Ludomat

Ludomat

Parfumrezensionen
Ludomat vor 1 Jahr 4 3
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Widerborstiger Partner
Nach den spannenden Kommentaren hier wurden natürlich Erwartungen bei mir geweckt, als ich ihn kaufte. Den Gefallen, sie zu erfüllen, hat er mir nicht so ganz getan.

Der Schwarzkümmel ist originell als Zutat, sofort zu erkennen, aber nicht immer gut zu ertragen (genau so wenig wie selbiges frischgepresste Öl, das ich vom Markt habe, das dominiert jedes Essen, ist so eigenständig und exotisch, dass es sich in kein Rezept einfügen mag - vielleicht ist das ja das Querulantige des Titels).

Zusammen mit Myrrhe, Moos und Weihrauch hier jedenfalls ganz schön stechend, irgendwie metallisch. Schon wenn leicht überdosiert, macht mir Querelle mit dieser Bissigkeit Kopfschmerzen. Im Drydown ist die Schärfe dann fast weg. Besänftigende Tonka und Ambra lassen sich aber auch ziemlich bitten und erscheinen spät, bei mir erst nach 60-90 min, aber dafür bleibt das wirklich schöne Ende dann auch einige Zeit, tw. bis zum nächsten Morgen. Da schleimt sich Q. dann wieder etwas ein.

Finde den Namen, trotz Querkümmel, generell nicht wirklich getroffen, an anrüchige Hafenkneipen und Schmuddel-Matrosen erinnert hier nun wirklich nichts. Zu klar, streng, arrogant, clean kommt er daher, damit auch eher unerotisch, aber das kann auch daran liegen, dass ich am Anfang immer etwas angestrengt bin und mich mit ihm nicht so gut entspannen kann.

An heißen Tagen kommt er besser: ein frischer, wachmachender Tritt in den Nasen-Hintern. Tatsächlich auch kein schlechter Büroduft, weil er niemanden bedrängt, aber trotzdem ein kleines, ungewöhnliches Würz-Extra mitbringt.

Hab ihn seit Januar, wir hatten keinen einfachen Beziehungsstart, ich hatte Monsieur schon in die Souk-Wüste geschickt, aber ich probiere es immer mal wieder, gerade aktuell ob der Hitze.
Und wie Evje van Dampen schon sagt: Beziehung ist Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Ich arbeite also noch etwas weiter an uns - denn ne echt coole Socke ist er ja.
3 Antworten
Ludomat vor 2 Jahren 5 3
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Zeichen und Wunder
In der 15ml Miniatur erworben als eine Art Dreingabe zu einem anderen Duft. Nach den ziemlich mäßigen Urteilen hier habe ich ihn schon abgeschrieben - und geplant, ihn umgehend im Souk anzubieten, vielleicht greift ja eine neugierige Parfuma zu.

Aber es geschehen noch Wunder, ich bin positiv überrascht.

Ja, Pfirsich, ja, leicht vergoren, ja, etwas schwülstig, aber 1969 wird dabei nicht klebrig und kann gerade noch als unisex durchgehen. Kardamom und ein bisschen Nelke addieren Würze (ich glaube ja auch, daher rührt diese Gärungs-Anmutung), die Blumen halten sich zurück ...

Aber die größte Überraschung ist für mich der Kaffee. Im Drydown ist es ein leicht unreif-grünlicher Würzkaffee mit Restfrucht.
Schoko und Moschus unterstützen als wärmende Zutaten, Patchouli rieche ich kaum.

Ich habe erfolglos ein paar Kaffeedüfte probiert, viele sind mir zu gourmandig: Kilians Intoxicated ist toll gemacht, aber mir auf Dauer zu schwer, Olfactive Studios Close up etwas frischer, aber zu kirschig-süß.
A*Men fand ich schon seinerzeit zu zuckrig, als er lanciert wurde. Für andere gerne ... wer damit durchkommt. Aber nicht an mir. Er konnte aber immerhin das Interesse an Kaffee als prominenter Duftzutat wecken.

Und jetzt diese nette Überraschung, ich hätte den Kaffee nicht so wahrnehmbar vermutet, die subjektive Wahrnehmung schlägt doch immer wieder Kapriolen.

1969 hält lang durch, wird mit den Stunden immer angenehmer und drängt sich nicht zu sehr auf (im Job wahrscheinlich dennoch unpassend, aber das wäre zu überprüfen).

Fazit: Kein Meisterstück, aber auch kein Griff in den erwarteten Fermentier-Eimer.
3 Antworten
Ludomat vor 2 Jahren 10 3
9
Flakon
6
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Gurke mit Wermut, aber ohne Tropfen
Ich liebe grüne Düfte in vielen Variationen und der hier bringt seine ganz eigene anisig-gurkige Note ins Spiel und in mein Portfolio.
Startet mit deutlichem Wermut/Absinth, der eben auch Ähnlichkeit mit Anis, Fenchel oder Dill hat. Aber nicht dunkel-gewürzig, sondern hell und kräutrig-frisch.
Nicht viel später ist ein sehr starker Gurkeneindruck da, der, obwohl nicht aufgeführt, sehr wahrscheinlich von Calone herrührt - einem synthetischen Duftstoff, der nach Meeresbrise, aber auch Gurke oder Melone duften kann. Für mich überwiegt die Gurke, das finde ich auch großartig. Habe sie schon seinerzeit in Marc Jacobs' Cucumber Splash als leichten Sommerduft geliebt.
Bei Dune Road wird es verwoben zu einer leichten, eher trocken-herben, würzig-wässrigen Melange, die an warmen Tagen eine Wohltat ist.
Und bei mir bleiben die beiden Duft-Akkorde Wermut + Gurke bis zum Schluss Hauptakteure, auch wenn der Duft zur Basis hin etwas sanfter, wärmer und holziger wird.
Für mich kein Aquat, noch nicht einmal Wassernähe (so wie Düne, Seeufer etc.), sondern eher grün-frisch-würzig, ich denke mehr an blauen Himmel, Wind, Draußen, Wiesen, Gärten...

Ungewöhnliche Kombi, aber auch nicht so raumgreifend, dass man die Umgebung belästigt. Wenn man diese Richtung mag, ist es ein sehr schöner, entspannender, sehr persönlicher Duft.


3 Antworten
Ludomat vor 2 Jahren 7 4
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Cooler Veggie-Schweiß
Vor wahrscheinlich 6-7 Jahren auf Dienstreise in München, natürlich bei Beck vorbeigeschaut, um in der Parfumabteilung etwas Inspiration zu sammeln. Aha, Testostérone, das klingt ja mal interessant (meine Leidenschaft für irgendwie menschelnde oder tierschelnde Düfte erwachte damals ganz zaghaft).
Aufgesprüht, den Laden verlassen und den ganzen Tag damit zugebracht, den Duft zu fassen zu kriegen: puh, wie richtiger Schweiß, geht ja gar nicht —- irgendwie aber auch etwas geil und sexy —- kann ich doch nicht tragen, wann auch —- hat aber echt was --- usw.
„Kollegin, wie findest du den Duft hier?“ „Nicht schlecht." „Nicht schweißig oder eklig?“ „Nö.“

Mmh, trotzdem ohne Entscheidung die Stadt verlassen, konnte ihn aber nicht vergessen. Nächster Besuch, nochmal getestet, gleiches Spiel.

Und wieder ein Besuch, inzwischen ca. ein Jahr vergangen: jetzt kauf ich ihn aber. Beck: „Oh, das tut uns leid, Sentifique haben wir aus dem Sortiment genommen.“ Och, Mist, aber halb so schlimm, der war ja auch schwierig.

Nach weiteren Jahren, in denen ich eine kleine Sammlung mein Eigen nenne und einige recht ledrige, animalische oder oudige Düfte lieben lernte, fiel mir Testostérone wieder ein.
Leider nirgendwo mehr zu bekommen, weder neu noch auf ebay.
Noch vor kurzem dann tatsächlich ein Treffer auf ebay, halbvoller Flakon, her damit.

Endlich in der Hand, ich mag ihn immer noch (Erleichterung), traue aber mich kaum, ihn wieder so richtig und ganz zu testen, also mich großflächiger damit einzusprühen. Heute, Samstag, ziemlich heiß, Wochenmarkt - genau die richtige Gelegenheit, Frischluft gibt Sicherheit.

Der Duft: immer noch so faszinierend wie eh und je. Grundsätzlich trocken, sofort da und mit wenig Entwicklung, wie ja unten schon mehrfach geschrieben wurde.
Koriander und wahrscheinlich Cumin sind von Anfang an sehr deutlich: medizinisch, herb, und damit eben komischerweise auch sauber. Birkenteer durchaus wahrnehmbar, Oud in leichten Dosen vorstellbar. Patchouli wenn, dann nicht in seiner klassischen erdig-modrigen Form, sondern klar und herb.
Gerade Cumin (und vielleicht auch das atypische Patchouli) ruft auch die Schweiß-Assoziationen hervor, das geht mir bei Al Oudh von L’Artisan Parfumeur genauso, da aber in viel wärmer, orientalischer und molliger. Mich wundert, dass keine animalischen Noten enthalten sind, Zibet, Castoreum, Hyraceum …

Vielleicht bewirkt ja auch den Name mehr Kopfkino als eigentlich nötig.
Tatsächlich bleibt der Duft edel und unaufdringlich, wenn man sich das trotz des dennoch vorhandenen Frischschweißes überhaupt vorstellen kann, ich werde auf dem Markt jedenfalls nicht schräg angesehen. T’rone passt auch erstaunlich gut zur Hitze, behält immer seine kühle Trockenheit bei - und das lange.

Ich bin jetzt sehr froh, T’rone in der Sammlung zu haben, die 30ml, die noch da sind, werden gehütet wie meine Augäpfel und nur zu besonderen Anlässen weiter reduziert.
4 Antworten
Ludomat vor 2 Jahren 18 11
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
μαστιχα // Masticha my Love
Vor einigen Jahren im Griechenland-Urlaub habe ich Mastix als Lebensmittel kennengelernt (ich kannte den Begriff vorher nur als Kleber für Karnevals-Bärte).
In Athen gab es dann alles mit Mastix-Aroma: Kaugummi, Ouzo, sogar Frozen Joghurt. Ich fand den leicht zitrischen, frisch-harzigen Geschmack/Duft sensationell.
Vor ca. 2 Jahren habe ich für einen Raum-Diffusor das ätherische Mastix-Öl original von der Insel Chios bestellt, dort, wo die ältesten Bäume von Pistacia lentiscus stehen und die Qualität ihres Harzes am besten sein soll.
Eher zufällig stieß ich vor kurzem auf den Duft von Phaedon und habe bei einem guten Online-Angebot blind zugegriffen (allerdings vorher hier die Kommentare und Statements gelesen).

Ich habe es nicht bereut.
Ein authentischer Mastix-Duft, der durch die anderen Komponenten Spannung und Tiefe verliehen bekommt. Und auch wenn ich nicht in jedem Entwicklungs-Abschnitt genau Galbanum, Zeder oder Vetiver herausriechen kann, sie unterstreichen den Hauptakteur, denn immer wieder schmeichelt mir verlässlich Mastix um die Nase - bis in den Drydown.
Der Duft ist nicht laut, ich finde selbst den Auftakt nicht zu scharf.

Am Anfang war ich eher hinsichtlich Sillage und Haltbarkeit leicht enttäuscht, aber mit großzügigem Auftrag auch auf der Kleidung habe ich heute locker 7h etwas davon gehabt, mit eher körpernaher Projektion.

Obwohl ich grüne Düfte liebe, ist Lentisque für mich nicht grün, eher klar-kühl-grau, wie das Rauchglas des Flakons, nur heller. Insgesamt schön trocken-harzig, ich kann zum Glück kein Amber herausriechen, eindeutige Wärme oder gar Süße würden für mich nicht passen.

Lentisque schafft es, eine einzigartige klärend-beruhigende Stimmung zu schaffen, ideal an wärmeren Tagen um die 20°. Irgendwie ein sehr privater Duft, nichts zum Angeben oder Auffallen.

Meine persönliche Mini-Auszeit, meine kleine mentale Eskapade nach Griechenland.
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