31.07.2025 - 04:56 Uhr

Intersport
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Détour XVIII: Solaire, ja. Aber…
Vor rund zwei Jahren konnte ich über Umwege ein Immortellen-Extrakt der Firma L'Atelier Français des Matières riechen, das mir insgesamt „grüner“ erschien als entsprechende Produkte anderer Hersteller – als ob grüne, balsamisch-würzige Facetten, die normalerweise dem Immortellen-Essential-Oil zueigen sind, mit denen des Absolutes vereint wurden. Full Spectrum, so der interne Begriff, den die französische Firma für ihren Ansatz bzw. ihre Technik gerne verwendet. Als Immortellen-Liebhaber spekulierte ich freilich kurz mit der Idee, wie dieses zentral in einem Duft wirken könnte, und war doch überrascht, als ich von Immortelle Solaire Wind bekam.
Zugegeben: Der Duft schlägt - auf Grund der Konstellation mit den anderen Noten - durchaus eine andere Interpretation der Immortelle vor. Wer hier die für das Immortelle-Absolute charakteristischen, komplex-würzigen, Sirup-artigen und zugleich medizinisch-jodigen Nuancen sucht – wie sie etwa bei Sables (1985) oder aktueller bei Immortelle Corse (2019) auftauchen – wird nicht fündig. Eine pragmatisch strategische Überlegung, diese Solitäre unter den Immortellen-Düften zu umschiffen und gar nicht erst in deren Fahrwasser zu geraten? Und, wird hier Neuland generiert?
Vor einigen Jahren noch Special-Interest-Material par excellence, wurde Immortelle in den letzten zehn Jahren zunehmend popularisiert, ja geradezu „gentrifiziert“: Aus der ehemals sperrigen Note wurde oft ein ambriertes Füllmaterial, das gerne schon mal charakterlos wirkt. Neuere Extraktionsmethoden ermöglichen freilich auch, nur Teilaspekte vom Immortellen Spektrum zu isolieren bzw. diese zu betonen oder zu entfernen. Parfums aus der Mainstream-Nische wie Givenchy Immortelle Tribal (2010), Ganymede (2019) oder Chloé Immortelle (2023) sind hier Beispiele – und Voyage en Méditerranée – Immortelle de Corse (2011) machte es vor. Der Mehrwert einer einst als fordernd geltenden Note dient inzwischen oft nur noch der „street credibility“. Sogar das Pariser Aristo Haus Hermès griff zuletzt bei Terre d'Hermès Eau de Parfum Intense (2025) auf eine Note die auch gut ins Immortellen Deskriptor Vokabular passen könnte. Eine just angekündigte Comme des Garçons-Monocle Veröffentlichung [wer letzteres nicht kennt: ein Hybrid aus Le Monde diplomatique, Schöner Wohnen und Manufactum-Katalog] Syros (2025) setzt wohl auch auf diese Pflanze.
Styrax Solaire – wäre das vielleicht ein ehrlicherer Name für diesen Duft gewesen?! Die Styrax-Note dominiert, vermutlich gewonnen aus dem amerikanischen Amberbaum (beliebte Spezies in vielen botanischen Gärten – Stichwort Zaubernuss), und prägt in großen Proportionen: balsamisch-süßlich, warm, dezent aber auch definitiv rauchig, dabei leicht und erträglich gourmand, verstärkt von cremiger Haselnuss und niederfrequentem Patchouli sowie vielleicht etwas wie (nochmals) rauchigen Labdanum Zusatz. Solaire ganz im Sinne einer sonnendurchfluteten, kargen Natur: Zikaden, Erinnerungen an ein entferntes Lagerfeuer, usw. Auch wenn die gourmanden Aspekte hier minimal sind, lässt sich eine Verbindung zu Vanille Havane (2020) und Patchouli Noisette (2023) nicht leugnen.
Zurück zu dem Bild, das Immortelle Solaire zeichnet – ein mittlerweile zum Klischee gewordenes mediterranes, un-zitrisches, ländlich rustikales Sommeridyll, das in der Parfümerie (ausgehend von den frühen Diptyque's) immer häufiger herangezogen wird, und für das ich ja auch einen Faible habe. Das Garrigue-artige Hinterland, jahrelang stiefmütterlich behandelt, muss dafür herhalten, was an den Küsten längst vorbei ist. Faktoren wie Klimawandel und Overtourism bleiben ausgeblendet: keine Abgase von Kreuzfahrtschiffen, keine woody-amber-Naxos-Schwaden am Strand, keine Waldbrände weit und breit. Parfümerie war schon immer gut darin, solche Projektionen aufrechtzuerhalten.
Die Immortelle - von Beginn an etwas Kaffee-artig, mit mild säuerlich-fruchtige Facetten sowie eine gewisse „boozyness“, also mit weinbrandartigen Qualitäten - was mich entfernt an 1740 (2008?) oder neuer, etwa an Tucson (2022), denken lässt, nicht so sehr wegen etwaiger Ähnlichkeiten – da ist Immortelle Solaire anders und feiner verwebt – sondern vielmehr der Gewichtung wegen, wo eine Immortellen Note gleichberechtigt mit anderen erscheint. Das verwendete Extrakt wurde vermutlich auch weiterentwickelt, der jeweilige Ökotyo spielt obendrein eine Rolle – aber ob der Unterschied wirklich so groß ist oder eben das Spektrum bewusst getuned beziehungsweise von den anderen Ingredienzien so stark moduliert wurde? Indirekte Immortelle-Ansätze haben natürlich ihren eigenen Charme – wenn auch geruchlich ganz anders – die z.T. stark verschlüsselten Immortelle-Gestalten in einigen Serge-Lutens-Düften sind in diesem Kontext relevant.
Alles in allem ein überraschend luftiger, sonnig ambrierter Duft, bei dem mir die Immortelle-Note zwar zurecht gestutzt, aber nicht uninteressant erscheint. Dennoch kommentiert Immortelle Solaire durchaus den Trend, die fordernden Facetten der Immortelle zu umgehen – und macht das ja sogar ganz gut. Aber: wenn eben derart charakteristische Qualitäten retuschiert werden, stellt sich die Frage: warum? Vielleicht erschließt sich mir der Name ja auch einfach nur teilweise – bzw. es ist die Namensgebung, die in die Irre führt: Immortelle plus Adjektiv – oder doch eher ein starkes Adjektiv im zeitgemäßen Immortelle-Gewand?… mit Dank an Yatagan.
Zugegeben: Der Duft schlägt - auf Grund der Konstellation mit den anderen Noten - durchaus eine andere Interpretation der Immortelle vor. Wer hier die für das Immortelle-Absolute charakteristischen, komplex-würzigen, Sirup-artigen und zugleich medizinisch-jodigen Nuancen sucht – wie sie etwa bei Sables (1985) oder aktueller bei Immortelle Corse (2019) auftauchen – wird nicht fündig. Eine pragmatisch strategische Überlegung, diese Solitäre unter den Immortellen-Düften zu umschiffen und gar nicht erst in deren Fahrwasser zu geraten? Und, wird hier Neuland generiert?
Vor einigen Jahren noch Special-Interest-Material par excellence, wurde Immortelle in den letzten zehn Jahren zunehmend popularisiert, ja geradezu „gentrifiziert“: Aus der ehemals sperrigen Note wurde oft ein ambriertes Füllmaterial, das gerne schon mal charakterlos wirkt. Neuere Extraktionsmethoden ermöglichen freilich auch, nur Teilaspekte vom Immortellen Spektrum zu isolieren bzw. diese zu betonen oder zu entfernen. Parfums aus der Mainstream-Nische wie Givenchy Immortelle Tribal (2010), Ganymede (2019) oder Chloé Immortelle (2023) sind hier Beispiele – und Voyage en Méditerranée – Immortelle de Corse (2011) machte es vor. Der Mehrwert einer einst als fordernd geltenden Note dient inzwischen oft nur noch der „street credibility“. Sogar das Pariser Aristo Haus Hermès griff zuletzt bei Terre d'Hermès Eau de Parfum Intense (2025) auf eine Note die auch gut ins Immortellen Deskriptor Vokabular passen könnte. Eine just angekündigte Comme des Garçons-Monocle Veröffentlichung [wer letzteres nicht kennt: ein Hybrid aus Le Monde diplomatique, Schöner Wohnen und Manufactum-Katalog] Syros (2025) setzt wohl auch auf diese Pflanze.
Styrax Solaire – wäre das vielleicht ein ehrlicherer Name für diesen Duft gewesen?! Die Styrax-Note dominiert, vermutlich gewonnen aus dem amerikanischen Amberbaum (beliebte Spezies in vielen botanischen Gärten – Stichwort Zaubernuss), und prägt in großen Proportionen: balsamisch-süßlich, warm, dezent aber auch definitiv rauchig, dabei leicht und erträglich gourmand, verstärkt von cremiger Haselnuss und niederfrequentem Patchouli sowie vielleicht etwas wie (nochmals) rauchigen Labdanum Zusatz. Solaire ganz im Sinne einer sonnendurchfluteten, kargen Natur: Zikaden, Erinnerungen an ein entferntes Lagerfeuer, usw. Auch wenn die gourmanden Aspekte hier minimal sind, lässt sich eine Verbindung zu Vanille Havane (2020) und Patchouli Noisette (2023) nicht leugnen.
Zurück zu dem Bild, das Immortelle Solaire zeichnet – ein mittlerweile zum Klischee gewordenes mediterranes, un-zitrisches, ländlich rustikales Sommeridyll, das in der Parfümerie (ausgehend von den frühen Diptyque's) immer häufiger herangezogen wird, und für das ich ja auch einen Faible habe. Das Garrigue-artige Hinterland, jahrelang stiefmütterlich behandelt, muss dafür herhalten, was an den Küsten längst vorbei ist. Faktoren wie Klimawandel und Overtourism bleiben ausgeblendet: keine Abgase von Kreuzfahrtschiffen, keine woody-amber-Naxos-Schwaden am Strand, keine Waldbrände weit und breit. Parfümerie war schon immer gut darin, solche Projektionen aufrechtzuerhalten.
Die Immortelle - von Beginn an etwas Kaffee-artig, mit mild säuerlich-fruchtige Facetten sowie eine gewisse „boozyness“, also mit weinbrandartigen Qualitäten - was mich entfernt an 1740 (2008?) oder neuer, etwa an Tucson (2022), denken lässt, nicht so sehr wegen etwaiger Ähnlichkeiten – da ist Immortelle Solaire anders und feiner verwebt – sondern vielmehr der Gewichtung wegen, wo eine Immortellen Note gleichberechtigt mit anderen erscheint. Das verwendete Extrakt wurde vermutlich auch weiterentwickelt, der jeweilige Ökotyo spielt obendrein eine Rolle – aber ob der Unterschied wirklich so groß ist oder eben das Spektrum bewusst getuned beziehungsweise von den anderen Ingredienzien so stark moduliert wurde? Indirekte Immortelle-Ansätze haben natürlich ihren eigenen Charme – wenn auch geruchlich ganz anders – die z.T. stark verschlüsselten Immortelle-Gestalten in einigen Serge-Lutens-Düften sind in diesem Kontext relevant.
Alles in allem ein überraschend luftiger, sonnig ambrierter Duft, bei dem mir die Immortelle-Note zwar zurecht gestutzt, aber nicht uninteressant erscheint. Dennoch kommentiert Immortelle Solaire durchaus den Trend, die fordernden Facetten der Immortelle zu umgehen – und macht das ja sogar ganz gut. Aber: wenn eben derart charakteristische Qualitäten retuschiert werden, stellt sich die Frage: warum? Vielleicht erschließt sich mir der Name ja auch einfach nur teilweise – bzw. es ist die Namensgebung, die in die Irre führt: Immortelle plus Adjektiv – oder doch eher ein starkes Adjektiv im zeitgemäßen Immortelle-Gewand?… mit Dank an Yatagan.
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französische Immortelle
honduranisches Styrax
italienische Haselnuss
indonesisches Patchouli
Gandix
Yatagan
Profumo
LeSentier
Ergoproxy






























