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Pollita

Pollita

Rezensionen
1 - 5 von 387
Ein moderner Klassiker. Weit besser als sein Ruf
Lanciert im Jahr 2008 und heute noch überall in den Regalen zu finden. Das schafft nicht jeder Duft. Da ich zu One Millions Lancierungszeit bereits berufstätig war und vieles andere im Kopf hatte, als meine Abende in Clubs zu verbringen, ging dieses damals so beliebte Parfum mit Auszeichnungen komplett an mir vorbei. Bis gestern wusste ich nicht, wie dieser Klassiker, der zwischenzeitlich einiges an Beliebtheit eingebüßt hat - zumindest hier in der Parfumo-Community – eigentlich riecht. Dies wollte ich ändern und als der liebe Scentleman89 mir Pröbchen aus seiner Liste anbot, sprang mir doch unmittelbar dieser kleine Goldbarren ins Auge und ich dachte mir, warum eigentlich nicht?

So schnupperte ich gestern zum ersten Mal an einem der bekanntesten Düfte der letzten 25 Jahre. Er beginnt, wie erwartet, sehr süß und lautstark und erinnert in seiner ambrierten Sämigkeit zunächst ein wenig an einen anderen Klassiker aus dieser Zeit, nämlich Gaultier². Dieser kam ein paar Jahre zuvor auf den Markt und erreichte mit dieser Ambersüße und Cumarin an der Grenze von zu viel bereits massenhaft Damen und Herren unterschiedlichster Altersgruppen. Diese Süße und auch diese blumige Frische, die mich bis heute an Waschmittel und Weichspüler aus den Achtziger Jahren denken lässt, charakterisieren den Auftakt beider Parfums, wobei One Million stets einen Zacken frischer bleibt. Zeitweise denke ich in den ersten Stunden an Raumsprays und WC-Erfrischer, was nicht verwunderlich ist. In der Parfümerie beliebte Duftnotenkombinationen finden oftmals auch den Weg in Reinigungs- und Pflegeprodukte. Und diese „frisch aus der Dusche“-Aura, die insbesondere spätere Duftgenerationen geprägt hat, ich sage nur Bleu de Chanel, Sauvage & Co., die beherrschte One Million auch schon aus dem Effeff.

Trotz des üppigen Starts ist One Million, ähnlich wie auch der aktuelle Hypnotic Poison, keine Duftbombe. Zu Zeiten seiner Lancierung mag das so gewesen sein, hier kann ich leider nicht vergleichen, doch die aktuelle Version beruhigt sich nach ein paar Stunden und bleibt dann lediglich noch körpernah wahrnehmbar. Zurück bleibt ein Hauch frischer Noten, leicht blumig, leicht minzig und etwas aquatisch und definitiv sehr synthetisch, dabei aber keinesfalls störend oder unangenehm. Diese garstigen, für meine Nase immerzu stechenden Superamber wurden hier, wenn überhaupt, sehr dezent eingesetzt.

Ich sehe den Duft auch nicht ausschließlich an jungen Männern. Ich würde mich nicht wundern, wenn mein Lebenspartner, den ich aktuell leider nicht testen lassen kann, da verreist, diesen Rabanne mögen und tragen würde. Für mich ist dieser Duft typisch für die Zeit, in der er seine großen Erfolge feierte. Dabei hat er es außerdem geschafft, den Status eines Parfumklassikers zu erlangen. Hier und da lese ich immer wieder, dass etwa ein Ed Sheeran diesen Duft bis heute trägt. Ich bin überzeugt, dass dieser Duft uns noch ein Weilchen erhalten bleiben wird.

Und noch ein Wörtchen zum Thema: „Den trägt ja jeder.“ Ehrliche Antwort? Nein. Definitiv nicht. Ich kann mich nämlich überhaupt nicht erinnern, One Million jemals in freier Wildbahn gerochen zu haben. Häufig begegnen mir diese stechenden Ambrocenidebomben sowie „Friss dich bewusstlos“-Düfte mit Ethylmaltol in Überdosis. Die Nutzerin Majgul schrieb hier vor einiger Zeit bereits, dass dieser Duft um ein Vielfaches besser sei als seine Pendants für Damen. Da gehe ich aber sowas von mit!

Und: Da diese Zusammenstellung von Duftnoten, frisch und süß mit Tendenz in die maskuline Richtung, heute noch sehr viele Nischendüfte prägt (Naxos I’m looking at you ), kann sie ja gar nicht so schlecht sein, wie viele hier behaupten.

Ich selbst würde One Million nicht tragen, da einfach nicht meine Duftrichtung und zu cumartinlastig. An meinem Mann allerdings würde mir dieser Duft gefallen. Mein Fazit: Schnuppern. Er ist zu Recht ein Klassiker.
29 Antworten
Es brauchte etwas Zeit, aber ich habe ihn liebgewonnen
Ihr kennt mich. Ich kann meinem Mann keinen Duftwunsch abschlagen. Eigentlich habe ich ihm Weltschmerz von Art Brüt lediglich unter die Nase gehalten, um ihm zu zeigen, was Herren derzeit gerne schnuppern, bzw. nach was sie am liebsten duften möchten. Ich weiß, es ist Pfirsich, aber ich rieche bei Weltschmerz eindeutig eine Kirsche. Egal. Unerwartet reagierte er mit großen Begeisterungsstürmen. Toll sei der und er würde ihn gerne mal selbst testen. Obwohl das Wanderbriefchen von der lieben ElAttarine zu einer anderen lieben Parfuma weiterziehen sollte, gewährte ich ihm den Test, mit der Bitte, ihn nicht aufzubrauchen. Und als er ihn dann trug, verliebte er sich in das Parfum. Also bestellte ich ihm einen Flakon zu Weihnachten.

Wenn er eine Freude hat, dann habe ich die auch. Und ganz ehrlich: Das Preis-Leistungsverhältnis der Berliner Marke überzeugte mich. Schöne, wertige Flakons, die auch optisch wirken, dazu ein hervorragender Sprüher. Und dieser Duft hält auch sehr lange, ganz im Gegensatz zu Disko Disko, den ich mir gerne gegönnt hätte, den ich allerdings schon nach fünf Minuten überhaupt nicht mehr wahrnehmen konnte. Aber das ist ein anderes Thema.

Weltschmerz also. Da mein Lieblingsmensch mich mit am Nikolaustag mit einer Gabe überraschte, mit der ich so nicht gerechnet hatte, gab’s auch den Flakon schon etwas früher. Für Weihnachten musste ich auf die Schnelle noch etwas Anderes besorgen.

Tja, seit dem 6.12. trägt er den Duft fast täglich. Da ist einer richtig glücklich mit dieser süßen Frucht mit üppiger Gewürznelke, Zimt und Harzen, Honig, Tabak und Vanille. Und ich muss gestehen, so süß ist er an ihm gar nicht, wenngleich nahezu alle Noten, den tropischen Ylang-Ylang und den Whisky mal ausgenommen, auch sehr gut in die Weihnachtszeit passen. Die Basis ist wunderbar würzig. Hier kommen holzige Noten und das Labdanum schön durch. Wüsste ich es nicht besser, hätte ich zusätzlich Patchouli vermutet und vielleicht eine Ahnung von Vetiver, aber wie wir wissen, verraten uns die Macher von Düften lediglich die Noten, die wir auch wahrnehmen sollen. Ich übrigens rieche bis heute eine Kirsche, auch wenn da offenbar keine enthalten sein soll.

Tja, was soll ich sagen? Anfangs erschlug mich dieser doch etwas mächtige Duft ziemlich. Denn wenn er ihn trägt, riecht das ganze Haus danach. Inzwischen, wir haben Januar und stecken schon wieder voll im Arbeitsstress, erdet und beruhigt mich diese süßliche Frucht-Nelkenaura tatsächlich. Ja, ich habe Weltschmerz liebgewonnen. Wenngleich mein Mann einige Düfte besitzt, die ich lieber schnuppere; dieser hat mich nach einiger Zeit nun also auch erreicht. Denn trotz aller Präsenz und Süße enthält der Duft keine für meine Nase bösartigen Aromachemikalien - weder Kunsthölzer noch Chemiecocktails - und das macht ihn in der Tat sehr sympathisch. Das trifft übrigens auf alle Parfums des Berliner Labels zu.

Mein Dankeschön geht an die liebe ElAttarine für die Testmöglichkeit
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Schweben im Irispudernebel
Es ist klirrend kalt. Alles ist weiß. Sie scheint über den frisch gefallenen Puderschnee fast zu schweben in ihrem langen Kleid und dem Wollmantel. Ihr Ziel ist eine kleine Hütte am Waldrand. Dort schützt ein gemütliches Feuerchen vor der Kälte und es wird geräuchert. Hier wärmt sie sich auf, trinkt einen grünen Tee und träumt: von Blüten, von Sonne und einem Plätzchen auf weichem Moos. Der Geschmack von Dragees transportiert sie zurück in ihre Kindheit. Gestärkt springt sie mit Freude in den Schnee, zaubert einen Schneeengel in die weißgepuderte Landschaft. Ja, der Winter kann kalt und trübe sein, aber er hat seine ganz eigene, herbe, manchmal gar herbsüße Schönheit, denkt sie und fühlt sich wieder wie ein kleines Kind, das sich auf die weihnachtlichen Gaben freut.

Bei Angélique muss ich trotz der Blüten und der grünen Noten zuerst einmal an frisch gefallenen Schnee denken, denn dieser Duft ist kühl, trocken und pudrig. Dazu kommen Noten von Räucherwerk und – zack – kommt in mir so ein bisschen die kindliche Vorfreude auf Weihnachten auf. So ein leichter Anklang an Dragées ist da unter der fluffigen, weichen Puderdecke. Vielleicht etwas Heliotrop und Vanille? Ich weiß es nicht, aber so ein wenig süße Polly-Noten sind da schon. Trotzdem bleibt die schöne Dame im Schnee ernsthaft, kühl und auch die grünen Aromen blitzen durch den Irispudernebel. Der Auftakt ist zunächst rauchig-grün. Schnell kommt eine Iris, die sich zunächst karottig zeigt und nach und nach immer weicher und schöner wird.

Das ist Eleganz auf subtile Art und Weise. Der Duft ist unfassbar zart und ätherisch. Wüsste ich nicht, dass ich hier einen Papillon-Duft teste, hätte ich im ersten Moment auf ein Werk von Olivia Giacobetti getippt. Ich erschnuppere hier und da Ähnlichkeiten mit den IUNX-Düften. Ein wenig Talc schwingt mit, auch ein bisschen von L‘Eau Blanche und vielleicht sogar die kühle Note von L’Ether. Angélique ist ein sehr zarter Duft, mehr Aura als Parfum. Deshalb dieses Bild vom Schweben über den Schnee. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Puderdüften, aber hier ist der Puder so zart und fein, das fühlt sich für mich traumhaft schön an.

Vielleicht gerade jetzt richtig, um ein wenig die winterliche Ruhe zu genießen, bevor der alljährliche Stress rund um die Weihnachtszeit beginnt?

Ein wunderschöner Duft, den ich Irisliebhabern unbedingt ans Herz legen möchte. Bei Petra66 bedanke ich mich ganz herzlich für die Abfüllung.
26 Antworten
Vincents kleine Wunder
Da stehst Du, inmitten einer blühenden Wiese im Mondschein. Die Nacht ist sternenklar. Die Jasminblüten verbreiten ihren sanft indolischen Duftschleier. Ich blicke nach oben, zu Deiner mächtigen Krone, lehne mich an Deinen kräftigen Stamm, atme Deine warme Holzigkeit und erzähle Dir alles, alles was mich traurig macht. Meine frisch gewaschene Kleidung vermengt sich mit dem Duft des Holzes und der blühenden Wiese. Eine Ahnung des süßen Desserts, das ich zuvor verköstigt habe, verweilt noch in meinem Mund. Ich bleibe noch ein bisschen. Lehne mich an Deinen Stamm und spüre den Zauber dieser Nacht. Ein bisschen wie in einem Märchen.

Ja, es ist passiert. Die Wundertüte Vincent Dreamhouse hat es ja schon öfter geschafft, mich von Duftnoten zu überzeugen, die eigentlich nicht so recht zu meiner Vorstellung eines Polly-Dufts passen. Oud habe ich stets abgelehnt. Zu dunkel, oft zu medizinisch, gar stallig, manchmal fürchterlich synthetisch und manchmal näher an der Natur, als es mir lieb ist. Doch bei Tree of Sorrow ist alles sanft, weich und auf den schönsten Jasminblüten und Moschus gebettet. Oud goes Polly. Ja, das gibt es tatsächlich auch noch.

Tree of Sorrow ist ein Blütenduft mit einer gewissen Indolik. Das sollte einem liegen. Mit seinem dichten weißen Moschus lehnt dieses neue Parfum von Vincent in der Machart an Coralie an, zu den leicht alkoholischen und süßen Noten, den Blüten und dem Moschus gesellt sich hier allerdings eine dunkelholzige Oudnote. Und zwar eine Art Oud, wie ich sie so noch nie wahrgenommen habe. Ich gehe von einer synthetischen Note aus, die das Adlerholz darstellen soll, das Haus ist ja nicht gerade für Natürlichkeit bekannt. Aber egal, womit wir es hier auch zu tun haben, es ist schön und trifft absolut meinen Geschmack.

Ob dieser Duft zu mir passt, darüber grüble ich noch. Irgendwie ja, aber ein wenig Gewöhnung braucht es vermutlich noch, da ich so etwas tatsächlich noch nie zuvor getragen habe. Ich lasse mich überraschen, ob dieser Sorgenbaum bald meiner sein wird. Die Möglichkeit besteht durchaus.

Bei der lieben ElAttarine bedanke ich mich ganz herzlich für die Testmöglichkeit.
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Crossover
Ibiza. Irgendwann um die Jahrtausendwende. Mein Partner und ich stöbern durch die Shops in Playa d’en Bossa. Damals gab es massenhaft Kaufhäuser dort, die Parfums zu Duty-Free-Preisen anboten, dazu Kleidung, Nippes und alles Mögliche. Er nimmt einen Flakon in die Hand. Ein A/S eines längst eingestellten Dufts. Samba for Men. Ich erinnere mich an den Mini, den er hütet wie einen Schatz. Einen vollen Flakon hatte er nie, da damals schon eingestellt.

In der Sammlung einer lieben Parfuma entdecke ich – wir haben inzwischen 2025 – einen Mini des Dufts von Perfumer’s Workshop aus dem Jahre 1989. Und dann will ich es wissen und gehe auf die Suche, nutze meine üblichen Quellen und werde fündig. Überraschenderweise kein Mondpreis für diesen heute fast vergessenen Duft.

Er strahlt, als ich ihm den Flakon überreiche. Und sprüht den Duft gleich aufs Handgelenk. Ein Feiner, wie damals schon. Und ein bisschen unverständlich, warum er so schnell aus den Regalen wieder verschwunden ist. Er hat doch in seiner Machart den einen oder anderen Duft inspiriert, der nach ihm kommen sollte. Bei Samba for Men erschnuppere ich einiges, was ich in zahlreichen anderen, beliebten Düften dieser Zeit wiederfinde. Ich erkenne Züge von Cool Water, der ein Jahr zuvor auf den Markt kam, entdecke aber auch ein paar Gemeinsamkeiten mit dem 1994 lancierten Heaven (okay, auch dieser verschwand schnell wieder aus den Regalen) sowie mit CK One, ebenfalls aus dem Jahr 1994.

Zitrik und etwas Grünes im Kopf, Blumiges im Herzen und eine aromatisch-orientalisch angehauchte Basis, selbstverständlich für damalige Verhältnisse, mit Amber, Moschus und holzigen Noten. Genauso wie Morillas bei CK One hat auch der Macher oder die Macherin von Samba for Men, leider unbekannt, mit feinen Gewürzen gearbeitet. Muskat ist einfach eine herrliche Duftnote, wie ich finde, die ich auch an mir selbst, beispielsweise bei meinem sehr geschätzten Max Mara Le Parfum, sehr liebe. Im Unterschied zu all den Referenzdüften aus der Zeit hat Samba for Men noch eine etwas klassischere Basis mit Patchouli. Yatagan beschreibt den Duft als eine Art Crossover zwischen den Achtziger und Neunziger Jahren und das trifft es auch für mich sehr gut. Er ist etwas rauer, würziger als die anderen, die sich insgesamt lieblicher entwickeln. Die feine Pudrigkeit etwa eines Heaven, die in den Neunziger Jahren verstärkt auftrat, finden wie hier allerdings auch schon.

Der Duft hält sehr lange bei einer angenehmen Sillage. Er ist gut wahrnehmbar, geht aber niemals auf die Nerven oder erdrückt einen. In der Basis lädt er definitiv zum Näherkommen ein. Genau das macht ein schönes Parfum für mich aus. Gerne würde ich hier mehr zum Parfumeur oder zur Parfumeurin erfahren. Und da Tea Rose von Perfumer’s Workshop bis heute produziert wird, könnte dieser schöne Schatz vielleicht auch regulär wiederkommen? Mein Partner würde sich auf jeden Fall sehr freuen.
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