Liebe Duftfreunde,
aus gegebenem Anlass möchte ich heute mit euch meine eigenen Erkenntnisse zum Thema alte Batches teilen.
Kleiner Hinweis vorab:
Ich besitze nicht die Skills eines Parfümeurs oder 20 Jahre Erfahrungen im Parfüm Business.
Aber ich verfüge über eine geübte olfaktorische Wahrnehmung und einen gesunden Menschenverstand 😉
Darum sind die folgenden Erfahrungen meine eigenen und sollen nur eine Sicht zum Thema Batches sein.
Vielleicht sieht der ein oder andere das Thema Batches ja ähnlich wie ich.
Worum geht es eigentlich?
Es wird sowohl hier wie auch in den diversen bekannten Youtube Kanälen seit einigen Jahren immer wieder drüber gesprochen, dass der Niedergang der Parfümqualität (Batches) unaufhaltsam voranschreitet. Der Duft-Boom ist auch dank der zahlreichen Influencer ungebrochen und viele Dufthäuser wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Da leidet dann unbestritten hier und da auch die Qualität! Masse statt Qualität.
Aber ist es wirklich so dramatisch??
Dieser Frage bin ich nachgegangen.
Alles begann bei mir, nach einer Begegnung mit Herbert Stricker, als wir uns zu einem netten Gespräch zusammengefunden hatten.
Wir haben uns hautsächlich über das Thema Batches unterhalten. Er hat mir sogar aus seiner Schatzkammer DEN ersten Naxos aus 2015 geholt und zum Vergleich mit einem aktuellen Batch aufgesprüht.
Nach diesem Ereignis wuchs in mir die Neugier, die neu gewonnenen Infos zu vertiefen und einiges auszuprobieren.
Vorab möchte ich meine eigenen Erkenntnisse bezüglich Duftveränderungen einmal kurz erläutern.
Warum verändert sich ein neues Parfüm – also der Batch – überhaupt mit der Zeit?
Ein Hersteller, der seine natürlichen Rohstoffe aus einer „Ernte“ zu Öl verarbeitet hat, verkauft es an die Parfümhäuser. Danach gibt dann eine neue Produktion aus frischen Rohstoffen, die dann nicht mehr 100% identisch mit der vorherigen ist.
Alle Parfüms mit (hochwertigen) Ölen aus natürlichen Rohstoffen, sind von diesen quasi unvermeidlichen Schwankungen betroffen. Somit ist dann eine gewisse Differenz zwischen den verschiedenen Batches normal.
Wenn ein Parfüm jedoch überwiegend oder nur auf synthetischen Duftstoffen basiert, kann dieses deutlich leichter auf dem bestehenden Niveau gehalten werden, da sich hier nichts bzw. kaum etwas verändert.
Die meisten Dufthäuser arbeiten aber nach meiner Info mit einer Mischung aus beiden Welten.
Dann gibt es noch die Vorgaben der EU bezüglich der erlaubten Inhaltsstoffe und verwendbaren Mengen. Wenn dann z.B. durch so eine Vorgabe ein Inhaltsstoff durch einen anderen ersetzt werden muss, kann dies auch einen Einfluss auf den Duft haben.
Manchmal verändert der Hersteller auch selbst die Formulierung, da er z.B. der Meinung ist, der Markt nimmt die angepasste Formulierung besser an.
Ob es hier auch noch finanzielle Hintergründe gibt, vermag ich nicht zu beurteilen… 😉
Und wie lange wurde der Duft beim Produzent nach der Herstellung noch gelagert, bevor er beim Einzelhandel bzw. Kunden landet.
Da wären wir auch schon beim Thema – nämlich der Zeit - und der damit verbundenen Reifung.
Erst vor kurzem hat sich Amouage z.B. eine Version vom Reflection 45 mit extra langer Reifung gut bezahlen lassen.
Das bekommen wir aber selber auch ohne Mehrkosten hin!
Folgenden Test habe ich darum gemacht.
Ich habe mir von Amouage, Dior, Roja und Xerjoff alte Batches (vor 2021) besorgt, von denen ich bereits neue bzw. aktuelle Flakons in der Sammlung hatte.
Folgendes Test-Szenario haben wir dann durchgeführt:
Fotos von den Flakons gemacht und Blind jeweils jeden Duft getestet – man wusste also nie welcher Batch gerade vor der Nase war.
Alle Eindrücke wie auch die H/S wurden entsprechend dokumentiert
Es sind im Wesentlichen dann drei Ergebnisse herausgekommen.
- Farblich waren die meisten alten Batches etwas dunkler.
- Der Duft war für eine geübte Nase gut zu unterscheiden und der neue hatte eine etwas schlechtere H/S.
- Nur schlechtere H/S bei nahezu identischem Duft
Dann wurden alle Flakons in meiner kleinen Duftboutique unter optimalen Bedingungen (dauerhaft bei 18-19 Grad, dunkel) für ein Jahr gelagert.
Der Test wurde dann nach dieser Zeit identisch wiederholt.
Ergebnis:
Alle getesteten neueren Batches haben sich nach "nur" einem Jahr Reifung positiv entwickelt!
Der farbliche Unterschied ist bei einigen nicht mehr ganz so deutlich, aber trotzdem immer noch sehr gut erkennbar. Ob der „Farbvorsprung“ vom alten Batch irgendwann aufgeholt wird, kann ich nicht einschätzen, da sich vermutlich Inhaltsstoffe zwischen den Versionen geändert haben, die auch Einfluss auf die Färbung haben.
Hier ein paar Beispiele aus dem Testfeld.
Der Naxos hat beim Duft gut aufgeholt, und ist nun fast auf Augenhöhe. Er ist aber noch ein wenig milder, was uns sogar besser gefallen hat.
Vermutlich reine Geschmackssache. Bei der H/S ist nur noch ein minimaler Unterschied zugunsten des 2020 Batches vorhanden.
Der Jubilation XXV Man hat beim Duft ebenfalls komplett aufgeschlossen und hat nur noch eine leicht schwächere Haltbarkeit (ca. 1-2 Stunden).
Der stärkste Unterschied ist noch zum Richwood aus 2015 vorhanden. Hier ist der alte Batch kräftiger/würziger und die Haltbarkeit gute 3 Stunden stabiler. Die Düfte an sich liegen aber trotzdem erstaunlicherweise recht nah beieinander.
Vermutlich würde ein „normaler“ Mensch (kein Duftjunkie wie ich) bei allen Testkandidaten keinen nennenswerten Unterschied mehr erkennen.
Und wenn man den neueren Batches noch einige Jahre zur Reifung gibt, sollte sich das Bild weiter positiv verändern.
Man darf nicht vergessen, dass die älteren Parfüms zwischen 4 und 11 Jahren in der Reifung Vorsprung haben!!
Durch meine recht kleine Stichprobe kann ich natürlich nicht ausschließen, dass bei anderen Düften oder noch älteren Batches andere Ergebnisse rausgekommen wären.
Nun zur Frage des Themas.
Macht es dann überhaupt Sinn, so viel Geld für alte Batches auszugeben?? Ich wage es nach meinem Test etwas zu bezweifeln…
Okay - nach dem Kauf möchte natürlich niemand seinen neuen Duft erst noch Jahre zur Reifung in den Keller legen!
Wer sich aber - so wie ich - eine kleine Sammlung zugelegt hat, kann problemlos auf andere Düfte ausweichen und mit der Reifung gute Ergebnisse erzielen. Und jeder der bereit ist, viel Geld für einen alten Batch auszugeben, wird vermutlich auch mehr als einen Duft besitzen 😎
Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man natürlich unbesorgt bei alten Batches zugreifen.
Es wird auch viel der Kopf mitspielen und wenn dann noch div. „Parfümexperten“ predigen „Kauft besser alte Batches“ plus die Seltenheit macht das alles sehr spannend für einen Duftjunkie. Jeder möchte ja irgendwie immer etwas haben, was andere nicht haben – eben Unique.
Habe ich ja auch gemacht!
ICH habe jetzt auf jeden Fall damit aufgehört, nach alten Batches im Souk zu suchen.
Das Geld gebe ich lieber für andere Dinge aus!
Probiert es aus und bildet euch eine eigene Meinung.
Ich möchte hier auch niemandem seinen Spaß an seinen alten Schätzchen nehmen! Die Qualität dieser alten Formulierungen ist ohne Zweifel hervorragend! Nur das PL-Verhältnis stimmt hier aus meiner Sicht absolut nicht mehr.
Was ich vielmehr herausarbeiten wollte, ist die Tatsache, dass es eben nicht ganz so dramatisch um die neuen Batches steht, wie es uns einige glauben lassen wollen. Gebt euren Düften einfach etwas mehr Zeit als früher.
Und GRUNDSÄTZLICH gilt: Wenn dir ein Duft gut gefällt, trage ihn - egal was andere sagen!
Und jeder darf natürlich seine eigene Meinung zu diesem Thema haben 😊
Dieser Beitrag hier ist - wie oben schon geschrieben - meine Erfahrung mit fünf verschiedenen Düften und sollte nicht als allgemeingültig betrachtet werden.
Und was uns die Zukunft bringt, kann heute noch keiner sagen.
Vielleicht „kastriert“ die EU weiter die erlaubten Stoffe und die Düfte verändern sich wieder – wie zuletzt 2021.
Wenn es jedoch unserer Gesundheit zuträglich ist, und schädliche Stoffe entfernt werden, kann ich gut damit leben.
Und nun viel Spaß bei der Reifung eurer Duftschätze 🏺
Duftende Grüße
XerxesI






Layton


Hypnotic Poison 








Sun
Poison 