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Leons

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Rezensionen
11 - 15 von 17
Kühle Schönheit
Einer solchen besonderen und geradlinigen Klarheit im Ausdruck bin ich bisher selten auf meinen Duftreisen begegnet.
Schnörkellos präsentiert Acca Kappa das Thema Lavendel. Behutsam umrahmt vom freundlichen, dunkelblütig - pudrigem Veilchen, atmosphärischem Weihrauch und zartem Moschus. Trotz dieser schönen Untermalungen, die im weiteren Duftverlauf eine eher unscheinbare Nebenrolle spielen, erscheint der Lavendel pur, intensiv und streng. Auch eine fast nüchterne metallische Note drängt einige Male nach vorn und simuliert Kühle. Ein angenehmes Erlebnis, da es vollkommen unspektakulär bleibt und ganz und gar konzentriert ist auf den Duftverlauf des Lavendels. Keine abenteurlichen Duft - Labyrinthe, keine Opulenzen ... dafür überzeugend klar und nachvollziehbar.
Mir gefällt Blue Lavender außerordentlich. Der strenge Habitus erinnert mich an den sachlichen Ausdruck und Aufbau des L'orpheline.
Blue Lavender entfaltet sich wunderbar an frischen Frühlingstagen, auch an Sommer- und Herbstabenden. Weiße Leinen, fließende kalte und warme Grauabstufungen oder tiefblaue, kalte Farben passen gut zu diesem Eau de Cologne.
Blue Lavender überzeugt durch seine durchdringende Kühle und monothematische Präsenz, die nie langweilt.
6 Antworten
Friedensstifter
Es ist nicht der große Auftritt im eleganten Abendgewand, kein duftiger Blütenregen, kein stürmisches und perlendes Wasser, kein englisch distinguiertes Teetassengeklapper. Auch kein dunkler Hexenwald oder etwas übergriffig Animalisches in kerliger Lederjacke.

Nein.

Es ist einfach köstlich und ausgesprochen gourmandig.
Sonntagnachmittag. Die aufgeräumte Küche. Auf dem großen hölzernen Tisch steht Mutters bunt bemalte Keksdose, die ist randvoll gefüllt ist mit herrlichem Gebäck. Ganz frisch.
Hebt man den Deckel, entströmt ein so wunderbarer, so vertrauter Duft zarter Butterkekse mit Vanille - überpudert mit einem leichtem Hauch von Mandeln und Toffee und gefühlt von transparenten Bernsteinen. Zum heißen Kaffee gibt es etwas braunen Zucker und cremige Sahne. Der Veilchenstrauß auf dem Tisch duftet ganz wunderbar dunkelblütig und bittergrün.
Alles ist vertraut, alles ist wohl und samtig. ... Möchte mich und die Welt umarmen.

Aus dem Radio krümmelt ein hübsche Carpenters - Ballade auf das weiße Tischtuch.

Kleine Welt.
Meine kleine Welt.
Mit Keksen.

Friedensstifter.




9 Antworten
Abend im September
Goldener Herbst. Ein Nachmittag an einem der letzten Tage im September. Das noch wärmende Licht des Tages fällt durch die raschelnden Kronen der Apfelbäume und sonnige Lichtflecken huschen auf der Obstwiese zwischen orange und braun getupftem Laub und überreifen Äpfeln hin und her. Der schwere süße Duft der rotwangigen Früchte schwebt in der abendlichen Luft.
Bronze. Fülle. Süßes Wehen.
Leichter Wind weht Blüten auf den schweren hölzernen Gartentisch. Der bitter erdige und trockene Geruch des von Sonne, Regen, Wind und Zeit gegerbten Holzes ist wunderbar verwoben mit der duftenden Atmosphäre des golden schimmernden Nachmittags und der von den Bäumen gefallenen, überreifen Früchte.
Die Abend senkt sich und gießt ein letztes rasch verglühendes Licht sanft über den Garten, die Bäume, über die Felder.

Viele Körbe mit Äpfeln stehen in der Veranda und in der Küche. Ein prächtiger Duft von Vanille und sanfter süßer Schwermut zieht durch das Haus.
Kleines Glück.


Die Fenster werden verschlossen. Es wird jetzt draußen rasch kühler. Der Ofen summt leise sein Abendlied.
Das erste Mal in diesem Jahr.



13 Antworten
Herbst Zeit
Gesucht habe ich ihn nicht. Eine eher zufällige Begegnung war es wohl mit diesem schönen Duft in den letzten Wochen des vergangenen Jahres. Eine mehr als gelungene Überraschung. Der elegant klingende Name und die puristische stylische Erscheinung des Flakons zogen meinen Blick an und weckten meine Neugierde.
Und tatsächlich ... weit über die Erwartungen die auch etwas klischeehaft in meinem Kopf hin und her wandelten, entfaltete sich eine sagenhaft beherzte Ouvertüre.
Salbei - warm und streng, auch bittere Anklänge von Wermut und Kamille charakterisieren den Beginn und bleiben bis zum Ausklang des Duftes dominant.
Pigment steigert die kraftvolle, aber sanfte Schärfe. Deutlich unterstützt von Kaskarilla. Sehr gelassen gleitet der etwas herrische, intensive Auftakt nun in frisch harzig duftende Kiefernwälder. Welch ein geschmeidiger Wechsel.
Alle Komponenten sind geschickt und ausgesprochen harmonisch miteinander verwoben. Trotz der intensiven Präsenz der verschiedenen Würzen fügen sich alle
Charaktere zu einem harmonischen Bild. Erdiges Patchouli beruhigt sanft im Hintergrund. Tonkabohne, wohl auch Amber zeichnet alles weich. Der namensgebenden Tabak bleibt überraschender Weise wohltuend leise und spielt eher eine schöne, aber wichtige Nebenrolle. Also ... so charmant kann man Tabaknoten "demokratisieren".
Trotz der intensiven Dichte bleiben alle angedeuteten atmosphärische Momente erhalten. Das zeichnet Feuilles de Tabac aus. Eine eleganter, herber Duft mit Klasse. Sehr gelungen. Angenehm in seiner zurückgenommenen Ausstrahlung.
Dazu viel Naturweiß, changierende Grautöne, warmes und kaltes Rot, schwarzes Holz. Wärmende Wolle, Tweed und Leinen. Weite Schnitte. Wenig Schmuck. Auf jeden Fall derbes, festes Schuhwerk zum ausgiebigen Wandern in herbstlichen Wäldern.

7 Antworten
Flüsternde Stille
Heute vor einem Jahr habe ich mich hier in diesem schönen Forum angemeldet und bin darüber sehr froh. Die wunderbare, geheimnisvolle, überraschende Welt der Düfte... Traumhaft.
Ein bis dahin eher als vorhandener und notwendig hingenommener Sinn entfaltet sich zu einem mittlerweile lebensnotwendigem Sensor, um Raum, Welt und Zeit noch intensiver zu bestaunen - Ich bin ! .... Was für ein Glück.

Also !!! Danke !!! Euch allen, für Eure Worte, Eure Bilder und Eure Inspirationen.

Die Düfte von Acca Kappa faszinieren und begleiten mich von Beginn an und bald hielt ich wieder einen der typischen schweren schlichten Flakons in meinen Händen.
Und wieder war und ist es die unbeschreiblich schöne Leichtigkeit sowie die Suggestion einer weiten, schwebenden Atmosphäre, die mich immer noch und immer wieder fasziniert.
Mit "1868" Eau de Parfum ist Acca Kappa ein Meisterstück gelungen. Das Zusammenspiel der bitteren Würze des Lorbeers mit dem feinen, beherzten, ja unschuldig anmutenden Duft des Veilchens ist überwältigend. Amber und Vanille, sowie rauchige Noten begleiten den melancholischen Akkord und untermalen ihn sehr vornehm. Dunkles Grün und ein violetter Schatten; ab und an leuchtet ein glühendes dunkles Orange auf.
Ein Duft für jetzt beginnenden September bis hin zu den letzten kühlen
Novembertagen.
"1869" wärmt und umarmt. Er motiviert und schützt. Und er kann auch ernst, beruhigend und entschleunigend sein.
Er ist mein Trost und meine Ruhe.
Wenn ich still bin, erzählt er leise etwas über mich.






9 Antworten
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