PollitaHühnergegacker

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Pollita hat eine neue Signatur. Ja, das passierte ganz geschwind und ich bin einerseits überrascht und andererseits habe ich mir so etwas erhofft. Wer meinen Blog vom vergangenen Dezember über meinen Besuch in der Schweiz gelesen hat, weiß, dass ich auf Meringa Jagd gemacht habe, mit dem Ziel, einen neuen Signaturduft zu finden. Wer den Beitrag kennt, weiß auch, dass Meringa meine Nase und mein Herz nicht direkt erobert hat. Dass ich sogar gezögert habe, ihn mitzunehmen.

Jetzt ist er seit Dezember Teil meiner Sammlung und wenn ich mir hier mein Dufttagebuch so anschaue, habe ich ihn ganz schön oft getragen. Zu Jahresbeginn war ich oft noch etwas unschlüssig, was seine für einen Gourmand doch sehr frische Orangennote angeht. Mag ich die wirklich? Nervt das nicht? Irgendwann hatte ich mich damit arrangiert und lernte, ihn vom Start weg zu lieben, so wie er ist. Diejenigen Parfumos, denen ich Pröbchen geschickt haben, bestätigten mir auch, was das für ein wunderbarer Duft ist, den ich da habe.

Von meinem Macadam, der für viele Jahre meine Signatur war, habe ich jetzt die letzte Bunkerbuddel angebrochen. Ich hatte ein wenig Angst vor diesem Moment. Was passiert, wenn diese sich dem Ende zuneigt? Dann hast Du keinen richtigen Signaturduft mehr. Hilfe!! Doch gestern Abend stellte ich fest, dass diese Angst unbegründet ist. Denn gestern trug ich Macadam und stellte fest, dass er längst nicht mehr diese Glücksgefühle in mir auslöst, wie es Meringa inzwischen zu schaffen vermag. Immer, wenn ich Meringa trage, freue ich mich instinktiv über jeden kleinen Dufthauch, den ich wahrnehme. Ich freue mich, wenn ich abends im Bett liege, und immer noch sanfte Vanille-Tonkatöne mit eben dieser Orange (die auch sehr langlebig für eine frische Note ist) erschnüffle. Ich ertappe mich, wie ich an meinen Kleidungsstücken schnuppere und mich einfach nur freue. Was soll ich sagen? Er hat mich voll und ganz erobert. Ich hatte ja damals nach dem Kauf schon so ein Gefühl von wegen Signaturpotenzial, aber ihr kennt das, dass das eben dauert, bis ein Duft einen festen Platz im Herzen hat. Wir tragen viel, wir testen viel - manches lässt uns kalt, manches sorgt für Schockverliebheit und andere - so wie Meringa - nehmen Dein Herz Schritt für Schritt in Beschlag.

Ich bin sehr glücklich, dass sich das so entwickelt hat mit mir und Meringa. Jetzt habe ich einen Signaturduft, der noch produziert wird. Klar, ganz einfach zu beschaffen ist er auch nicht, aber ich kann mir Nachschub besorgen, wenn ich welchen brauche. Ich kann ihn tragen, so oft ich will und mich daran erfreuen, ohne Angst, dass er mich in Kürze verlassen wird.

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In meinem Kopf ist es 1996, ich bin 19 Jahre alt. Kein Coronavirus, kein Mediengedöns, keine alltäglichen Sorgen des Lebens. Denn ich bin wieder jung und sehe alles vor mir, genauso wie es damals war. Meine Klassenkameraden, meine Lehrer, mein damaliger Freund (mit dem ich es weiß Gott nicht immer leicht hatte). Ich sehe das Schulgebäude, auf das ich mit meinem knallroten Ford Fiesta zufahre, der eine Panne nach der anderen hatte, und nach einem Parkplatz Ausschau halte. Das Abitur steht bevor und ich bin unglaublich gespannt, auf alles, was danach kommt.

Was ist passiert? Nun, ich habe es gewagt und mir in der Bucht einen Vintage-Cašmir gegönnt. Mein Signaturduft als Abiturientin. Meine Sitznachbarin im Deutsch-Leistungskurs, mein Freund – ja wirklich JEDER erkannte mich an diesem Duft. Damals war die Sammlung noch beachtlich kleiner. Es gab noch drei oder vier andere Düfte, doch meistens trug ich meinen Cašmir.

Diese Woche landete das Paket bei mir und heute habe ich ihn zum ersten Mal angetestet. Es sind 30 Milliliter und der Flakon ist fast voll. OVP gabs keine dazu, aber es in mein Duft aus meiner Jugend. Die geliebte Kopfnote, bei der ich den Pfirsich deutlich herausriechen kann, ist da, nichts ist gekippt. Zwei Sprüher davon und ich bin sofort in einer anderen Zeit. Als hätte jemand eine Zeitmaschine in meinem Haus abgestellt und ich bin einfach reingeklettert. Oooh ja. Den werde ich mit Bedacht tragen und jeden Moment genießen! Wer weiß, ob ich nochmals so viel Glück haben werde. Langsam zeigt sich das Herz des Duftes mit den floralen Noten und auch hier ist alles wie damals, bis ich mich in die vanillige Basis mit einem Hauch Patch einkuschle.

Ich lächle. Ich kann für einen kurzen Moment alles vergessen, was gerade in den Medien und überall auf der Welt passiert und genieße das unbeschwerte Gefühl, nochmals 19 Jahre alt zu sein. Ich sehe glückliche Skiurlaube mit meinen Eltern vor mir. Bald werde ich an die Uni gehen und meinen Herrn Pollito treffen. Bitte nochmals alles zurückspulen und von vorn.

Wie schön sind doch Düfte. Vor allem Vintage-Düfte, die uns auf unsere ganz eigenen Reisen mitnehmen…..

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Das Hühnermobil war mal wieder auf Reisen und ich selbstverständlich an Bord. Es war eine turbulente Reise, aber ich nehme wieder ein paar olfaktorische Eindrücke mit nach Hause.

Geschäftsreise stand auf dem Programm und das bei Sturmwarnung. Ganz toll! Herr Pollito war nervös und hätte mich am liebsten gar nicht losfahren lassen. Doch zwei lieben und guten Kunden zuliebe musste ich und habe mich also am stürmischen Montagnachmittag auf den Weg gemacht. Als ich das Haus verließ, wurde ich fast umgeblasen. Und kämpfte mich durch die Böen bis zum fahrbaren Untersatz und klammerte mich die ersten 250 Kilometer regelrecht am Lenkrad fest. Danach ging es und ich konnte easy weiterfahren. Puh!

Am Zielort angekommen war ich auf der Suche nach einem Restaurant, um meinen Starttag ausklingen zu lassen. Eigentlich hätte ich ja gerne noch Düfte geschnuppert, aber durch die verspätete Abreise und den Sturm war meine ursprüngliche Planung dahin. Also was Essen und gut iss. Ich erkundigte mich im Hotel nach einem Restaurant, das sich fußläufig erreichen lässt. Der nette Mitarbeiter erklärte mir die Marschroute und ich stapfte los. Nach rund zwei Kilometern stellte ich fest, dass ich hier kein Restaurant oder ähnliches finden würde und anscheinend in die falsche Richtung gegangen sein muss. Ich war in einer Gegend gelandet, in der ein Import-Exportladen an den anderen grenzte und fühlte mich nur mäßig wohl. OK, etwas zu Essen brauchte ich ja, also weiter. Irgendwann stand ich vor einem Einkaufszentrum in dem meine Suche endete. Überall, ja wirklich überall roch ich Aventus in dieser Ecke. Vor dem Einkaufszentrum, darin - ja wirklich. An jedem 3. Kerl, ob jung, ob alt, gabs Creed Aventus. Interessant! Dann scheint dieser Duft insbesondere diesem Klientel zu gefallen, was ja so manches Klischee erfüllt. Bei uns auf dem Land rieche ich den seltenst, aber ich begebe mich gewöhnlich auch nicht bewusst in solche Gegenden. Vielleicht kannte ich ihn deshalb auch so lange gar nicht??

Am Tag darauf startete meine Businessveranstaltung. Ich rechnete schon wieder mit Sauvage hier und Sauvage da, aber nix da. Sauvage scheint im Business-Sektor ausgedient zu haben. Stattdessen erschnupperte ich mehrere Male, sogar an Leuten, die ich kannte, Office für Men. Ernsthaft. Ich muss meinen Office-Kommentar von damals revidieren. Hätte ich nie gedacht, denn es gibt reihenweise Mittvierziger und sogar ältere Herren, die sich Jeremys Videos ansehen und auch seine Düfte kaufen. Ich war baff! Mögen tu ich den Duft allerdings immer noch nicht, eher im Gegenteil. Er ist und bleibt einfach laut und nervig. Aber dass er es zu "Trade fair for men" und "Congress for men" tatsächlich geschafft hat. Jeremy, das Kompliment geht an Dich. Und ich, ich bin verwirrt.

Neben all den Klischees begegnete ich an einem lieben Kunden auch einem sehr feinen Duft. Sehr dezent, mit einem Hauch Rose. Nein, ich habe nicht gefragt, denn ich finde das ist eine sehr private Frage, die ich im Job nicht stellen möchte. Bin da ganz brav und zurückhaltend. Zu den Office-Trägern sage ich ja auch nicht, "boah, der geht mal gar nicht!" Aber lieber R., falls Du hier mitliest, Du bist gemeint. Bei Dir könnte ich mir sogar vorstellen, dass Du hier auf Parfumo hin und wieder zugegen sein könntest.

So, genug gegackert für heute. Eure Pollita.


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Jaaa, gestern war es endlich soweit. Auf meinen Besuch bei Osswald in Zürich habe ich mich schon seit Wochen riesig gefreut. Herr Pollito und ich sind derzeit im Schwarzwald im Winterurlaub und da ist es nicht weit bis in die Schweiz. Da ich um Meringa schon seit Ewigkeiten virtuell rumschleiche, sollte ich endlich die Chance bekommen, diesen Osswald-Exklusiven Duft von Profumum Roma auch zu testen.

Obwohl eine Menge Menschen die Züricher Innenstadt gestern gestürmt haben, um ihre Geschenke auszutauschen und das unter dem Baum vorgefundende Geld auszugeben, sind wir gut durchgekommen und waren nach rund 1,5 Stunden Fahrt in Zürich. Auch ein Parkplatz war schnell gefunden. Genervt waren wir lediglich von dem fiesen Nieselregen, der einfach nicht aufhören wollte.

Leicht durchnässt kamen wir dann bei Osswald an. Es dauerte nicht mal eine Minute, bis sich schon die erste der allesamt sehr netten und zuvorkommenden Mitarbeiterinnen um mich kümmerte. Sie zeigte mir nicht nur Meringa, mein Objekt der Begierde, sondern viele weitere Düfte, sodass ich meine aktuelle Merkliste fast nahtlos abarbeiten konnte.

Sehr gespannt war ich auch auf The Secret Collection - Seta. Da hatte mich Taurus 1967 mit seinem Kommentar sehr neugierig gemacht. Sehr schnell von der Merkliste runternehmen konnte ich die beiden Neuen von Farmacia SS. Annunziata, Tahiti Vanilla und Verde di Persia. Obwohl insgesamt schöne Düfte, wie btw. alle dieser Marke, kamen sie beide mit kleinen, für mich fiesen Störfaktoren um die Ecke und schieden daher aus. Auch "Ylang in Gold" konnte ich gestern endlich schnuppern, aber auch der schaffte es nicht, mich zu überzeugen. Nach einer Weile kümmerte sich eine andere Osswald-Mitarbeiterin um mich, da die vorherige Kollegin in die Pause ging. Beide waren so überaus geduldig und lieb und ließen mir Zeit, in aller Ruhe zu schnuppern.

Ich schwankte zwischen Meringa und The Secret Collection - Seta, wobei meine bessere Hälfte letzteren überhaupt nicht als ansprechend empfand. Er sprach von einer Maschinenhallen-Note und das hätte ja überhaupt nichts mit Wohlgerüchen zu tun. Da ich auf die Schnelle nicht zu einer Entscheidung fähig war, empfahlen mir die netten Osswald-Mitarbeiterinnen, doch gemütlich etwas Trinken zu gehen, damit die Düfte sich entwickeln können. Und je länger ich mit Meringa am Handgelenk unterwegs war, desto mehr holte er mich ab. Ein Kommentar zu den Noten und meinen persönlichen Empfindungen zum Duft folgt selbstverständlich auch noch!

Aber eigentlich war es Herr Pollito, der mich von diesem schönen aber auch sehr hochpreisigen Duft überzeugte. Ihm gefiel er von Anfang an und er empfand ihn als sehr einzigartig. Also entschied ich mich, Meringa mit nach Hause zu nehmen und bat die netten Verkäuferinnen noch um eine kleine Abfüllung von The Secret Collection - Seta. Doch damit nicht genug: Auch meinem Liebsten wollten sie bei Osswald noch mit einer Abfüllung eine Freude machen. Also durfte auch er noch eine Reihe von Düften testen, wobei uns die meisten doch eher zu Oud-lastig waren. Ja, auch Herr Pollito ist nicht unbedingt ein Oud-Freund. Geworden ist es am Ende dann Amyris Homme (Extrait de Parfum). Das EdT kannten wir bereits, doch diesen empfanden wir beide als sehr, sehr ansprechend. Zu guter Letzt wurden wir noch beduftet, mit Amyris Homme (Extrait de Parfum) bzw. Meringa.

So sind wir mit neuen Schätzen und überglücklich wieder nach Hause in unser Feriendomizil gefahren. Schon auf der Rückfahrt besserte sich das Wetter und die Sonne kam zum Vorschein. Ein ganz dickes Dankeschön an die netten Mitarbeiterinnen (insgesamt 3 an der Zahl!) die sich mit sehr viel Geduld und allesamt bester Fachkunde um uns beide gekümmert haben. Das war mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch in der Schweiz. Denn Zürich bietet mit Osswald ein wahres Schnüffelparadies. Kann ich jedem Duftverrückten nur weiterempfehlen!

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31.10.2019
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Kennt ihr den Song „Sucker“ von den Jonas Brothers? Die in diesem Titel beschriebene Story kennen wir doch alle, stimmts? Wir alle waren mal jung und dumm und sind irgendeinem Wahnsinns-Kerl oder einer Granate von Frau hinterhergelaufen. Dummerweise wusste diese Person von seiner bzw. ihrer Wirkung auf andere und hat das schamlos ausgenutzt und sich nicht die Bohne für einen und seine Gefühle interessiert. Das lässt man sich eine Weile so gefallen und hofft und bangt, dass da doch noch was zurückkommt und irgendwann schnallt man, „was für einen Sch**** mach ich hier eigentlich?!“ und hakt das mal ab – besser ist das! Ich war noch keine 18, als dieser Kerl mir begegnete. Und ich bin ihm hinterhergelaufen auf nahezu jede dümmliche Party bei uns in der Gegend. Immer fand ich jemanden, bei dem ich hinten auf dem Moped oder im Auto mitfahren und die ganzen privaten Feierlichkeiten abklappern konnte, bis ich ihn gefunden habe. Es endete immer mit einem schönen Abend und das wars. Hinterher keine Reaktion, kein Anruf, nothing. War ich da, war ich recht, war ich nicht da, wars ihm auch egal.

Für diese Dummheit schäme ich mich heute fast, aber ich glaube, Jugend ist Jugend und da muss man einfach lernen und durch gewisse Erfahrungen durch. Was ich nicht vergessen habe, ist das Parfum, das er getragen hat. Dieser Duft verursachte bei mir damals unerreichte Höhenflüge, und ich dumme Kuh habe ihn nie gefragt, was er da trägt. Das muss 1994 oder 95 gewesen sein. Die meisten Düfte, die damals auf den Markt gekommen sind und beliebt waren, kenne ich, aber diesen habe ich niemals wiedergefunden. Ich kann mich noch an eine intensive Würze und balsamische Süße erinnern. Mit ordentlicher Sillage und stundenlanger Haltbarkeit. Danach nie wieder etwas Vergleichbares gerochen. Einen kleinen Hauch davon bringt mein Buon Pranzo von Hilde Soliani mit, aber lediglich eine Winzigkeit davon

Gott, was würde ich dafür geben, diesen Duft zu finden. Aber wahrscheinlich würd er mich nur immer wieder an diesen blöden Kerl damals erinnern, für den ich all das gemacht habe, was die Jonas Brothers in „Sucker“ besingen. Wie peinlich….

Kann es sein, dass Düfte auch ein bisschen bekloppt machen? Was solls!

Happy Halloween!

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