wird es zwar nicht, aber ein traumhaft schönes modernes Märchen. Aber: Keine Sorge, jetzt folgt keine kitschtriefende Duftschmonzette. Grün in der richtigen Kombination, dann wird das auch was! Grüne Düfte meide ich in aller Regel, aber es gibt eine kleine Folge von "Ausreißern", als da wären "Chanel N°.19", "Eden", "Envy"- und nun eben dieser. Grüne Noten: Ich vermute hier Geißblatt und - vielleicht ein kurz vorbei streifendes Waldmeister - es ist ein leicht stumpfes Grün, das die ebenfalls leicht verschleierten Veilchen beschattet, aber nicht in den Schatten stellt. Leichtes, fast grasig-aromatisches Techtelmechtel, das schon die eifersüchtige Iris verdrießt, denn sie will die unsüße gelbäugige Kleine so schnell wie möglich ausstechen. Aber da hat sie die Rechnung ohne das Veilchen gemacht, das wehrhaft ist und der stutenbissigen Iris nur ungern das Feld überlässt. Aber wat mutt, dat mutt. Diese Iris ist zwar ein gerissenes Luder, aber auch sie kann nicht so, wie sie will. Grünes und Amber haben sich verschworen, der Dame zwar zu hofieren, sie aber gleichzeitig auch in die Mitte zu nehmen. Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Beziehungsweise sanken. Grünambrierte,pudrig-bauchgepinselte, in Wirklichkeit der doppelten Obrikeit unterstellte Iris, die gar nicht merkt,wie ihr geschieht. Aber - das macht nichts. Verstehen kann ich meine Affinität für manche "Grünlinge" noch nicht. Hier spielt vermutlich die moderne Interpretation von Veilchen und Iris eine Rolle. Gefiel mir in "Lolita" das Zigaretten rauchende Veilchen, so ist es hier das ebenfalls der Niedlichkeitsgefahr entronnene leicht Unterkühlte. Und auch die Iris ist eine Bekannt-Unbekannte durch die grüne, gut geschnittene Zwangsjacke. Es bleibt genügend Pudrigkeit, und doch ist sie leicht angeraut. Pierre de Lune ist ein distinguierter Duft, ein grüner Floraler oder floraler Grüner mit einer 1°-Neigung zum Orient. Wie auch immer, vielseitig tragbar, könnte er ein Frühlings-/ Sommerfreund werden. Die Armani Prives, die ich bis jetzt kenne - "Ambre soie", "Oranger Alhambra" und der "Pierre de Lune" zeichnen sich, bei aller Unterschiedlichkeit, durch ihre schnörkellose Linie aus. Wie die Edelsteine auf den Flakons, die nicht durch tausendfachen traditionellen Facettenschliff, sondern durch die Anmut des fast unbearbeitet erscheinenden Steins imponieren. Ein Stil, der mir gefällt.
Ausgezeichnete und sehr aussagekräftige Beschreibung Esther, genauso empfinde ich diesen Duft auch. Was bei mir allerdings zur Ablehnung führt, mich spricht er nicht an.
.. schöner Kommi zum 'Grünling' .. dafür gibt Erno 'nen grünen Däumling! ;)