Ich mag Märchen. Um ehrlich zu sein vor allem die finsteren, dunklen, abgründigen. Weniger die heile-Welt-Versionen. Die sind natürlich auch schön – für Kinder…
Wer kennt z.B. das Märchen vom singenden Knöchelein, in dem der zur Flöte geschnitzte Knochen eines armen, erschlagenen Jünglings dessen Mörder nach Jahren anklagt?
Oder die Geschichte vom Räuberbräutigam, in dem ein Fremder eines Tages die schöne Müllerstochter freit. Als sie sein Haus im tiefen, finsteren Wald besucht, wird sie von einer uralten Frau gewarnt, sie sei in großer Gefahr. Jedoch zu spät: Lärm kündigt den Räuberbräutigam und seine Mannen an. Die junge Frau versteckt sich – und wird aus ihrem Versteck heraus Zeugin eines kannibalischen Fressrituals, als die Räubermeute eine nackte junge Frau schlachtet.
Oder das Märchen vom Allerleirauh, einer Königstochter, die das Pech hatte, ihrer bildschönen Mutter zu ähnlich zu sehen: als die Mutter verstorben war, begehrte der Vater seine Tochter. So befand sie sich fortan auf der Flucht vor ihrem inzestuös gesinnten Vater, im Wald lebend und in Felle gekleidet, einem wilden Tier gleich.
Und dann gibt es ja das wenig beachtete aber bestialisch böse Ende von Schneewittchen: auf ihrer Hochzeit mit dem Königssohn musste die böse Königin in rotglühenden Schuhen so lange tanzen, bis sie tot umfiel!
Und daneben immer die unschuldigen Mädchen im tiefen Wald, Rotkäppchen, Schneeweißchen und Rosenrot, Schneewittchen, Dornröschen – alle immer nur eine Handbreit entfernt vom Tod durch Bären, Wölfe, böse Stiefmütter oder aber dem Lebensglück „bis ans Ende ihrer Tage“ mit Fröschen, die zu Prinzen werden, Königssöhnen, die sie aus gläsernen Särgen heraus heiraten (verliebt hat sich der Prinz übrigens in eine Leiche, die er so schön fand, dass er sie besitzen wollte – lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen! So viel Nekrophilie in einem Kindermärchen!) oder ähnlich schillernden Schicksalen. Was für eine reiche Bilderwelt, was für Abgründe!
Mirage ist für mich der Duft zu dieser schillernden Welt. Bereits das Werbeinserat zu Mirage (frz. Trugbild) kündigt ein märchenhaftes Szenario an: eine junge Schönheit in einem verzauberten Garten hält den Schlüssel zu einem geheimnisvollen Tor in Händen. Auch der Flakon ist auf abgründige Weise schön: er sieht aus wie ein Fläschchen aus dem Giftlabor der bösen Königin. Der Inhalt dagegen riecht nicht hexenküchenartig-giftig, sondern balsamisch-geheimnisvoll: ein dichter, dunkler, mysteriöser Odeur, sicherlich schwer, aber auf eine elegante Art und Weise, süß und holzig, würzig und kostbar. So weiß wie Schnee gesellt sich der bittersüße Jasmin den edlen Hölzern im dichten, dunklen Wald hinzu, so rot wie Blut leuchtet auch die Rose im mitternächtlich mondbeschienenen Wald. Das Elemiharz verbreitet das würzige Aroma dicht stehender Bäume (wenn es sich auch nicht um das Harz heimischer Nadelhölzer, sondern recht exotischer Laubbäume handelt).
Mich zieht es magisch in diesen Wald, und unwissend zu welchem Ende eile ich, ein duftender Schatten zwischen träumenden Bäumen, meinem Schicksal entgegen.
Ursprünglich waren die Geschichten ja auch für Erwachsenen. Nicht umsonst heißen Grimms Märchen Kinder- und Volksmärchen. Am schauerlichsten finde ich den All-Time-Favorit Hänsel & Gretel, Eltern, die ihre Kinder aus Hunger im Wald sitzen lassen.
HAaaAAA....! Klingt düster geheimnisvoll verlockend toll. Und endlich mal eine, die auch bemerkt hat, wie düster und abgründig und überhaupt nicht nett und niedlich Märchen sind. Die Räuberbraut war eins meiner Lieblingsmärchen als Kind, knapp Teenie.
Pokal für diesen außergewöhnlichen Kommi