Das Bekenntnis zum Glück
Später Freitagabend, die Dämmerung ist längst eingetreten. Es ist der 9.05.2014. Es ist ein kühler Abend, der Wind lässt nicht ab, knallt sich durch die Berge, die diese Stadt umgibt. Ich, eingehüllt in tiefstem schwarz, umhüllt von einem beigen Seidenschal, der sich lässig um mein Haupt umschlingt und immer wieder durch die Gegend gewirbelt wird, wenn sich der Wind an mich durchklatscht. Ich schiebe mich durch die Straßen von Innsbruck, den Kopf nach unten gerichtet, die Hände vor lauter Kälte, tief in die Taschen geschoben .. Begleitet werde ich von zwei alten Bekannten, meiner Cousine und derer Freundin. Ich bin seit langem wieder in Tirol, zu Besuch bei Verwandten und Bekannten und treffe erneut auf einen der Düfte, denen ich schon seit Ewigkeiten mein Herz ausgeschüttet habe. Ein Herz voller Splitter, dennoch voll gefüllt von Glück.
Die Freundin meiner Cousine trug La Perla. Ich roch es gleich, nachdem ich ihr die Hand gab. Sofort war der Duft in mich gestiegen, hat mich eingenommen und ich wusste gleich, ohne zu überlegen, in einem Atemzug, das es La Perla ist!
La Perla habe ich vor geraumer Zeit kennen und schätzen gelernt. Eine gute Freundin, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand, hatte sich immer mit diesem Duft umgeben. Sie hat ihn geliebt, ja sie war ihm gnadenlos verfallen! Wie ich doch ihre Gegenwart genoss, wenn sie mich mit ihren leisen Worten umhüllte und immer gnadenlos den Blickkontakt zu einem suchte. Sie wirkte immer so sanft und gebrechlich, aber man konnte ihr alles sagen, sich an sie wenden, egal was man zu sagen konnte. Nichts konnte sie erschüttern, nichts könnte sie aus der Fassung werfen. Sie war wie ein japanischer Zug der sich strikt auf seinen Gleisen hält, niemals abgleist und in Windeseile das Ziel erreicht. Sie hatte immer irgendwelche Ideen und Tipps parat. Sie blinzelte dabei immer mit den Augen, überlegte ein paar Sekunden lang und meinte in einem langem Atemzug.. "Weißt du was, ich habe den suuuuuuuuuuuuper Vorschlag!"
Diese Supervorschläge waren ja immer ein Hit und ich war ja immer erleichtert, wenn es aus ihrem Mund kam. Dabei spitze sie ihren Mund und machte dabei immer eine Grimasse. Dabei musste ich immer lachen, denn sie sah dabei immer dämlich aus. Das wusste sie auch selber und zog sich immer selbst ins Lächerliche. Aber alles mit einer charmanten Art. Es wirkte nie aufgesetzt oder gar übertrieben.
Leider habe ich durch private Gründe ziemlich viele Bekannte und Freunde etwas vernachlässigt. Bzw. habe ich mich zurückgezogen und weniger Kontakt zu diesen gepflegt. Durch den Kontakt der Freundin meiner Cousine , ist durch mich ein Geistesblitz gegangen. Ich roch also den La Perla und meine Gedanken schweiften ab und ich musste mich dann schließlich am nächsten Tag bei der alten, guten Freundin melden.
Sie war sichtlich erfreut, das ich mich mal blicken lies und mich bei ihr meldete. Wir redeten lange und sie meinte, sie wüsste nicht so recht, wie sie sich verhalten hätte im Moment, da sie nicht weiß , wie sie auf mich zugehen soll, da ich ja in einer recht schwierigen Lebensphase bin. Die Zurückhaltung Ihrerseits war mir fremd, denn wie gesagt, war sie immer da um mich zu unterstützen. Sie drängte sich aber niemals auf und das fand ich gut, dennoch habe ich es vermisst, irgendetwas von ihr zu hören.
Ein langes Gespräch folgte am Samstagabend. Wir trafen uns mit einem weiteren Freund in einem unserer Stammlokale. Sie schilderte mir genau, warum sie sich nicht meldete bzw. es so selten tat. Ich musste ihr von der Freitagsbegegung erzählen und erwähnte La Perla. Sie trug ihn auch am Samstagabend. Ihr Gesicht verzog sich zu einer Frau, die gerade all ihr Glück in ihr Herz geschüttet hat und somit alle in ihre Aura zog. Alles geschlichtet von Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit.
Ja das ist schön, wenn man sich bestätigt und verstanden fühlt. Ich machte ihr Komplimente zum Duft und brachte ihr näher, wie sehr ich mich im Inneren darauf verbissen habe, das La Perla nur ihr zugeschrieben ist und war und auch so bleiben wird. In meinen Augen jedenfalls. Sie kicherte wie ein kleines Mädchen, klatsche mir dabei mit der Handfläche auf den Oberarm, so das es ganz schön im Eck , in den wir saßen , zu hören war. Einige drehten sich zu uns um , sahen uns verblüfft an, schüttelten die Köpfe, als wäre das irgend etwas unsittliches. Über was sich manche Menschen aufregen, ist eigentlich schon eine Frechheit. Wir prusteten dabei voll los und erlitten dabei vernichtende Blicke von den all zu betuchten Personen, die uns umgaben. Ja nicht mal ein bisschen Spaß gönnt man einem heutzutage. Schade. Auch wenns kindlich wirkt, bisschen Kind sollte man doch auch sein. Nach kurzer Zeit brach sie jedoch das Gelächter ab. Sie hatte mich gut getroffen, da sich eine weite rote Fläche auf dem nackten Oberarm bildete und fühlte sich nun schlecht, da ich ja soooooooooooo zerbrechlich auf sie wirkte. Sie entschuldigte sich etliche Male bei mir und ich brauchte einige Zeit, bis ich ihr klar machte, das es mir nichts ausmachte und eh nicht schlimm sei.
Sie war fein umgeben von diesem äußerst feinen Chypreduft. Würzig, ja richtig warm war sie eingebettet in diesem Parfum. Sie strahlte eine schöne Ruhe aus. So als würde jeder einzelne Tropfen vom Himmel langsam auf die Erde fallen und beim Fall den schönsten Klang von sich lassen. Der Klang erschüttert aber nicht das Schweigen, er hüllte es nur in eine angenehme Atmosphäre. Die Atmosphäre des Glücks. Feine Blumen umschwirrten dazu auch noch das ganze Geschehen. Die Blumen lassen den Duft äußerst feminin erscheinen. Rose und Iris vernehme ich am stärksten, wobei eine feine Note von Maiglöckchen immer mit den beiden mitschwingt. Erschlagend würde man meinen, es ist aber ein sehr angenehmes Spiel der Blumen, die sich schließlich ganz eng mit Honig vereinen und so süßlicher rüberkommen. Feines Sandelholz lässt sich ungemein gut im Parfum blicken. Alles in einem wirkt es so schön stimmig auf mich. Ich empfinde den Duft als sehr schön und würde mich gerne in diesem Regen voller Glück hinaustrauen. Mich umzingeln lassen von den Tropfen, die leise Klänge von sich geben und mich angenehm am Boden halten.
Der Samstagabend neigte sich dem Ende zu, ihr Parfum lies aber keine Schwächen erahnen. Voll und noch immer schön umhüllt war sie. La Perla hängte sich bei ihr förmlich ein. Sie lebte und liebte dafür diesen Tropfen. Als wir uns dann alle voneinander verabschiedeten, zückte sie noch einen Taschensprüher, legte noch einmal nach und meinte lachend, das wäre die Dosis für die Nacht, für den Ausklang des Tages. Sie hatte ordentlich nachgelegt, zog eine sehr dicke Wolke hinter sich her und zog grinsend, ja fast schon überglücklich von dannen.
Das Bekenntnis zum Glück - ja sage mir wo ich das finden kann!?
Sage mir, wohin ich mich wenden kann - Wohin ich meinen Blick setzten soll!?
Sage mir, wohin ich mein Herz leiten soll!?
Sage mir, ist das Glück wirklich so nah?
Sage mir, ist Glück , denn nicht das, was uns einfach nur innerlich erfreut?
Ja sage mir, hast du denn nicht längst das Glück über dein Haupt gestreift?