumig-Süß. So weit – so erwartbar.

Doch statt zu einem zarten Blütentraum addierten sich die offensichtlich aggressiv aufgelegten Duftmoleküle zu einem pappigen, honiggeprägten Duftteppich, na, sagen wir -belag, der neben einer ungeheuren Intensität von großer Penetranz nichts weiter zu bieten hatte: Wie bereits bei Scandal sucht man Tuberose und Patchouli vergebens, jedenfalls Noten, die diese Namen verdienen.

Aber ich wollte abwarten wie sich der Duft entwickeln würde. Möglicherweise muss man ihm nur eine Chance geben, etwas Zeit zugestehen, sich mit der Haut zu verbinden und seinen wahren Charakter zu entfalten? Leider offenbarte SBN eher einen Warencharakter: Alle Karten bereits ausgespielt, selbst Bubblegum riecht differenzierter. Von Minute zu Minute verstärkte sich bei mir das Gefühl, deutlich zu viele Honigbrötchen gegessen zu haben, viele, viele, viele schwere Honigbrötchen mit dem billigen Industriezuckerhoniggedöns.
Ein Blick auf die Waage bestätigte: xxx Kilo plus 3! Innerhalb von nur 10 Minuten! Ich musste handeln!

Also zum Waschbecken und dort sollten Wasser und feine Olivenseife dem süßen Overkill ein Ende bereiten, das bereits mein Hirn zu verkleben drohte: Alles erschien mir mit honigfarbenem Gelb unterlegt. Weia.

Zurück am Arbeitsplatz öffnete ich die Fenster und ließ in die Nacht hinausziehen, was vom skandalös übersteuerten Mono-Duft noch an den wertvollen Sauerstoffelementen hing. Nun sollte die Belästigung ein Ende haben, dachte ich, und setzte mich. Statt dessen waberte erneut eine süßliche Wolke durch den Raum und griff nach mir. Ein Schnuppertest am Handgelenk bestätigte:
Zumindest die Haltbarkeit ist (leider) überdurchschnittlich gut.


3 Antworten

Lilibeth vor 3 Jahren 1
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
5
Sillage
6
Flakon

Charakter vs. Temperament – Sommernachtsverwirbelungen mit Holz
(Fast-)Sommernächte in der Großstadt: Zwischen den Häusern noch die Wärme des Tages, durch die geöffneten Fenster dringt abendlich-kühle Luft und die (fast) umfassende Stille, wenn sich alle vor dem Fernseher versammeln, um einem Fußballspiel zuzusehen. Gelegentliche Aufschreie künden von (Fast-)Toren oder vergebenen Chancen, ab und zu rauschen Autoreifen auf Asphalt und ein paar junge Stimmen erzählen davon, dass nicht alle das Fußballfieber gepackt hat. Die Nacht fällt langsam ins Dunkle. Ich sitze auf dem Bett und der Ventilator verwirbelt die Nachtluft mit der Wärme einer Dachwohnung zu angenehmen Temperaturen.

Der Ventilator trägt eine Duftwolke vom Handgelenk zu meiner Nase, aufgesprüht vor etwa zwei Stunden: Essence de Patchouli.

Wenig ist zunächst vom Patchouli zu erschnuppern, vorranging Iris und Geranie, die mit einem Holz unklarer Art verblendet sind. Die Geranie bringt zu Beginn einen erdigen Ton in die Mischung, fast spürte ich Weihrauch, aber es ist wohl eine Täuschung. Das ist einigermaßen spannend und belebend und weckt den Wunsch nach Mehr und einer tieferen Verbindung.
Die dezenten Blütenodeurs Iris und Rose treten bald zurück in einen tiefen Schatten von Rosengeranie und Patchouli, eine Kombination die beide Geruchskomponenten stark verändert, so dass sich kaum sagen lässt, ob nun das eine oder das andere oder gar eine weitere Zutat wie Gujaka- oder Zedernholz dominiert.

So langsam wie der Tag in die gleichbleibende Farbwelt der Nacht übergeht, so rasch fällt Essence de Patchouli in eine stete und wenig raumgreifende Duftnote. Man kann sich schnell verlieben in diesen Duft, aber dieser Liebe folgt doch sehr rasch der Alltag dem Honey - in diesem Falle dem Blüten - Moon. Diese gutmütige Behäbigkeit läuft Gefahr, sich in die Betulichkeit allen Ereignislosen zu wandeln:
Das ist nicht schlecht per se, aber die geweckten Ansprüche bleiben offen. Möglicherweise ändert sich dieses Erleben, wenn man den Duft häufiger nutzt. Man weiß, was kommt und wird nicht enttäuscht.
Doch die Frage nach der Tiefe der Beziehung taucht auf und das ist eine Frage des Temperaments – dieser Duft hat Charakter, gehört aber definitiv nicht zu den energievollsten.
Und es kann ja nicht überall ein Ventilator für Wirbel sorgen :)

Auf den Strassen setzt der Autoverkehr wieder ein, die Kinder sind zu Bett gebracht und ich greife zur Fernbedienung: Ventilator aus und Fernseher an. Mal sehen, wie sich Essence de Patchouli ohne Unterstützung hält…
1 Antwort

Lilibeth vor 3 Jahren 2
9
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
5
Flakon

Der Schatten einer sehr dunklen, sehr großen Katze …
Der Tag war warm und sonnig, die Stadt nicht übervoll, wir hatten Zeit und so trieb es mich und meine Begleitung in eine Seitenstrasse, in der seit Kurzem meine örtliche Lieblingsparfumerie liegt.

Ich wollte einen Oud et Bois-Duft testen und ließ meine Begleitung vor einem Guerlain-Regal stehen, um der freundlichen Dame in einen anderen Raumteil zu folgen – zu den Verlockungen von Sandelholz, Weihrauch und Patchoulie… und landete bei einer Überraschung, die es schaffen könnte, Shalimar abzulösen (das mir in der neuen Komposition nicht mehr so gut gefällt wie in der Originalrezeptur).

Trippelt Shalimar auf veilchenblauen Satinsandaletten durch den sommerwarmen Landsitz, in der Hand einen spritzigen parfumierten Champagnerdrink und mit einem selbstbewussten Lächeln, wenn sie sich bei dir flirtend einhakt, so schlendert Note de Luxe lasziv auf beerenroten Ankle Boots zum Pool und lässt bei jedem Schritt ein wenig Bein durch den seitlichen Schlitz des schlichten, bodenlangen Kleides blitzen.

Ihr Glas ist gefüllt mit herben dunklen Wein, der das Leuchten ihrer Lippen intensiviert. Ein dunkler Wimpernkranz umgibt ihre blauen Augen und wenn sie spricht, spricht sie langsam, leise und mit Timbre. Sie hält sich abseits, beobachtet genau und ihr Lächeln ist getragen von zartem Spott. Wenn Sie den Raum verlässt, folgen ihr nicht nur Blicke…

Note de Luxe beginnt warm und weich, hat eher etwas Tröstendes als Aufregendes, aber genau darin liegt Suchtgefahr, denn das faszinierende Dunkle lauert gleich neben dem weichen Sanften.

Eine schöne Kombination für Winter- wie für Sommertage und anziehend ist er, der Note de Luxe, aber leider nur mit durchschnittlicher Silage und ebensolcher Haltbarkeit. Für die Preisklasse dürfte es da etwas mehr sein.

So blieb es vorerst bei dem Pröbchen, der wenig aufregende Flakon wanderte zunächst wieder zurück ins Regal. Aber auf die inneren Merkliste hat es Note de Luxe schon einmal geschafft.
Und ich kuschle bis zum Ende der Probe mal ganz unverbindlich mit meinem duften Sommerfund :)

Edit: Die Haltbarkeit ist besser als ich dachte - in drei Zentimeter Abstand ist der Duft auch nach 12 Stunden noch gut wahrnehmbar. Ich überlege, wann ich das nächste Mal an meiner Parfumerie vorbeischaun kann …

Lilibeth vor 3 Jahren 13
5.5
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

Bye-Bye Shalimar…
Dieser Kommentar bezieht sich auf das PARFUM, das hier aber nicht extra gelistet ist. Da aber auch das EdP in meinem Kommentar vorkommt, passt er doch ganz gut hierhin.

Einst stand ein Flakon im Regal, eingeschliffener Glasverschluss als blaue Krone, geriffelte Form aus transparentem Glas, fein geschwungener Fuß, blassgelber Inhalt.
Von der Mutter einer Freundin, gekauft in den 1970er Jahren. Ein Wunderflakon. Er verwandelte zwei Teenager in verführerische Sirenen, die zu derben Lederjacken, Streifenjeans und Muscle-Shirts aus Mesh Nietengürtel trugen und asymmetrisch geschnittene Bobs in schillernden Farben einen Hauch luxuriöser Grandezza trugen.
Der Duft passte auch zu metallic-roten Ballerinas, Hahnentritt-Minirock und zu anderen Modesünden der späten 1980er Jahre. Die Musik lieferten Iggy Pop, David Bowie, Lou Reed oder die Sisters of Mercy, später Siouxsie and the Banshees oder DAF, Zatopek und Jaki Liebezeit. Der Flakon leerte sich trotz wohlüberlegtem und sparsamem Gebrauch und eines Tages war das Unvermeidliche eingetreten: Die Flüssigkeit war aufgebraucht, einzig winzige Anhaftungen am Glas ließen erahnen, welch samtiger, pudriger und lieblicher Duft hier einmal eingefüllt war.

Später, vielleicht so um die Jahrtausendwende erwarb ich einen Flakon Shalimar EdP – mehr war finanziell nicht drin – und wenngleich der Duft nicht ganz an die vollendete Komposition des Parfums herranreichte, so tröstete er doch leidlich über das Fehlen desselben hinweg. Auch dieser Vorrat war nach Jahren aufgebraucht und sollte alsbald ersetzt werden. Noch immer ergaben sich Gelegenheiten mit dem vertrauten Duft einen Abend anzureichern und so wurde ein weiterer Flakon EdP gekauft. Welch Enttäuschung! Der Duft aus neuen Rezepturen war nur noch ein Abklatsch einstiger Schönheit! Aber, so sagte ich mir, das Parfum, das wird sein wie es immer war: üppig, warm, betörend.

Und heute – auf der Suche nach einem Oud et Bois – streifte ich durch die Räume einer mir vertrauten Parfumerie, sah einen Flakon Shalimar, las: Parfum und dachte: Warum nicht die Gelegenheit nutzen – ich hatte keinen Duft aufgelegt – und mit einem fast unhörbaren "pssscht" trafen feinste Nebel mein Handgelenk. Ich wollte dem Duft Zeit lassen, sich auf meiner Haut zu entwickeln und machte mich auf den Weg nach Hause ohne daran zu schnuppern.

Erst nach 30 Minuten neigte ich meine Nase zum Handgelenk – und war einfach nur maßlos enttäuscht. Was schon beim neuen EdP störte, störte auch hier: Nichts mehr von Einklang der Ingredienzien, von früherer Eleganz, nichts mehr von der Abgewogenheit edler Nuancen. Scharf fast, brennend und aufdringlich.

Wieder ein Parfum, das seine Erneuerung nicht bestanden hat. Und ich - ich bin traurig, dass die einstige Raffinesse, die umhüllende Weichheit eines großen Duftes für mich nur noch in der Erinnerung leben darf. Bye-Bye Shalimar!
Auf dem Weg durch die Jahrzehnte bist du mir verloren gegangen. Ich vermisse dich.
3 Antworten

Lilibeth vor 4 Jahren 10
9
Duft
9
Haltbarkeit
1
Sillage
8
Flakon

Dunkle Erinnerung – auf der Suche nach dem verflogenen Duft
Wäre der Duft eine Frau … ich wäre betört von ihrer Eleganz: Chic in Pret-à-porter gewandet, unaufdringlich eigenwillig. Die Handgelenke zieren schmale Goldreifen, die Ohren zarten Perlenhänger, die Haut in feinem Oliventon. Schön auf eine dezente leise Art. Nicht die Frau, nach der Mann oder Frau sich sofort umsieht, keine Femme fatale, keine Partymaus, keine Diva. Das Klirren ihrer Armreifen, wenn sie nach ihrer Tasche greift, das Rascheln der Seide ihres Kleides scheinen zu ihr zu gehören wie die Andeutung eines Lächelns in ihren Mundwinkeln. Sie ist eher stiller See als laute Fontaine und es ist das, was sie sein will.

Auf den Duft Coco Noir übertragen heißt das: Er ist wohlkomponiert, ohne laute Akkorde und ohne Crescendo und eher eine Nachtmusik denn eine Sinfonie. Er ist nicht leicht zu beschreiben, denn er ist gewissermaßen perfekt dezent. Als betrete man ein Zimmer, hübsch eingerichtet, gemütlich stilvoll, in der Beleuchtung einer Tischlampe: Alles zu sehen, aber in verbindende Schatten getaucht.

Beim ersten Aufsprühen, für etwa 30 Sekunden dachte ich, das wäre mein nächster Duft. Mit dem Verschwinden des Geruchs auf meiner Haut, legte sich dieser Impuls schnell. Coco Noir hat kaum Sillage und zieht sich schnell dezent so weit zurück, dass nur noch in 2 Zentimeter Abstand das floral-beerige Bouquet zu riechen ist. Sehr schade, denn das ist nicht, was ich von einem Duft erwarte. Die Basis ist angenehm dunkelfruchtig und hält sehr lange. Was leider nur bedingt zum Tragen kommt aufgrund der absolut unzureichenden Reichweite dieses Parfums.

Ich habe den Duft mit einem Tester Eau de Parfum getestet. An zwei Tagen, einmal morgens, einmal abends. Schade. Wirklich. Aber ein Duft, den ich nicht riechen kann, ist ein auf jeden Fall zu teurer Duft ;)
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