Beim ersten Test war ich noch enttäuscht, da ich mir einen anderen Dufteindruck versprochen hatte. Auf der Roja-Seite wirkte er durch seine Präsentation viel pompöser, glorreicher, voluminöser und royaler, zumindest entstand dieses Bild in meinem Denkmuskel. Obwohl ich jetzt nicht so der Typ bin, der auf o.g. Duftattribute steht, ging die Erwartungshaltung in diese Richtung und meine erste Empfindung der Abfüllung war ein extrem emotionales „geht so.“.
Denn eigentlich ist Burlington 1819 zu Beginn ein scharfes, stechendes, herbes, frisches, benzinartiges Cologne, das in der Duftentwicklung erst nach 20 Minuten etwas an Durchschlagskraft verliert, wärmer und anschmiegsamer wird. Trotzdem nehme ich es mindestens sechs Stunden sehr gut wahr an mir, ohne dass es zu aufdringlich wird.
Bis jetzt kann ich Burlington lediglich mit einem weiteren, mir bekannten Duft vergleichen: A Man`s Cologne von Gravel. Ein fantastischer Duft, teilweise. Wenn, ja wenn, die überaus brutale Kopf- und Herznote nicht wäre. Ein klassisch modernes Cologne, dass nach vielen Stunden den Duft bildet, der für mich ein Cologne mit Potenz und Haltbarkeit- ja, ich weiß, eigentlich nicht die charakteristische Eigenschaft eines Colognes- ergibt. Diese anstrengenden Stunden Zu Beginn führten dazu, dass ich von einem Kauf des Gravel absah.
In diese Kerbe schlägt für mich Burlington 1819, nur angenehmer und verträglicher. Mein sympathischer Vorkommentator zieht Parallelen mit einem „muffigen“ Sofa in einer Cocktailbar, in der es nach Früchten duftet (ich erlaube mir seine Aussagen zu kürzen)- Ich fühle mich eher an einen Aufenthalt in einer Autowerkstatt aus den 60er Jahren erinnert, in der englische Gentlemen (einer von ihnen ist William Habenborough, Kurzform Will Haben) mit ihren Tweed-Jacken an ihren Sportwagen herumbasteln (fast wolle ich sagen, „Oldtimer“, aber in den 60ern waren sie ja noch neuwertig). Das Muffige empfinde ich als verdunstendes Benzin und Motoröl, die fruchtige Komponente ist eindeutig vorhanden- sogar sehr spritzig und fast stechend, ich betone: Fast. Ein bisschen heller Rum, vielleicht auch Gin, schwebt in der Luft, mit dem man sich nach erfolgreicher Arbeit am Flitzer zuprostet.
Mit Burlington habe ich einen wunderbar frischen Herbling gefunden, der es mir angetan hat und den ich mit keinem anderen Duft wirklich vergleichen kann. Ein maskuliner Duft, dem man seinen Auftritt in den ersten 20 Minuten nicht übel nehmen darf. Ein wirkliches Phänomen ist, dass ich nach 9 Stunden im Büro, zurück in meinem Auto, eine angenehm intensive Duftaura vorfinde, die ich auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit darin hinterlassen habe. Das hatte ich noch mit keinem anderen Duft vorher. Nicht mal mit Gravel.
Burlington 1819 ist für mich ein Cologne mit Potenz und Ausdauer, klassisch und zugleich modern. So schön wie „Liebe auf den ersten Blick“ bei Parfums immer ist, bin ich froh, dass man auch durch zweite und dritte Chancen manchmal erst den Wert entdeckt, den ein Duft für einen bereithalten kann. Über den Preis kann man streiten, aber bei Genuss- und Luxusgütern darf man das gerne ausklammern, da man sie nicht wirklich zum Leben braucht, sondern möchte.
Ein super Kommentar von Dir zu einem sicherlich interessanten Duft. In der Tat, manchmal muss man sich einen Duft, oder den Zugang dazu erst erarbeiten. Ist das mal erreicht und geschafft, dann wird man oft sehr dafür belohnt...
Man kann ja sagen was man will über Roja. Seine Düfte sind alle qualitativ hochwertig gemacht und man muss sie wirklich auf sich wirken lassen. Ob sie einen nun liegen oder nicht sei dahingestellt. Mein Duftschema wäre dieser hier nicht unbedingt. Aber er hört sich aus Deiner Feder sehr gut an! Oldtimer-Pokal!
Ich glaube dieser ominöse Will Haben ist uns allen schon mal begegnet :-D
Aber gut, daß Herr Konto auch noch ein großes Wort mitzureden hat. Bei Roja sogar ein ganz großes. Aber dir wünsche ich viel Freude mit der Errungenschaft und freue mich über deine Zeilen.
Gravel hat bei mir den Kauf auch knapp verpasst. Bei den Rojas bin ich etwas spießiger, auch wenn ich mir auch ab und zu mal etwas Luxus gönne: Da käme unter "10" ein Kauf bei mir schon wegen des Preises nicht in die Tüte. Benzino-Napaloni-Pokal!
Ich glaub die Enttäuschung bei vielen resultiert aus der starken Ähnlichkeit zu L'Immensité und Tygar, eben halt kein neues Dufterlebnis. Ich mag ihn sehr und überlege ihn mir wieder zuzulegen, hatte ich damals wg der starken Ähnlichkeit wieder verkauft.
Ging mir mit dem Duft ganz genauso. Erst leichte Enttäuschung, wurde dann aber immer besser. Manche Düften brauchen ein bisschen. Danke für den schönen Kommentar.
Der Burlington 1819 hat auch eine ganz interessante Duftnoten-Zusammenstellung!
Aber gut, daß Herr Konto auch noch ein großes Wort mitzureden hat. Bei Roja sogar ein ganz großes. Aber dir wünsche ich viel Freude mit der Errungenschaft und freue mich über deine Zeilen.