Es muss irgendwann diesen Switch gegeben haben. Irgendwann müssen Herrendüfte angefangen haben, zu versuchen, so jugendlich wie möglich zu riechen. Sie wurden plötzlich süß, süßer als süß, gerne auf Kosten der Natürlichkeit und hineinfallend ins zutiefst Synthetische, drumherum gewürzt, damit etwas Maskulines behalten wird. Noch ein wenig Frische, um sich für schwitzige Aktivitäten wie Tanzen und Bettakrobatik zu eignen. All dies gerne auf Kosten von Klasse. Schwer auszumachen, wann dies angefangen haben könnte. Mit Le Mâle Eau de Toilette, bereits Mitte der 90er? Oder erst mit 1 Million Eau de Toilette? War die Grundlage gar gegeben durch die zuckersüßen Axe-Bodysprays der frühen 00er Jahre? Klar ist, dass die unnatürliche Herren-Süße ab den 10ern etabliert war und haufenweise Kassenschlager hervorgebracht hat: Eros Eau de Toilette, Spicebomb, Invictus Eau de Toilette, The Scent for Him Eau de Toilette, Emporio Armani - Stronger With You, Club Black Eau de Toilette, und eben Bad Boy Eau de Toilette. Die Liste ist bereits zu lang, aber nicht ausreichend, um die Marktdurchdringung dieses Typus darzustellen. Und der böse Junge war damals sicherlich der Künstlichste unter allen Künstlichen, nur noch angegriffen vom unschönen Scandal pour Homme und überboten vom scheußlichen Phantom, beide 2 Jahre später.
Wer wissen will, wie männliche Jugend riecht, muss Bad Boy probieren. Es hat alles, was diesen Bereich so verlockend und gleichzeitig so abstoßend macht: Süße, leichte Frische, Würze, verdichtet und gewärmt durch Ambroxan, und dies alles so modern wie möglich und dabei so unnatürlich wie es sich nunmal ergeben hat. Ein Wust aus Molekülen, ein Großteil davon sicherlich im Labor geboren, soll Dufteindrücke vermitteln, die so nie erreicht werden können. Grapefruit, Bergamotte und Pfeffer sollen da zu Beginn sein, abgelöst durch Muskatellersalbei und abgerundet durch Tonka und Kakao. Doch diese Ingredienzien sind als solche nicht zu erriechen. Man erahnt sie, doch sie gleichen dem, was eine Clipart-Zeichnung von einem Foto darstellt: Eine artifizielle Nachahmung des Ursprünglichen. Man weiß, was es darstellen soll, doch würde man es nie für echt halten. Die Tonka entwickelt dieses sehr spezielle, künstliche Marzipanige, das ich nicht anders zu beschreiben vermag, doch für diese Düfte so häufig grundierend wirkt.
Am ehesten, und damit man kommen wir zum Beginn zurück, erinnert Bad Boy an Le Mâle, den alten von 1995. Aber nicht wie eine Kopie, und auch nicht wie eine Inspiration oder Interpretation, eher wie eine moderne Neuerfindung. Kein Remake, sondern eine neue Abhandlung des Themas.
Dazu auch der Flakon. Wie so viele aus der Reihe vom Kitsch zerfressen; das war schon bei der höchst sonderlichen Bottle der Le Mâle-Reihe so und zieht sich durch das gesamte Feld: Roboter aus dem Kinderschrank (Phantom), Königskrönchen (Scandal pour Homme), Goldbarren (1 Million), Pokal (Invictus).
Erstaunlich gut projiziert das urbane Ungetüm, lässt nach 2 Stunden aber stark nach um dann nach etwas mehr als 6 Stunden vollständig zu verpuffen. Dazu der Preis, der seit jeher arme Teenies eigentlich abschrecken müsste, doch stattdessen erst dadurch zum Anreiz zu werden scheint; so war es wohl auch mit den anderen oben Besprochenen: Ihre preisliche Exklusivität erst machte sie begehrenswert und brachte die Jungen dazu, ihr notorisch klammes Taschengeld aus dem Fenster zu werfen.
All dies gesagt, ist Bad Boy dennoch kein Totalreinfall. Er ist unmöglich ein Meisterwerk, nicht mal empfehlenswert, doch handwerkliches Geschick wohnt der Kreation sehr wohl inne (was bei einem modernen Meister wie Quentin Bisch auch nicht überraschen kann). Es gehört eben auch Können dazu, etwas so Unnatürliches gefällig erscheinen zu lassen. Und, aus der Beobachterperspektive: Es muss ja einen Grund gegeben haben, warum sich dieses Ding so gut verkauft hat, dass jährlich ein neuer Flanker erscheint. Auch das Künstliche hat seinen Reiz.
Ja, das stimmt!
Ach, nur so am Rande; ich habe mich mal vom Namen des Parfums her dazu verleiten lassen, es mir blind zu kaufen: Zara Men — Day Collection: 04 Stormy Day. Ein nahezu perfekter Klon des Bod Boys.
Ich frage mich bei dem Duftklang, den der Bad Boy bietet, wieso der Titel eines bösen Jungen? Stormy Day macht den Duft zumindest so cosy.
Danke dir.
Ja, die Klone haben die Originale natürlich mittlerweile längst eingeholt, da stimme ich dir vollkommen zu. Aber Lattafa und La Rive und Co. bringen ja auch erst nach einer Weile den jew. Dupe raus und auch erst dann wenn das Original berühmt genug geworden ist, damit sich das lohnt.
PS: Wobei das Taschengeld geschont wird, bei all der Akkordarbeit die Zara, La Rive und Lattafa da an den Tag legen, solcherlei Düfte nachzuahmen. Auch die vermeintliche Nische wurde schon längst erklommen.
Hut ab!
Ach, nur so am Rande; ich habe mich mal vom Namen des Parfums her dazu verleiten lassen, es mir blind zu kaufen: Zara Men — Day Collection: 04 Stormy Day. Ein nahezu perfekter Klon des Bod Boys.
Ich frage mich bei dem Duftklang, den der Bad Boy bietet, wieso der Titel eines bösen Jungen? Stormy Day macht den Duft zumindest so cosy.
Ja, die Klone haben die Originale natürlich mittlerweile längst eingeholt, da stimme ich dir vollkommen zu. Aber Lattafa und La Rive und Co. bringen ja auch erst nach einer Weile den jew. Dupe raus und auch erst dann wenn das Original berühmt genug geworden ist, damit sich das lohnt.