MrWhite

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6 - 10 von 84
MrWhite vor 10 Jahren 14 6
7
Duft
Big Red Kaugummi
Direkt nach dem Aufsprühen habe ich sofort eine klare Assoziation: den berühmten Big Red Kaugummi. Viel Zimt, noch dazu sehr pfeffrig und fast schon scharf das ganze. Die Zimtmoleküle kann man quasi fast schon in der Luft rumfliegen sehen, so ausgeprägt und intensiv ist diese Note. Als ich noch ein kleines Kind war, hatte meine Mutter immer einen Behälter bereit, in dem eine Mischung aus Zimt und Zucker auf den Crepes-Tag wartete, den es bei uns sehr regelmäßig gab. Oft habe ich an diesem Behälter geschnüffelt auch wenn gerade kein Crepes-Tag war. Und nach dem Öffnen des Deckels entwich eine "Dolce di Giorno"-Wolke aus ihm. In "Dolce di Giorno" kann man den Zucker aber mehr oder weniger vernachlässigen, denn ich finde den Duft nicht wirklich süß. Zumindest nicht süß in der Art wie die typischen Gourmands von beispielsweise Profumum Roma. Deshalb ist "Dolce di Giorno" für mich ein Unisex-Duft, ich finde ihn weder besonders männlich noch besonders weiblich. Durch den beißenden Pfeffer vielleicht eher männlich, durch den Zimt vielleicht eher weiblich.

Einen großartigen Verlauf kann ich bei "Dolce di Giorno" nicht feststellen. Der Duft bleibt eigentlich so, wie er auch begonnen hat, es gesellt sich höchstens noch bißchen feine Vanille dazu, Pflaume rieche ich keine. Das ist sehr lecker, sehr weihnachtlich und durchaus sehr ungewöhnlich. Ich kenne jedenfalls keinen anderen Duft, der ähnlich riecht, außer vielleicht ganz entfernt "Lillipur", den ich zudem komplexer und nobler in Erinnerung habe. Glücklicherweise riecht "Dolce di Giorno" übrigens ausschließlich natürlich und überhaupt nicht synthetisch. Somit kann ich immer wieder nur empfehlen, sich bei Gourmands vorwiegend nur in der Nische zu bedienen, wenn man spürbare Qualität haben möchte. Zu einer Höchstwertung reicht mir das Gebotene aber dennoch nicht, denn mich nervt der Duft auf Dauer. Ich kann ihn nicht lange (er)tragen. Ja, er geht mir gar auf den (Zimt)-Keks, auch wenn die Sillage schnell deutlich nachlässt. Der Zimt und Pfeffer sind mir einfach zu überdreht, es riecht eben total wie der schon erwähnte Big Red Kaugummi. Von der Art (trocken, unsüß, linear, "Flash auslösend") möchte ich ihn am ehesten mit "Sorriso" vergleichen, wobei mir die Schokolade aber persönlich deutlich besser gefällt als der Zimt und Pfeffer. Dennoch sollte man "Dolce di Giorno" unbedingt mal getestet haben, der Duft ist toll gemacht, überrascht und fasziniert beim allerersten Aufsprühen ungemein (das meinte ich mit Flash) und stellt schlussendlich einen wunderbar-würzigen Winterduft dar.
6 Antworten
MrWhite vor 10 Jahren 60 24
9
Duft
Wovor habt ihr denn Angst?
Dass ihr nach Opa riecht?
HR verströmt aber den Duft von Erfolg, Dynamik und Dekadenz (ausserdem sind Opas toll).

Dass ihr nach altem Schrank müffelt?
Mit HR riecht ihr frisch, sauber und gepflegt.

Dass euch Mama nach dem Essen nicht mehr den Mund abwischt?
Ja, damit ist irgendwann Schluss.

Dass ihr ohne Kuscheltier einschlafen müsst?
Auch das ist irgendwann vorbei.

Dass ihr keine Ladies mehr abbekommt?
Mit Gold, Night und Extreme riecht ihr nach sozialem Brennpunkt, wie anziehend.

Dass ihr plötzlich nicht mehr jung und/oder attraktiv seid?
Entweder ihr seid's oder seid's nicht.

Empfehlung: strong buy.
24 Antworten
MrWhite vor 10 Jahren 15 7
6
Duft
Vetiverwochen
Ich bin eigentlich kein großer Vetiver-Fan und schon gar nicht Kenner in diesem Bereich, dennoch bin ich schon seit Wochen auf der Suche nach einem Vetiver-Duft, um ihn in meine Sammlung zu überführen. Diese herb-grüne Note hat es mir mittlerweile nämlich dann doch etwas angetan und steht in meinen Augen ganz klar für männliche Eleganz. Sowas kann man doch immer brauchen. Im Prinzip könnte ich mich zwar mit meinem "Terre d'Hermes"-Flakon und vor allem meiner "Encre Noire"-Abfüllung begnügen, aber der erste ist kein richtiger Vetiver für mich und der Lalique vielleicht doch etwas zu dunkel nach meinem Geschmack, obwohl sonst äußerst überzeugend.

Da man ja aber Perfektionist ist, begann also die Suche. Einschränken wollte ich allerdings nur auf die berühmtesten und bekanntesten Vertreter. Vetiver-Großmeister Yatagan macht mit seinen hervorragenden Kommentaren natürlich schon bisschen neugierig auch auf die selteneren Vertreter dieser Duftrichtung, aber in diesem Fall sollte es wirklich etwas "gängiges" sein. Als großer Tom Ford-Fan begann die Suche natürlich mit dem "Grey Vetiver EDP". Und für das war eigentlich auch schon direkt nach dem ersten Test die Kaufentscheidung gefallen. Tom Ford-Düfte sind sexy! Ohnesgleichen anziehend! In seinen Düften muss wirklich ein verbotener (Lock)-Stoff sein, egal ob Signature- oder Private Blend-Reihe. Aber ich mache es mir meistens lieber etwas schwerer und suchte somit trotzdem weiter. Auch weil ich das Vetiver-Thema so interessant fand und es nicht direkt nach dem ersten Test enden lassen wollte.

Enttäuschend war z.B. der Itasca-Vetiver von Lubin. Ich finde, der riecht einfach nicht angenehm. Leider auch nicht viel besser "Vettiveru" von Comme des Garcons. Mir auf bestimmte Art zu synthetisch und vor allem zu schwachbrüstig, aber wenigstens angenehm klassisch. Ebenso zu schwach und zu körperlos war mir "Vetiver Babylone" von Armani, finde ihn zwar schön aber langweilig. Richtig schlimm "Infusion de Vetiver" von Prada. Komische Seife halt, brauch ich nicht. "Vetiver Tonka" riecht wie ein angebranntes Karamellbonbon, heiliger Bimbam ist das ein unangenehmer Gourmand! Da kenne und habe ich zig bessere. "Vetiver Extraordinaire" wäre vielleicht noch ein Kandidat gewesen. Ist mir aber irgendwie zu künstlerisch anspruchsvoll und zu wenig ein Vetiver, so wie ich ihn suche. Aber großartig umgesetzt und vermutlich objektiv gesehen der beste und edelste Duft unter allen genannten in diesem Kommentar, unbedingt testen!

Neben dem Tom Ford gefiel mir aber dann doch noch einer extrem gut, und zwar der "Vetiver" von Dior. Das ist für mich ein ganz großes Meisterwerk und von dem besorge ich mir auf jeden Fall Abfüllungen oder einen Flakon, falls ich noch irgendwo einen finden sollte. Ein einzigartiger Duft und Liebe auf den ersten Riecher. Kurz erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch "Original Vetiver" von Creed bzw. seinen Pseudo-Duftzwilling "Mugler Cologne". In beiden nicht viel Vetiver drin aber der Creed duftet gut und frisch, der Mugler leider nach Plastik, welch Reinfall! Der Ehrenpreis geht übrigens an das superedle und mir zu teure "Sycomore" von Chanel. Das ist Luxus, das hat Stil!

Also das "Grey Vetiver EDP" schon fest eingeplant, als dann völlig unerwartet die Ankündigung zum EDT kam. Den musste ich natürlich vorher testen. Und nun war es dann endlich soweit. Der Beginn ist sehr zitrisch, sehr saftig und zudem sehr sauer. Alles wie eine echte Zitrone, die gerade frisch aufgeschnitten wurde. Das gefällt mir wirklich gut. Und es bleibt erst mal so, von Vetiver keine Spur. Da dachte ich mir noch, OK du hast jetzt zwar keinen Vetiver gefunden aber dafür einen hervorragenden, frischen Zitrus-Sommerduft. In dieser Phase fühle ich mich sehr an die Colonias von Acqua di Parma erinnert, nur moderner, anziehender und luxuriöser. Auf jeden Fall mehr Dynamik ausstrahlend und nicht so behäbig wie diese trotzdem sehr guten Klassiker. Doch nach 20 bis 30 Minuten wird die Vetivernote dann plötzlich doch immer stärker und die Zitrone verschwindet immer mehr. Das EDT gleicht sich immer mehr dem EDP an, es wird immer dunkler und grüner. Die Vetivernote ist fast dieselbe wie beim EDP und genauso seifig und sauber, aber natürlich ist es nicht die Kernseife von Prada, sondern eine feine Edelseife aus dem Fachgeschäft.

Insgesamt ein guter bis sehr guter Duft und dem EDP ebenbürtig mit einem interessanteren Start als Bonus. Ich wüsste somit nicht wirklich, welche Konzentration ich lieber nehmen sollte, vermutlich das EDT aufgrund der herrlichen Zitrone, die aber nach 30 Minuten völlig und restlos verschwindet und dann einen dem EDP sehr ähnlichen Duft zurücklässt. Apropos EDP, das EDT ist tatsächlich noch schwächer und ich habe Probleme, es überhaupt wahrzunehmen, wenn ich nicht mit der Nase an die Hand gehe. Das EDP hat in diesem Punkt leichte Vorteile, ist mir aber eigentlich auch viel zu schwach.

Der Twist an der Geschichte:
Während dieser Testphase (den einen oder anderen Duft habe ich jetzt vermutlich ausgelassen, da für mich belanglos), begegnete ich natürlich auch wieder "Guerlain Vetiver" und "Guerlain Vetiver Extreme". Früher nicht gerade meine Lieblingsdüfte, ganz gelinde gesagt. Aber seit den vergangenen Vetiverwochen und den durchgeführten Vergleichen habe ich nun einen anderen Eindruck. Sogar einen völlig anderen. Mit "Guerlain Vetiver" beginnt alles. Ohne "Guerlain Vetiver" existiert nichts. "Guerlain Vetiver" ist der Ursprung, der Maßstab, der Sinn. Da muss man erst drauf kommen, aber dann ist es auf einmal glasklar und die ganze Testmühe war eigentlich nur dazu gut, "Guerlain Vetiver" endlich zu verstehen und alle Nachfolger als Nachahmer zu identifizieren. Somit bleiben auch die sexy Tom Fords ausnahmsweise mal im Regal liegen und der normale Guerlain wird bei mir einziehen neben dem Dior...
7 Antworten
MrWhite vor 10 Jahren 8 5
8
Duft
Im Zweifel für den Angeklagten
Gerade eben habe ich meinen ersten Creed gekauft, obwohl ich eigentlich kein besonders großer Fan dieser Marke bin. Und obwohl der gekaufte Duft eigentlich so gar nicht zu meiner bevorzugten Duftrichtung gehört. Obendrein ist er anscheinend schon lange eingestellt, wenn man der Creed-Homepage und den Kommentaren unten Glauben schenken darf.

D.h. schuldig in allen Punkten im Sinne der Anklage und trotzdem Freispruch? Wieso das denn? Ganz einfach deshalb, weil "Vetiver" exakt so duftet, wie Apicius den Duft in seinem Kommentar beschreibt. Und weil mich der kleine, spontane Testsprüher von gestern Abend unter den Hemdsärmel (alle anderen Stellen waren schon belegt) nicht mehr losgelassen hat und ich es heute kaum erwarten konnte, die Stätte der Verlockung wieder aufzusuchen und meine Beute mitzunehmen. Das große, rote Schild mit dem Aufdruck "20% auf alle Creed-Düfte", das ich noch im Hinterkopf hatte, machte meine Mission umso verlockender.

Wie eben schon angedeutet, hat Apicius den Duft schon perfekt beschrieben, so dass ich darauf ausnahmsweise mal verzichten werde. Nur vielleicht so viel: "Vetiver" duftet wie 4711 nur ohne die Oma dahinter. Elegant, zeitlos, maskulin! So einen typischen Gentleman-Duft habe ich wirklich noch in der Sammlung gebraucht. Denn mit "La Nuit de L'Homme" etc. macht man vielleicht eine freche Teeny-Göre auf sich aufmerksam, die allerdings spätestens nach einer Stunde noch mehr nervt als der ködernde Duft. Mit "Vetiver" geht es aber um den real deal...
5 Antworten
MrWhite vor 10 Jahren 18 12
7
Duft
Two-Hit-Wonder
Bisher hat mich von Davidoff eigentlich nur "Zino" überzeugt. "Cool Water" könnte ich vielleicht auch noch nennen, aber das ist nun so überhaupt nicht meine Duftrichtung. Die mittlerweile eingestellten Klassiker wie "Relax" und "Background" kannte ich früher nicht als es sie noch gab, konnte aber dank Parfumo die meisten doch noch testen. Dass sie eingestellt sind, ist aber für mich nicht weiter schlimm, das haben die Tests ergeben. Ich kann diesem alten Davidoff-Kram heute im Nachhinein nix mehr abgewinnen und richtig furchtbar sind natürlich die aktuellen Releases von Davidoff wie "The Game" usw. Somit gilt Davidoff gleich Zino für mich, also ein klassisches One-Hit-Wonder.

Seit gestern müsste ich aber korrekterweise die Vergangenheitsform für diese Gleichung benutzen und von einem Two-Hit-Wonder sprechen, denn der neue Duft "Leather Blend" hat mich tatsächlich überzeugt. Er hat überraschenderweise nicht viel mit den opulenten Krachern wie "Tuscan Leather" zu tun, sondern beschreitet einen anderen Weg. Dabei hätte ich alles darauf verwetten können, dass Davidoff diese Kuh auch noch melken möchte.

"Leather Blend" ist in der ersten Stunde ein ziemlich starker, deutlicher Lederduft. Dazu etwas animalisch und etwas frisch zugleich. Für mich eine interessante und überzeugende Kombination. Das Leder wird aber nach ca. 60 Minuten dann deutlich weicher und man könnte meinen, es sei verschwunden, wenn man nicht noch andere Lederdüfte kennen würde. Es gibt wirklich viele verschiedene Interpretationen von Leder und diese ist eine davon, eine sehr weiche, geschmeidige Art. Zusammen mit der Wärme kommt noch eine zurückhaltende, aber durchaus dichte Süße hinzu. Es muss der Amber sein, aber so wirklich kann ich ihn nicht als solchen erkennen, obwohl ich mittlerweile viele Amberdüfte kenne.

Und dann kommt für mich die interessanteste Wendung, "Leather Blend" wird plötzlich sehr würzig und pfeffrig. Safran rieche ich nicht. Sondern ich hätte auf Kardamom getippt, der steht aber nicht in der Duftpyramide. Auf Kardamom kam ich, weil mich der Duft total an "Opus VII" von Amouage erinnert. Wahnsinn! Ich hatte eigentlich mit "Opus VII" abgeschlossen, aber nun kommen die Erinnerungen doch wieder hoch. Verdammte Axt, wehe den Amouage muss ich jetzt doch noch kaufen. Der Vibe ist hier derselbe, besonders in der tollen cremig-balsamisch-würzigen Basis, nur ist "Leather Blend" nicht grün und um einiges gefälliger und runder als der etwas spröde Opus. Richtig gefällig und vielseitig finde ich allerdings auch diesen Duft nicht trotz der Wärme und Süße, aber er ist gut...
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