Ein moderner Klassiker. Weit besser als sein Ruf
Lanciert im Jahr 2008 und heute noch überall in den Regalen zu finden. Das schafft nicht jeder Duft. Da ich zu One Millions Lancierungszeit bereits berufstätig war und vieles andere im Kopf hatte, als meine Abende in Clubs zu verbringen, ging dieses damals so beliebte Parfum mit Auszeichnungen komplett an mir vorbei. Bis gestern wusste ich nicht, wie dieser Klassiker, der zwischenzeitlich einiges an Beliebtheit eingebüßt hat - zumindest hier in der Parfumo-Community – eigentlich riecht. Dies wollte ich ändern und als der liebe Scentleman89 mir Pröbchen aus seiner Liste anbot, sprang mir doch unmittelbar dieser kleine Goldbarren ins Auge und ich dachte mir, warum eigentlich nicht?
So schnupperte ich gestern zum ersten Mal an einem der bekanntesten Düfte der letzten 25 Jahre. Er beginnt, wie erwartet, sehr süß und lautstark und erinnert in seiner ambrierten Sämigkeit zunächst ein wenig an einen anderen Klassiker aus dieser Zeit, nämlich Gaultier². Dieser kam ein paar Jahre zuvor auf den Markt und erreichte mit dieser Ambersüße und Cumarin an der Grenze von zu viel bereits massenhaft Damen und Herren unterschiedlichster Altersgruppen. Diese Süße und auch diese blumige Frische, die mich bis heute an Waschmittel und Weichspüler aus den Achtziger Jahren denken lässt, charakterisieren den Auftakt beider Parfums, wobei One Million stets einen Zacken frischer bleibt. Zeitweise denke ich in den ersten Stunden an Raumsprays und WC-Erfrischer, was nicht verwunderlich ist. In der Parfümerie beliebte Duftnotenkombinationen finden oftmals auch den Weg in Reinigungs- und Pflegeprodukte. Und diese „frisch aus der Dusche“-Aura, die insbesondere spätere Duftgenerationen geprägt hat, ich sage nur Bleu de Chanel, Sauvage & Co., die beherrschte One Million auch schon aus dem Effeff.
Trotz des üppigen Starts ist One Million, ähnlich wie auch der aktuelle Hypnotic Poison, keine Duftbombe. Zu Zeiten seiner Lancierung mag das so gewesen sein, hier kann ich leider nicht vergleichen, doch die aktuelle Version beruhigt sich nach ein paar Stunden und bleibt dann lediglich noch körpernah wahrnehmbar. Zurück bleibt ein Hauch frischer Noten, leicht blumig, leicht minzig und etwas aquatisch und definitiv sehr synthetisch, dabei aber keinesfalls störend oder unangenehm. Diese garstigen, für meine Nase immerzu stechenden Superamber wurden hier, wenn überhaupt, sehr dezent eingesetzt.
Ich sehe den Duft auch nicht ausschließlich an jungen Männern. Ich würde mich nicht wundern, wenn mein Lebenspartner, den ich aktuell leider nicht testen lassen kann, da verreist, diesen Rabanne mögen und tragen würde. Für mich ist dieser Duft typisch für die Zeit, in der er seine großen Erfolge feierte. Dabei hat er es außerdem geschafft, den Status eines Parfumklassikers zu erlangen. Hier und da lese ich immer wieder, dass etwa ein Ed Sheeran diesen Duft bis heute trägt. Ich bin überzeugt, dass dieser Duft uns noch ein Weilchen erhalten bleiben wird.
Und noch ein Wörtchen zum Thema: „Den trägt ja jeder.“ Ehrliche Antwort? Nein. Definitiv nicht. Ich kann mich nämlich überhaupt nicht erinnern, One Million jemals in freier Wildbahn gerochen zu haben. Häufig begegnen mir diese stechenden Ambrocenidebomben sowie „Friss dich bewusstlos“-Düfte mit Ethylmaltol in Überdosis. Die Nutzerin Majgul schrieb hier vor einiger Zeit bereits, dass dieser Duft um ein Vielfaches besser sei als seine Pendants für Damen. Da gehe ich aber sowas von mit!
Und: Da diese Zusammenstellung von Duftnoten, frisch und süß mit Tendenz in die maskuline Richtung, heute noch sehr viele Nischendüfte prägt (Naxos I’m looking at you ), kann sie ja gar nicht so schlecht sein, wie viele hier behaupten.
Ich selbst würde One Million nicht tragen, da einfach nicht meine Duftrichtung und zu cumartinlastig. An meinem Mann allerdings würde mir dieser Duft gefallen. Mein Fazit: Schnuppern. Er ist zu Recht ein Klassiker.