Aspasia0

Aspasia0

Rezensionen
11 - 15 von 57
Aspasia0 vor 2 Jahren 5 1
5
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
Der italienische Kuss der Kirschblüte
Wenn ich mein Wohnhaus verlasse, um zu Bus zu gehen, komme ich an einem kurzen Weg, von vier Bäumen gesäumt vorbei. Unscheinbar, ein Durchgangsweg durchs Hochhauslabyrinth. Doch für ca. drei Wochen im Jahr verwandelt sich der Weg zwischen den Bäumen in ein rosa Blütenmeer und verkündet frohlockend: "Jetzt ist wirklich Frühling!"

Was ich hier bei uns meist still für mich allein genieße, ist in Japan ein riesen Ereignis. Die jährliche Kirschblüte und das damit einhergehende Hanami Fest ist den Japanern so wichtig, dass sogar in der Blütensaison täglich in den Nachrichten vom Grad der Öffnung der Blüten in den verschiedenen Gegenden Japans berichtet wird und am Ende neben der Wetterkarte auch eine "Kirschblütenfront" Karte eingeblendet wird, die zeigt, wo die rosa Blütenträume gerade in voller Blüte stehen

Schon wieder so viel Kulturgeschafel im Vorfeld der Duftbeschreibung ich, weiß, aber ich kann es einfach nicht lassen, Interessantes mit euch zu teilen, sorry, not sorry.
Aber ja ich komme ja jetzt auch zum Duft. Acqua di Parma interpretiert die Kirschblüte, wie könnte es auch anders sein, mit einem italienisch/mediterran angehauchtem Flair. Den Auftakt des Dufts bilden die Zitrusfrüchte, die, das bin ich mittlerweile schon von der Marke gewohnt, wieder sehr natürlich wirken, wenngleich diese im Vergleich zu der blauen Mediterraneo Reihe nicht so intensiv sind, sind sie doch hier nur Begleiter und nicht Star des Parfums.
Mit den Zitrusfrüchten vermischt sich dann schnell auch eine Kirschnote, diese erinnert zunächst eher an die Frucht, als an die Blüte, doch im Verlauf des Parfums wird sie immer blumiger.

Im Herzen haben wir dann eine wirklich schöne Kirschblüte. Zart, süß und sanft umhüllt und umschmeichelt sie einen, wie ein rosa Seidenschal, der sacht das Gesicht streift. Dieser Duft schreit seine Existenz nicht hinaus, das hat er auch gar nicht nötig. Wie die zartrosa Blüte, deren Namen er trägt, ist er ein stilvolles Understatement. Um es in Farben auszudrücken: Er ist rosa, aber nicht quietschig Bonbon-Barbierosa, sondern ein eleganter hauchzarter Roséfarbton. Dieser wird dann zum Ende hin auch immer blasser, wenn sich der weiße Moschus in den Duft mischt und ihn sanft ausklingen lässt.

1 Antwort
Aspasia0 vor 2 Jahren 3 3
5
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Ist das Kunst, oder kann das weg?
Wenn man, wie ich, nach Maiglöckchen Parfums recherchiert, stößt man irgendwann auf diesen wohl umstrittensten Maiglöckchenduft überhaupt. Von Lobgesängen, die ihn als Kunst deklarieren, bis hin zu Verunglimpfungen als Güllebach, Kuhstall und das Häufchen auf der Blumenwiese ist alles dabei. "Hahaha", denkt sich die Aspasia diabolisch grinsend, "der muss mit ins Maiglöckchen Paket!". Gesagt, getan, aber selbst testen will ich ihn natürlich auch, wo bleibt da sonst der Spaß?

Todesmutig (?) sprühe ich Tempel also aufs Handgelenk. Auf das andere kam "Replica - Lazy Sunday Morning (Eau de Toilette) | Maison Margiela", quasi ein ungefährliches Maiglöckchen als Vergleich. Und in den ersten Sekunden riechen die beiden tatsächlich recht ähnlich. Ein frisches Maiglöckchen eben. Doch dann, von einer Sekunde zur anderen setzt bei Tempel der Oud ein, zumindest denke ich, dass er das ist, ich habe noch nicht viel Erfahrung mit diesem kontroversen Trendstoff. Und das ist der Moment, wo die Duftbeschreibungen hier bei Parfumo anfangen lustig zu werden, denn was einem da ins Näschen steigt ist in der Tat speziell. Für mich roch es, jetzt bitte nicht lachen, nach Weichkäse, noch nicht lange gezogen, sondern frisch aus der Packung.

Und was noch verrückter, als der Käse auf der Blumenwiese ist, ist die Tatsache, dass ich das gar nicht so schlimm fand. Ich war irritiert, aber auch fasziniert. Diese Ambivalenz wischen lieblichen Maiglöckchen und feinstem Camembert beschäftigte mein Hirn pausenlos und es zog meine Nase immer wieder ans Handgelenk, um so verstehen, was ich da roch. Eklig fand ich es überhaupt nicht, sondern einfach nur ungewöhnlich.
Nach ca. 20 min war dann "Käsespaß" vorbei. Das Oud roch jetzt deutlich harziger, mit einer Unternote, die ich als Haut-akkord bezeichnen würde. Immer noch kein Duft, den jene, denen das wichtig ist als Crowdpleaser bezeichnen würden, aber zumindest etwas sehr Individuelles. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß beim Testen und bin jetzt schon gespannt, wie der Duft im Wp ankommen wird.

Kurzer Hinweis zur Sillage: Das ist mehr eine Schätzung. Ich fand ihn recht hautnah, habe aber auch nur einmal kurz gesprüht, um wenig zu verbrauchen, da er ja noch wandern soll. Beim ordentlichen Sprühen mag die Sillage daher ausgeprägter sein.
3 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 5 8
6
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
Der wankelmütige Weihrauch
Weihrauch, schon seit Tausenden von Jahren fasziniert das aromatische Harz die Menschen. Im alten Ägypten wurden die Harzklumpen Schweiß der Götter genannt und u.a. zur Mumifizierung verwendet (wenn man sich das denn leisten konnte). Zog ein römischer Kaiser oder andere wichtige Personen in eine Stadt ein, trug man eine Schale Weihrauch vor ihnen her, ein Brauch, der später auf Bischöfe und andere ranghohe Kirchenvertreter überging. Ähnlich ist es mit der Verbrennung von Weihrauch zu religiösen Messen, sodass wir, obwohl der Weihrauch schon seit Tausenden von Jahren von etlichen Kulturen in ritueller Weise verwendet wurde und wird, heute ihn vor allem mit christlichen Ritualen verbinden.

Warum erzähle ich euch dieses kulturgeschichtliche Geschwafel überhaupt? Nun, Weihrauch als Duftnote ist für mich immer ein zweischneidiges Schwert. Es kann wundervoll aromatisch, warm und sinnlich riechen, oder wie der größte Kirchenmuff. Orientalischer Rausch oder staubige Gruft, das Spektrum des Weihrauchs in Parfums ist groß.

Kommen wir zu Olibanum (was übrigens ein älterer Begriff für Weihrauch ist). Beim ersten Aufsprühen stieg mir gleich ein wohliger Geruch in die Nase. Ein wunderschöner aromatischer Weihrauch untermalt von trockenen Kräutern und warmen Hölzern. Ich dachte an meine Studienzeit zurück und an Studentenpartys in der WGs meiner etwas esoterisch angehauchten Kommilitonen. Dort roch es ähnlich. Der Duft entspannt, erinnert mich aber auch an gesellige Abende voller Diskussionen (wir waren/sind Geisteswissenschaftler, keine Party, ohne ausgiebige Diskussionen)
Doch während ich so in Erinnerungen schwelge und den Duft bereits auf die Merkliste für Abfüllungen gesetzt habe, rümpfe ich plötzlich die Nase. Auf meiner Studentenparty hat sich ein Bischof eingeschlichen und plopp zerplatzt meiner Erinnerungsblase, denn der Weihrauch im Duft hat sich verändert und das leider nicht zum besseren. Stattdessen lässt er jetzt seinen sakralen Muff Charakter raushängen. Also wieder runter von der Merkliste.

Eine Stunde später sitze ich wieder auf mein gebatiktes Sitzkissen, nur um mich einige Zeit später auf einer von Holzwürmern zerlöcherten Kirchenbank wiederzufinden uns so geht es einige Zeit munter weiter. Der Weihrauch in Olibanum hat ein wankelmütiges Wesen und scheint fest entschlossen, wirklich die gesamte oben genannte Bandbreite der Ausprägungen abdecken zu wollen.


8 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 1 1
6
Sillage
6
Haltbarkeit
7
Duft
Von Flüssen und Kieselsteine
Gravel, die Marke mit den Kieselsteinen (eng. Gravel) im Flakon sind sicherlich ein minimalistisches Highlight im Regal. Es ist eine simple, aber optisch gelungene Idee. Die Steinchen in jedem Flakon stammen laut Aussage der Marke alle aus dem Hudson River. Grund genug, sich den gleichnamigen Duft mal näher anzuschauen.

Gleich zu Beginn würzen Kardamom und Koriander um die Wette, die Bergamotte, kurz präsent, verkrümelt sich schnell, etwas süß blumiges, wohl die Rosengeranie hält etwas länger durch, bleibt aber auch vorsichtig im Hintergrund, sorgt aber dafür, dass der präsenten Rose trotzdem noch ein bisschen Leichtigkeit anhaftet. Nichtsdestotrotz ist der erste Eindruck für ein Parfum, benannt nach einem Fluss recht trocken warm. Aber vielleicht kommt das "flussige" ja noch?

Einen Verlauf hat der Hudson River (haha Wortspiel) definitiv. Er wird aber nicht wirklich aquatischer. Nach dem Auftakt gesellt sich der Lavendel für eine Weile dazu und verpasst dem Parfum zeitweise einen sehr klassischen Fougère Anstrich. Zumindest so lange, bis die Hölzer kommen, denn ohne Moos in der Basis, verliert sich der Fougère Eindruck zunehmen, wenn die Hölzer aus der Basis dominanter werden. Das hat den Vorteil, dass der Duft trotz zeitweise Fougère für mich immer noch Unisex bleibt.
Mit den Hölzern macht der Duft eine Schleife hin zu einem warmen und noch trockenen Gefühl. Von Wasser weit und breit keine Spur.

Hat das Marketingteam also mal wieder daneben gegriffen? Vielleicht. Schaut man sich die Beschreibung des Parfums bei Gravel aber mal genauer an, steht dort nicht, dass der Duft vom Fluss inspiriert ist, sondern, von den Kieseln im Fluss. Aha, da liegt der Hund also begraben. Und joar, mit Kieseln kann ich noch mitgehen, auch wenn ich persönlich bei dem Duft eher eine Assoziation von einer Lichtung im Wald im Hochsommer habe.
1 Antwort
Aspasia0 vor 2 Jahren 11 2
6
Sillage
5
Haltbarkeit
8
Duft
Ach du grüne Neune!
Würziges Basilikum, riecht's so fein,
ein Frühlingsduft im Sonnenschein.
Im Blättermeer, so zart und grün,
sprießt der Duft, lässt Herzen blüh'n.

Grün ist nicht nur einer meiner Lieblingsfarben, ich liebe es auch als Duftrichtung, daher wanderte Tokyo Bloom schon recht schnell nach meiner Anmeldung hier auf meine Merkliste und ich habe mich sehr gefreut, als ich es jetzt in einem Wanderpaket entdeckt. Natürlich gleich als erstes ausprobiert (*hust* und als letztes bewertet ).

Schon mit dem ersten Sprüher gibt einem Tokyo Blooom so ziemlich alles, was das Chlorophyll so hergibt. Kräuter in Form von Basilikum, Blattgrün, Pflanzensaft und Blumenstängel. Der Duft macht keine riesige Entwicklung durch, höchstens in der Form, dass im Laufe der Zeit unterschiedliche Noten präsent sind, wobei sie sich nicht zwingen an die Reihenfolge der Pyramide halten. So nehme ich am Anfang vor allem das Basilikum wahr, in dieser ca. ersten halben Stunde erinnert mich der Duft sehr an Thé Basilic. Dann rieche ich mehr Veilchen, ein andermal mehr Galbanum. Alle Noten sind von Anfang an präsent, aber als ob sie einen Kreistanz aufführen, ist mal der eine, mal der andere in der Mitte der Bühne. Der tiefgrüne Duftcharakter ist jedoch allzeit präsent.

Der Name ist vielleicht etwas irreführend, denn wenn ich das Parfum rieche, bin ich nicht in Tokyo im Frühling, wo die Kirschblüten in voller Pracht blühen, nein ich tolle auf einer Sommerwiese herum, rolle einen Hügel herunter und lande lachend mit dem Gesicht mitten im Gras. Schnaufend, mit Grasflecken übersät, aber glücklich.
2 Antworten
11 - 15 von 57