TurbobeanTurbobeans Parfumkommentare

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19.08.2019 11:19 Uhr
10 Auszeichnungen
Artemisia (Beifuß) ist sicherlich einer der männlichsten Duftstoffe überhaupt. Kennengelernt, bzw. bewusst wahrgenommen habe ich ihn zum ersten Mal bei einem spanischen Deo: Magno Classic. Das ist Artemisia bzw. Männlichkeit pur. Krautig und seifig.

Dann lernte ich „Bowling Green“ mit seiner Artemisia-Basis kennen und schätzen. Auch im neuen Mugler „Alien Man“ ist Artemisia in der Basisnote verbaut. Der Stoff scheint im Kommen zu sein. Zurecht, denn er bietet lang anhaltende Männlichkeit auf natürlichem, kostengünstigen Wege.

Kurdjan hat bereits seinem „Lumiere Noire pour Homme“ per Beifuß eine markante Note gegeben und damit aus einem Rosenduft einen großen Herrenduft geschaffen.

Und nun treffe ich auch in diesem „masculin pluriel“ wieder auf eine markante Artemisia-Basis.

Was soll das eigentlich heißen, „masculin pluriel“? Männlichkeit, mehrfach? … So würde ich es übersetzen. Und in der Tat haben wir hier einen der männlichsten Düfte, die ich kenne. Und das tatsächlich in mehrfacher Hinsicht:

Der Beginn ist süßlich-seifig. Typisch Lavendel. Eine gewisse Frische ist ebenfalls vorhanden. Und dann entwickelt sich, sehr gekonnt komponiert, langsam eine lang anhaltende Basisnote, bei der Artemisia die Hauptrolle spielt. Aber Artemisia ist nicht der alleinige Hauptdarsteller. Gekonnt wird seine Grobheit in einem Bett aus Lavendel und Hölzern ausgeglichen, so dass Mann am Ende stundenlang bis zum nächsten Morgen angenehm markant duftet.

Auch wenn die Charakteristik von „masculin pluriel“ nicht meinem Beuteschema entspricht, muss ich doch anerkennen, dass wir es hier mit einem hervorragend komponierten Duft für den Mann zu tun haben.

Bei der Dosierung sollte Mann aber vorsichtig sein, denn der Duft hat richtig Wumms, wie so viele Kurkdjans. Jedenfalls kann ich für diese Komposition nur meinen Hut ziehen.

Ein Duft für den Kerl, der durchaus auch einen Anzug tragen kann.


06.08.2019 12:46 Uhr
9 Auszeichnungen
Pheromone. In jüngeren Jahren durchaus ein Thema, das für mich von Interesse war. Aufgrund mangelnder Paarungsbereitschaft der von mir anvisierten weiblichen Mitmenschen, sowie aufgrund vollmundiger Versprechen der Hersteller von Pheromonprodukten, kam ich um dieses Thema nicht herum. Angeblich sollte den Träger solcher Produkte eine unmerkliche Duftaura umgeben, welche von weiblichen Personen derart gustiert wird, dass Annäherungsversuche mit höchster Wahrscheinlichkeit von Erfolg gekrönt sein würden.

Andererseits widerstrebte es mir, irgendwelchen Scharlatanen auch noch Geld für zweifelhafte Versprechen hinterher zu werfen. Ich war in einer Zwickmühle, die nur durch die Investition von Neunundreißigmarkneunzig und einen Feldversuch aufgelöst werden konnte.

Um es kurz zu machen: Meine Erfolgsquote blieb, trotz Pheromonbeduftung, im untersten zweistelligen Prozentbereich und ich gab die Hoffnung auf pheromonelle Unterstützung beim Liebeswerben auf.

Nun aber tritt Silver Musk in mein Leben und ich muss sagen, ich könnte nicht überraschter über sein Auftreten und seine Wirkung sein. Aber von vorne:

Es erreichte mich eine Abfüllung dieses Duftes und ich dachte zunächst, ich hätte ein verdünntes Produkt in den Händen, so minimal duftete es auf meiner Hand nach zwei Testsprühern. Ein Blick auf die Reputation meiner Lieferantin hier im Forum, lehrte mich eines Besseren. Das musste das Original sein.

Und so hackte ich den silbernen Moschus für vier Euro den Milliliter ganz schnell wieder ab und verbuchte die investierten fünfzehn Euro als Lehrgeld. Zu früh, wie sich herausstellen sollte.

Während ich noch meiner Schreibarbeit nachging und keinen Gedanken mehr an Silver Musk verschwendete, erreichte mich ganz unvermittelt ein wunderschöner Moschus-Hauch, um dann auch gleich wieder zu verschwinden. Reflexartig ging meine Nase in Richtung Handrücken und tatsächlich: der Duft lebte. Und zwar vehement über viele Stunden. Nur eben nicht so, wie ich es von anderen Düften gewohnt war, sondern fluidal, transparent, diffus. Er war da, aber sehr undeutlich, und machte immer wieder auf sich aufmerksam, auf eine Art, die ich als zurückhaltend, wunderschön und anziehend bezeichnen möchte.

Da ich am Sonntag bei meiner besten, ehrlichsten, kritischsten und kompetentesten Freundin zum Essen eingeladen war, war das der Moment für eine Bewährungsprobe des Duftes. Ich nahm vier Sprüher, roch so gut wie nichts, und stockte auf sechs Sprüher auf (kleiner 0.07ml Sprühkopf).

Schon auf der Hinfahrt im Bus hatte ich das untrügliche Gefühl, dass ich attraktiv beduftet war. Junge Damen setzten sich in meine Nähe und spreizten die Nüstern, so schien es mir. Dann sprach ich bei meinen Freunden vor und im Laufe des Nachmittags sagte meine oben genannte Freundin plötzlich: „Du duftest gut heute. Und überzeugend.“ Wow! So gut hatte sie bisher nur „Lumiere Noire“ besprochen („Solltest Du unbedingt kaufen!“), den ich aber nicht ertrage. Ich meine außerdem an diesem Tag ein besonderes Bedürfnis nach Nähe zu mir festgestellt zu haben. Alles ganz subtil aber eben doch merklich. Auch auf der Rückfahrt suchte eine junge Dame meine Nähe, was natürlich alles auch Zufall sein kann.

Als ich am Abend zurück in meine Wohnung kam, empfing mich in dem Raum, in dem ich mich sechsfach besprüht hatte, ein wunderschöner Hauch von Silver Musk, der auch noch am nächsten Morgen wahrzunehmen war.

Der Flakon ist bestellt und ich bin sehr neugierig, wie sich der Duft bewährt. Jedenfalls ist es ein perfekter Duft für jemanden, der gar nicht so richtig duften will aber irgendwie doch. Versteht Ihr, was ich meine?


31.05.2019 11:30 Uhr
8 Auszeichnungen
Vielleicht gehöre ich ans Meer in den Norden, und nicht in die Großstadt. Ich liebe die frische Brise, wie es sie nur dort am Meer gibt. Salziger, algiger, kühler Wind. Sauerstoff und Mineralien. Wenn mich so eine Brise umweht, fühle ich mich ein bisschen glücklicher, ein bisschen stärker.

Daher mag ich den Herbst so sehr, mit seinen kühlen Winden, die noch nicht winterlich, aber auch nicht mehr sommerlich sind. Ein kühler Sommermorgen gefällt mir ebenfalls.

Ich liebe Düfte, die mich aus dem Frankfurter Klima hinaustragen an einen Ort, an dem die Luft frisch und rein ist. „Himalaya“ und vor Allem „Green Irish Tweed“ sind daher meine Düfte für den Tag. Allerdings nur bis zum späten Frühjar. Sobald die Temperaturen Richtung 18, 20 Grad gehen, werden mir beide Düfte zu anstrengend.

Seit Jahren suche ich nach meinem Frischekick für etwas wärmere Tage. Und seit Jahren wandert eins ums andere Mal jede Abfüllung in meinen TZ-Behälter, wird immer mal wieder hervorgeholt, um doch wieder verworfen zu werden.

Vielleicht könnte ja der Vetiver von Annick Goutal etwas für mich sein, dachte ich mir letztens, und bestellte eine Abfüllung beim Kollegen Dannyboy. Die Abfüllung kam an, der Duft war mir etwas zu erdig und nicht frisch genug, dann widmete ich mich der großzügigen Beigabe namens „Freshman“ von einem englischen Hersteller namens „Truefitt & Hill“. Nie gehört.

Ich sprühte den frischen Burschen also auf meine Hand und plötzlich machte es klick. Der Duft ist wie ein kühler, windiger Morgen an der See, ohne Algen und Brackwasser, dafür aber mit einem Berg von Zitrusfrüchten, die wiederum von einem Hauch Ylang-Ylang abgerundet werden. Das Ganze wird durchzogen von einem winzigen Hauch von hellem Moschus.

Der Duft ist rund und stimmig, sehr erfrischend und inspirierend. Klar, kühl und rein.

Den synthetischen Duftstoff, der hier hauptverantwortlich ist, kenne ich schon lange. Und ich liebe ihn. In GIT, Himalaya, Pleasures for Men und vielen anderen teuren und auch billigen Düften und Duschgels. Aber nirgends wird diese kühle, fast metallische Frische so in Szene gesetzt, wie bei Freshman.

Ich weiß nicht, wie hoch bei diesem Duft der synthetische Anteil ist. Eines ist klar: Ohne Synthetik ist diese Frischenote nicht zu machen. Aber ich denke auch: Ohne natürliche Stoffe, kann aus dieser herben Synthetik unmöglich ein so runder, schöner Duft werden.

Haltbarkeit und Sillage sind recht gut, und der Flakon … na ja, es gibt Schönere, Edlere, aber er liegt gut in der Hand und wirkt ähnlich wie der Duft: unkompliziert.

Lieber Dannyboy, danke, dass Du mir zu diesem Fund verholfen hast, auf den ich sonst wohl nie gekommen wäre.

ANGEBOT:
Truefitt & Hill hat acht Herrendüfte im Angebot und ich bin natürlich neugierig auf die Geschwister des kleinen Wirbelwindes. Daher habe ich drei Sample-Packs mit jeweils acht Proben dieser Düfte in England bestellt (8x1.5ml). Kosten: 39,- Euro, inklusive 18 Euro Transport. Wer also eines der Packs für 13,- Euro bei mir kaufen möchte, kann sich gerne melden. Zwei Stück stehen zur Verfügung.

edit: Die Proben sind inzwischen vergeben.


24.04.2019 15:06 Uhr
5 Auszeichnungen
Meinen vorigen Kommi zu diesem Duft habe ich gelöscht. Wir hatten keinen allzu guten Start. Draußen war es kalt und regnerisch und, wie meistens bei diesem Wetter, trug ich Green Irish Tweed. Wenn ich den trage, bleibt er lange in meiner Nase und die Probe von Panama Sport störte da nur. Alles wirkte etwas aufdringlich … aber interessant.

Klar, dass ein interessanter Duft von mir mehrere Chancen erhält. Und eines Abends war es wieder soweit: Ein Sprüher auf den linken Handrücken und los ging die Reise durch Lavendelfelder und Orangenhaine, getragen von sanftem Sandelholz und süßer Tonkabohne.

Wow! So irritierend ist der gar nicht. Vielleicht tut es beim ersten Mal noch ein bisschen weh. Aber nun wurde ich schnell an einen alten Bekannten erinnert: Le Mâle von Gaultier. Und zwar die Version von damals. Noch nicht ganz so glattgebügelt und deutlich performanter als die heutige Version.

Praxistests stehen noch aus, aber ich vermute, dass die Schlüpper mir nur so um die Ohren zischen werden.

Das ist ein Duft zum Anlehnen, zum Genießen, zum nahe rankommen, zum am Hals kleben bleiben und mit sich alles machen lassen, wenn man nur noch ein wenig schnuppern darf.

Glaubt ihr nicht? Meine Probe verlose ich unter allen Antwortenden, hier unter diesem Kommentar.

Ich selbst nutze bereits den Originalflakon ;))


17.03.2019 11:07 Uhr
14 Auszeichnungen
Meine Liäson mit "Ambre Nuit" von Christian Dior scheiterte an der übermäßigen Anwesenheit von Amber. Ansonsten hätte ich den Duft gerne behalten, denn manchmal darf es gerne (oder muss es einfach) süß, karamellig und vanillig sein. Diese Düfte, bekannt auch aus Kindertagen, vermitteln Geborgenheit, wirken anziehend und attraktiv.

Dann trat Grand Soir hervor und meinte: "Nimm doch mich!"

In der Tat: Grand Soir ist ein Bruder von Ambre Nuit, nicht nur im Geiste, sondern auch im gesamten Auftreten und Gebaren. Ein süßer, karamelliger, vanilliger Schmeichler. Aber eben ohne Amber-Überdosierung.

Diese wunderbar wonnigen Wogen von Vanilletoffee sind himmlisch, aber irgendwann, am Ende eines großen Abends, wünscht man sich eine Erfrischung. Als wenn man eine halbe Tüte Karamellbonbons geleert, und nun gerne ein Glas Wasser hätte.

Aber der böse Stiefonkel Francis zwingt einen, die Tüte Bonbons bis zum Ende zu leeren. So lange, bis man keine Süßigkeiten mehr sehen kann. Die Süße des Duftes nimmt kein Ende und manch Eine(r) überstellt seinen Flakon ge- und entnervt dem Souk.

Eigentlich schade, denn dieser Schmeichler leistet gute Arbeit, wenn man die angemessene Dosierung beherrscht. So einer sollte in keiner Parfumsammlung fehlen.

Benzoe-Harz ist ein perfekter Fixateur. Ich kenne das aus den Zeiten, in denen ich viel herumexperimentierte. Das ist schon etwa 25 Jahre her. Ich war ein Jungspund mit großem Interesse an duftenden Dingen und die "Hobbythek" lehrte mich, wie man sanfte Seifen selber siedet. Ich siedete also fleißig und beduftete meine Produkte mit einem Duftöl, das ich literweise bei einem Aromenhersteller erworben hatte. Es handelte sich um den Duft von Joops "Le Bain".

Und weil ich, trotz reißender Abnahme im Freundeskreis, gar nicht so viel sieden konnte, um das viele Öl zu verbrauchen, beschloss ich, auch ein Eau de Toilette zu mischen. Duftöl, Alkohol und Wasser. Aber der Duft verflog wie der Wind (Haltbarkeit: 3.7). Es musste ein Fixateur her. Und das war Benzoe-Harz, dass ich in kleine Mengen meinem EdT beimischte. Wie durch ein Wunder, hatte mein Produkt nun eine Haltbarkeit, die äußerst zufrieden stellend war.

Und eben dieses Benzoe-Harz sorgt auch bei Grand Soir dafür, dass Tonka und Vanille an einem haften, wie ein schlechter Ruf.

Somit möchte ich eine Empfehlung aussprechen:

Das Parfum sollte ausschließlich auf die Kleidung gesprüht werden. Nicht auf die Haut. Das Hemd, die Bluse oder den Blazer kann man jederzeit ablegen und sich damit des Duftes entledigen. Diese duften übrigens noch nach einer Woche nach Onkel Francis.

Dann hat man auch bald wieder Lust auf wohligen, wonnigen, warmen, wunderbaren Vanillekaramell.


08.02.2019 12:02 Uhr
5 Auszeichnungen
Zunächst habe ich das Bedürfnis, mich für den Anglizismus im Titel zu entschuldigen. Ich hätte auch schreiben können: "CdNi gegen Aventus". Irgendwie klingt das aber komisch. So weit ist es also schon gekommen.

Nun aber zum Thema:

Ich brauche keine Schnäppchen! Ich brauche gute Düfte! Ob ein guter Duft 15,- Euro oder 150,- Euro kostet, ist mir egal. Hauptsache, es ist ein guter Duft. Das ist der entscheidende Punkt. (Es ist mir aber nicht egal, wenn ein Duft 300,- Euro kostet oder mehr. Irgendwo hört der Spaß auf.)

Insofern gab es bei mir eigentlich keinen Bedarf an einem Aventus-Klon. Warum auch? Ich bin zufrieden mit Aventus und irgendwann wird mein Flakon leer sein. Dann möchte ich einen Neuen kaufen, auch, wenn die 200,- Euro natürlich ein bisschen schmerzen werden. Thema erledigt.

Nun begab es sich aber, dass ich bei einem meiner Streifzüge durch die Welt der Parfumdealer auf ein super Angebot für diesen Duft hier stieß. Also, was soll's: Verkaufen kannst du ihn immer noch. Und neugierig war ich allemal, liest man doch vielfach, dass dies der beste Aventus-Klon sein soll.

Angekommen, ausgepackt ... ach du Schreck, was ist das denn? Ein riesen Trumm von Flakon, bestückt mit kleinen Glasdiamanten, unhandlich und nicht gerade das, was ich "schön" nennen würde. Seisdrum. Der Duft zählt.

Neue Düfte teste ich meist an einem Vorhang. Ich mag es, wenn ich einen Raum betrete und unvermittelt mit dem Duft konfrontiert werde. Das führt meist zu einem spontanen und zuverlässigen Dufteindruck.

Club de Nuit empfand ich im Auftakt sehr attraktiv. Er erinnerte mich an eine frühere Version von Aventus, bei der die Ananas mehr im Vordergrund stand.

Als nach zwei, drei Stunden die Basis wahrzunehmen war, wurde ich abermals an eine frühere Version von Aventus erinnert. Es muss im Jahr 2012 gewesen sein. Da gab es noch eine recht kantige Teernote in diesem Duft. Ein bisschen nach kaltem Aschenbecher. Ich war unsicher, ob ich das mag, oder nicht.

Es half nichts: Club de Nuit musste am Mann getestet werden. Zur Zeit benutze ich Aventus nur Zuhause. Draußen ist es einfach zu kalt. Aber an manchem Sonntag, wenn ich weiß, dass ich heute die Wohnung nicht verlassen werde, benutze ich Aventus. Nur für mich. Der Duft umweht mich dann von morgens bis abends und ich genieße es.

So erfolgte der Test ebenfalls an einem Sonntag Zuhause. Club de Nuit duftete wie Aventus. Vielleicht hatte er etwas schärfere Auftaktnoten und etwas mehr rauchigere Töne, aber im Prinzip war es ein Abbild von Aventus.

Aber ich war trotzdem nicht wirklich glücklich. Fehlte mir etwas? War mir etwas zu viel? War mehr Synthetik im Spiel? Oder war es nur mein Bewusstsein, einen günstigen Dupe zu tragen, das mir einen Streich spielte?

Der Tütentest musste Klarheit bringen: Zwei Kleenex-Tücher wurden mit je einem Duft besprüht und in zwei Plastik-Frühstücksbeuteln deponiert. Dazu je ein Zettel mit dem Duftnamen, gefaltet, damit der Name nicht sichtbar ist. Die Tüten wurden verschlossen und sollten am nächsten Morgen beschnüffelt werden. Blind, versteht sich. Ohne Vorurteile.

Nachdem die Tüten zugeschnürt waren, vernahm ich einen intensiven Duft, irgendwie nach Zitrus-Badreiniger, der aus einer dem verschlossenen (!) dünnen Tütchen drang. Das MUSSTE der Club de Nuit sein. Und in der Tat, das war der Übeltäter. Somit ließ sich schon eines sagen: Die Kopfnote von Aventus ist natürlicher, sanfter, runder, besser.

Am nächsten Morgen war die stechende Zitrusnote weg. Dennoch konnte ich den Club de Nuit zweimal blind identifizieren, weil er etwas strenger duftete. Das änderte sich aber im Laufe der nächsten zwei Tage. Jetzt konnte ich beide Düfte kaum noch unterscheiden und tippte manchmal richtig, manchmal lag ich daneben.

Fazit: Auch wenn Aventus zehnmal so teuer ist (was auch daran liegt, dass ich ein echtes CdN-Schnäppchen gemacht hatte), werde ich dabei bleiben. Der Unterschied ist marginal aber für mich entscheidend.

Aber Club de Nuit kommt Aventus dermaßen nahe, dass er wirklich als Alternative in Frage kommt. Fast, wie ein weiterer Batch.


30.12.2018 13:53 Uhr
9 Auszeichnungen
Ok, schließen wir die Augen und stellen uns vor, das wäre ein Duft von Creed für 220,- Euro. Dann würde ich sagen: "Bravo Creed, Wieder mal ein wundervoller Oldschooler. Gut gemacht, hochwertig, langlebig. So kann Mann duften!"

Und nun öffnen wir die Augen und sehen vor uns einen schlichten, wunderschönen Flakon im englischen Landhausstil, prallgefüllt mit 120ml Eau de Toilette, tolle OVP, und der Inhalt ... da gerate ich ins Schwärmen.

Einer meiner ganz seltenen Blindkäufe, angeregt von den Bewertungen und Beschreibungen hier, für sage und schreibe 15,- Euro inklusive Versand.

Dieser Duft hat's in sich: Anfangs mit Ähnlichkeiten zu Drakkar Noir mit einer offensiven Zitrusnote. Dann in der Basis werde ich an Pour Monsieur von Chanel erinnert. Ähnlich klassisch aber geprägt von einer Note, die ich sehr mag, wenn sie nicht zu sehr dominiert: Artemisia / Beifuß.

Hier ist diese Note optimal eingebunden, so dass sich ein angenehm männlicher Ton ergibt. Lang anhaltend und nicht aufdringlich.

Wenn es einen Preis für das beste Preis- Leistungsverhältnis gäbe, this one might take the cake. SO geht das, CREED!!!!!

Also wirklich: So kann Mann duften!


13.10.2018 11:52 Uhr
10 Auszeichnungen
Es ist ein Drama, dass orientalische Düfte nichts für mich sind. Was ist das für eine Ergiebigkeit! Was für eine Sillage! Was für eine Haltbarkeit! Dagegen können meine Favoriten nicht im Geringsten anstinken. Ich brauche 0.5 bis 1.0 ml meiner Düfte, um einigermaßen über den Tag zu kommen. Bei diesem Amouage hier sind gerade einmal 0.15ml notwendig, also zwei Sprüher, und alles duftet den ganzen Tag lang nach einer tollen Mischung aus 68er Patchuli mit edler Lavendelseife.

Bracken Man duftet wie ein Herrenduft der 80er Jahre. Hey Catch22 und DasguteLeben und Seelenverwandte!! Das ist einer für Euch! Wow, das waren noch Duft-Persönlichkeiten damals. Kein IsoAmbroxZeugs, keine synthetische Süße sondern echtes, ehrliches Parfumgewerbe mit echten, ehrlichen Rohstoffen. So einer ist auch Bracken Man, obwohl aus 2016.

Mich wundert, dass hier Habit Rouge nicht als Duftzwilling genannt wird. Auch der ist Patchuli-geprägt, und auch bei dem wird die Schwere dieses Duftstoffes gekonnt von frischen, seifigen Noten elegant empor getragen. Oh ja: Eleganz kann ich testieren. Man(n) ist wie mit einem Frack gekleidet, was ja auch mal sehr schön sein kann. Nur eben nicht im Büro oder in der U-Bahn.

Vor etwa einem Monat hat der Kollege Konsalik einen Blog verfasst. "Das Problem mit der Bewertung". Genau vor diesem Dilemma stehe ich jetzt. Ich weiß nicht, wie ich den Duft bewerten soll, denn einerseits handelt es sich um eine großartige Komposition mit hervorragender Performance, was den Duft, nebenher bemerkt, zu einem echten Schnäppchen macht: zwei Jahre ausdrucksstark und hochwertig duften für 150,- Euro. Ich finde, das ist ein guter Preis. Andererseits: So sehr ich ihn schätze, ich würde ihn selbst niemals tragen.

Eine Kompromissbewertung, sagen wir so 7.5, würde dem Duft in keiner Weise gerecht. Ach was soll's, der hat mindestens 8.5 verdient, obwohl ich ihn nicht verwende.


16.09.2018 15:54 Uhr
19 Auszeichnungen
Liebe Freunde der orientalischen Düfte, bitte nicht böse sein, wenn ich sage, dass dies eigentlich nicht meine Duftrichtung ist ... oder war, wie man es nimmt.

Meine Sammlung enthält zwei Amouages. Aber beide (Silver und Jubilation) empfinde ich nicht als 'typisch orientalisch'. Dieser Kategorie konnte ich bisher nur wenig abgewinnen, weil ich davon stets recht schnell gesättigt war.

Doch jetzt habe ich Oud Fars entdeckt.

Dessen Kopfnote wirkt auf mich zunächst ein bisschen unharmonisch, irgendwie medizinisch. Ein Lavendelakkord als Auftakt zu einem orientalischen Duft. Das duftet für mich ähnlich verwirrend wie die Kopfnote von Jubilation XXV. Wenn man sich aber erst mal daran gewöhnt hat, ist sie ganz interessant. Dennoch meine ich: Lavendel und Bergamotte in Verbindung mit Oud und Patchuli ist kein Muss.

Doch was dann kommt, nach wenigen Minuten, ist einfach nur ein Traum. Ein sanfter Traum. Ausgewogen, angenehm und dennoch eindeutig ein Kind des Orients. Nicht süß, nicht schwer, aber erdig und warm.

Hölzer der Wüste führen ein entbehrungsreiches Leben, doch ihr Duft ist, ähnlich wie bei großen Weinen, die mit viel Fels und wenig Erde klarkommen müssen, etwas Besonderes. Karge Schönheit. Man hält inne und möchte nochmal schnuppern. Und nochmal. Und noch viele Male. Ohne satt zu werden.

Die Kopfnote erinnert mich nur deshalb an Jubilation, weil sie ähnlich verwirrend ist. Ansonsten haben beide Kopfnoten nichts gemeinsam. Aber in der Basis kommen sich beide Düfte dann sehr nahe. Jubilation wirkt dabei edel, besonders und geheimnisvoll. Oud Fars duftet unangestrengt und freundlich, aber dennoch sehr wertig. Jubilation wirkt etwas distanziert. Oud Fars schließt dich zur Begrüßung in die Arme. Es gibt keinen Grund, sich der Umarmung zu entziehen. Patchuli, Sandelholz, Zeder und Oud. Man möchte verweilen. Man fühlt sich wohl und geborgen.

Oud Fars ist kein Sillage-Monster, aber er hat genügend Kraft und Ausdauer. Er wirkt auf mich einerseits maskulin, ist aber sicherlich auch an jeder Frau attraktiv. Sogar ein Baby könnte danach duften. Eine einzigartige, universelle Schönheit. Sexy, wenn es passt. Elegant, wenn es sein soll. Maskulin am Mann. Verführerisch an einer Frau. Nicht aufdringlich und doch präsent. Selbstbewusste Bescheidenheit. Wow!


11.09.2018 16:23 Uhr
9 Auszeichnungen
Zwei Sprüher auf meinem Hals. Ich schließe die Augen und stehe an einer Strandbar. Der Barkeeper bereitet sich auf seine Abendgäste vor. Er hat die Gläser poliert, Vorräte aufgefüllt, Eis zerhackt, Besteck zurechtgelegt und nun schneidet er einen ganzen Korb voller reifer Zitrusfrüchte in kleine, mundgerechte Stücke.

Hier, wo das Meer in kleinen Prielen bis auf das Land vordringt duftet es nach Meerwasser, das von der Sonne erwärmt wurde, nach Salz, Algen und nach Leben.

Das Aroma von saftigen Orangen und Mandarinen mischt sich mit dem Duft des sonnenbeschienenen Meerwassers. Eingefangen in einem azurblauen Flakon. Entspannte Leichtigkeit des Seins. Kraft und Qualität, wie selbstverständlich, völlig unaufdringlich. Und doch voller Charakter. Zurückhaltend wie ein Preisboxer, der um seine Kräfte weiß, und die Sache gelassen angeht.

Ein sehr attraktiver, unprätenziöser und hochwertiger Duft. Vielleicht gerade wegen seiner Einfachheit große Parfumeurskunst. Macht keinen allzu großen Purzelbäume. Meer und Zitrus. Dennoch sehr wertig und gewiss vielseitig einsetzbar. Vielleicht sogar auch an kühleren Tagen. Hat sogar auch etwas Weihnachtliches, wahrscheinlich wegen der Mandarinen.

Es ist zum *grrrrrr* dass die guten Sachen immer so teuer sind ….


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