Kokosbömbchen auf schräg
Hm. Ich hab ja heuer die Kokosphase - woher sie auch kam, plötzlich war sie da.
Und so griff ich auch bei der Auswahl bei einem kürzlich vereinbarten Tausch beherzt zu, als ich diesen hier im Togo Ordner sah. Auch wenn man ehrlicherweise schon anmerken könnte, dass dieses Dings ein bisschen wie ein Kinderparfum aus dem Kaugummiautomaten aussieht. In etwa. Aber was solls - no risk, no fun...
Und heute wurde er getestet.
Das Ergebnis?
Krawumm
Der erste Eindruck (Minute 1 und 2): was is"n das für ein schreckliches Gebräu?
Vor meinem geistigen Auge wurden in einer kleinen Schüssel (sie war quietschgelb!)
3 Esslöffel Zahnpasta (mit Streifen!) mit
8 - 9 runden Kokos-Schoko-Talern vermengt, zerstoßen und zu einer leicht zähflüssigen Pampe verrührt..
Entsetzen. Oder so in der Art.
Zwischen Minute 3 und 7 kamen erste Zweifel auf und ich wurde unschlüssig.
Ist das "schrecklich" oder ist das "ziemlich schräg, aber doch irgendwie genial"? Und egal ob 1 oder 2, will ich so riechen und warum?
Hm. Was soll ich sagen? Nun ist das, was aus diesem kleinen blauen seltsamen Dings rauskommt, seit ca. 6 Stunden auf meinem Arm (obwohl nur einmal zaghaft gesprüht).
Ausdauer hat er.
Gewöhnt hab ich mich an ihn.
Die quietschgelbe Schüssel hat sich verzogen. Was bleibt, ist eine dumpfe (nicht im negativen Sinne), gefühlt "eher dünklere" Kokosnote, wie von einer guten Sonnencreme, die stark nach Kokos duftet.
Und ich hätte jetzt verdammt Bock auf Frühling. Denn dahin gehört er. In den Frühling, in lockere freie Tage, an denen die Seele baumeln darf und man ein bisschen mehr als sonst den Schalk im Nacken hat.
Und an manchen dieser Tage wird er mich begleiten. Dann werde ich mein Bild über ihn nochmal festigen. Möglicherweise.
Jedenfalls aber werde ich dann die Bewertung nachholen...
Schwarz ist nicht Gold
Ich habs ja versucht - Dich zu lieben. Ja, kleiner schwarzer Bär, so richtig. Und ich hatte es auch fest vor, ich schwörs Dir.
Aber leider ging die Rechnung nicht auf. Du warst einer von denen, die mich über meinen verlorenen (vor Jahren leichtfertig verkauften) Just Cavalli Gold for Her hinwegtrösten sollten. Einer von den insgesamt dreien, die die Lücke, die ER (der Goldene) hinterlassen hat, füllen sollten.
Daran bist Du dann auch gescheitert, kleiner Bär, so kläglich wie die anderen zwei vor und nach Dir...
Die ersten 10 Minuten dachte ich, es wird funktionieren. Du sprühtest mir die schönste Haselnuss um die Ohren äh Handgelenke, zwar abgeschwächter, sanfter als der "kratzbürstige" Cavalli Gold, aber nicht minder schön und verführerisch.
Aber kurz danach hatte der Traum ein Ende. Du bist abgeglitten in eine kuschelig-warme Richtung, ähnlich meinem geliebten Trussardi Inside oder dem tollen Musk 12 von Kayali. Auch wunderschön eigentlich, aber halt so gar nicht das, was ich mir von Dir erhofft habe. Keine Spur mehr von Haselnuss oder dem goldenen "Feuerwerk" des Verflossenen...
Der Ausklang eine unverfängliche Vanille-Sandelholz-Kombi, exakt nach Duftpyramide. Gefällig und zart, ja.
S/H würde ich beides im Mittelfeld sehen.
Was mir zum Abschied bleibt, mein kleiner schwarzer Bär?
Ich wünsche Dir eine unbeeinflusste Nase, die keine bestimmte Erwartung an Dich hat, sondern Dich unvoreingenommen so mag, wie Du bist.
Oder vielleicht sogar liebt...?
Und ich? Meine Suche war intensiv, sehr intensiv! Und sie war erfolgreich. Der goldene Cavalli befindet sich im Anflug, und das gleich zweifach...
Vielleicht hast DU mir ja Glück gebracht, kleiner schwarzer Bär...
Die Pflichtrezension
Das ist grad eine doppelte Premiere für mich.
Die erste Rezension seit 4 Jahren, hoffe das klappt noch...
Plus die erste Rezension, die ich ohne Emotionen schreibe (sonst verleitet mich nur eine tiefere Verbindung zu einem Duft zum Schreiben einer Rezension, positiv oder negativ). Diesmal bin ich komplett neutral, fühle mich aber irgendwie dazu verpflichtet, weil ich nicht ein bisher unkommentiertes Parfum einfach so weiterziehen lassen wollte. Noch dazu eines, das discontinued ist und man nicht mehr ohne weiteres irgendwo testen kann.
Ok, kommen wir zur Sache... Blindkauf (weil Beeren-Moschus-Kombi laut Pyramide und limitiert/kaum mehr erhältlich - da schaltet oft mein Gehirn aus).
2. Test heute. Die 20 Grad haben wir leider nicht hingekriegt, aber für 18 plus Sonne hats gereicht.
Mir ist jetzt der Grund meiner Ratlosigkeit vom 1. Test (siehe Statement) klar geworden.
Ich rieche etwas, das ich laut Duftpyramide nicht erwartet hatte, nämlich Zitrik.
Nach dem Aufsprühen: brizzelig, frisch, zitrisch. Mandarine? Ein Hauch von Blutorange vielleicht.
Wie auch immer Blauregen riecht, ich rieche ihn nicht (außer jener riecht wie Mandarine bzw. Blutorange) ;-)
Herznote: Assoziationen von Fruchtkaugummi und Fruchtshampoo gesellen sich zu der Zitrik und vermischen sich zu einem heiteren Duftgemisch.
Ich denke, der Duft bräuchte noch wärmere Temperaturen. 25 Grad aufwärts. Daher bin ich bei Bewertung und Beschreibung sehr fair, denn ich glaube ernsthaft, der kann mehr, wenn es so richtig sommerlich ist.
Negativ: wenig Wiedererkennungswert, sehr leicht.
Positiv: macht definitiv gute Laune, eckt bestimmt nirgends an, bürotauglich, "Immergeher".
Da meine Zitrisch- und meine Beerig-Sammlung (ganz weiß ich noch immer nicht, wohin er mehr passen würde) gut mit Fixstartern gefüllt ist, darf er weiterziehen und hat schon ein neues Ziel.
Sillage und Haltbarkeit wohl auch im niedriger-mittleren Bereich, auch hier hoffe ich auf Potential im Sommer.
Das wars für heute. Auf bald, dann auch wieder mit mehr Emotionen - ich versprechs :-)
Der lange dunkle Fluss
Manche Düfte sind wie ein langer ruhiger Fluss. Du fährst diesen Fluss entlang, in einem Boot, eher klein, und es fährt nicht schnell, sondern ruhig, fast gemächlich schon.
Der Fluss, durch den ich mit Black Tulip fahre, ist lang. Er ist ruhig. Und er ist eher dunkel. Sein Wasser ist fast schwarz und undurchsichtig, keine Gelegenheit bietet sich, auch nur eine Idee zu bekommen wie der Grund beschaffen sein könnte.
Geheimnisvoll ist er und er wirkt ein bisschen unnahbar. Keine Ablenkung, keine Überraschungen erwarten mich auf meinem Weg. Keine großen Sprünge, keine plötzlichen Wellen oder scharfen Kurven.
Nichts was meine Aufmerksamkeit ablenkt oder die Ruhe unterbricht. Nur ich und der Fluss. Das mag langweilig klingen, ist aber an manchen Tagen einfach angenehm und entspannend.
Am Ufer des Flusses stehen Nougatveilchen. Viele viele Nougatveilchen. In unterschiedlichen Größen. Diese sind - unromantisch und vernünftig betrachtet - wohl eine Mischung aus Alpenveilchen, schwarzer Tulpe (??) , Pflaume und weißer Schokolade. In meinem Kopf und meiner Nase sind es aber Nougatveilchen. Ich sehe sie vor mir, mit ihren vielen verschiedengrossen Blättern, zartlila, doch dieses ist kaum erkennbar weil es von einer dünnen glänzenden Nougatschicht überzogen ist, überall. Rundherum.
Diese Nougatveilchen stehen also auf beiden Seiten des Flusses und säumen meinen Weg. Sie verströmen einen unwiderstehlichen, magischen Duft.
Je länger die Fahrt dauert, umso seltener werden sie. Die Abstände zwischen ihnen werden immer größer. Ihr Duft verblasst. Was bleibt ist der lange ruhige Fluss. Eine stille Kraft mit dem Duft von ruhigem Wasser. Und edlem Holz. Düster und fast majestätisch. Er ist sich selbst genug. Und ruht in sich.
Meine Fahrt ist zu Ende. Der Fluss bleibt zurück. Sein dunkles Geheimnis hat er mir nicht offenbart. Dass es sich lohnt danach zu suchen, ist gewiss. Vielleicht beim nächsten Versuch. Oder beim übernächsten.
Der mit den drei Gesichtern
Nèh interessierte mich aufgrund der mir völlig unbekannten Marke und dem originellen Namen, daher nahm ich in als Probenwunsch in einem Tauschpaket mit auf.
Meine Neugierde wurde belohnt, ich fand den Duft umwerfend und war im ersten Moment zwar verwirrt von den etwas seltsamen Dufteindrücken, nach ein paar Stunden aber begeistert. Es war eine Kombination aus einer intensiven, aber zugleich unaufdringlichen Puder-Creme-Mischung und einer sehr süffig-mandeligen Erdbeernote in der Herznote. Und die war es, die mich an Nèh faszinierte.
Ich mag Erdbeeren. Mit Zucker, mit Schlagobers und noch viel mehr im Erdbeer Daiquiri :-)
Und ich mag sie auch in Parfums. Die Kopfnote vom "Womanity Eau pour Elles" liebe ich genau aus diesem Grund. Aber die verschwindet leider immer so schnell. Daher war ich froh, hier etwas vergleichbares gefunden zu haben, das aber länger erhalten bleibt.
Hier wurde diese Note in Statements einmal als Erdbeer-Zuckerschaum bezeichnet, einmal als Pudererdbeerentalkummischmasch. Beides klingt verrückt, beides hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen. So nahm ich es wahr und exakt das zog mich in den Bann.
Als die Probe leer war, bestellte ich mir eine Abfüllung.
Nach dem ersten Sprüh kannte ich mich nicht aus. Das war nicht das Nèh, das ich kannte. Da war in der Kopfnote eine Haarspraynote, wie ich sie aus "Muschio Bianco" kannte (und nicht mochte), diese zog sich bis in die Herznote. Danach erst kam wieder die Puder-Creme-Mischung, ohne Mandeln. Und sowas von ohne Erdbeeren.
Was ich davon halten sollte, war mir nicht klar. Dass ich meine Nèh-Erdbeeren wiederhaben wollte, das schon.
Dank einem guten Soukangebot ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt bestellte ich mutig einen Flakon. Alles oder nichts. Vielleicht tummeln sich ja dort wieder meine Zuckerwattenerdbeeren. So dachte und hoffte ich.
Mit dem Flakon zeigte mir Nèh sein drittes Gesicht. Kein Haarspray. Puh, Glück gehabt! Aber auch keine Mandeln. Und schon gar keine Erdbeeren - weder mit Zuckerwatte noch ohne. Mein Flakon-Nèh entpuppte sich als ziemlich linearer Puder-Creme-Duft ohne Entwicklung und ohne Überraschungen. Auf meiner Haut einfach nur Babypuder. Viel davon. Und weiche Creme, ob die blaue oder eine andere kann ich jetzt so nicht sagen.
Das war ein wirklich angenehmer Duft, ein umhüllender, der einen mit guter Haltbarkeit lange Zeit und mit ruhiger Konsequenz still, aber doch merkbar begleitet.
Aber es war kein Duft, der mich auf Dauer begeistern konnte. Ich merkte, dass ich mich hin und wieder bewusst dazu motivierte, ihn wieder mal zu tragen. Daher durfte er nun weiterziehen.
Warum sich Nèh bei mir dreimal auf so unterschiedliche Weise gezeigt hat, werde ich wohl nie erfahren. Reformulierung(en)? Veränderung des Dufts aufgrund der unterschiedlichen Zerstäuber (1 x Plastik, 1 x Glas / wobei ich zumindest bei der Glasabfüllung sicher bin, dass sie frisch davor gezapft wurde).
Ein Trost ist, dass ich meine Parfumerdbeeren (wenn auch ohne Zuckerwatte) inzwischen unverhofft in einem gänzlich anderen Duft gefunden habe. Aber dazu schon bald mehr in meinem nächsten Kommentar... :-)