MerteuilMerteuils Parfumkommentare

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25.06.2019 18:11 Uhr
3 Auszeichnungen
nun gut, wieder mal schlechte laune was DIESEN designer-schmäh betrifft, vielleicht sollte ich meinen user-namen langsam in statler and waldorf umbenennen, da ich anscheinend bei quasi allen neueren duft-auftritten einfach nur granteln möchte ... - auch wenn ich endlich erleuchtung erfuhr nach was gefühlte achtzig prozent der nachmodernen mode-populisten der berlin-mitte-fraktion, irgendwo zwischen acne ( das schwedische label, nicht die dermatologische auffälligkeit, und ja, ich weiss die sind auf die potsdamer strasse umgezogen ) und dem nike store shoppend, nebst encre noir, geza schöns molecules und wenn's hoch kommt sycomore ( okay ich muss zugeben der hat mehr als nur was, haut aber in die selbe kerbe wie letztere ) riechen - ... da dieses machwerk nun wirklich rein gar nichts mit dem wegbereiter der literarischen moderne zu tun hat und auch nichts mit 'dünkelhaft' -verwegenem dandytum, oder blass-blutleerer und augenberingter pariser fin-de-siecle-dekadenz, welche die hersteller hier wahrscheinlich herauf-orakeln wollten: alles was ich rieche, wenn auch nicht in dieser reihenfolge und auch nicht in der duftpyramide aufgeführt, sind in DOMESTOS eingelegte PFLAUMEN auf einem bett von verkohlt-kandiertem SANDELHOLZ und dies in einer haltbarkeit und sillage, dass sich der tote dichter unter garantie in hundert jahren noch in seinem grab wälzen wird um nach einem fläschen laudanum förmlich zu betteln.
ich trink jetzt ein gläschen absinth und hoffe ... zu vergessen ;-)
p.s. l'air de rien ist als hommage an den namensgeber, wie ich finde, hier eine bessere wahl


02.03.2019 17:01 Uhr
9 Auszeichnungen
das ultimative hippie-chic parfum für pelztragende damen aus dem taunus anno 1978; sauber und schmutzig zugleich, erinnert es tatsächlich an den geruch alter kürschnerware, als diese noch sozusagen 'politisch korrekt' und unbedenklich war. kamille, patchouli und eichenmoos spielen hier die hauptrollen, die gesamtwirkung ist eine komplett andere als viele bernard chants dieser zeit, welche ja alle irgendwie um aramis u./o. zimt/gewürznelken rotieren. dies ist ein klassischer chypre und in seiner kombination mit patchouli einzigartig. verdünnt ein tolles bügelwasser (was ich durchaus nicht despektierlich meine)! der duft zu dem film 'die augen der laura mars', in dem faye dunaway die weibliche version helmut newtons mimt.


01.03.2019 19:09 Uhr
5 Auszeichnungen
eine olfaktorische rekonstruktion eines hölzernen barockdachstuhls unter flirrender sommerhitze; leiber schwelgend in wolken von in cognac eingelegten rosinen und spuren von rostigem eisen auf erhitzter haut unter feuchtem batist; trockenes rissiges leder unter sich gegenseitig wärmenden lenden; karminfarbener lippenstift auf bleichen gemehlten wangen; verwelkende rosenblätter schwimmend in einem glas chateau petrus auf ocker-gelbem samt - der name ist programm, eine zeitreise ... und quasi ein goldener schuss PATCHOULI.


01.03.2019 18:05 Uhr
2 Auszeichnungen
ich verorte diesen duft irgendwo zwischen givenchy gentleman (ohne das zibet) und einem flachgeschliffenen eau du fier (das leider längst vom markt genommen wurde) ohne dessen jus de veau- o. räucherschinken -aspekt und lagerfeuer-realismus, dem man eine wundpflasternote beifügte - interessantes statement, welches offensichtlich in richtung tom fords goldener design-ära zwinkert und dem texanischen großmeister des porn chic hiermit seine referenz erweisen möchte, um das inzwischen prollige image des hauses hiermit selbstbewusst postmodern überhebend einer neuen und jungen generation schmackhaft zu machen. leider fehlt dem parfum etwas saft und 'dreck', um es dreiminsionaler und natürlicher wirken zu lassen ...
trotzdem: hut ab vor einem duft, der sich endlich mal traut ohne zucker auszukommen!
p.s.
könnte als basis unter andere leder- und patchouli-parfums wunderbar funktionieren


16.02.2018 19:32 Uhr
10 Auszeichnungen
dieses parfum, von anscheinend sehr vielen hier geschmäht, kann man meiner meinung nach weder nach seiner duftstoffpyramide, noch direkt vom duftstreifen bewerten, da der ganzheitliche eindruck sich einem erst auf der eigenen haut erschliesst. als erster duft, noch vor doblis, entschloss sich das haus zu beginn der fünfziger jahre hier einen der authentischten birkenteerdüfte "haute gamme" überhaupt zu entwerfen, ein parfum über das edmond roudnitska sagte, es wäre von dem einer hermes-handtasche 'entströmenden duft' inspiriert worden. ein duft also, der - auch wenn man den kardamom und lavendel tatsächlich isoliert immer wieder fast schmecken kann - einem wechselweise, quasi duelliserend, zarte pudrige aus feinstem ziegenwild eines kelly bag-taschenfutters und dem eisigen glacee eines perfekt sitzenden herrenhandschuhs leder vor die füße wirft. niemals laut, robust und filigran zugleich, angenehm warm, dann wieder kühl gewählt in seiner ausstrahlung, ist dies ein olfaktorisches ausnahme-erlebnis, welches zu jeder jahreszeit absolut tragbar seinen besitzer umwirbt , den natürlichen hautgeruch unterstütztend niemals verkleidet oder aufgesetzt wirkt und als meisterwerk (und "uni-sexer"!) in klasse, stil und zeitlosigkeit seinesgleichen erst noch finden muss.


15.02.2018 22:47 Uhr
5 Auszeichnungen
auch hier hat etro seinerzeit ein feines gespür für echte noncuranza all'italiana bewiesen, denn dieses parfum ist ähnlich wie sandalo eine tolle umsetzung italienischer lebensart und tradition. eine schöne symbiose von patchouli und vetiver, welche letzterem die sonst übliche säure nimmt und obwohl in seinen duftstoffen schnell zu entschlüsseln, doch mehr als nur die summe seiner bestandteile aufweist.
zitrisch frisch im auftakt, nimmt man sofort das aroma des inherenten möbelstücks in voller pracht aufgestellt und frisch gewienert wahr, santalum spicata und pogostemon cablin spielen die hölzer aus, ganz in rot/ burgund; haitanischer vetiver übernimmt die politur kolonialen barocks in seiner vollen pracht grün und satt. ein eleganter begleiter, der ein wenig dieselben saiten wie bel ami vetiver zupft. als unisex deklariert, scheint er doch, vor allem aufgrund der immer wieder sich wegbahnenden fast kosmetisch-lippenstiftartigen cremigkeit, mehr für frauen erdacht.
schade, dass es ihn nicht mehr gibt.


14.02.2018 18:19 Uhr
4 Auszeichnungen
eigentlich bin ich bisher von allen (alten) etros begeistert, da sie alles eins vereint:
natürlichkeit und understatement ohne den üblichen donnernden krach in sillage und übertriebener haltbarkeit !
ein toll umgesetzter duft zum thema, ein wenig bitter und distanziert, sehr holzig, mit dem richtigen spritzer patchouli für den dem haus immanenten bobo-charme. terpentinig und kühl wie er ist, kann ich ähnlichkeiten zu guerlains heritage erkennen, aber schöner und schicker, da er etwas jünger und gleichzeitig "authentischer" wirkt, weniger elitär und doch eleganter als sein französischer nachkömmling.
p.s.
ich testete das original edc


14.02.2018 17:35 Uhr
8 Auszeichnungen
für mich einer der besten patchoulis überhaupt! der hat nichts süßes oder schokoladiges wie die meisten seiner vettern und evoziert auch nicht die üblichen 68er bzw. gothic-assoziationen -
ich rieche feuchtes novemberlaub, pflaumenlikör bzw. sherry mit einer leicht anisigen note, pfeiffentabak und torf, hölzer und kaminasche, alles sehr dunkel, samtig und potent (vorsicht also mit der dosierung) mehr ein tierisches pheromon, denn ein duft, mehr alchemie als parfumerie.


10.02.2018 19:14 Uhr
1 Auszeichnungen
vielleicht trug felix yusupov - sehr aristokratischer stutzer, liebhaber eines neffen des zaren und geschichtsträchtiger giftmischer - das original in seinem pariser exil, um sich dort von den revolutionären unannehmlichkeiten (!) in seinem heimatland zu kurieren , als auch standesgmäß seiner verlorenen gerbmittelgeschwängerten stallungen und landsitze zu gedenken. bei dieser neuauflage kann ich allerdings nichts des namengebenden leders riechen, eher die zuckrigen silberkügelchen auf einem glasierten, pastellig gezierten petit four -
nun verhält es sich mit nachdrucken und ihren erstausgaben ja oftmals wie ein stilmöbel zu einem louis-seize original :



MODE KANN MAN KAUFEN, STIL BESITZT MAN.



dessen nun wenig gewahr fragt sich der durchschnittliche rubljovka-anwohner wohl, warum er horrende summen für ein wurmverlochtes irgendwas ausgeben sollte, wenn er dasselbe in neu und sauber und gleich in zehnfacher ausführung für denselben preis bekommt (sein luxusanwesen gleicht ja auch mehr einer ost-platte mit reichlich marzipan und nougat obenauf, als dem baufälligen versailles), während er in seinem learjet im landeanflug auf st. moritz sitzt und seine zobelumhüllte, ubiquitär gebleachte gattin neben ihm gerade ein eben gefertigtes super süßes selfie in den virtuellen äther an ihre mitgespiellinen schießt.

das hat wohl auch herr polge verstanden als, er dieses stück luftig-durchsichtiger nur ein wenig (!) überkandierter französischer haute patisserie-kunst auf den post-sozialistischen neuen russischen "hof"/ markt warf.



25.01.2018 20:21 Uhr
6 Auszeichnungen
ich bin ein wenig verwirrt was diesen duft betrifft:
das haus prada ist ja was seine düfte und mode angeht ein globaler riese und neben seinen äusserst gut recherchierten referenzen in jeden noch so kleinsten winkel der duft- und kostümhistorie des 20. jh. ,der grund weshalb ich immer eine grosser fan dieser marke war und madame pradas sehr genaues gespür dafür was grade geht und mit einem dicken augenzwinkern 'vintage' eine ganz neue dimension, sowie 'ugly' den diskreten charme der (eigentlich heute gar nicht mehr existenten) bourgeoisie verleiht, überrascht mich immer wieder aufs neue.




die viel zitierte ähnlichkeit zu angel, habe ich so nie erkannt bzw., einfach weil ich fand, dass es ca. zehn jahre nach seinem erscheinen (angel) einfach noch zu früh für ein solches zitat gewesen wäre, doch las ich nun in einem interview, dass es sich hierbei tatsächlich eher um eine art proust'scher madeleine, einer erinnerung ihrer eigenen jugend handelt, einen duft für den sie, nur um ihn immer wieder zu riechen, in den sechzigern mehrmals den atlantik überquerte. hier liegt also mein problem:
ich kann den duft zeitlich nicht einordnen. er ist für mich weder sechziger noch siebziger, auch nicht achtziger oder mugleresque frühneunziger. er ist kein hippie/patchouli duft, auch wenn das viele behaupten, als gourmand kann ich ihn auch nur bedingt einstufen und mit all den danach erschienenen 'infusions' und ihrer super poshen dry-cleaning attitüde, welche sogar jackie o. unaufgeräumt aussehen liesse, hat er nun rein gar nichts am hut.



was ich wahrnehme ist ein sehr sehr komplexer duft, der wie kaum ein anderer, wenig greifbar scheint , ein gender-bender, wenn nicht mehr maskulin, fast schmutzig-rau und dann doch nah an kapriziös, ja fast reinlich-poliert.
je nach jahreszeit und wetterlage braucht es allerdings gute nerven um sich von diesem duft nicht erkeult zu fühlen, nicht halsweh von einer überdosis honigmilch, kopfweh von einer lastwagenladung voller mimosen getränkt in angetrocknetem rotwein zu bekommen, aber:

der drydown, die harze und hölzer ( auf die man leider laaaaaaange wartet) sind
so großartig, dass sich das warten lohnt und ich mich fortwährend frage, ob es
nicht irgendwo ein parfum gibt, welches wie hier und jenseits jeglicher süße,
einfach nur so riecht!


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