Moment. Goldener Schatten.
Alle Versuche Van Cleef & Arpels Ambre Impérial, Collection Extraordinaire Eau zu beschreiben, zu benennen, mit Worten erfassen zu wollen, werden wohl auch dieses mal lediglich ein Versuch bleiben.
Dieser Duft, der mich bereits seit einiger Zeit fasziniert und mich immer wieder - tatsächlich oder gedanklich - umschwirrt, um im gleichen Augenblick im Himmelblau oder Nachtblau des ach so Nebensächlichen zu entschwinden. ...
Es gibt sie wohl diese duftenden, wohlriechenden Ahnungen die Dich umschwirren, umgarnen und Dich sofort und im Augenblick verlassen. Eine besondere Erfahrung. Du erahnst wohl schon, noch sehnsuchtsvoll, das Entschwinden im Moment der Begegnung ... aber jedes Nachfassen erscheint sinnlos, ungelenk und hilflos.
Warum nicht ein Plädoyer für den Zauber des Entfliehens, des Verschwindens ?
Göttlich ... nicht alles zu besitzen zu müssen.
Umso größer der Moment des Genusses.
Das Parfum.
Alle Zeit verlangsamt sich und bleibt schließlich für Dich stehen, um nur diesen einen Moment sehnsuchtsvoll und mit angehalten Atem nachzuspüren ... wohlwissend; die hellen Schatten werden fliehen.
Givenchys Gentleman Cologne, das Muschio Bianco * Eau de Cologne von Acca Kappa oder auch die Düfte der Atelier des Fleurs - Reihe von Chloé gehören zu diesen schillernden Zauberern.
Ambre Impérial startet überraschend mit einer schönen Bergamotte und sonniger Fülle. Und schon ergießt sich ein duftiger, golden anmutender Strom von Harzen und Amber, zart und artig mit etwas Zimtstaub überpudert. Und ja - natürlich wird das eine feine, cremige Spielerei, gekrönt mit den blinzelnden, süßen Spitzen der Tonkabohne. Sagenhaft ... leicht und schwebend, alles bleibt sanfteste Berührung ... und entschwindet nach drei leisen Atemzügen. Auf der Haut bleibt noch ein pulsierender Hauch ... und etwas Engelshaar.
Und das war es dann schon.
Entschwunden.
Traum.
Besänftigt.
Like an angel passing trough my room
In this peaceful solitude
All the outside world subdued
Everything comes back to me again
In the gloom
Like an angel passing through my room
Half awake and half in dreams
Seeing long forgotten scenes
So the present runs into the past
*
Etwas zaghaft, fast unmerklich beginnt der Herbst. Das noch wärmende Licht des Tages zieht sich behutsam und fast unmerklich am frühen Abend zurück, in den Baumkronen raschelt es schon dunkel.
Am Abend sitzt man gern mit Freunden oder allein bei einem Glas schwerem rotem Wein oder würzig duftendem Wermut.
Vielleicht war es ein solcher Abend, der den Meister Christian Provenano zu dem wunderschönen, melancholischen Parfum Levantium inspirierte. Für das Haus Penhaligon kreierte er einige einprägsame Düfte der Trade Routes Collection.
Schon zu Beginn verbinden sich kraftvoll - würzige Hölzer, mit weichen smarten Blüten und vor allem mit einer bezaubernden melancholischen Rose. Safran und Oud bilden hier die Verbindung zu modernen Kompositionen. Absinth Noten und eventuell Lorbeer schweben unverkennbar und tragen eine bittere, gedankenverhangene Sehnsucht vergangener Tage und heben Levantium aus der schieren Beliebigkeit der heutigen Rose - Oud Düfte heraus und verleihen diesem (leider) etwas modisch überzeichnetem Klang hier wieder ein schaurig schönes Geheimnis und viel betörende Sinnlichkeit. Abgerundet wird die bezaubernde Komposition mit weichem Sandelholz, Amber und Vanille.
Haltbarkeit und Duftradius sind moderat.
Penhaligons Flakon sind bekannt (und sehr schön).
*
Levantium ist ein Duft für Herbst- und Winterabende, die in dunkelroten Samt gehüllt sind, für phantasietrunkene Märchenstunden, rauschende Engelsflügel und leise Melancholien.
*
Eine feine musikalische Untermalung gibt es natürlich auch ... Like an Angel passing trough my room ... Als hätten es Frida, Björn, Agnetha und Benny längst erahnt.
Nobel ... nobel
Seit einigen Wochen bin ich von Pomegranate Noir tatsächlich begeistert, mich überzeugt die sachliche, gut strukturierte Komposition des Duftes. Mit Bedacht ausgewählte Komponenten vereinen sich hier zu einem dunkel fruchtigen, fein bitteren, olfaktorischen Erlebnis. Die "Eckdaten" sind schnell erfasst und verwirren den Träger des Parfums und sein Gegenüber nicht mit waghalsigen Überraschungen.
Das ist das erste Mal, daß mich ein Parfum aus dem Haus Jo Malone so nachhaltig begeistern kann.
Hier überzeugt die gelungene Verbindung dunkler roter und/ oder blauer Beeren und einer bezaubernd hellen Pfeffernote mit einer feinen Schärfe. Begleitet wird diese schöne Melange von duftenden alkoholischen Akkorden, die mich sehr deutlich an Gin erinnern.
Die Basis dieses schönen Spiels bildet ein zarter Duftteppich aus den hellen Blüten der Casablanca Lilie und des Guajakholzes. Den dunklen Background soll hier Patchouli bilden.
Zusätzlich oder etwas deutlicher glaube ich eine grün - bittere Vetiver Note wahrzunehmen, die sich angenehm als Gegenüber zu Blüte und verhaltener Fruchtsüße darstellt.
Die Duftintensität ist deutlich und die Haltbarkeit moderat. Als Cologne deklariert, vermisst man keineswegs Bergamotte oder Zitrik in der Kopfnote. Der Gesamtcharakter des Duftes entspricht durchaus einem dunklen Cologne.
Man kann und sollte gern nachsprühen.
Es erscheint tatsächlich ab und an eine gewisse Nähe zu Terre d'Hermès; je nach Tagesform überraschender Weise auch zu Cuir von Le Galion.
Das Cologne paßt gut in den späten Sommer und die ersten kühleren Herbsttage. Aber auch für den scheidenden Winter, also im Februar oder März ist seine würzige Klarheit sehr gut vorstellbar.
Das Parfüm paßt ausgezeichnet zu weißer und heller kühler Baumwolle und eher leichten, aber festen Stoffen. Auch gut vorstellbar für Kombinationen in grüner, dunkelroter und/oder schwarzbraunen Farboptik.
Sollte ich Musik dazu auswählen, würde ich wohl im Jazz - Archiv blättern ...
Dieser herb- würzige Duft mit fruchtigen und blütigen Anleihen überzeugt immer mehr, auch nachdem meine erste Euphorie verflogen ist.
Jetzt fester Bestand in meiner Sammlung ...
Späte Liebe
Es benötigte eine gewisse Zeit, bis ich den besonderen Charakter von Cuoio Nobile erkannt habe. Die leise Herbheit und Eleganz des Dufts erahnte ich zwar, nahm mir aber nicht die nötige Zeit und Ruhe um ihn zu genießen und zu entdecken.
Erworben habe ich ihn vor einem Jahr. Die vermeintlich fehlende Projektion war der Grund ihn in die Ecke zu stellen, wieder zum Verkauf anzubieten und schließlich zu vergessen. Ein gewaltiger Irrtum ...
Vor einigen Tagen kramte ich in ruhiger Stunde in unsortierten Proben, vergessenen Abfüllungen, abgelegten Flakons, Notizen und flüchtigen Kritzeleien.
Ich holte den unspektakulären Pineider Flakon mit der noblen Lederkappe wieder aus den hinteren Reihen meiner Sammlung hervor.
Herb und frisch die Kopfnote - dominant die bitter würzige Lavendelnote. Das Zusammenspiel von Harzen, Zypresse und Lavendel erzeugt mit Nachdruck ölige, metallische Anklänge, die das Entré lange dominieren. Zügig gesellen sich eine präsente, aber unaufgeregte Tabakwürze und helle Ledertöne dazu. Das leichte Leder und behutsam dosierte Noten von Tonka und Patchouli lassen den Duft im weiteren Verlauf trotz aller ernst anmutenden Tiefe smart und
charmant duftig erscheinen. Alle Komponenten verdichten sich wunderbar zu einem lässig eleganten Lederduft, der fein den Träger umspielt, charmant begleitet und niemanden überfordert.
Der meisterhafte Luca Maffei zeigte bereits mit einigen Kreationen für Acca Kappa und Carthusia, daß er die Kunst der "schwebenden Balance" hervorragend beherrscht.
Cuoio Nobile assoziiert hellen und dunkle Ledertöne, herben Tabak, manchmal den Geschmack eines guten Cognacs.
Für die "Garderobe zum Duft" sind lässige Klassiker zu empfehlen, die späte Abendstunde, sowie eine jazzigen Ballade von Sade.
Ich habe - Gott sei Dank - noch rechtzeitig die besondere Qualität dieses schönen Duftes schätzen gelernt.
Er hat jetzt einen schönen Platz in den vorderen Reihen meiner Sammlung.
Meditative Blütenpracht
Eine besondere Neigung zu blumigen Düften habe ich nicht ... so dachte ich. Seit der intensiven Beschäftigung mit Duftkreationen lernte ich auf wunderbare Art und Weise mit meinen eilig gefassten duftigen Vorurteilen und hartnäckigem Schubladen- Denken gründlich aufzuräumen. Zuerst begeisterten mich einige schöne Kompositionen mit Veilchen. Vorsichtig näherte ich mich duftender Rosenpracht. Überwältigend die Intensität des Öls der Ylang Ylang Blüte. Viele oberflächliche Klischees lösten sich rasch auf und mir war sehr schnell bewußt, daß jede Form der Begrenzung der (Duft) Erfahrung auch für spannende und genußvolle Duftreisen ein baldiges Ende und Langeweile bedeuten kann.
Sutra Ylang war ein Blindkauf. Da ich ein großer Freund von Lorbeer - auch in Düften - bin, war meine Aufmerksamkeit
geweckt. Hier also in der Kopfnote ...
Auch Nelke und Kardamom in der üppig - blütigen Komposition erschienen mir interessant. Auch mit der Marke Bois 1920 verband ich sehr schöne und interessante Dufterlebnisse.
Einige Tage später hielt ich dann den typischen, schlichten und urbanen Bois Flakon in der Hand.
Ein sagenhafter Duft entwickelte sich auf meiner Haut. Von Beginn an war ich überwältigt von der Fülle, Vielschichtigkeit und Intensität der Komposition. Eine dunkle blumige Würzigkeit, schön gefaßt mit leichtem Sandelholz und schimmernden Harzen.
Was für eine Pracht und welche enorme, unendliche Tiefe. Alle Duftelemente fügen sich zu einem üppigen, wohlwollenden meditativen Klang....
Wilde Gärten, Sommerabende im August, duftende Hölzer und Blütenmeere in fernöstlichen Tempeln.... Bei aller schwerer Opulenz bleibt ein Eindruck wunderbarer blumiger Leichtigkeit.
Diese schöne Dualität prägt Sutra Ylang.
Ich kann Sutra Ylang sehr genießen, möchte ihn aber nicht tragen, da mir sein Duftcharakter für mich zu opulent erscheint. Vermutlich würde er meine Befindlichkeiten mit seiner enormen Vielstimmigkeit permanent "überfordern".
Ich werde Sutra Ylang weiterreichen und ihn in bester Erinnerung behalten.
Vielleicht findet er in Mörderbienes Sammlung einen guten Platz.