Pollita

Pollita

Rezensionen
1 - 5 von 378
Pollita vor 2 Monaten 29 44
4
Flakon
9
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Preisgünstige Alternative zu Kurkdjians Klassiker
Wer wie ich in den späten Neunzigern und Anfang der Zweitausender jung war und viel ausgegangen ist, kam an Le Male nicht vorbei. Damals frisch auf dem Markt mauserte sich der Duft, ebenso wie zuvor schon Classique, unmittelbar zu einem Klassiker und war demnach beliebt bei Jung und Alt gleichermaßen. Der prollige Ruf eilte dem Duft in diesen Zeiten noch nicht voraus. Wie ich bereits vor einigen Jahren in einem Blogartikel berichtete, den trugen Freunde von mir und außerdem Familienmitglieder, männlich sowie weiblich, da er durch seine Süße schon deutlich in die Unisex-Richtung ging und somit alle Geschlechter ansprach.

Mein Mann kannte Kurkdjians Klassiker bislang noch nicht, da ihn aber mit Victor No. 9 bereits ein anderer Duft des britischen Labels Milton-Lloyd überzeugt hatte, wollte er weitere Parfums des Hauses testen. Die Kombi qualitativ hochwertig und preisgünstig schätzt mein Partner sehr und da ihm der Gaultier II sehr gut gefallen hatte, empfahl ich ihm mit Bondage Hommes den von Le Male inspirierten Duft.

Auch dieser ist, genauso wie die Interpretation von Aventus der Briten, für das kleine Geld, was er kostet, richtig gut! Für meine Nase ist kaum ein Unterschied zum Vorbild von JPG auszumachen, wenngleich die Duftpyramide weniger Noten nennt als das Haus Gaultier. Der Lavendel ist unmittelbar da, die Minze, die Süße von Vanille, Amber und Tonkabohne zeigen sich nach kurzer Zeit und wüsste ich es nicht besser, könnte ich schwören, dass es sich bei diesem Duft um Le Male von JPG handelt. In den ersten 1-2 Stunden ist die Sillage, wie auch beim Original, recht stark. Danach zieht sich der Bondage etwas zurück, ist aber weiterhin auf eine gute Armlänge wahrnehmbar und hinterlässt eine feine, süßwürzige Duftaura.

Der Flakon ist jetzt nicht gerade ein Schmuckstück. Ich habe diesen und den von Aventus inspirierten Victor allerdings fotografiert und gebe zu, auf Fotos machen sie sich gar nicht mal so schlecht, die Milton-Lloyds. Auch der Deodorant-Sprüher stört meinen Mann nicht. Er ist happy mit den preisgünstigen Alternativen, die, nehme ich an, nach einer gewissen Zeit auf der Haut vermutlich auch kein echter Kenner mehr von den Originaldüften unterscheiden könnte.

Le-Male-Fans kann ich nur empfehlen, hier zuzugreifen, wenn sie einen kostengünstigen Duft für jeden Tag suchen und beim Flakon bereit sind, kleine Abstriche zu machen. Der Duft ist und bleibt schön für mich. Da hat sich mein Eindruck in all den Jahren nicht geändert.
44 Antworten
Pollita vor 2 Monaten 29 38
5
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
So schön, doch leider nicht für mich gemacht
Ich bin ja nun schon ein paar Jährchen hier und stolperte über kurz oder lang über die Tops und Flops. Da entdeckte ich bei den in dieser Community unbeliebtesten Damendüften dieses Parfum relativ weit oben. Und war verwirrt. Ich hatte All That Matters vor 20 Jahren selbst getestet. Er war mir nicht groß in Erinnerung geblieben, aber schrecklich war er für meine Nase keinesfalls gewesen.

So erhielt ich kürzlich von einer lieben Parfuma erneut eine Probe des Dufts. Und heute, nach einer Vielzahl getesteter Moschusdüfte, spricht mich All That Matters doch mehr an. Aber der Reihe nach.

In den ersten Minuten ist eine klebstoff- oder haarsprayartige Note da, danach wird er weich und zart und erinnert mich an den wunderschönen Musk Malaki von Swiss Arabian, der mir ebenfalls sehr gut gefallen hatte, den ich allerdings kaum wahrnehmen konnte. Auch bei All That Matters scheint eine Anosmie meinerseits mitzuspielen, denn auch dieser Duft ist für mich ein sanfter Hauch von Nichts. Da in einigen anderen Rezensionen von einem raumfüllenden Duft die Rede ist, muss das wohl so sein. Ich scheine hier Duftkomponenten auszublenden, was ich persönlich schade finde, denn ich würde so gerne mehr wahrnehmen von diesem sanften Schönling.

Richtig getragen, also auf den Armen und auf dem Oberkörper, beglückt mich All That Matters leider nicht so sehr, wie zuvor beim Handgelenk- und Tüchlein-Test. Denn jetzt bleibt die Auftakt-Note leider persistent und das Weiche, Schöne will sich nicht auf meiner Haut nicht so recht setzen. Auch das erklärt die kontroversen Bewertungen dieses Dufts. Er scheint nicht bei jedem diese Magie zu entfalten, die ihm innewohnt. Getragen erinnert er mich stark an Kurkdjians Aqua Universalis, den ich zwar ebenfalls wundervoll fand, der aber auch immerzu eine Ahnung von Bettwäsche, die bereits zu lang im staubigen Schrank gelegen hatte, für mich mitbrachte. Beim Ersttest hingegen blitzte in meinem Kopf mein geliebter Muguet von Fragonard auf, vermischt mit einer wunderschönen Schmuddelmoschusbasis, wie ich sie etwa bei den Ikiryō-Düften vorfinde. Und genau diese Duftaura will, trage ich ihn richtig, nicht bei mir durchkommen. Als ob etwas an mir, sei es die Haut oder die Nase, die Basisnoten hemmen würde.

Toll finde ich All That Matters dennoch, auch wenn ich mir inzwischen fast sicher bin, dass er nicht für mich gemacht ist. Doch für diejenigen, für die dieser Duft gemacht ist, die wird er, da bin ich absolut sicher, verzaubern.

Der lieben DasCroe danke ich ganz herzlich für die Testmöglichkeit
38 Antworten
Pollita vor 2 Monaten 31 43
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Guten Morgen Katalonien
Urlaubsmorgen. Ich schlüpfe in meinen Badeanzug und schlendere zum großen Pool. Vorbei an den Ligusterhecken. Von den nahe gelegenen Feldern weht noch etwas Landluft her, vermischt sich mit dem Duft des Meeres, das ich, wie jeden Morgen, rauschen höre. Nach ein paar Runden im Pool kehre ich zurück in meinen kleinen Garten. Ich trage nach der Dusche großzügig Ecran Sunnique Sport auf und mache es mir anschließend auf einem Liegestuhl gemütlich. Palmen, Lavendel und Agaven begrüßen mich hier. Und wieder Ligusterhecken. Zwischen den Häusern befindet sich der kleine Swimmingpool für die Abkühlung zwischendurch. Ein wenig chlorig riecht es manchmal, doch vordergründig rieche ich jetzt den Duft des holzig-frischen und blumigen Sonnenschutzes auf meiner Haut, vermischt mit den Ligusterblüten. Auch hier höre ich das Meer. Fühle den Wind, der mir hier immerzu um die Ohren bläst und auch bei mehr als 30 Grad für ein angenehmes Gefühl auf der Haut sorgt. Katalonien. Hier fühle ich mich wohl.

Der Urlaub ging natürlich wie immer viel zu schnell vorbei, aber dank Yin von Hekate kann ich ihn noch einmal Revue passieren lassen. Ja, es stimmt. Im ersten Moment ist der Duft etwas gewöhnungsbedürftig, da schon etwas indolisch mit seinen Weißblühern und der Kamille. Aber sobald er sich setzt, habe ich ein ganz klares Bild vor Augen: Ligusterhecken und Ecran-Sunnique-Sport-Sonnenschutz. Und damit bin ich in Sekundenschnelle wieder im schönen Katalonien und kann nochmal eintauchen in die entspannten Tage meines Urlaubs.

Der Duft ist für mich vor allem jasminlastig mit einer feinen, durch das ISO-E-Super auch holzig angehauchten Moschusbasis. Auch die Mandelnote ist da, wenngleich sehr dezent und niemals so richtig süß. Und der zarte Lavendelduft bringt mir unmittelbar die wunderschöne Gartenanlage meines Urlaubs-Bungalows zurück. Ich denke, es ist die Kamille, die mich Liguster riechen lässt, der dort reichlich gepflanzt ist und Anfang Juni überall blüht und duftet. Und ganz kurz, aber nur in den ersten Minuten, ist auch der Bauer da, der dort morgens manchmal für frische Landluft gesorgt hat.

Speziell ist Yin auf jeden Fall. In der Basis bleibt dann lediglich die Sonnencremenote zurück. Das ist jetzt kein Duft, den ich täglich tragen müsste, aber er macht mich doch erstmal richtig glücklich mit den Urlaubsbildern, die er mir im Schnelldurchlauf zeigt. Ganz wichtig bei Yin ist Zeit. Die braucht er, um seine schöne Seite zu präsentieren. Und Indol-Empfindlichen würde ich einen Test hier eher nicht empfehlen. Ich bedanke mich ganz herzlich bei FrauKirsche für die Testmöglichkeit.
43 Antworten
Pollita vor 2 Monaten 38 67
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Harzkönigin
Die Rancé-Düfte mit den weiblichen Vornamen beziehen sich oft auf Monarchinnen und Regentinnen aus den unterschiedlichsten Epochen. Ob die Familie Rancé bei Laetitia die Mutter von Napoleon Bonaparte oder eine andere Dame von edler Geburt als Namensgeberin im Sinn hatte, das wissen wir nicht. Die spanische Königin war wohl eher nicht gemeint, dafür ist der Duft zu alt.

Laetitia ist definitiv ein Duft für Königinnen. Eine Harzkönigin auf einem Patchoulithron sehe ich vor mir. Der Duft ist dunkel, mysteriös und ein bisschen verrucht. Das liebe ich. Labdanum bringt einen wunderbaren Hauch Schmuddel mit ein. Die Vanille ist da, hält sich aber sehr zurück. Im Vordergrund veranstalten hier vor allem Patchouli und Myrrhe einen sinnlichen Tanz, angefeuert von einer wunderbar würzig-kantigen Muskatnuss. Eine großartige Notenkombination, und so perfekt aufeinander abgestimmt, dass die Kopf-, Herz- und Basisnoten fließend ineinander übergehen. Der Duft bleibt über den gesamten Verlauf durchweg harmonisch und wunderschön. Kratzen oder stören tut hier, wie oftmals bei diesen älteren Kompositionen, die für mich einfach einen wunderbaren Charme mitbringen, absolut gar nichts.

Die Lady ist dabei keine Schüchternheit. Selbstverständlich sind wir von Beastmode weit entfernt, so waren und sind diese altem französischen Parfums auch nie gedacht gewesen. Aber Laetitia hat schon ein bisschen Pfeffer im Hintern. Zwei kleine Sprüher hüllen einen bereits in eine sanfte, sinnliche Duftwolke. Hautnah, aber definitiv wahrnehmbar. Für den Träger oder die Trägerin selbst sowie für andere.

Natürlich ist das trotz zitrischer Noten im Auftakt kein Sommerduft, aber als ich kürzlich Post von der lieben FrauKirsche mit diesem wunderschönen Duft erhielt, war es mir gleich, dass Sommer ist und wir 28-30 Grad haben. Ich musste Laetitia, die übrigens auch meinen Partner verzaubert, unbedingt mal tragen.

Ob ich selbst rassig und sinnlich genug für diese Harzkönigin bin, muss ich noch herausfinden. Mein Interesse hat sie geweckt, diese Regentin mit Schmuddelfaktor. Sie duftet für mich wie die große, viel erwachsenere Schwester der vanilligen und blumigen Miranda von Fragonard. Und Macadam von Il Profumo, ebenfalls ein Duft mit Fokus auf Harze und Patchouli, allerdings mit mehr Vanille und Blüten, könnte die Cousine von Laetitita sein.

Rancé ist einfach ein tolles Haus. Wer Parfums der alten Schule liebt, sollte hier definitiv mal ein Näschen von nehmen. Wunderbar! Und: Trommelwirbel: nicht eingestellt. Dankeschön geht an FrauKirsche für die Testmöglichkeit
67 Antworten
Pollita vor 4 Monaten 37 46
9
Flakon
7
Sillage
10
Haltbarkeit
9.5
Duft
Auf der anderen Seite
Sie ist in die Kirche gegangen. Eine Kerze hat sie angezündet für ihren Liebsten. Sie hat unmittelbar die schönen, gemeinsamen Abende vor Augen. Sie tranken Wein, aßen frisches Obst, sie räucherten zusammen und später hielten sie sich in den Armen. Waren sich ganz nah. Ein winziger Hauch ihres blumigen Parfums war noch auf ihrer Haut wahrzunehmen. Was hatte sie getragen? War es Jil Sander Sun? Könnte sein. Jetzt blickt sie auf die Kerze, atmet den Duft des Weihrauchs ein. Etwas Wachs war auf ihre warme Haut getropft. Sie zuckt kurz zusammen aufgrund der Hitze. Hält ihre Nase anschließend an die Stelle und schließt die Augen. Sie weiß, eines Tages wird sie wieder bei ihm sein. Auf der anderen Seite.

Succubus ist ein absolut zauberhafter Duft. Er ist leise für einen Ikiryō und hatte mich auf den ersten Schnupperer mit dem typischen Schmuddelmoschus à la Vincent Dreamhouse überzeugt. Und das, obwohl ich kein Freund fruchtiger Noten, schon gar nicht Melone, bin. Doch das hier ist hell, transparent und nahezu authentisch im Auftakt, was mich hier an Fruchtnoten begrüßt. Auch der Moschus ist sofort da. Als der Weihrauch einsetzt, kommt ein Duft wie von Kerzenwachs hinzu. Warmes Kerzenwachs. Das macht Succubus für mich so wunderschön melancholisch.

Ich rätsle noch, ob er zu mir passt. Er ist schon recht rauchig. Der Moschus ist ganz meins. Hier bin ich bei Drifting, einem meiner absoluten Lieblinge der Marke. Auch die feinen, floralen Noten von Coralie finde ich hier wieder. Auch das mag ich sehr. Und das Cashmeran, recht prominent gelistet, vermag es überhaupt nicht, mich zu ärgern. Im Gegenteil. Ich sehe diese melancholische Szene vor mir und genieße das einfach. Da er, so wie es derzeit aussieht, wohl nicht mehr zu bekommen ist, hoffe ich insgeheim, dass ich ihn nicht brauche. Aber verliebt habe ich mich in diesen feinen Duft, der mich in seiner Aura auch ein bisschen an Malbruns Shameless Seducer erinnert.

Der lieben ElAttarine danke ich ganz herzlich für die Testmöglichkeit.
46 Antworten
1 - 5 von 378