Augusto

Augusto

Rezensionen
6 - 10 von 177
Durchleuchtung
Weihrauch erfüllt den Raum, mehr weiß leuchtend als grau rauchend. Sonnenstrahlen brechen durch die Muster der Stein-Kuppel, es ist kühl und heiß zugleich. Die Luft streicht warm vorbei. Ruhe umgibt mich.

Geht man hinaus, folgt der Duft. Ein paar Schritte in der hochstehenden Sonne und ich fühle mich durchleuchtet von Labdanum. Der Ton dieser Zistrose ist hoch und gleißend wie in der De Sadeschen Attaque auf die Sonne von ELDO. Die Komposition der Harze ist hier ebenso aufs ich sage mal metaphysisch Zielende angelegt. Den Duft von Weihrauch nur zu riechen, greift irgendwie zu kurz. So wirkt der hinzukommende Gewürzmix auch nicht im Geringsten weihnachtlich, sondern desinfizierend, aromatisch, reinigend und warm. Der Duft hebt ab und stärkt mich mit dieser transparenten, fliegenden, heißen Würze.

Ouarzazate hinterläßt bei mir auch einen Farbeindruck wie es intensive Düfte oft tun: er erscheint mir sandfarben, rötlich-schillernd wie Kupfer und weiß wie Rauchwolken, die hoch oben vorüberziehen. Vielleicht sind es auch Wolken am heißen blauen Himmel.
8 Antworten
Kennen Sie schon Shalimars Cousine Emeraude?
Sie ist grün-gold gesprenkelt, opulent, nicht aus dieser Zeit, dennoch aktuell tragbar und für AugustA die schönere Shalimar. Das liegt aber nur daran, dass Shalimar in meiner Nase immer einen leichten Stich behält, mit dem ich nicht warm werde, vielleicht weil ich ihn einfach muffig finde. Trotz der traumhaften Kopfnote und der epischen Vanille, die sogar Vanilleskeptiker begeistert.

Genau das passiert mir mit Emeraude überraschenderweise gar nicht.
Emeraude ist zwar kein solcher Fixstern am Dufthimmel, es befindet sicher eher im gleichen vanillig grün glimmenden Sternhaufen. Trotzdem ist sie zeitlos, glamourös, tragbar, strahlend, kantig, aber nie zickig.

Die Balance zwischen zitrisch-goldgrünem Schimmer und herber Vanille ist gerade beim Eau de Cologne leichtfüßig und harmonisch chic. Ein Sprüher zu viel wäre vertretbar, zerstört aber diese Ausgewogenheit und zermatscht den schwebend-schillernden Eindruck, der mich so begeistert.
Emeraude scheint mir eine warm lächelnd verführerische Cousine von Shalimar, die mit federndem Schritt kleine zitrische Puderwölchen verpufft, die dennoch eine deutliche Duftschleppe nach sich ziehen.

Am Ende des langen Tages oder besser Abends fällt die mit Emeraude beduftete Dame in ein Glas voller Waldhonig mit Harzen. Konserviert für immer. Klasse!
17 Antworten
PG und SL im Pinienwald
Morning in Tipasa ist für AugustA ein bisschen die PG-Version von Lutens "Fille en Aiguilles". Frischer, süßer, nicht so ernsthaft. Die morgendliche Variante vielleicht während der Lutens für mich in der mediterranen Spätnachmittagssonne stattfindet. Beide aber im Pinienwald mit dem duftenden Harz, das so warm ist und so erfrischend. Ein spritziger warmer Sommer/Herbst/Spätsommer-Pinienduft. Scheinbar einfach, aber sehr überzeugend.
8 Antworten
Holzkloster
Ein Kiefernwald oder ein Tannenwald, im Wechsel mit lichtem Laubwald. Eine Holzkirche. Ein Kloster steht in Flammen. Birkenholz riecht russisch.
Harzige Tropfen, kostbares Rauchgold.
Das alles steckt im ersten befreienden Atemzug von Zagorsk.

Wer genau hinhört, erhascht gen Himmel tönende Gesänge, vom tiefsten Bariton bis zum glockenhellen Tenor reicht der Umfang.

Dieser erste Eindruck begeistert und stimmt euphorisch, bleit transparent auch erhalten, er weicht aber auch einer grün behauchten Weihrauchruhe, die die Seele erquickt.
Nichts sonst weit und breit außer aromatisch-ätherischem Weihrauch.

Im Vergleich zur hell-luftigen, die Kyoto einfängt, ist Zagorsk für mich geerdete Spiritualität.
15 Antworten
Moosrose in Öl
Oha - eine selbstbewusste chyprische Eröffnung aufs Näschen, die ungefähre Einordnung des Duftes ist somit klar. Für mich alles in allem ein nostalgischer Rosenduft.

Die Trägerin umgeben dunkle Möbel, schwere Vorhänge, vielleicht wohnt sie in einem kleinen Schloss, jedenfalls im Grünen, am Waldrand oder nah bei wilden Auen.
Aber dieses nostalgische Bild aus dem 19. Jahrhundert vielleicht bleibt nur als Grundlage während der ersten halben Stundevor dem olfaktorischen geistigen Auge.

Danach verändert sich die Szenerie, es klärt sich der Himmel beim Gang durch die Natur und die bietet ein dichtes Moosbett an, lädt ein zur erfrischenden Ruhepause. Malt Euch selbst einfach ein Bild davon, ich empfehle Ölfarbe!

Die den Duft bestimmende Rose ist eher dunkel und samtig, hat als Begleitung aber auch eine frisch duftende helle Rosengeranie dabei.
Im Verlauf strafft sich der Duft in Gesellschaft einer schlanken Zeder und eines Unterholzveilchens.

Die Rosenblätter entfalten sich in fast haptisch wahrnehmbar nach und nach zur einem immer voller werdenden Duft, der aber nie drückend wird. Er bleibt beweglich, wechselt.
Wird wieder frisch, ein wenig pfeffrig fast. Ein Moosröschen vielleicht.
In Verbindung mit dem Moos wirkt diese Rose immer Ruhe spendend und in sich ruhend. Wir haben hier keine Dramaqueen Rose, zum Glück. Vielmehr sind wir eingeladen, beim Riechen eine Naturlandschaft nachzuzeichnen. Nachzufühlen.

Der Duft geht für mich nach vielen Stunden zum Abschluss über in süße Träume bis nur noch eine frische Brise dieses wunderbaren Rosenduftes bleibt.

Ein zwar nostalgisch anmutender Rosenduft, der mit seiner naturnahen Komposition aber durchaus bestimmt wirkt in seiner Zeichnung und der dadurch wiederum ganz modern wirkt. FBF muss ich im Auge behalten.
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