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Floyd
10.06.2019 - 18:44 Uhr
23
Top Rezension
8Duft 9Haltbarkeit 7Sillage 10Flakon

Dunkelharzig schimmernde Symphonie

Tief steht die rote Sonne im letzten Licht, lässt die angelandeten Blüten in den Docks nur noch in obskurem Violett schimmern, lässt die knorrig verwachsenen Hölzer der Schiffsplanken die letzte Hitze des Tages ausschwitzen, hebt die dunkelbraunen Risse in der Patina des am Rande der Kais gestapelten schwarzen Leders hervor, schillert in den goldbraunen Harztropfen, die zäh darüber wandern und schließlich in der warmen Erde zwischen den Landungsbrücken versickern.
Verzeiht mir die schwülstige Poesie, aber "Imperial" ist eine düster symphonische Wand und dabei doch zahm, facettenreich und zurückhaltend, ein modernes Gemälde des britischen Imperialismus, der dessen Details längst übermalt hat und selbst die damals über die Häfen der Levante importierten orientalischen Hölzer und Blumen einem mächtigen Gesamtbild unterordnet.
Eine blumige Kopfnote ist nur kurz und sehr flüchtig wahrzunehmen, hier mischen sich frisch-würzige Noten, vermutlich von der Birke und der Freesie her stammend, mit den für mich immer bläulich-violetten Nuancen der Rosengeranie und des Lavendel noch in die später alles bestimmende Wand aus mildem Oud, dunklem Leder, goldgelbem Labdanumharz, feinkörnig-würzigem Sandelholz und einer immer wieder gedimmt darunter hervorscheinenden Rose. Patchouli ist für mich als erdender Gegenpol, der den Duft mit einem leichten Sepiafilter versieht, wahrnehmbar. Diese "Herzbasis" übernimmt dann schon nach relativ kurzer Zeit, steht eher körpernah als armlang, ist dabei nie laut aber immer gegenwärtig.
"Imperial" ist kein Rose-Oud-Duft im eigentlichen Sinn, dafür ordnen sie sich dem Gesamtbild zu sehr unter. Ich würde ihn eher als einen leicht kantigen, bernsteinfarbenen, harzigen Lederduft mit dunkler und weicher Rose-Oud Thematik beschreiben, der nach etwa acht bis zehn Stunden langsam abebbt, dabei aber nie seinen Charakter verliert. Einer für Frühling, Herbst, und Winter, definitiv eher selbstbewusst, lebenserfahren, aber auch künstlerisch und dandyhaft. Einer der trotz oder auch wegen seiner unbeirrt fehlenden Entwicklung das Zeug zum Signaturduft hat.
Edit: Habe bewusst die Geschlechterzuordnug hier rausgenommen. Ist doch eh alles Käse und auch wenig hilfreich ;-)
Aktualisiert am 14.06.2019 - 14:06 Uhr
9 Antworten
UntermWertUntermWert vor 4 Jahren
Sehr liebevoll beschrieben. Hatte leider nur einen kurzen, klassischen „Rasierwassermoment“, dann musste ich passen. In dem Papp-Briefchen kommt ganz viel Lavendel durch…
DelightfulDelightful vor 4 Jahren
Ich mag schwülstige Poesie ;).. Wirklich schön geschrieben :)
ChizzaChizza vor 5 Jahren
Ich frage mich, ob du das 1,5 Jahre später auch noch so bewerten würdest ;)
PistazieneisPistazieneis vor 5 Jahren
Prima Beschreibung, absolut lesenswert! Ich erfahre alles, was ich über den Duft und deinen persönlichen Eindruck dazu wissen muss. Und das macht für mich ein TOP Kommentar aus. Danke.
GentilhommeGentilhomme vor 5 Jahren
Dein Kommentar hat mich vor dem Test derart neugierig auf diesen Duft gemacht, das ich dachte der wandert bestimmt auf die Wunschliste...
Leider mit nichten... Ich finde den Duft regelrecht fies... Irgendwie ist mir die Marke auch nicht so geheuer, hat unterschwellig den "Mehr Schein als Sein" Attic... Bei Roja ergeht es mir ähnlich...
Helena1411Helena1411 vor 6 Jahren
An dem Kommentar gefiel mir die Mischung aus Duft-Assoziationen und Duft-Beschreibung extrem gut! Gar nicht schwülstig, sondern ein bestimmtes Bild evozierend, welches die Beschreibung hervorragend ergänzt. Gefällt!
WoodyBreeWoodyBree vor 6 Jahren
Den habe ich ziehen lassen. Ich fand ihn definitiv unisex, aber ich habe gemerkt, dass ich sehr selten Gelegenheiten fand, ihn zu tragen. Schade. Absolut ein Wahnsinnsduft!
Can777Can777 vor 6 Jahren
Ich kenne den Duft noch nicht. Aber nach der Beschreibung muss er wundervoll sein. War der Kommentar übrigens auch!
TahneeTahnee vor 6 Jahren
Das hört sich sehr interessant an, sehr schön von Dir beschrieben ! Aber schade, dass er "definitiv eher maskulin" ist, für mich dann wohl kein Test-Kandidat.