Vetiver, Muskat, Zedern, Kümmel, Amber,
Fantastisches Zeug zum Preis von 3 Kugeln Eis mit Waffel.
Anleihen von Dunhill Edition und dem Urvater von Guerlain sind zu erkennen. Wobei das Vétiver von Guerlain aus meinem Gedächtnis feiner, französischer, aber auch wesentlich dünner und flüchtiger daherkam (Reformuliert). Dunhill Edition war/ist wohl am ähnlichsten, war mir aber zu kullerig und schwach auf der Brust (Reformuliert).
Hier ist für mich alles am Platz, die Kalibrierung vorbildlich, auch an den vorhandenen Ölen/Ingredienzen kann ich nicht mäkeln.
Das nicht in der Pyramide genannte Muskatnuss ist ja schon mehrfach erwähnt worden, aber ich detektiere zusätzlich Amber und Kümmel, welches MUV etwas derber als oben genannten erscheinen lässt. Dies soll aber kein Nachteil sein, denn MUV hat im drydown eine ähnliche, wenn auch schwächere, Kümmel/Amber Note wie Trumpers Astor und Puig Quorum (Vintage), die ich ungemein schätze. Quorum ist allerdings durch die zig Reformulierungen mittlerweile zum Insektenspray verkommen, ich spreche hier von der Vintage Version, anyway.
MUV ist frischer als alle anderen genannten, hat doch letztlich durch das Vétiver, welches schön pflanzlich grün schillernd und natürlich erdig herauskommt einen weniger blumigen Charakter als Astor und Quorum, aber der dichte, sehr langanhaltende, leicht salzig/seifige Schluss, gerade wenn man ins Warme kommt ist schon sehr ähnelnd.
Ein Duft der sich verändert, bei Kälte/Wärme/Aktivität, sowas muss man suchen.
Für mich der wertigste und beste drugstore scent, den ich jemals getestet habe. Und derzeit sogar allgemein in meinen top fünf, wenn nicht drei !
Lavendel- Rose- Nelke - Tonkabohne
Der Duft einer Großstadt, wo auch immer, so riecht niemand aufm Land.
Letztlich aber eine Neuinterpretation einer uralten Vorlage: Old Spice/Tabac Original/ Lagerfeld Classic.
So hat man sich schon vor 100 Jahren parfümiert (Lavendel-Nelke-Rose), allerdings ohne die extrem hoch dosierte Zugabe von gerösteter Tonka Bohne, die diesem Duft ein völlig neues, anderes Ego verleiht.
Ganz knapp am Gourmand und vielleicht schon auf der Schwelle, was nicht mein Duftideal ist.
Gewalt und Exzess liegt in der Luft, nach Gangstern und auch Möchtegern - gleichzeitig duftet es himmlisch, verwegen, stolz und anders.
Das Zusammenspiel von Lavendel und Tonkabohne mit dem Counterpart Nelke und ein wenig Rosé machen die Show.
Das ist wohl auch der Grund, warum viele hier Kirsche riechen - ich kann von der Kernfrucht gar nichts erkennen. Leichte grüne Wermut und Moosnoten alà Bogart OMS plus Vanille Zigarren Tobacco sind als Randprotagonisten anzugeben, gehören jedoch zum Sujet.
Ne Nummer dieser Duft, ne echte Nummer.
Vielseitigkeit/ Tragemöglichkeit:
Bei einem Scotch, ner Zigarre und einer Folge Boardwalk Empire (and always easy on the trigger).
Süße Orange - Moschus - Zeder
Ist das Kennzeichen eines gut gemachten Duftes, ihn nicht so leicht olfaktorisch in seine Einzelteile zerlegen zu können ?
Vielleicht, aber zumindest ist es bei einem intelligent konstruierten Duft so.
Hier haben wir es m.E. mit einem intelligent gemachten Exemplar zu tun, das sich einem am Anfang nicht so schnell erschließt.
Ich habe es mir abgewöhnt, vorschnell Kommentare über Dinge abzugeben, die sich in meine erste subjektive Kenntnisnahme begeben und so auch hier.
Beim anfänglichen Aufeinandertreffen mit MU gelang mir eine deutliche süße, fleischige Orangennote, italienische Seife und etwas herbwässriges in die Nase.
Diese 3 Noten verwoben sich in Kürze so, dass ich später nur noch einen Schleier dessen wahrnahm.
Nach einiger Zeit und 2.-5. Benutzung gesellte sich für mich eine leichte, herbe Rasierwassernote (die Zeder und minimalst Labdanum) dazu, deutlich Koriander mit ganz ganz seichten Anklängen von italienischer Küche und dem frischfruchtigen Geruch von Wassermelone.
Auch etwas organisch haut- tierähnliches oder Talcum keimt dann später auf, aber so subtil als wäre es der Träger selbst und manchmal wieder gar nichts mehr davon.
Und so ist der gesamte Duftverlauf, mal ist etwas von den aufgezeigten Nuancen wahrnehmbar, dann blitzt wieder eine andere davon auf.
Die Orange kommt spitz, süß und zum reinbeißen zur Nase, dann wieder vom Rasierwassertouch abgetönt.
Er ist nicht vollkommen frei von Synthetik, aber das kann ein Duft dieser Machart nicht sein.
MU ist leicht aber präsent, langanhaltend, geht eher in die Spitze als in die Breite und funktioniert mit jedem Grad welcher die Temperatursäule steigt besser. Dieser Duft benötigt quasi Wärme, ja fast Schwüle.
Das alles wirkt so sommerlich und erhebend, ohne auch nur im Ansatz ein Aqua/Freshi Spielduft zu sein, dass es mich bei hohen Temperaturen oft ins Schwelgen und gedanklich an Italiens Küsten, als auch an seine abendlichen Piazze führt.
Für mich ist das destilliertes Dolce far niente und definitiv nicht zum arbeiten da.
Ob ich diesen Duft im Herbst oder Winter tragen möchte, weiss ich nicht, ist aber auch egal, da er für mich wie kein anderer für nur dieses 1/4 des Jahres so perfekt geeignet ist.
In diesem Duft befinden sich die Bilder Italiens und diese wurden mit Grandezza umgesetzt.
Faszinierend..
ich hatte damals den Le Male als ihn tatsächlich noch niemand kannte, selbst in Berlin wurde ich dauernd darauf angesprochen, was das denn wohl wäre.. das hat sich im Laufe der Jahre allgemein etwas geändert, da sich gerade die dupes dieses Duftes „brennpunkthaft” vermehrten. Ich kann sagen, hier ist er wieder, der ganz alte, zu ca. 95%, da er auch diese anfänglich sehr deutliche, schmutzige, fast animalische, etwas klosteinartige Note besitzt, die dann aber in eine saubere Lavendeligkeit abgleitet, ohne das Erstgenannte zu verlieren, und sich zu seiner sehr eigenständigen Melange verbindet. Wohingegen der heutige Le Male nur noch quitschig süß und synthetisch ist und mit dem ganz Alten nur noch die Ahnung verbindet. Bei den dupes der selbe Fall, eben noch mit diesem unschlagbar hitzig schweißigen Kreuzkümmel/Döner Odeur. Gerade im Hochsommer brüllend delikat.
Diesem ganz besonderen Flair, will dieser nach meiner Meinung nicht nachkommen. Wer also so etwas noch tragen und sich nicht verdächtig oder gemein machen möchte; warum nicht, im Block kennt man diese eine Note nicht mehr.
PS: Ich vergebe 9 Punkte aufgrund des völlig fehlenden synthetischen Einschlages und einer perfekten Kopie !
Im Herz der Finsternis - Nelke-Moos-Harz
Eine grüne Quelle, fern, innerhalb eines monumentalen schwarzen Lochs, das alles zu verschlingen droht.
Doch wo Schatten, da auch immer Licht. Und jene kleine Quelle, ätherischer Natur und organischen Ursprungs, in weiteste Ferne gerückt, punktuell und kaum wähnbar innerhalb dieses schwarzen, dehydrierten, heiss pulsierenden Lochs, existiert.
Ein verdurstender in der dunklen Wüste auf der Suche nach dieser kleinen Oase, die endlich Kühlung und Labsal verheisst, quer durch diesen fast undurchdringlichen schwarzen, gazeartigen, antiseptischen Schleier, der die Lieblichkeit zu seinem Antagonisten erkoren hat.
Die Fahrt durch dieses fast undurchdringliche Labyrinth scheint bereits aussichtslos, doch fast wie aus einem Traum heraus erscheint der sehnlichst erwartete Quell.
Ein Tagtraum, ein Nachttraum, eine Odyssee durch tiefste Nacht, an dessen Ziel gekommen, die Belohnung wartet.
Ein klitzekleiner immergrüner Lebensborn - dieser einzigartige der Natur entstammende Urquell des Seins innerhalb von tausend dunklen Gefahren. - JdJ -