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Top Rezension
Yatagan oder Yatagaehn
Ort: Nuernberg Tiergarten
Zeit: Anfang der 70er Jahre
Da stehe ich 10-jaehriger Knirps nun mit meinem Vater vor dem Freigehege der Tiger, aber kein einziger ist zu sehen. Aha, sind alle im Raubtierhaus, also schnurstracks hin. Schon beim Betreten erfasst mich eine gewisse Erregung, die aber nicht nur von der Vorfreude kommt. Es ist auch diese fuer mich voellig neue Aura, mit der die Luft geschwaengert ist, eine wabernde Mischung aus tierischen Ausduenstungen, Waerme und trockenem Holz. Bis dato kannte ich nur die Ausduenstungen und die Waerme in einem Kuhstall - und das empfinde ich mehr stinkig als angenehm. Das hier riecht ganz anders. Nicht so dumpf-warm wie im Kuhstall, sondern viel schneidender und praegnanter. Fuer einen kurzen Augenblick streift eine Wuerze meine Nase, die beinahe etwas von Ammoniak an sich hat. Bevor aber auch nur ansatzweise ein Gefuehl der Anwiderung aufkommt, gleitet das Ganze blitzschnell ins Harzige ab. Zusammen mit dem ueberall ausgestreuten trockenem Heu ergibt das eine Mischung, die Kraft und Wildheit ausstrahlt.
Ort: Erlangen Universitaet
Zeit: Anfang der 80er Jahre
Das Jahrzehnt des Hedonismus. Einen Powerhouse-Duft zu tragen ist ein Must. Wahrend der Grossteil meiner Kommilitonen Antaeus, Jil Sander Pure Man oder Marbert Man traegt, trage ich Yatagan. Die Erinnerung an meinen Besuch im Raubtierhaus hatte sich in mein Gedaechntnis eingegraben. Und als ich dann zufaellig auf einer meiner gelegentlichen Entdeckungsreisen durch die staedtischen Paerfuemerien auf Yatagan gestossen war, musste ich mir natuerlich einen Flakon zulegen. Schon der erste Spruehstoss bestaetigte mir, ja das ist das Raubtierhaus aus dem Nuernberger Tiergarten. Diese kurz stechende Kopfnote, die schnell zu einem balsamischen und wuerzigen Teppich wird, auf dem trockenes Heu und Holz ausgelegt ist. Ich hatte damals das Gefuehl, das sei MEIN Duft. Und ich bekam dafuer nicht nur Komplimente. Etlichen erschien Yatagan zu aggressiv, zuwenig harmonisch. Mich fesselte genau das; dieses nebeneinander Bestehen von Harz, Leder, Heu und Holz, bei dem Harz und Leder zwar den Ton angaben, ohne aber alle anderen Duftnoten wegzudraengen.
Ort: Mailand Rinascente
Zeit: September 2017
In meiner Sammlung habe ich bereits zwei Duefte von Caron, "Le 3e Homme" und "Impact". Ausserdem ist da noch "Bel Ami" von Hermès. Der laesst, aehnlich zu Yatagan, fuer einen kurzen Moment die Assoziation zu Ammoniak aufkommen, entwickelt sich dann aber in die ledrig-wuerzige Richtung. Mehr "Lederwaren auf dem Weihnachtsmarkt" und nicht Nuernberger Raubtierhaus.
Yatagan gibt es immer noch und meine gelegentlichen Streifzuege duerch Parfuemerien ebenfalls; und so habe ich letzten Samstag in der Rinascente "Yatagan" wieder einmal getestet. Aber welche E............, fast wollte ich schreiben Enttaeuschung, was aber nicht fair waere. Yatagan ist immer noch ein guter Duft. Er ist auch immer noch anders als der Grossteil der gaengigen Dufte. Sagen wir es so: ich hatte mit etwas anderes erwartet, Alles was mir an Yatagan aus den 80ern gefiel scheint noch da zu sein. Allerdings ist der Duft jetzt ausgeglichener, das Harzige beisst nicht mehr, das Tierische hat nichts mehr Raubtierhaftes. Harz, Leder, Heu und Holz bilden jetzt einen "schlierigen Oelteppich" auf dem die verschiedenen Farben ineinander verlaufen. Zugegeben, das ist geafellig gemacht, es ist weder Oud, Rose, Vanille drin und schon deswegen riecht man es nicht an jeder Strassenecke. Aber alles Widerspaenstige ist weg, ebenso die einstige Sillage und Haltbarkeit. Ich musste keinem Kaufimpuls widerstehen und fragte mich nur, mit welcher Version von Yatagan die Umsaetze von Caron hoeher sind / waren: mit der aus den 80-ern oder heute.
Zeit: Anfang der 70er Jahre
Da stehe ich 10-jaehriger Knirps nun mit meinem Vater vor dem Freigehege der Tiger, aber kein einziger ist zu sehen. Aha, sind alle im Raubtierhaus, also schnurstracks hin. Schon beim Betreten erfasst mich eine gewisse Erregung, die aber nicht nur von der Vorfreude kommt. Es ist auch diese fuer mich voellig neue Aura, mit der die Luft geschwaengert ist, eine wabernde Mischung aus tierischen Ausduenstungen, Waerme und trockenem Holz. Bis dato kannte ich nur die Ausduenstungen und die Waerme in einem Kuhstall - und das empfinde ich mehr stinkig als angenehm. Das hier riecht ganz anders. Nicht so dumpf-warm wie im Kuhstall, sondern viel schneidender und praegnanter. Fuer einen kurzen Augenblick streift eine Wuerze meine Nase, die beinahe etwas von Ammoniak an sich hat. Bevor aber auch nur ansatzweise ein Gefuehl der Anwiderung aufkommt, gleitet das Ganze blitzschnell ins Harzige ab. Zusammen mit dem ueberall ausgestreuten trockenem Heu ergibt das eine Mischung, die Kraft und Wildheit ausstrahlt.
Ort: Erlangen Universitaet
Zeit: Anfang der 80er Jahre
Das Jahrzehnt des Hedonismus. Einen Powerhouse-Duft zu tragen ist ein Must. Wahrend der Grossteil meiner Kommilitonen Antaeus, Jil Sander Pure Man oder Marbert Man traegt, trage ich Yatagan. Die Erinnerung an meinen Besuch im Raubtierhaus hatte sich in mein Gedaechntnis eingegraben. Und als ich dann zufaellig auf einer meiner gelegentlichen Entdeckungsreisen durch die staedtischen Paerfuemerien auf Yatagan gestossen war, musste ich mir natuerlich einen Flakon zulegen. Schon der erste Spruehstoss bestaetigte mir, ja das ist das Raubtierhaus aus dem Nuernberger Tiergarten. Diese kurz stechende Kopfnote, die schnell zu einem balsamischen und wuerzigen Teppich wird, auf dem trockenes Heu und Holz ausgelegt ist. Ich hatte damals das Gefuehl, das sei MEIN Duft. Und ich bekam dafuer nicht nur Komplimente. Etlichen erschien Yatagan zu aggressiv, zuwenig harmonisch. Mich fesselte genau das; dieses nebeneinander Bestehen von Harz, Leder, Heu und Holz, bei dem Harz und Leder zwar den Ton angaben, ohne aber alle anderen Duftnoten wegzudraengen.
Ort: Mailand Rinascente
Zeit: September 2017
In meiner Sammlung habe ich bereits zwei Duefte von Caron, "Le 3e Homme" und "Impact". Ausserdem ist da noch "Bel Ami" von Hermès. Der laesst, aehnlich zu Yatagan, fuer einen kurzen Moment die Assoziation zu Ammoniak aufkommen, entwickelt sich dann aber in die ledrig-wuerzige Richtung. Mehr "Lederwaren auf dem Weihnachtsmarkt" und nicht Nuernberger Raubtierhaus.
Yatagan gibt es immer noch und meine gelegentlichen Streifzuege duerch Parfuemerien ebenfalls; und so habe ich letzten Samstag in der Rinascente "Yatagan" wieder einmal getestet. Aber welche E............, fast wollte ich schreiben Enttaeuschung, was aber nicht fair waere. Yatagan ist immer noch ein guter Duft. Er ist auch immer noch anders als der Grossteil der gaengigen Dufte. Sagen wir es so: ich hatte mit etwas anderes erwartet, Alles was mir an Yatagan aus den 80ern gefiel scheint noch da zu sein. Allerdings ist der Duft jetzt ausgeglichener, das Harzige beisst nicht mehr, das Tierische hat nichts mehr Raubtierhaftes. Harz, Leder, Heu und Holz bilden jetzt einen "schlierigen Oelteppich" auf dem die verschiedenen Farben ineinander verlaufen. Zugegeben, das ist geafellig gemacht, es ist weder Oud, Rose, Vanille drin und schon deswegen riecht man es nicht an jeder Strassenecke. Aber alles Widerspaenstige ist weg, ebenso die einstige Sillage und Haltbarkeit. Ich musste keinem Kaufimpuls widerstehen und fragte mich nur, mit welcher Version von Yatagan die Umsaetze von Caron hoeher sind / waren: mit der aus den 80-ern oder heute.
12 Antworten


Auf meiner Haut ein absolut sozialverträglicher Duft mit wenig Sellerie. Die alte Version habe ich damals nicht registriert (war ja auch nicht so verbreitet), die neue trage ich gerne zu Erholung wenn die anderen (neuen) Düfte nerven.
Dennoch ein immer noch ehrwürdiger Duft. Deine Enttäuschung kann ich anhand anderer Vergleiche gut nachvollziehen.