06.11.2025 - 15:49 Uhr

ChrisPrivat
10 Rezensionen

ChrisPrivat
Top Rezension
10
Gute Nacht
Jeweils zwei kurze Sprühstöße, ca. 0,1ml, auf's Handgelenk und auf einen Teststreifen. Es riecht gut. Aber wonach, ist schwer definierbar. Nach einer Minute taucht etwas auf, das mich an einen Drogerieduft erinnert, eine leicht beißende, künstliche Note. Und es ist ein wenig Plastik dabei. Innerhalb weniger Minuten fühle ich mich wie im dm-Markt beim € 9,99-Regal. Hier ist überhaupt nichts mehr natürlich, das ist pure Synthetik. "Bonbon und Dragees", wie es Caro0 beschreibt, trifft es tatsächlich sehr gut.
Immerhin hat es Francesca Bianchi vermieden, billigste Haushaltsaromen zu verwenden, Klostein- oder Weichspüler-Assoziationen kommen also nicht auf.
Der Duft entwickelt sich süß, sehr süß. Gleichzeitig hat er etwas plastikartiges. Hätte ich eine Barbiepuppe, das wär' der ideale Duft für sie.
Duftnoten im klassischen Sinn kann ich keine bestimmen. Die Projektion ist unaufdringlich, der Duft belästigt nicht wie klassische Drogeriedüfte. Die Sillage ist moderat, man muss sich schon heftig bewegen, um eine Duftspur zu hinterlassen.
Im Hintergrund ist etwas zu riechen, das mir bekannt vorkommt, eine Mischnung aus Zuckerwatte und Karamell. Ich tippe auf Ethylmaltol.
Der Duft ist durchaus vielschichtig, jedoch nicht im herkömmlichen Sinn von Vielschichtigkeit mit Tiefgang, sondern im Sinne einer breiten Vielfalt unterschiedlicher Aromastoffe. Es ist zu erkennen, daß Francesca Bianchi viele synthetische Moleküle mit jeweils einem einzelnen klar definierten Geruchsprofil miteinander kombiniert hat, vermutlich im Versuch, einen komplexen Gesamtduft zu schaffen. Nun, dieser Versuch ging in die Hose, denn der Duft macht trotz der Vielzahl seiner enthaltenen Geruchsstoffe einen ziemlich platten Eindruck und riecht nur nach Dragees, Bonbons und Plastik.
Die Süßlichkeit läßt mich an eine Riesen-Karamell-Cremeschnitte denken, die ein wenig mit Safran, Ingwer, Pfeffer, Muskat und einem Hauch Zimt bestäubt ist. Ich denke, um diesen Duft als Parfum zu bezeichnen, sollte man keine Ahnung von Parfumgeschichte haben und darf klassische Parfums noch nie gerochen haben.
Nach einer Stunde glaub' ich, ich riech' nicht richtig - der Duft wird schwächer, er geht in die Knie. Jetzt schon? Von Drydown kann man hier nicht sprechen, der Duft hat sich nicht verändert, er ist einfach nur etwas schwächer geworden.
Hier beginnt sich nun der Teststreifen von meiner Haut zu unterscheiden.
Auf der Haut beginnt die Zuckerwatte etwas stärker hervorzutreten und die Süße beginnt penetrant zu werden, während sich die anderen Aromastoffe schön langsam verabschieden. Gut, daß der Duft schwächer geworden ist.
Am Teststreifen entwickelt sich ein nussiger Eindruck, so als ob Haselnüsse karamellisiert worden wären. Dieser Eindruck hält aber nur etwa 20 Minuten, dann tritt auch hier die Zuckerwatte in den Vordergrund.
Nach zwei Stunden hat sich die Süße etwas zurückgezogen und nun ist doch tatsächlich auch ein wenig von Castoreum zu erahnen. Leider weit davon entfernt, einen Kontrapunkt bilden zu können zum süßlichen Gesamteindruck. Die Intensität des Duftes liegt nun nicht einmal mehr bei der Hälfte, wie sie zu Anfang war. Sillage ist de facto keine mehr zu erzeugen.
Nach drei Stunden nehme ich auf der Haut nichts mehr wahr von der Süße und dem Duft. Verblieben ist lediglich die Ahnung von Castoreum. Am Teststreifen hält der Duft ein wenig länger.
--------
Ich hab' mir im Vorfeld dieser Rezension ein wenig Gedanken gemacht, was ich schreiben werde, vielleicht über Mainstreammassengeschmack, fehlendes Marketingtalent oder ähnliches. Ich hatte auch eine Analogie aus der Musikwelt parat, wo jemand in einer kreativen Sackgasse gesteckt ist und das gut gelöst hat.
Nichts davon habe ich umgesetzt. Ich hab' einfach nur mehr Mitleid mit Francesca Bianchi. Im besten Fall ist sie urlaubsreif. Aber ich befürchte Schlimmeres.
Das ist nun meine vor-vorletzte Rezension zu einem Bianchi-Duft. Am Sonntag gibt's noch einen kurzen Eindruck zu "The Lover's Tale" und dann irgendwann noch eine Rezension.
Dann schließe ich das Kapitel Bianchi für mich. Ich kann sie einfach nicht mehr ernstnehmen.
Ich geh' jetzt schlafen und zieh' mir die Decke über den Kopf. Morgen ist ein neuer Tag. Ich freu' mich d'rauf.
P.S.:
Wer hier Iris riecht (ich tu's nicht), der könnte durchaus richtig liegen. In den Inhaltsstoffen ist Alpha-Isomethyl Ionone wieder gelistet, das ist ja vermutlich ein wichtiger Bestandteil des Bianchi'schen Iris-Akkords gewesen.
Immerhin hat es Francesca Bianchi vermieden, billigste Haushaltsaromen zu verwenden, Klostein- oder Weichspüler-Assoziationen kommen also nicht auf.
Der Duft entwickelt sich süß, sehr süß. Gleichzeitig hat er etwas plastikartiges. Hätte ich eine Barbiepuppe, das wär' der ideale Duft für sie.
Duftnoten im klassischen Sinn kann ich keine bestimmen. Die Projektion ist unaufdringlich, der Duft belästigt nicht wie klassische Drogeriedüfte. Die Sillage ist moderat, man muss sich schon heftig bewegen, um eine Duftspur zu hinterlassen.
Im Hintergrund ist etwas zu riechen, das mir bekannt vorkommt, eine Mischnung aus Zuckerwatte und Karamell. Ich tippe auf Ethylmaltol.
Der Duft ist durchaus vielschichtig, jedoch nicht im herkömmlichen Sinn von Vielschichtigkeit mit Tiefgang, sondern im Sinne einer breiten Vielfalt unterschiedlicher Aromastoffe. Es ist zu erkennen, daß Francesca Bianchi viele synthetische Moleküle mit jeweils einem einzelnen klar definierten Geruchsprofil miteinander kombiniert hat, vermutlich im Versuch, einen komplexen Gesamtduft zu schaffen. Nun, dieser Versuch ging in die Hose, denn der Duft macht trotz der Vielzahl seiner enthaltenen Geruchsstoffe einen ziemlich platten Eindruck und riecht nur nach Dragees, Bonbons und Plastik.
Die Süßlichkeit läßt mich an eine Riesen-Karamell-Cremeschnitte denken, die ein wenig mit Safran, Ingwer, Pfeffer, Muskat und einem Hauch Zimt bestäubt ist. Ich denke, um diesen Duft als Parfum zu bezeichnen, sollte man keine Ahnung von Parfumgeschichte haben und darf klassische Parfums noch nie gerochen haben.
Nach einer Stunde glaub' ich, ich riech' nicht richtig - der Duft wird schwächer, er geht in die Knie. Jetzt schon? Von Drydown kann man hier nicht sprechen, der Duft hat sich nicht verändert, er ist einfach nur etwas schwächer geworden.
Hier beginnt sich nun der Teststreifen von meiner Haut zu unterscheiden.
Auf der Haut beginnt die Zuckerwatte etwas stärker hervorzutreten und die Süße beginnt penetrant zu werden, während sich die anderen Aromastoffe schön langsam verabschieden. Gut, daß der Duft schwächer geworden ist.
Am Teststreifen entwickelt sich ein nussiger Eindruck, so als ob Haselnüsse karamellisiert worden wären. Dieser Eindruck hält aber nur etwa 20 Minuten, dann tritt auch hier die Zuckerwatte in den Vordergrund.
Nach zwei Stunden hat sich die Süße etwas zurückgezogen und nun ist doch tatsächlich auch ein wenig von Castoreum zu erahnen. Leider weit davon entfernt, einen Kontrapunkt bilden zu können zum süßlichen Gesamteindruck. Die Intensität des Duftes liegt nun nicht einmal mehr bei der Hälfte, wie sie zu Anfang war. Sillage ist de facto keine mehr zu erzeugen.
Nach drei Stunden nehme ich auf der Haut nichts mehr wahr von der Süße und dem Duft. Verblieben ist lediglich die Ahnung von Castoreum. Am Teststreifen hält der Duft ein wenig länger.
--------
Ich hab' mir im Vorfeld dieser Rezension ein wenig Gedanken gemacht, was ich schreiben werde, vielleicht über Mainstreammassengeschmack, fehlendes Marketingtalent oder ähnliches. Ich hatte auch eine Analogie aus der Musikwelt parat, wo jemand in einer kreativen Sackgasse gesteckt ist und das gut gelöst hat.
Nichts davon habe ich umgesetzt. Ich hab' einfach nur mehr Mitleid mit Francesca Bianchi. Im besten Fall ist sie urlaubsreif. Aber ich befürchte Schlimmeres.
Das ist nun meine vor-vorletzte Rezension zu einem Bianchi-Duft. Am Sonntag gibt's noch einen kurzen Eindruck zu "The Lover's Tale" und dann irgendwann noch eine Rezension.
Dann schließe ich das Kapitel Bianchi für mich. Ich kann sie einfach nicht mehr ernstnehmen.
Ich geh' jetzt schlafen und zieh' mir die Decke über den Kopf. Morgen ist ein neuer Tag. Ich freu' mich d'rauf.
P.S.:
Wer hier Iris riecht (ich tu's nicht), der könnte durchaus richtig liegen. In den Inhaltsstoffen ist Alpha-Isomethyl Ionone wieder gelistet, das ist ja vermutlich ein wichtiger Bestandteil des Bianchi'schen Iris-Akkords gewesen.
19 Antworten



Dragée
Zuckerwatte
karamellisierte Haselnuss
Bibergeil
Vanille
Moschus
Mandarinenschale
rosa Pfeffer

Seejungfrau
Floyd
Brida
Skimmia
Anika09

































