Viele Dichter haben sich dem Nebel gewidmet: "dicker Nebel dicht gedrängt" heißt es in Schottelius barockem, dabei erstaunlich modernem Gedicht "Donnerlied". Fast jeder kennt Goethes Eiche im "Nebelkleid, ein aufgetürmter Riese" aus den Sesenheimer Liedern, in dem er den nächtlichen Ritt zu Friederike Brion beschreibt. Und natürlich Hesse in seinem etwas eitlen Gedicht "Seltsam im Nebel zu wandern", " um mal die unkitschigen Beispiele zu nennen. Natürlich gibt es auch literarischen und musikalischen Gruselnebel. Nebel kann sehr schön sein. Iris sowieso! Nebel schafft urplötzlich Begrenzungen und diffuse Ängste wie auch urplötzlich wieder neue Perspektiven. Der eher liebliche Bodennebel im Sommer auf einer Wiese wie der dicke Herbstnebel haben jeweils ihre sehr spezifische Schönheit. Und so ist es auch mit meinen irisdominierten Düften. "Hiris" von Hermès, meine erste bewusste intensive Iris-Erfahrung, hat eher etwas geradlinig Unbekümmertes: Ich bin Iris, hier bin ich, und ich bin schön! Und der "Irisia" -Chypre hat eine lange Vorglühzeit, bevor die erlesene Festivität beginnt. Am "Iris Poudre" von Malle arbeite ich mich noch ab. Die beiden Serge-Iris-Kreationen vermitteln mir wirklich Jahreszeiten- Umsetzungen. Projektionen, die im Gebrauch nicht unbedingt als Vorschrift beachtet werden müssen "Bas de soie" überzeugt mich mit seiner Hyazinthen-Iris-Gestaltung, die eher blumig-zart und frühlingshaft wirkt, gleichwohl natürlich auch in anderen Jahreszeiten tragbar ist. Nun zum dicken Herbstnebel: Die ersten Minuten verlocken nicht, sich dem Nebel zu stellen: Etwas merkwürdig technisch Riechendes, hier auch schon als medizinisch beschrieben. Seltsame Momente, die man aber bei Iris-Düften einkalkulieren muss. Wer sich vom "Vorwort" abschrecken lässt, was fast verständlich wäre, verpasst etwas. Dann aber, aber dann: Die Nelke kommt zu Hilfe und cremt den Spaziergang. Damit kommt ein für mich geliebte Mitspielerin zum Zug, in dieser Kombination noch nie erlebt.Geschmeidig, sanft und cremig. Ich sehe ein sehr gedämpft lila getöntes Grau vor mir, in dem aber die Iris stärker pulsiert. Der Weihrauch gibt zwar seinen Segen, aber er drängt sich hier nicht vor. Fast würde ich noch ein bisschen Leder vermuten, ebenfalls nobel, bis alles in einer holzigen Melange aufgeht. Wirklich eine in sich ruhende, stille Prachtentfaltung vieler Elemente. Mattes Silber. Kein Hochglanz. Dieser Duft hat orientalische Elemente, ohne ein typischer Orientale zu sein, er entzieht sich klaren Kategorisierungen. Und: Er geht von leichtcremig in eine außergewöhnliche Pudrigkeit über, unsüß, - ja, geradezu aristokratisch. Ebenso wie "De profundis" gehört er in die Kategorie der eher subtileren Düfte. Sollte ich jetzt abwägen, ob mir "Bas de Soie" oder "Iris Silver Mist" besser gefällt - so ist das schwer. Vielleicht so: BdS dürfte lieblicher und vielleicht eine Spur femininer empfunden werden, ISM ist unisex - und geheimnisvoller. Bestimmt kein Massenduft - eher für Entdecker. Mir soll es recht sein. Nachtrag: Der Oktaeder-Taschenflakon in lackschwarz wirkt sehr edel und findet ausgesprochenes Wohlgefallen.
Ich konnte den am Samstag durch Zufall zum halben Preis für den Vaporisateur ergattern und habe ihn heute zur Arbeit aufgelegt. Ein toller Duft und sehr passend von Dir beschrieben.
Irgendein Geheimnis wohnt ihm inne, aber man kommt halt niemals wirklich komplett dahinter.