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Scandelaria

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Rezensionen
Die magische Lufthülle
Ich bin eher so der Heimathocker, aber seitdem meine Freundin in mein Leben getreten ist, treibts mich schon ziemlich oft da raus in die weite Welt.

So dieses Jahr im Februar auch von der südlichen Heimat ganz hoch nach Hamburg zur Tante meiner Freundin. Wir haben Hamburg zuvor noch nie gesehen, aber man kennt ja so gewisse Ortschaften und die Kultur dieser Stadt. Umso spannender da hoch zu fahren.

Ab in den Zug und hoch geht die Fahrt ziemlich ins Zentrum der Stadt in die chicke Altbauwohnung der Gastgeber mit übertrieben hohen Decken. Locker 4 - 5 Meter müssen das gewesen sein.

Der Februar ist ziemlich frisch. Bestimmt in der Durchschnittstemperatur nochmal ca. 2 - 3 Grad kälter als bei uns unten in München.

Wir machen uns in der früh fertig, duschen und ziehen uns an, um nicht zu spät zu unserer ersten Sehenswürdigkeit zu kommen. Der Fischmarkt. Ein Ort, dessen Gerüche gefürchtet werden. Ich stehe also in diesem winzigen Badezimmer und sehe oben auf dem Schrank, dass da jemand auch eine kleine Leidenschaft für Parfüms hat. Oft begegnen einem ja eher so Drogeriedüfte a lá Playboy oder David Beckham, wenn man in jemandens Badezimmer steht. So aber nicht hier. 1A Nischendüfte und darunter auch der genannte Orphéon. Ich nahm den Deckel ab und schnupperte kurz. Eine holzige seifige und irgendwie blumige Angelegenheit.

"Komm ... ein Sprüher aufs Handgelenk ... vielleicht ist er gut", bevor ich die Parkajacke anzog.

Zum Fischmarkt aufgebrochen, um ein originales authentisches Fischbrötchen mit Bismarckhering, einer dicken Scheibe Zwiebel und einer sauren Gurke frühzustücken, spazieren wir durch die verschiedenen Stände und ich vernehme neben diesem muffigen ortstypischen Gestank noch etwas anderes. Es ist der blumige frische holzig-würzige Diptyque. Doch woher kommt der? Ich hatte doch nur einen Sprüher auf dem Handgelenk und ich trage eine Parkajacke, die bis zum Kragen mit unechtem Fell um den Hals herum geschlossen ist.

Alle paar Sekunden kam mir eine kleine Wolke entgegen und ich war hin und weg. Auf der Bootsfahrt an der Elbe entlang schloss ich die Augen und genoss einfach nur die frische Luft, die sich in den Geruch dieses Duftes positiv integriert hatte. Ein Traum.

Der Duft hilt den ganzen Tag und fungiert am Fischmarkt nahezu als Luftschild, der mich umgab, um dort lebend durchzukommen.

Der Duft hatte sich durch den Ärmel bis nach oben durch die Halsöffnung meiner Parkajacke gekämpft und mich erreicht. Ich war baff und beeindruckt. Eine unglaublich gute Sillage und Haltbarkeit, die dieser Juice in der äußerst kunstvollen Flasche hergibt.

Ich erinnere mich sehr gerne an diese Tage zurück und wenn ich diesen Duft rieche, ist es, als würde ich meine Erlebnisse wieder wie bei einem Film durchspielen.
1 Antwort
Scandelaria vor 1 Jahr 6 1
Ein Sommertraum
Mit Imagination hat Louis Vuitton es wirklich geschafft, den Schalter bei mir umzulegen, der dafür verantwortlich ist, für 100ml eine fette Stange Geld hinzulegen.

Zuvor haben sämtliche Acqua Di Gio und Yves Saint Laurent Düfte mein Parfum-Waffenarsenal im Sommer gebildet. Diese Zeit war nun vorbei, denn ich bin im Jahr 2022 auf den diesen wahnsinnig außergewöhnlichen Teefreshie aufmerksam geworden.

Eines Tages war ich mit einem Freund in einem Modehaus bei mir in der Stadt und wir haben uns mal so durch die Nischenwelt durchgeschnüffelt. Der Kollege meinte zu mir, dass er unbedingt diesen Imagination und u.a. auf den Afternoon Swim testen möchte, weil man sich erzählt, dass diese beiden Parfüms den kommenden Sommer rocken werden. Was ihr wissen müsst: In den LV Store lassen sie nur eine Hand voll Leute gleichzeitig rein. Vermutlich haben die so ne "Ein-Mitarbeiter-auf-zwei-Kunden-Regel", aber auf jeden Fall mussten wir schon so eine halbe Stunde+ warten und es war noch ein bisschen was vor uns, sodass ich den Einfall hatte, den guten Securitymann für meine Zwecke zu "steuern".

Ich ging zu ihm und fragte, ob er nicht vielleicht ein zwei Mitnehmproben von diesem Duft organisieren konnte und siehe da ... die Sache ging einfach auf. Schnurstracks ging der im schwarzen Anzug und schwarzer Krawatte gekleidete Mann los, sprach ein zwei Worte mit einer Mitarbeiterin und besorgte mir zwei 2 ml Fläschchen vom uns noch unbekannten Imagination.

Wir bedankten uns sofort, öffneten und ballerten das flüssige Unbekannte direkt auf die Unterarme.

Wir beide waren verliebt. Dieser anfangs frische zitrische leicht scharfe Start, gefolgt von dieser sanften Teenote war der Hammer. Auf beide Handgelenke gesprüht, setzten wir unseren Citytrip fort und nahmen alle paar Sekunden ein Lüftchen dieses Meisterwerks wahr. Er projezierte so stark und hielt so lang, dass für mich dann letztendlich das entscheidende Kriterium erfüllt war. Diese Flasche muss in meine Sammlung!

Ich habe lange gehadert und überlegt. Eines Tages war ich dann zufällig nochmal in der Stadt. Es war ein kalter Februartag, also nicht gerade die beste Jahreszeit für solch einen Duft, aber es hat einfach klick gemacht und ich ging noch einmal in den LV Store und mit einer kleinen gelblichen Tasche wieder raus.

Ich hab's getan! Ich habe mir für 260 Euro ein 100ml Alkohol-Öl-Gemisch gekauft und fand es einfach absolut gerechtfertigt. Wahnsinn!

Ich rockte ihn letzten Sommer und auch diesen Sommer bin ich nicht müde und pack ihn mind. 1x jede Woche drauf. Ich fuhr viele komplimente ein und begeistere mich jedes Mal aufs neue darüber, wie man einen solchen Duft kreieren kann. Hut ab Cavallier-Belletrud, Hut ab.

Das Flakondesign ist zeitlos und hochwertig, wie alles an diesem Duft.

Auch mit einigen Dupes, die mittlerweile schon draussen sind, eine klare Kaufempfehlung meinerseits!
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Dieser eine Safeplayer
Mittlerweile im Besitz von 50+ Düften, greife ich fast einmal die Woche zu jeder Jahreszeit auf ihn zurück. Seine frische zitrisch-orangige herbe holzige Note verleiht Terre d'Hermès definitiv das Alleinstellungsmerkmal.

Für ein EdT projeziert und hält der Juice bombastisch lange. Ich layere ihn auch gerne mit Aventus von Creed oder Explorer von Montblanc, damit ich ihn noch öfter in irgendeiner Form tragen kann.

Er hat definitiv Nischencharakter und ist trotz der Jahre, die er nun schon auf dem Buckel hat, garnicht so weit verbreitet. Seine Note vermittelt einen unabhängigen reifen Herrn, der die Dinge professionell und mit Klasse angeht, trotzdem können den aber auch jüngere Leute tragen. Am besten kommt er an warmen Tagen oder an Bürotagen zur Geltung.

Ich wurde jetzt schon einige Male von Frauen drauf angesprochen und habe nur positive Resonanz bekommen. Das liegt eben auch an seiner Power. Der hält halt den ganzen Tag und ist meilenweit von "hautnah" entfernt.

Das Design des Flakons ist zeitlos und schlicht. Der Drehdeckel ist ne nette Sache, hätte aber meiner Meinung jetzt nicht unbedingt aus Plastik sein müssen.

Der Preis zu einem Duft von dieser Qualität ist völlig akzeptabel. Ich hatte ihn mir vor ein paar Jahren in der 200ml Variante für knappe 90€ online geschossen. Kleiner Tipp: Refillflaschen sind nochmal ein Stück günstiger, man muss sich jedoch dann um einen Flakon kümmern.

Dieser Duft ist einer der wenigen, den ich garantiert nachbestelle, solbald er ausgeht.
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Mit ihm hat alles angefangen
Ich erinnere mich noch ganz genau. Ich war frische fünfzehn Jahre alt und ging täglich vor der Schule immer bei einem Rossmann oder HIT neben der Schule in den Drogeriebereich und trug abwechselnd einen dieser günstigen Düfte auf. Eines Tages dann den Adidas Fresh Impact. Ich habe sofort gemerkt, dass bei diesem Duft etwas anders ist. Diese zitrisch aquatische und fast salatgurkenhafte Frische fesselte mich an diesem Schultag bis zum Ende des Tages. Mir war klar, dass ich den selbst besitzen muss. Ich organisierte mir Taschengeld und ging zu Fuß zu einem lokalen Rossmann, wo ich den Duft mit ca. 15 Euro für 100 ml ausgezeichnet vorfand. Eingekauft war ich stolzer Besitzer meines ersten Duftes und war Hals über Kopf in diesen Duft verliebt. Ich besaß noch etwas, was ich mir heute wieder zurückwünschen würde, nämlich Zufriedenheit. Ich hatte weder das Verlangen nach Abwechslung, noch verspürte ich eine Langeweile, je länger ich den Duft trug. Seine sportliche, maskuline frisch-geduscht Aura umgab und fesselte mich, und ich war besessen. Ich nahm ihn in der Hose mit und sprühte immer wieder mal nach, bis meine Besessenheit dann ihren unglücklichen Höhepunkt erreichte. Während der Pfingstferien gab ich Nachhilfeunterricht in Mathe. Eine Mitschülerin, welcher ich Nachhilfe gab, war mein Crush und ich tat natürlich während des gesamten Schuljahres viel dafür, bei ihr nur positiv aufzufallen. Und so auch mit meinem Geruch. Es gibt für einen Mann fast kein schöneres Kompliment als dass er gut riecht. Und so sprühte ich mich vor der Stunde übertrieben ein. Mein Shirt war buchstäblich nass von diesem Duft und ich konnte nicht bremsen. Ich konnte mich nicht halten und sprühte sogar nochmal auf, während sie sich ein Glas Wasser holte oder auf die Toilette ging. Sie kam also zurück und wir machten weiter mit dem Nachhilfeunterricht, und plötzlich fällt mir mein Parfüm aus der Hosentasche auf den Boden, wo einst unsere Hintern drüber auf einem unbequemen Holzstuhl saßen. Der Flakon rutscht in die eine Ecke unterm Tisch, der Deckel in die andere Ecke. Oh man, PEINLICH! Jetzt hast du doch wirklich deine mysteriöse, geheime Waffe offenbart, mit der du seit Tagen an diesem Mädchen arbeitest. Ich denke, dass es solche Stresssituationen sind, von denen man als Begründung für das Anfangen vom Rauchen spricht. Ich vergaß jedoch diesen peinlichen Moment sofort, als ich ihr Lächeln als Reaktion auf meine Tollpatschigkeit sah.

Düfte sind wie Festplatten oder wie Schlüssel zu Festplatten. Sobald man an ihnen riecht, kommen alte Erinnerungen mit einer unglaublichen Detaildichte zurück.
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Der Lagerhausvorfall
In dieser Geschichte werden Ereignisse geschildert, die sich so in der Tat in der Wirklichkeit abgespielt haben und auf wahre Fakten beruhen.

Vormittag, mitten in der Woche. Ich arbeite in einer Supermarktfiliale. Es ist früh und dementsprechend mäßig viel los. Die meisten meiner Kollegen sind noch Ware am verräumen. Der Chef meines Chefs spaziert in den Laden. Braune Lederjacke, grauer Wollerollkrankenpullover, schwarze Slim-Jeans und Chelseaboots. Er geht ins Lager und quatscht dort mit meiner Chefin, seiner Untergeordneten ... für ein zwei Minuten. Sie beide verlassen das Lager und führen ihr Gespräch im Büro fort. Ich verräume weiter, sodass wir bald mit den Pausen anfangen können. Eine halbe Stunde vergeht und ich bemerke eine Packung Scheibenkäse völlig aufgewärmt und mittlerweile zu einem Block verschmolzen, welche ein Kunde am Vortag wahrscheinlich in ein ungekühltes Regal gelegt hat (habt Respekt vor dem Essen, das passiert leider viel zu oft) und brachte diese auf direktem Wege in unser Lager, wo wir Verdorbenes aufbewahren.

Das Lager misst ca. 15 Meter in der Breite und 130 Meter in der Länge. Die Decken müssten ca. 6-7 Meter hoch sein. Also 15 x 130 x 7, also maximal ca. 13 - 14.000 m³ an Luftvolumen, die dieses Lager mit all seinen eigenen Gerüchen von abgelaufenen usw. hergibt. Ich komme also in dieses Lager, das seit 30 Minuten verlassen ist und werde von einer süßen würzig holzigen und leckeren Duftwolke erschlagen, welche ich selbst beim sofortigen kompletten Leersprühen meiner 50 Düfte nicht erzeugen hätte können. Nirgendwo in diesem Lager war man sicher. Der Geruch war zu präsent, sodass ich geglaubt hätte, dass zu jedem Atemzug, den ich machte, der Mann hinter mir gestanden wäre. Dieser Typ war im Lager und im Büro und das gleichzeitig. Es war aufregend gruselig.

Eine Erfahrung, die ich so noch nie zuvor gemacht habe und an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde.
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