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Top Rezension
Auf halber Strecke den Mut verloren
Das Erstaunlichste vorab: In den ersten Minuten nach dem Auftragen umgibt den Duft eine für Goutal-Verhältnisse regelrecht muffige Anmutung, die mich sehr überrascht. Ansonsten ist Le Chèvrefeuille ungeachtet des Namens weniger ein Geißblatt-, sondern primär ein Jasmin-Duft, da kann ich meiner Vorrednerin nur zustimmen. Allerdings nicht von der betörenden Sorte, vielmehr den – jawoll – übel-indoligen Aspekt betonend. Bekanntlich ist es vom Indol nicht weit zum Skatol. Und ich finde, Le Chèvrefeuille hat tatsächlich im Verlauf einen verblüffend dreckigen Unterton. Hätte ich von Goutal abermals nicht erwartet.
Doch jetzt bloß keine falschen Vorstellungen: Das heißt natürlich keineswegs, dass kübelweise Schmutz lauert. Wir sind bei Goutal. Es ist eine klitzekleine Andeutung, wie sie zu einem Duft passen mag, der sinngemäß unter anderem mit umhertobenden Kindern beworben wird. Zumindest Eltern wissen, dass ‚Kinder im Garten‘ nie ganz dreckfrei zugeht und auch nicht sollte. Ich bezweifele freilich, dass die Umgebung diese dunkle Winzigkeit von La Chevrefeuille überhaupt wahrnimmt. Der Duft ist ohnehin insgesamt extrem hautnah.
Außerdem scheint mir Hedione ein weiteres Standbein. Das ist wenig überraschend und nicht weiter wild, unterstreicht es im vorliegenden Fall doch mehr die florale Frische, statt wie im fürchterlichen Vent de Folie (entstanden ein Dutzend Jahre später) zur selbstständigen Komponente zu mutieren und – pathetisch ausgedrückt – alles zu verraten, was jedenfalls ich an Goutal schätze. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass bereits damals an der Grenze geschabt wurde.
Tja, und nun warte ich auf die Narzisse, bei Beteiligung in vorderer Reihe normalerweise ein zuverlässig-charaktervoller Stinker. Hier warte ich erstens bis in die letzte Phase und zweitens beschränkt sich der Gestank dann auf die Luftschicht unmittelbar um die Haut herum. Das mag man zuvorkommend finden, leider sorgt es im Gegenzug dafür, dass der Duft nett und recht beliebig bleibt. Etwas mehr davon hätte in diesem Fall gut getan. Innerhalb der sechsten Stunde ist Le Chèvrefeuille bis auf einen minimalen Rest verschwunden.
Fazit: Ein einigermaßen zutreffend als feminin einsortierter Frühlings- oder Sommertags-Begleiter ohne größeren Anspruch oder nennenswertes Stör-Potential. Charakterlich und in puncto Ausdrucksstärke weit entfernt von Goutals Flaggschiffen. Mir wird er nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Wir sollten den Bembel unserer Tochter schenken. Damit kann sie nichts verkehrt machen, schließlich rutscht ihr beim Dosieren immer noch gelegentlich der Finger aus.
Doch jetzt bloß keine falschen Vorstellungen: Das heißt natürlich keineswegs, dass kübelweise Schmutz lauert. Wir sind bei Goutal. Es ist eine klitzekleine Andeutung, wie sie zu einem Duft passen mag, der sinngemäß unter anderem mit umhertobenden Kindern beworben wird. Zumindest Eltern wissen, dass ‚Kinder im Garten‘ nie ganz dreckfrei zugeht und auch nicht sollte. Ich bezweifele freilich, dass die Umgebung diese dunkle Winzigkeit von La Chevrefeuille überhaupt wahrnimmt. Der Duft ist ohnehin insgesamt extrem hautnah.
Außerdem scheint mir Hedione ein weiteres Standbein. Das ist wenig überraschend und nicht weiter wild, unterstreicht es im vorliegenden Fall doch mehr die florale Frische, statt wie im fürchterlichen Vent de Folie (entstanden ein Dutzend Jahre später) zur selbstständigen Komponente zu mutieren und – pathetisch ausgedrückt – alles zu verraten, was jedenfalls ich an Goutal schätze. Gleichwohl lässt sich nicht leugnen, dass bereits damals an der Grenze geschabt wurde.
Tja, und nun warte ich auf die Narzisse, bei Beteiligung in vorderer Reihe normalerweise ein zuverlässig-charaktervoller Stinker. Hier warte ich erstens bis in die letzte Phase und zweitens beschränkt sich der Gestank dann auf die Luftschicht unmittelbar um die Haut herum. Das mag man zuvorkommend finden, leider sorgt es im Gegenzug dafür, dass der Duft nett und recht beliebig bleibt. Etwas mehr davon hätte in diesem Fall gut getan. Innerhalb der sechsten Stunde ist Le Chèvrefeuille bis auf einen minimalen Rest verschwunden.
Fazit: Ein einigermaßen zutreffend als feminin einsortierter Frühlings- oder Sommertags-Begleiter ohne größeren Anspruch oder nennenswertes Stör-Potential. Charakterlich und in puncto Ausdrucksstärke weit entfernt von Goutals Flaggschiffen. Mir wird er nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Wir sollten den Bembel unserer Tochter schenken. Damit kann sie nichts verkehrt machen, schließlich rutscht ihr beim Dosieren immer noch gelegentlich der Finger aus.
13 Antworten
Hyazinthe vor 3 Jahren
Da ich die Blüten des Geissblatts sehr mag, war ich gespannt... in der Luft und auf dem Papier überraschend natürlich, auf meiner Haut dann leider eher muffig-grasig, nichts mehr von der Blüte. War auch schnell weg.
First vor 8 Jahren
Ich habe den auch gerade getestet und obwohl ich auch hier diese typisch Goutal'sche natürliche Frische und Leichtigkeit wahrnehme, die mir so gut gefällt, hat Chevrefeuille leider die gesamte Herznote über etwas stechend-krautiges, was ich einem etwas verfremdeten Jasmin zuordnen würde. Schade, denn am Anfang und auch am Ende ist er ein heller, strahlender Frischekick. Insgesamt aber auch bei mir: Leider durchgefallen.
Inger vor 10 Jahren
Ich glaub, der könnte mir gefallen ...
Palonera vor 10 Jahren
Huch - Du willst Deiner großen Kleinen tatsächlich einen indolisch angehauchten Stinker zumuten? Rabenvater, ;-)! Anyway: Teste "Ambre Fétiche". Den wirst Du lieben!
KleineHexe vor 10 Jahren
Da muss ich Dir erheblich mit dem Störpotential widersprechen. Voller Freude sprühte ich meine ALzD-Probe und erstarrte: war denen der Duft gekippt? Ettliche Sprühstöße später merkte ich, das muss so sein.
Gaukeleya vor 10 Jahren
Geissblatt schreckt mich generell, aber das liest sich ja noch viel fürchterlicher, als ich gedacht habe O__o Der Flakon dürfte frühpubertierenden Mädels aber gut gefallen ^^
Sarungal vor 10 Jahren
Worüber du so alles schreibst *zwinker* - Trostpokal
Pluto vor 10 Jahren
Die Goutals, die ich traf, haben mich nicht vom Hocker gerissen. Eau Du Sud ist die Ausnahme, Ninfeo Mio oh *schüttel*
Kleopatra vor 10 Jahren
Ich hab es auch nicht so mit den Goutals. Bislang war noch keiner dabei, der mich betört hätte. Im Gegenteil. Songes z.B. hat mich das Fürchten gelehrt! ;)
Ergoproxy vor 10 Jahren
Wenn auch nicht teuer, aber der Y.Rocher duftet da immer noch mit am besten. Übrigens Goutal kann auch heftig. Kennst Du Sables?
Ergreifend vor 10 Jahren
Abgesehen davon, dass ich überhaupt kein Fan von A. Goutal bin, bin ich durch diesen Text bestätigt worden, das vieles einfach Nichts ist. Danke. Ich mag diesen Duft überhaupt nicht!
Seerose vor 10 Jahren
Geißblatt, Honeysuckle, Chevrefeuille duftet nienich nach Jasmin. Ich habe einen Monofloralen davon, gut zu wissen, diesen brauche ich nicht testen.
DOCBE vor 10 Jahren
Musst du auch gerade 'Sex and the City ' schauen und kommentierst vor lauter Verzweiflung mittelmäßige Düfte :-)

