TurbobeanTurbobeans Parfumkommentare

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13.02.2020 14:21 Uhr
15 Auszeichnungen
Um die hochpreisigen Parfums dieses Produzenten machte ich bisher eigentlich einen großen Bogen. Und das, obwohl ich Rojas Vetiver sehr schätze. Aber man kann es preislich auch übertreiben.

Und dann kam dieser Hundling mit seinen Parfum-Colognes um die Ecke.
Übrigens: Was bitte ist ein „Parfum-Cologne“? Ich kannte bisher: Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum sowie Parfum. Aber bitte was soll ein Parfum-Cologne sein? „Hätt's des jetzt braucht?“ würde der Bayer fragen.

Aber gekriegt hat er mich. Der Hundling. Mit seinem Vetiver. Und da ich mich vor lauter Freude über dieses Parfum Cologne kaum noch einkriege, war ich quasi gezwungen, anderen Kandidaten dieser Serie eine Chance zu geben. Und der Elysium wackelte dermaßen mit dem Hintern, dass ich um eine Probe nicht herum kam.

Ich kann mir übrigens vorstellen, dass ich meine Meinung zu diesem Duft in der warmen Jahreszeit nochmals anpasse, denn für diese Zeit scheint er gemacht.

Und ich hege außerdem schon lange den Verdacht, dass es ein Mittelchen gibt, das Zutaten einkapselt, um sie dann nur langsam wieder freizulassen. „Silver Musk“ von Nasomatto ist so ein typischer Kandidat. Man sprüht, riecht fast nichts, um dann im Laufe der Zeit festzustellen, dass man ja doch einen Duft trägt.

Und auch bei Elysium kommt mir der Duftverlauf verdächtig vor. Aber von vorne:

Anfangs geht es etwas turbulent zu. Viel Zitrusfrucht in der Kopfnote. Und da sich auch etwas Rauchigkeit zeigt, wundert es mich nicht, dass aufmerksame Beobachter auf Gemeinsamkeiten mit Aventus hinweisen.

Elysium biegt dann aber in eine andere Richtung ab. Ich rieche eine Sauna, die gestern noch benutzt wurde. Holz mischt sich mit etherischen Ölen und kaltem Lavagestein. Moschus und süße, rote Beeren geben einen Anklang von beliebigem Mainstream, allerdings in ungewohnter Vielfältigkeit.

Bald pendelt der Duft sich ein und es wird klar, worauf es hinausläuft: Die holzige Rauchigkeit, die beerige Süße und der helle Moschus sind der Teppich, auf dem die saftigste und leckerste Pampelmuse ausgebreitet wird, die man sich nur vorstellen kann. Frisch, hell, transparent, erfrischend und sehr hochwertig, mit Moschus kombiniert. Das macht wirklich Spaß!

Und diese Grapefruit hält sehr lange vor. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise verfliegen diese Zitrusfrüchte schnell. Als Basisnote sind sie somit eigentlich nicht geeignet. Aber hier steht die Welt Kopf und Elysium mündet in dieser fulminanten Zitrusfrucht. Und deswegen bin ich der Meinung, dass man diese Duftnote irgendwie eingekapselt hat. Deren eigentliche Flüchtigkeit lässt sich gut an manch anderem Grapefruit-Duft erforschen, dessen erster Sprüher schon beim dritten Sprüher verflogen ist.

Die Haltbarkeit dieser Grapefruit ist zwar fulminant, aber deren Strahlkraft ist in diesem Stadium etwas zurückhaltend. Ich kann mich zwar hin und wieder selber riechen, glaube aber nicht, dass da noch sehr viel nach außen dringt.

Wer meine Meinung zu den Roja-Preisen wissen will, der lese bitte meinen Vetiver-Kommi. (Kurze Zusammenfassung: grrrrr!!!!) Aber die Düfte haben Klasse. Und Elysium ist wirklich schön.


07.12.2019 14:31 Uhr
13 Auszeichnungen
Zunächst möchte ich meine Begeisterung für das Konzept von Nasomatto zum Ausdruck bringen.

Jeder Duft, den ich bisher von diesem Produzenten gerochen habe, ist etwas besonderes. Kein Allerweltszeug. Und alle haben eine hohe Intensität. Nach dem Motto: Kleine Portionen mit großer Performance.

Und ich möchte eine Lanze brechen für 30 ml Flakons. Ich wünschte, es gäbe mehr Anbieter, die ihre Düfte in 30 ml Portionen auf Nasomatto - Art anbieten würden.

Da 30 ml nicht wirklich viel sind, wirken Flakons mit dieser Füllmenge oft etwas klein und man hat manchmal den Eindruck, einen Artikel aus einem Kinder-Kaufmannsladen zu erwerben. Nicht so hier. Der konzentrierte Inhalt befindet sich in einem schweren, hochwertigen Glasflakon. Da hat man etwas in der Hand. Das macht mir Spaß. Und damit das gesamte Gebilde nicht zu winzig daher kommt, wird jedem Flakon noch eine massive Holzkappe aufgesetzt, die überproportional groß ist. Jeder Produktdesigner würde sich wahrscheinlich mit Grausen abwenden, denn erstens irritieren die Proportionen und zweitens bergen sie auf den ersten Blick eine gewisse Unfall-, besser gesagt Umfallgefahr.

Aber die verrückte Nase (naso matto) hat das gut gelöst. Der Glasflakon ist massiv genug, um standfest zu bleiben und die Optik ist so irritierend, dass sie schon wieder interessant ist. Man könnte sagen, das Erscheinungsbild ist ziemlich cool und stylisch. Und die verwendeten Materialien sind allesamt erstklassig.

Für solche besonderen Düfte, die man wahrscheinlich nicht jeden Tag tragen möchte, sind 30 ml wirklich eine gute Menge. Ich stelle mir die Colognes von Roja vor (auf die ich scharf bin). 270 Euro für 100 ml zahle ich nicht. Aber 90,- Euro für 30 ml in einem hochwertigen Flakon würde ich akzeptieren, auch wenn das pro Milliliter keinen Preisunterschied bedeuten würde. (Manche Hersteller haben das ja auch bereits kapiert.) Diese Flakongröße ist kundenorientiert und ermöglicht es, ein paar Fläschchen mehr in der Sammlung zu haben, ohne dass man gleich einen Vorrat für die nächsten dreißig Jahre beherbergt.

Nun aber zum Duft. Der fasziniert mich sehr. Ich mag solche Sachen wie Davana, Labdanum, Vetiver, Lorbeer oder Opoponax. Das sind nicht unbedingt die eingängigsten Duftnoten und der Parfumeur muss sich schon anstrengen, um sie gut einzubinden. Aber wenn das gelingt, dann kitzeln sie die Nase, sind spannend und reizvoll. So wie hier.

Fast scheint es, als habe man Jubilation 25 Man von Amouage als Grundlage genommen, ein paar Sachen entfernt, und den Duft "geerdet".

Es duftet nämlich nach Erde. Und nach bittersüßen, herben Kräutern mit knarzigem Wurzelholz. Anfangs würzig-grün mit einer krautigen Frische, dann zeigt sich eine Basis aus holziger Kräutersüße. Intensiv und eindringlich. Kein Crowdpleaser, sondern ein durchaus anziehender Charakterkopf.

Der Duft hat eine gute Intensität und Haltbarkeit. Man bekommt etwas für sein Geld und die 30ml dürften viele Jahre Freude machen. Ich mag diesen verrückten Italiener sehr.


01.12.2019 13:53 Uhr
23 Auszeichnungen
Den Geruch von Vetiver würde ich mal 'erträglich' nennen. Für sich alleine duftet diese Zutat vielleicht interessant, aber sie ist nicht gerade das, was man einen Nasenschmeichler nennt. Erdig, rauchig, verbrannt, etwas bitter und strohig.

Aber sobald Vetiver ein angemessenes geruchliches Gegengewicht erhält, wächst es über sich hinaus. Etwa wie eine Scheibe Gurke im Pimms Cup No 1 oder etwas Selleriesaat im Coleslaw.

Ganz offensichtlich ist es aber eine große Kunst, Vetiver so zu dosieren und einzubinden, dass sich ein optimales Verhältnis zwischen Frische, Süße und erdigem Vetiver ergibt.

Eine meiner liebsten Marken hat das so gelöst, dass Vetiver kaum wahrnehmbar ist, aber dem Duft trotzdem seinen individuellen Charakter gibt. Andere Vetiver Düfte betonen die Hauptzutat mehr und setzen dabei auf bestimmte Richtungen. So musste ich in der Vergangenheit manchen guten Vetiverduft schweren Herzens beiseite legen, weil für mich etwas zu viel von diesem oder jenem vorhanden war.

Und ich bin ja nicht der Einzige hier, der nach dem perfekten Vetiver-Duft sucht. Denn dieses Zeug hat schon was. Ich denke, dass zumindest ein gestandener Mann kaum besser beduftet sein kann, als mit gutem Vetiver.

Wenn ich diesen Vetiver Cologne auf die Handfläche sprühe, etwas pflegende Creme untermische und nach der Rasur mein Gesicht damit einreibe, dann fühle ich mich wirklich perfekt gepflegt und beduftet. Den ganzen Tag lang.

Die Rauchigkeit ist ganz deutlich, wird aber aufgefangen durch eine dezente zitrische Frische sowie durch eine satte Süße, die perfekt den rauhen Vetiver aufwiegt, aber dennoch nicht dominiert. Wenn hier etwas leicht dominiert, dann ist es der Vetiver.

Insgesamt aber ist das Bild sehr rund und ausgeglichen. Ich möchte fast sagen, es ist der perfekteste Vetiver-Duft, den ich bisher gerochen habe. Ich fühle mich außerordentlich wohl damit, weil er sowohl meine Nase befriedigt, aber auch sehr eloquent duftet, so dass ich damit gerne unter die Leute gehe.

Bleibt noch der spinnerte Preis zu besprechen. Die Preispolitik von Roja finde ich sehr unsympathisch. Die Düfte sind gut, keine Frage. Alles was ich bisher von diesem Hersteller gerochen habe, ist solide und hochwertig. Aber man zielt auf eine Klientel ab, die das Besondere kaufen möchte. Je teurer, umso besser. Aus Sicht von uns Duftfreunden, die sich ihre Zigarre nicht mit einem Hunderter anzünden, ist es zutiefst unfair, dass solche schönen Produkte nur einem elitären Kreis vorbehalten sind bzw. allzu tiefe Spuren auf unserem Konto hinterlassen. Bei weißen Trüffeln oder Beluga Kaviar sehe ich so eine Preispolitik vielleicht noch ein, weil die Produkte sehr selten sind und die Nachfrage groß ist. Aber einen solchen Duft für 270,- Euro anzubieten ist eine Strategie, die ich nicht unterstütze. Man kann es auch übertreiben.

Vielleicht bekomme ich ja mal 30% Discount, dann würde ich zugreifen.

Von mir ein 'hoch!' auf diesen Duft und ein 'pfui!' für dessen Preis.

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Edit, Januar 2020: Ich habe meine 30% gekriegt. Danke, liebe Jeanett :-)


01.10.2019 13:10 Uhr
8 Auszeichnungen
Nachdem ich diesen Duft einige Tage testen konnte, will ich mich an einem Kommentar versuchen, der ihm gerecht wird und nicht übertreibt, was mir nicht ganz leicht fällt. Dafür bin ich aktuell viel zu begeistert.

Der Duft hat mich im Sturm genommen. Ein kurzer Schnupperer am Sprühkopf und ich wurde aufmerksam. Ein Sprüher auf ein Kärtchen und ich bekam meine Nase nicht mehr weg davon. Zwei Sprüher auf den Hals und ich genoss die wunderschöne Basis des Duftes über mehr als zwölf Stunden.

Die Basis ist das, was den Duft einzigartig macht: Ein blumiges Oud, wie ich es mir schöner nicht vorstellen kann. Rundherum herrscht ein buntes Treiben von recht eleganten, modernen Noten mit Hilfsstoffen, wie man sie von vielen anderen aktuellen Parfums kennt. Da ist heller Moschus und vielleicht auch ein Hauch ISO-E-Super, helles Holz, sowie sonstige Synthetik, die der Nase schmeichelt und dem Duft einen westlichen Anstrich gibt.

Aber am Ende zählt doch diese wunderschöne Basis, von der ich gar nicht genug bekommen kann. Das kann man nicht erklären, das muss man gerochen haben. So entspannt und freundlich, so edel und bescheiden, so natürlich und gut eingebunden.

Da ich Düfte gerne auf meinem Vorhang im Büro teste, habe ich auch marshoud4 dort aufgesprüht. Auf Stoff zeigt sich ein anderes Bild, als auf der Haut. Die Synthetik und der Alkohol stechen scharf hervor und vermiesen mir den Genuss. Dieser Duft gehört auf die Haut. Von dort strahlt er perfekt aus.

Außerdem ist es so, dass marshoud4 offenbar keinen anderen Duft neben sich duldet. Während des Vorhangtests habe ich unter anderem Green Irish Tweed getragen. Und das geht gar nicht. marshoud4 verlangt und verdient die volle Aufmerksamkeit und alles andere stört. Eine gründliche Dusche, bevor man einen anderen Duft aufträgt, ist unabdingbar. marshoud4 ist außerordentlich haltbar und vergrätzt noch am nächsten Morgen jeden Konkurrenten.

Trotz seiner orientalischen, holzigen, wärmenden Art und Weise scheint mir marshoud4 am besten für den Sommer geeignet zu sein.

Fazit: Ich mache ja immer wieder mal neue Entdeckungen. Aber diese hier überraschte mich doch sehr und es scheint so, als habe nun auch ein orientalischer Duft in meine steng limitierte Sammlung Einzug gehalten. Der Eindruck, ich könne nun eigentlich alles andere entsorgen, wird gewiss nicht bleiben. Aber vorerst mal gibt es für mich nichts Schöneres als marshoud4.

Der Duft ist aktuell nur direkt in Kuwait und auf Ebay International zu erwerben. Wenn alles wie geplant läuft, erhalte ich in den nächsten Tagen einen weiteren Flakon aus Kuwait und werde ein Sharing durchführen. Interessierte sollten marshoud4 deshalb auf Beobachtung stellen und sich über neue Angebote (z.B. ein Sharing) benachrichtigen lassen.


19.08.2019 11:19 Uhr
16 Auszeichnungen
Artemisia (Beifuß) ist sicherlich einer der männlichsten Duftstoffe überhaupt. Kennengelernt, bzw. bewusst wahrgenommen habe ich ihn zum ersten Mal bei einem spanischen Deo: Magno Classic. Das ist Artemisia bzw. Männlichkeit pur. Krautig und seifig.

Dann lernte ich „Bowling Green“ mit seiner Artemisia-Basis kennen und schätzen. Auch im neuen Mugler „Alien Man“ ist Artemisia in der Basisnote verbaut. Der Stoff scheint im Kommen zu sein. Zurecht, denn er bietet lang anhaltende Männlichkeit auf natürlichem, kostengünstigen Wege.

Kurdjan hat bereits seinem „Lumiere Noire pour Homme“ per Beifuß eine markante Note gegeben und damit aus einem Rosenduft einen großen Herrenduft geschaffen.

Und nun treffe ich auch in diesem „masculin pluriel“ wieder auf eine markante Artemisia-Basis.

Was soll das eigentlich heißen, „masculin pluriel“? Männlichkeit, mehrfach? … So würde ich es übersetzen. Und in der Tat haben wir hier einen der männlichsten Düfte, die ich kenne. Und das tatsächlich in mehrfacher Hinsicht:

Der Beginn ist süßlich-seifig. Typisch Lavendel. Eine gewisse Frische ist ebenfalls vorhanden. Und dann entwickelt sich, sehr gekonnt komponiert, langsam eine lang anhaltende Basisnote, bei der Artemisia die Hauptrolle spielt. Aber Artemisia ist nicht der alleinige Hauptdarsteller. Gekonnt wird seine Grobheit in einem Bett aus Lavendel und Hölzern ausgeglichen, so dass Mann am Ende stundenlang bis zum nächsten Morgen angenehm markant duftet.

Auch wenn die Charakteristik von „masculin pluriel“ nicht meinem Beuteschema entspricht, muss ich doch anerkennen, dass wir es hier mit einem hervorragend komponierten Duft für den Mann zu tun haben.

Bei der Dosierung sollte Mann aber vorsichtig sein, denn der Duft hat richtig Wumms, wie so viele Kurkdjans. Jedenfalls kann ich für diese Komposition nur meinen Hut ziehen.

Ein Duft für den Kerl, der durchaus auch einen Anzug tragen kann.


06.08.2019 12:46 Uhr
12 Auszeichnungen
Pheromone. In jüngeren Jahren durchaus ein Thema, das für mich von Interesse war. Aufgrund mangelnder Paarungsbereitschaft der von mir anvisierten weiblichen Mitmenschen, sowie aufgrund vollmundiger Versprechen der Hersteller von Pheromonprodukten, kam ich um dieses Thema nicht herum. Angeblich sollte den Träger solcher Produkte eine unmerkliche Duftaura umgeben, welche von weiblichen Personen derart gustiert wird, dass Annäherungsversuche mit höchster Wahrscheinlichkeit von Erfolg gekrönt sein würden.

Andererseits widerstrebte es mir, irgendwelchen Scharlatanen auch noch Geld für zweifelhafte Versprechen hinterher zu werfen. Ich war in einer Zwickmühle, die nur durch die Investition von Neunundreißigmarkneunzig und einen Feldversuch aufgelöst werden konnte.

Um es kurz zu machen: Meine Erfolgsquote blieb, trotz Pheromonbeduftung, im untersten zweistelligen Prozentbereich und ich gab die Hoffnung auf pheromonelle Unterstützung beim Liebeswerben auf.

Nun aber tritt Silver Musk in mein Leben und ich muss sagen, ich könnte nicht überraschter über sein Auftreten und seine Wirkung sein. Aber von vorne:

Es erreichte mich eine Abfüllung dieses Duftes und ich dachte zunächst, ich hätte ein verdünntes Produkt in den Händen, so minimal duftete es auf meiner Hand nach zwei Testsprühern. Ein Blick auf die Reputation meiner Lieferantin hier im Forum, lehrte mich eines Besseren. Das musste das Original sein.

Und so hackte ich den silbernen Moschus für vier Euro den Milliliter ganz schnell wieder ab und verbuchte die investierten fünfzehn Euro als Lehrgeld. Zu früh, wie sich herausstellen sollte.

Während ich noch meiner Schreibarbeit nachging und keinen Gedanken mehr an Silver Musk verschwendete, erreichte mich ganz unvermittelt ein wunderschöner Moschus-Hauch, um dann auch gleich wieder zu verschwinden. Reflexartig ging meine Nase in Richtung Handrücken und tatsächlich: der Duft lebte. Und zwar vehement über viele Stunden. Nur eben nicht so, wie ich es von anderen Düften gewohnt war, sondern fluidal, transparent, diffus. Er war da, aber sehr undeutlich, und machte immer wieder auf sich aufmerksam, auf eine Art, die ich als zurückhaltend, wunderschön und anziehend bezeichnen möchte.

Da ich am Sonntag bei meiner besten, ehrlichsten, kritischsten und kompetentesten Freundin zum Essen eingeladen war, war das der Moment für eine Bewährungsprobe des Duftes. Ich nahm vier Sprüher, roch so gut wie nichts, und stockte auf sechs Sprüher auf (kleiner 0.07ml Sprühkopf).

Schon auf der Hinfahrt im Bus hatte ich das untrügliche Gefühl, dass ich attraktiv beduftet war. Junge Damen setzten sich in meine Nähe und spreizten die Nüstern, so schien es mir. Dann sprach ich bei meinen Freunden vor und im Laufe des Nachmittags sagte meine oben genannte Freundin plötzlich: „Du duftest gut heute. Und überzeugend.“ Wow! So gut hatte sie bisher nur „Lumiere Noire“ besprochen („Solltest Du unbedingt kaufen!“), den ich aber nicht ertrage. Ich meine außerdem an diesem Tag ein besonderes Bedürfnis nach Nähe zu mir festgestellt zu haben. Alles ganz subtil aber eben doch merklich. Auch auf der Rückfahrt suchte eine junge Dame meine Nähe, was natürlich alles auch Zufall sein kann.

Als ich am Abend zurück in meine Wohnung kam, empfing mich in dem Raum, in dem ich mich sechsfach besprüht hatte, ein wunderschöner Hauch von Silver Musk, der auch noch am nächsten Morgen wahrzunehmen war.

Der Flakon ist bestellt und ich bin sehr neugierig, wie sich der Duft bewährt. Jedenfalls ist es ein perfekter Duft für jemanden, der gar nicht so richtig duften will aber irgendwie doch. Versteht Ihr, was ich meine?


31.05.2019 11:30 Uhr
9 Auszeichnungen
Vielleicht gehöre ich ans Meer in den Norden, und nicht in die Großstadt. Ich liebe die frische Brise, wie es sie nur dort am Meer gibt. Salziger, algiger, kühler Wind. Sauerstoff und Mineralien. Wenn mich so eine Brise umweht, fühle ich mich ein bisschen glücklicher, ein bisschen stärker.

Daher mag ich den Herbst so sehr, mit seinen kühlen Winden, die noch nicht winterlich, aber auch nicht mehr sommerlich sind. Ein kühler Sommermorgen gefällt mir ebenfalls.

Ich liebe Düfte, die mich aus dem Frankfurter Klima hinaustragen an einen Ort, an dem die Luft frisch und rein ist. „Himalaya“ und vor Allem „Green Irish Tweed“ sind daher meine Düfte für den Tag. Allerdings nur bis zum späten Frühjar. Sobald die Temperaturen Richtung 18, 20 Grad gehen, werden mir beide Düfte zu anstrengend.

Seit Jahren suche ich nach meinem Frischekick für etwas wärmere Tage. Und seit Jahren wandert eins ums andere Mal jede Abfüllung in meinen TZ-Behälter, wird immer mal wieder hervorgeholt, um doch wieder verworfen zu werden.

Vielleicht könnte ja der Vetiver von Annick Goutal etwas für mich sein, dachte ich mir letztens, und bestellte eine Abfüllung beim Kollegen Dannyboy. Die Abfüllung kam an, der Duft war mir etwas zu erdig und nicht frisch genug, dann widmete ich mich der großzügigen Beigabe namens „Freshman“ von einem englischen Hersteller namens „Truefitt & Hill“. Nie gehört.

Ich sprühte den frischen Burschen also auf meine Hand und plötzlich machte es klick. Der Duft ist wie ein kühler, windiger Morgen an der See, ohne Algen und Brackwasser, dafür aber mit einem Berg von Zitrusfrüchten, die wiederum von einem Hauch Ylang-Ylang abgerundet werden. Das Ganze wird durchzogen von einem winzigen Hauch von hellem Moschus.

Der Duft ist rund und stimmig, sehr erfrischend und inspirierend. Klar, kühl und rein.

Den synthetischen Duftstoff, der hier hauptverantwortlich ist, kenne ich schon lange. Und ich liebe ihn. In GIT, Himalaya, Pleasures for Men und vielen anderen teuren und auch billigen Düften und Duschgels. Aber nirgends wird diese kühle, fast metallische Frische so in Szene gesetzt, wie bei Freshman.

Ich weiß nicht, wie hoch bei diesem Duft der synthetische Anteil ist. Eines ist klar: Ohne Synthetik ist diese Frischenote nicht zu machen. Aber ich denke auch: Ohne natürliche Stoffe, kann aus dieser herben Synthetik unmöglich ein so runder, schöner Duft werden.

Haltbarkeit und Sillage sind recht gut, und der Flakon … na ja, es gibt Schönere, Edlere, aber er liegt gut in der Hand und wirkt ähnlich wie der Duft: unkompliziert.

Lieber Dannyboy, danke, dass Du mir zu diesem Fund verholfen hast, auf den ich sonst wohl nie gekommen wäre.

ANGEBOT:
Truefitt & Hill hat acht Herrendüfte im Angebot und ich bin natürlich neugierig auf die Geschwister des kleinen Wirbelwindes. Daher habe ich drei Sample-Packs mit jeweils acht Proben dieser Düfte in England bestellt (8x1.5ml). Kosten: 39,- Euro, inklusive 18 Euro Transport. Wer also eines der Packs für 13,- Euro bei mir kaufen möchte, kann sich gerne melden. Zwei Stück stehen zur Verfügung.

edit: Die Proben sind inzwischen vergeben.

edit[2]: Inzwischen ist dieser Duft definitiv mein "Briefkastenduft". Wann immer ich nur mal kurz raus muss, umweht mich ein Hauch wie frisch geduscht. Schön unkompliziert aber doch angenehm.


24.04.2019 15:06 Uhr
6 Auszeichnungen
Meinen vorigen Kommi zu diesem Duft habe ich gelöscht. Wir hatten keinen allzu guten Start. Draußen war es kalt und regnerisch und, wie meistens bei diesem Wetter, trug ich Green Irish Tweed. Wenn ich den trage, bleibt er lange in meiner Nase und die Probe von Panama Sport störte da nur. Alles wirkte etwas aufdringlich … aber interessant.

Klar, dass ein interessanter Duft von mir mehrere Chancen erhält. Und eines Abends war es wieder soweit: Ein Sprüher auf den linken Handrücken und los ging die Reise durch Lavendelfelder und Orangenhaine, getragen von sanftem Sandelholz und süßer Tonkabohne.

Wow! So irritierend ist der gar nicht. Vielleicht tut es beim ersten Mal noch ein bisschen weh. Aber nun wurde ich schnell an einen alten Bekannten erinnert: Le Mâle von Gaultier. Und zwar die Version von damals. Noch nicht ganz so glattgebügelt und deutlich performanter als die heutige Version.

Praxistests stehen noch aus, aber ich vermute, dass die Schlüpper mir nur so um die Ohren zischen werden.

Das ist ein Duft zum Anlehnen, zum Genießen, zum nahe rankommen, zum am Hals kleben bleiben und mit sich alles machen lassen, wenn man nur noch ein wenig schnuppern darf.

Glaubt ihr nicht? Meine Probe verlose ich unter allen Antwortenden, hier unter diesem Kommentar.

Ich selbst nutze bereits den Originalflakon ;))


17.03.2019 11:07 Uhr
18 Auszeichnungen
Meine Liäson mit "Ambre Nuit" von Christian Dior scheiterte an der übermäßigen Anwesenheit von Amber. Ansonsten hätte ich den Duft gerne behalten, denn manchmal darf es gerne (oder muss es einfach) süß, karamellig und vanillig sein. Diese Düfte, bekannt auch aus Kindertagen, vermitteln Geborgenheit, wirken anziehend und attraktiv.

Dann trat Grand Soir hervor und meinte: "Nimm doch mich!"

In der Tat: Grand Soir ist ein Bruder von Ambre Nuit, nicht nur im Geiste, sondern auch im gesamten Auftreten und Gebaren. Ein süßer, karamelliger, vanilliger Schmeichler. Aber eben ohne Amber-Überdosierung.

Diese wunderbar wonnigen Wogen von Vanilletoffee sind himmlisch, aber irgendwann, am Ende eines großen Abends, wünscht man sich eine Erfrischung. Als wenn man eine halbe Tüte Karamellbonbons geleert, und nun gerne ein Glas Wasser hätte.

Aber der böse Stiefonkel Francis zwingt einen, die Tüte Bonbons bis zum Ende zu leeren. So lange, bis man keine Süßigkeiten mehr sehen kann. Die Süße des Duftes nimmt kein Ende und manch Eine(r) überstellt seinen Flakon ge- und entnervt dem Souk.

Eigentlich schade, denn dieser Schmeichler leistet gute Arbeit, wenn man die angemessene Dosierung beherrscht. So einer sollte in keiner Parfumsammlung fehlen.

Benzoe-Harz ist ein perfekter Fixateur. Ich kenne das aus den Zeiten, in denen ich viel herumexperimentierte. Das ist schon etwa 25 Jahre her. Ich war ein Jungspund mit großem Interesse an duftenden Dingen und die "Hobbythek" lehrte mich, wie man sanfte Seifen selber siedet. Ich siedete also fleißig und beduftete meine Produkte mit einem Duftöl, das ich literweise bei einem Aromenhersteller erworben hatte. Es handelte sich um den Duft von Joops "Le Bain".

Und weil ich, trotz reißender Abnahme im Freundeskreis, gar nicht so viel sieden konnte, um das viele Öl zu verbrauchen, beschloss ich, auch ein Eau de Toilette zu mischen. Duftöl, Alkohol und Wasser. Aber der Duft verflog wie der Wind (Haltbarkeit: 3.7). Es musste ein Fixateur her. Und das war Benzoe-Harz, dass ich in kleine Mengen meinem EdT beimischte. Wie durch ein Wunder, hatte mein Produkt nun eine Haltbarkeit, die äußerst zufrieden stellend war.

Und eben dieses Benzoe-Harz sorgt auch bei Grand Soir dafür, dass Tonka und Vanille an einem haften, wie ein schlechter Ruf.

Somit möchte ich eine Empfehlung aussprechen:

Das Parfum sollte ausschließlich auf die Kleidung gesprüht werden. Nicht auf die Haut. Das Hemd, die Bluse oder den Blazer kann man jederzeit ablegen und sich damit des Duftes entledigen. Diese duften übrigens noch nach einer Woche nach Onkel Francis.

Dann hat man auch bald wieder Lust auf wohligen, wonnigen, warmen, wunderbaren Vanillekaramell.


08.02.2019 12:02 Uhr
6 Auszeichnungen
Zunächst habe ich das Bedürfnis, mich für den Anglizismus im Titel zu entschuldigen. Ich hätte auch schreiben können: "CdNi gegen Aventus". Irgendwie klingt das aber komisch. So weit ist es also schon gekommen.

Nun aber zum Thema:

Ich brauche keine Schnäppchen! Ich brauche gute Düfte! Ob ein guter Duft 15,- Euro oder 150,- Euro kostet, ist mir egal. Hauptsache, es ist ein guter Duft. Das ist der entscheidende Punkt. (Es ist mir aber nicht egal, wenn ein Duft 300,- Euro kostet oder mehr. Irgendwo hört der Spaß auf.)

Insofern gab es bei mir eigentlich keinen Bedarf an einem Aventus-Klon. Warum auch? Ich bin zufrieden mit Aventus und irgendwann wird mein Flakon leer sein. Dann möchte ich einen Neuen kaufen, auch, wenn die 200,- Euro natürlich ein bisschen schmerzen werden. Thema erledigt.

Nun begab es sich aber, dass ich bei einem meiner Streifzüge durch die Welt der Parfumdealer auf ein super Angebot für diesen Duft hier stieß. Also, was soll's: Verkaufen kannst du ihn immer noch. Und neugierig war ich allemal, liest man doch vielfach, dass dies der beste Aventus-Klon sein soll.

Angekommen, ausgepackt ... ach du Schreck, was ist das denn? Ein riesen Trumm von Flakon, bestückt mit kleinen Glasdiamanten, unhandlich und nicht gerade das, was ich "schön" nennen würde. Seisdrum. Der Duft zählt.

Neue Düfte teste ich meist an einem Vorhang. Ich mag es, wenn ich einen Raum betrete und unvermittelt mit dem Duft konfrontiert werde. Das führt meist zu einem spontanen und zuverlässigen Dufteindruck.

Club de Nuit empfand ich im Auftakt sehr attraktiv. Er erinnerte mich an eine frühere Version von Aventus, bei der die Ananas mehr im Vordergrund stand.

Als nach zwei, drei Stunden die Basis wahrzunehmen war, wurde ich abermals an eine frühere Version von Aventus erinnert. Es muss im Jahr 2012 gewesen sein. Da gab es noch eine recht kantige Teernote in diesem Duft. Ein bisschen nach kaltem Aschenbecher. Ich war unsicher, ob ich das mag, oder nicht.

Es half nichts: Club de Nuit musste am Mann getestet werden. Zur Zeit benutze ich Aventus nur Zuhause. Draußen ist es einfach zu kalt. Aber an manchem Sonntag, wenn ich weiß, dass ich heute die Wohnung nicht verlassen werde, benutze ich Aventus. Nur für mich. Der Duft umweht mich dann von morgens bis abends und ich genieße es.

So erfolgte der Test ebenfalls an einem Sonntag Zuhause. Club de Nuit duftete wie Aventus. Vielleicht hatte er etwas schärfere Auftaktnoten und etwas mehr rauchigere Töne, aber im Prinzip war es ein Abbild von Aventus.

Aber ich war trotzdem nicht wirklich glücklich. Fehlte mir etwas? War mir etwas zu viel? War mehr Synthetik im Spiel? Oder war es nur mein Bewusstsein, einen günstigen Dupe zu tragen, das mir einen Streich spielte?

Der Tütentest musste Klarheit bringen: Zwei Kleenex-Tücher wurden mit je einem Duft besprüht und in zwei Plastik-Frühstücksbeuteln deponiert. Dazu je ein Zettel mit dem Duftnamen, gefaltet, damit der Name nicht sichtbar ist. Die Tüten wurden verschlossen und sollten am nächsten Morgen beschnüffelt werden. Blind, versteht sich. Ohne Vorurteile.

Nachdem die Tüten zugeschnürt waren, vernahm ich einen intensiven Duft, irgendwie nach Zitrus-Badreiniger, der aus einer dem verschlossenen (!) dünnen Tütchen drang. Das MUSSTE der Club de Nuit sein. Und in der Tat, das war der Übeltäter. Somit ließ sich schon eines sagen: Die Kopfnote von Aventus ist natürlicher, sanfter, runder, besser.

Am nächsten Morgen war die stechende Zitrusnote weg. Dennoch konnte ich den Club de Nuit zweimal blind identifizieren, weil er etwas strenger duftete. Das änderte sich aber im Laufe der nächsten zwei Tage. Jetzt konnte ich beide Düfte kaum noch unterscheiden und tippte manchmal richtig, manchmal lag ich daneben.

Fazit: Auch wenn Aventus zehnmal so teuer ist (was auch daran liegt, dass ich ein echtes CdN-Schnäppchen gemacht hatte), werde ich dabei bleiben. Der Unterschied ist marginal aber für mich entscheidend.

Aber Club de Nuit kommt Aventus dermaßen nahe, dass er wirklich als Alternative in Frage kommt. Fast, wie ein weiterer Batch.


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