FrauLohse

FrauLohse

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1 - 5 von 68
FrauLohse vor 2 Jahren 30 15
8
Flakon
6
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Grosses Kino: unanständig sauber?
Auf diesen Duft war ich nicht gefasst. Ich liebe es, wenn ich mir weder von den Duft Noten, noch von den Beschreibungen ein Duftbild zurecht fantasieren kann, denn nur so entstehen die größten Überraschungen.

Under my Skin hat mich umgehauen. Beim ersten Sprüh vom Lavendelpfeffer weggeblasen, um dann festzustellen, das kommt mir so bekannt vor, es erinnert mich. Doch diese Erinnerung, so nebulös wie sie ist, will sich nicht greifen lassen. Ist es, weil der Duft alt anmutet, ohne vintagig zu sein? Eins ist er nicht: oldschool. Ist es die Nelke, hab ich das schon mal gerochen, erinnere ich eine Person, es will sich nicht offenbaren.

Warum liegt hier eigentlich Stroh? Riechst du Stroh, bist du kein Chuck Norris der Düfte. Ja zu Anfang gesellt sich die hier oft verortete Stroh oder Käsenote minimal dazu, wird jedoch recht zügig untergepudert, unter die Haut gekehrt.

Mich mutet der Duft unanständig an in den ersten Stunden unserer Neubegegnung und ich war mir unsicher, ob ich ihn draußen tragen wollte oder nur für mich genießen.

Doch dieser Duft wird einfach immer schöner. Besonders nach sieben, acht Stunden hat sich ein schmelzig, süssliches Puder entwickelt, das sich für mich deutlich zibetgeschwägert darstellt. Jetzt ist nur gar kein Zibet im Duft drin. Na ja macht nichts. Riecht unverschämt gut. Jedenfalls wird es immer tiefer hier im Duft und und je mehr innere Temperatur ich entwickele, desto mehr duftet er aus mir heraus.

Es riecht nun abgepudert salzighautig, aber auch buttrig und erscheint sehr diffus, durchaus wahrnehmbar, aber nicht parfümig.

Diese wahnsinnig schönen Sprüher verteilen den Duft unfassbar gut, auch nur minimalst angedrückt. Man benötigt wirklich nur winzige Tropfen, um locker 24 Stunden zu duften.
Kam Stoff mit dem Duft in Berührung, kann man sich mit dem Stoff nochmal neu beduften. Das kannte ich bisher nur von Roja. Und genau da verorte ich Bianchi auch, wenngleich die Duftrichtung anders ist. Der Duft fühlt sich natürlich an. Nicht synthetisch.

Allerdings ist der Duft keine Melange der Verblendung, er vollzieht Stationen und ist bewusst drauf angelegt, dass man diese auch nachvollziehen kann. Im Nachgang dreht der Duft in eine ruhige Richtung, die im Gegensatz zu dem stürmischen und euphorischen Auftakt steht. Under my Skin ruht dann in sich selbst, gänzlich selbstzufrieden, schnurrend mit halb geschlossenen Augen.

Nun könnte ich sinnieren über Leidenschaft und Schweiß, aber es war vollkommen anders.
Der Mann des Hauses, immer schrecklich unerfreut über meine Schlafdüfte, kam eines Morgens ins Bett gekrochen und meinte plötzlich "oh mein Gott, du riechst sooo gut, was ist das nur" und kuschelte sich so eng an mich, dass ich dachte unser Bett wäre geschrumpft. Da hatte der Duft bereits seine sechs, sieben Stunden auf meiner Haut verweilt.

Und jetzt die Enttäuschung für alle Versauten, der Mann hatte folgende Assoziation: frisch gebadet und mit was Tollem eingecremt, auf das er sich keinen Reim machen konnte.
Unanständig? Hmmm. Also eher unanständig sauber?

Macht auch nichts, ich liebe diese Haut. Dieses salzige Fell. Dieses leise, zarte Schnurren. Winzige Tropfen im Ausschnitt und Nacken, die sich so herrlich in meine Nase kräuseln.

Ob es jetzt Zufall war, dass mir am Freitag der Kollege permanent auf den Pelz kroch, obschon er dies sonst nicht tut? Oder ob dieses sauber unanständige Dingen dafür sorgt, dass andere Menschen förmlich in einen hinein kriechen wollen? Das bleibt zu beobachten.
15 Antworten
FrauLohse vor 2 Jahren 21 8
6
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Die blaue Lagune
~*~ Milchgrün. Grünmilchig.
Zartes Hautgefühl.
Süsse Blumenstengel.
Buttermilchlilie ~*~

Wie denn blau, der Duft doch grün? Blau ist das neue Grün. Ist er Grün oder doch Türkis? Wir werden sehen.

4ajbukoshka schrub: Grünstengelgemetzel. Und ja, so eröffnet der Duft wirklich. Er bewirft dich mit einer Ladung Grünstengel, aus denen durch den Aufprall sowas von direkt die Milch nur so fließt. Das Grünstengelgemetzel hält sich am Stoff deutlich länger fest, als auf der Haut.

Danach wirft mir jemand Lilienblüten an die Nase und Lilie, so hübsch sie auch ist, ist immer etwas dampfig, stickig, schwül für mich. Guerlain zaubert jedoch so eine pastellige, fast nur schleierhafte Sillage, dass die Lilie in der Duftaura weich gezeichnet erscheint und der Gewächshauseindruck bei mir nur aufkommt, wenn ich die Nase direkt an den Duft halte.

Tuberose und Jasmin und Grün und Milch und milchgrün, und Aloe Vera Gepflegtheit und Cremigkeit und Weißblüher und Cremigkeit und das alles in so zarten Farben, in einem Lindgrün. In einem Milchgrün mit ganz zarter Süße. Ich bilde mir direkt ein gepflegtes Hautbild ein und fühle mich ganz streichelzart.

Das ist schon enorm, so etwas mit einem grünen Duft zu schaffen. Nun beklagen die Gemüter eine zu leise Sillage. Das möchte ich nicht unterstreichen. Die Sillage ist gut so, wie sie ist.
Der Duft würde euch in voller Lautstärke nämlich sowas von aus dem Sessel und der Komfortzone blasen, das möchte man doch nicht. Die Haltbarkeit des Duftes gleicht das wieder aus. Und außerdem liest man doch, dass ein Duft, der nur beim Näherkommen errochen werden kann, genau das ist, was das gemeine Fußvolk sich so wünscht: Et voila, das ist so einer.

Aber warum nur, ist der grüne Duft nun blau für mich?
Weil die Duftaura mir Bilder der blauen Lagune zaubert. Der Duft ist Sommer.
In der Sillage erscheint mir eine leichte Sonnencreme Note (keine klassische Sonnenmilch, er so Vicolo Fiore ähnlich). Vor meinem inneren Auge erscheint eine weiße Bucht , um mich herum unglaublich viel Grün, Blüten und das Meer glitzert türkis. Und ich sitze im Sand und genieße die Pracht. Es ist ein Stillleben. Ein perfektes.

Ist es nicht grandios, dass ein grüner Duft in solchen Farben malen kann? Ohne Meer, Sonnencreme, Sand oder Salz hinzuzugeben? Grün ist das neue Türkis.

8 Antworten
FrauLohse vor 2 Jahren 31 17
6
Flakon
6
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Unterschätzte Schätzchen
Es gibt so Düfte, die sind so wenig auffällig, dass sie tatsächlich eher untergehen, was ziemlich schade ist. Trussardi gehört für mich dazu. Weder habe ich eine große Affinität zu dem Dufthaus, noch spricht mich das Flakondesign besonders an.

Dennoch hatte ich mir den Pure Jasmine auf die Merkliste geschrieben und im Sommer getestet. Gleichwohl mir gefiel, was ich roch, hatte ich allerdings auch den Olympea Solar auf der Haut, der damals mehr in meinen Fokus geriet und das Jasminlein war einfach zu leise an dem Tag.

Passenderweise erhielt ich mit einem Duftpaket eine Abfüllung des Duftes und wollte sie schon unbedacht weiter geben, bis mir auffiel, dass es sich dabei um den Jasminduft handelte, den ich doch eigentlich sehr gut fand, dennoch aus Gründen, die mir nicht mehr einfallen wollten, verworfen hatte.

Der Duft eröffnet frisch und süß gleichzeitig. Irgendwie aquatisch, zitrisch, meerisch und ja die Pistatzie riecht man auch, wenngleich ich es hätte nicht sagen können, dass es sich um Pistatzie handelt, wenn es hier nicht stünde, ich Banause. Dies alles in Monetfarben gemalt, verwischend, nicht plakativ.
Mir gefällt dieser Start sehr gut, der sich in einem helllen, klaren Blumenbild ergißt. Der Jasmin ist hier ordentlich runtergedimmt auf seine hellen Nuancen und seine Lieblichkeit, nur ab und an blitzt mal die indolische Note auf, jedoch nur für einen Moment. Dies könnte bei sehr hohen Temperaturen anders aussehen, Jasmin haut gerade im Sommer immer ordentlich auf den Putz, wie man weiß.

Besonders hervorzuheben ist diese wunderbare Cremigkeit, obgleich der Duft eher eine saubere Linie verfolgt, eine klare Duftsillage (ihr ordnet Sillagen doch auch Farben zu, oder? Der Pure Jasmine ist für mich eindeutig transparent in der Sillage mit milchigen Schleiern). Es ist jedoch keine Pudercremigkeit, keine Cremecremigkeit, es ist diese Art von gepflegter Cremigkeit, die eher in Richtung Understatement geht. Nichts verklebt einem hier die Nase, man ist nicht fettig eingesalbt.

Zum Ende hin übergibt Jasmin seine Lieblichkeit an die Vanille. Eine ganz bezaubernde Vanille ist das, keine Backvanille. Überhaupt ist der Duft süß, aber nicht gezuckert. Ich kann hier keine Parallele zum Girl of Now ziehen, wie angegeben.

Und da schließt sich der Kreis, der Duft ist wunderschön. Er hat keinen Wiedererkennungswert, er ist kein Headturner und dennoch ist er in der zurückhaltenden Sillage, in seiner Gepflegtheit, in seiner Nichtzuckrigkeit ein perfekter Duft für so viele Gelegenheiten. Vielleicht sogar ein perfekter Brautduft.

17 Antworten
FrauLohse vor 3 Jahren 13 8
2
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
Eine Rose ist eine Rose oder ein Dupe ist ein Dupe?
Mitnichten.
Auch wenn Bella Senza eher als Dupe Hersteller bekannt ist, da die Düfte anlehnen an bekanntere Odeure, scheint es mir vielmehr, als wären die Bekannten doch nur Grundlage für eine eigene Interpretation und manchmal ergibt das in der Summe einen schöneren Duft.

Nun haben wir hier also einen Skandal.

Den Flakon hatte ich - so mein Glaube, vielleicht ist es auch länger her - vor einem Jahr erworben, mir nett was abgefüllt und weiter verkauft. Mittlerweile ist meine dunkelorangene Abfüllung leer und ich habe sie sehr genossen. Gut, ich mag das Original, empfinde die Kopie dennoch besser.
Wieso ist das so?

Der Honig startet richtig mit Krawall. Das ist aber keine Honignote, wie bei diesen Honig Shampoos oder bei den Honigdrücktuben, das ist hier astreiner Waldhonig, tief dunkel würzig. Mag sein, dass die Orange den Eindruck verstärkt, ich könnte aber nicht von Orangenhonig sprechen. Vielmehr ist es so, als gäbe die Orange die Farbe, die Jahreszeit hinzu.

Irgendwann wechseln die Duftnoten, der Honig zieht sich zurück, bleibt aber dem gesamten Duftverlauf erhalten. Wir haben nun einen sehr tiefen, recht dunklen, süßwürzigen Duft, wie Baumharz an der Rinde. Eine nicht übergeordnete Vanille, kein Vanillin, rundet das Duftvergnügen ab, Ambra ist für mich sehr deutlich zu vernehmen. Obwohl Puder da oben steht, ist es mir nicht pudrig hier im Duft, da gibt es ganz andere Puderquasten, da steht es nicht mal bei.

Der Duft ist Spätsommer und Frühherbst. Die Sonne steht tief, die Erde ist warm. Das Feld duftet und die Bienen summen. Mal ehrlich, das könnte hier auch ein Lehmann sein, so ganz ohne Vintage Charakter. Hier fehlt es an jeglicher Plastiknote, die den modernen Süßen neuerdings so eigen ist.

Der Duft hat eine sehr lange Haltbarkeit bis in den nächsten Tag hinein, strahlt aber nicht extrem ab. Jedenfalls nicht über die Tragedauer, das ist einer, der sich schnell aufs Wesentliche besinnt und einen Yogakurs zur Entspannung macht. Chillig.

Freunde von süßharzigwürzigen Düften, bei denen alles so eine Melange ergibt, die man sich auch gut aufs Brot schmieren könnte, die dürften sich an dem Duft für den schmalen Taler erfreuen und obschon ich Honig nicht essen mag, mag ich manchmal danach riechen. Es riecht - nebenbei bemerkt - für die Außenwelt angenehm warm und sympathisch und keinesfalls nach einem Skandal. ;-)
Btw Unisex, wenn ER es süß mag.

Ich hab mir jetzt wieder einen neuen Flakon bestellt. Und auch vom Scandal. Vielleicht ergänze ich den Kommentar noch mit einer konreten Gegenüberstellung. Wir werden sehen.

Kurze Erweiterung im direkten Original Gegentest:
- kein Wald Honig
- keine Würze
- parfümiger
- kein Ambra
- keine Vanille
- weniger Tiefe
- kaum Duftverlauf
Das Original ist quasi ein L'Eau und den sehe ich auch nicht Unisex.

8 Antworten
FrauLohse vor 3 Jahren 35 10
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Wolkenbettduft
Ich muss zugeben, anfangs haben mich die Kayalis gar nicht gezogen, nach kurzem Test habe ich sie schnell verworfen und konnte den Hype nicht wirklich verstehen.

Musk kam mir erst vor, wie so eine typische orientalische Moschusbasis, aber eben nur die Basis, dennoch sprühte ich die Abfüllung immer wieder und ein Flakon musste her. Mittlerweile steht er meinem Signaturduft sehr nah, da ich ihn unfassbar gerne benutze und mich in mehreren Wetterzonen damit wohlfühle.

Musk besitzt eine wunderschöne Sandelholznote, die den Duft für mich bestimmt, ich würde nicht mal behaupten, dass er cremig wird. Er hat einen Schmelz. Sandel, Moschus und helle Blüten, zart abgepudert, etwas Frische liegt auch im Duft, aber nicht besonders klar definierbar. Der Duft ist warm und weich, er stellt Nähe her, er ist nicht abweisend, sondern einladend.

Gemeinsam haben alle Kayalis, dass sie einem Grundthema unterworfen sind und sehr gut verblendet. Der Fokus liegt hier nicht auf den einzelnen Duftnoten, die sich erkennbar abwechseln, sondern um eine Stimmung, ein Bild, das der Duft transportieren soll.

Musk hüllt ein, ist zart und doch sehr gut wahrnehmbar. Er umschmeichelt und trägt dich wie ein Wolkenbett. Er ist süßlich, dennoch nicht gesüsst. Er ist blumig, aber nicht gewollt, er ist vanillig, aber keine Puderzuckervanille. Man kann alle Duftnoten suchen, das liegt mir aber nicht. Ich lasse mich lieber von der weichen Decke umarmen.

Der Duft ist nicht aufdringlich, dennoch für mein Umfeld wahrnehmbar und das auch ganztätig. Ich weiß nicht genau, woher der Tenor kommt, der Duft wäre ein Skinscent. Vielleicht, weil er sich so anfühlt, aber er ist es nicht.

Musk eignet sich für alle, die eine zarten Duft mit Wiedererkennung suchen, der sich nicht an fremde Leute ranschmeisst, aber gut wahrnehmbar ist, die einen ganztägigen Begleiter wollen, der einfach sehr symphatisch wirkt, dabei aber mehr aus dem Hintergrund agiert.

10 Antworten
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