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Marcel901

Marcel901

Rezensionen
1 - 5 von 34
90er treffen Heu-Sauna
Heu. Hitze. Holz. Sauna ?

Der Duft startet trocken und krautig, mit einem intensiven Heu-Akkord. Das kommt wahrscheinlich von Wermut und den grünen Kräutern: sie wirken strohig und aromatisch – genau die Noten, die unser Gehirn mit getrocknetem Heu verbindet.

Darunter liegt warme Holzigkeit – Hölzer wie Guajak, Zeder und Vetiver bringen, Trockenheit und subtile Wärme, die bei mir das Gefühl einer Sauna hervorrufen: trockene Hitze, aromatische Kräuter, holzige Tiefe.

Im Herzen entfalten sich würzige Kräuter und leichte florale Nuancen, die Tiefe und Charakter geben. Die Kombination aus Kräutern, Blüten und warmen Hölzern stabilisiert den Duft und macht ihn vielschichtig.

Was ihn für mich besonders macht: Er trägt die Stimmung der 90er-Jahre in sich. Ich sehe sofort Homepartys vor mir, Erwachsene reden, Musik spielt, Gläser klirren – und irgendwo inmitten all dem riecht ein Herrenduft genau so, wie er damals populär war. Mein Onkel trug so einen Duft, und als Kind habe ich ihn dazwischen wahrgenommen. Diese nostalgische Note, gepaart mit Heu, Kräutern und warmem Holz, macht den Duft zu einer emotionalen Reise.

Auf der Haut zeigt sich die volle Präsenz: trockenes Kraut, warme Hölzer, würzige Akzente – komplex, lebendig, facettenreich. Heu und Sauna sind also keine zufälligen Assoziationen: die Kräuter geben die trockene, strohige Textur, die Hölzer die warme Erdigkeit, und die Gewürze sowie leichten floralen Noten runden alles harmonisch ab.

Ein Duft, der nicht nur riecht, sondern Erinnerungen weckt – eine 90er-Jahre-Erfahrung in einem Flakon.
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Marcel901 vor 17 Tagen
Pfui… Hui! Und alles dazwischen
Ich weiß, das klingt verrückt – aber für mich startet dieser Duft ziemlich sauer. Und zwar nicht spritzig-zitronig, sondern eher wie zu viel Essig im Essen. Wirklich ernst gemeint: In den ersten Minuten bekomme ich Pombär-Chips-Vibes. Ketchup-Geschmack.

Und wenn man sich die Noten anschaut, ist das gar nicht so abwegig. Die Grapefruit bringt eine herbe, bittere Säure mit. Der Champagner-Akkord kann – je nach Wahrnehmung – leicht gärig, prickelnd und fast hefig wirken. Kombiniert mit der fruchtigen Süße der Birne entsteht dieses süß-säuerliche Spannungsfeld, das bei mir eher in Richtung Essig/Ketchup geht als in Richtung elegante Frische. Genau dieser Mix löst bei mir dieses „Was ist das denn?“ aus.

Dann kommt der Umschwung.

Die Damaszener-Rose tritt hervor, wird floral, weich, leicht süßlich. Dazu kommen Weihrauch und ein Hauch Gewürznelke, was dem Duft Tiefe und eine gewisse Würze gibt. Hier beginnt er, Charakter zu zeigen – eleganter, erwachsener, spannender.

Und plötzlich bekommt er etwas Transparentes, fast Kühl-Frisches. In diesem Moment erinnert er mich stark an einen Duft von Louis Vuitton – ich denke an Météore. Diese klare, leicht würzig-holzige Frische blitzt kurz auf und verändert die Stimmung komplett.

In der Basis erdet sich alles: Guajakholz, Vetiver und Zeder bringen Struktur, Trockenheit und eine angenehme, saubere Holzsignatur. Spätestens hier wird er auf meiner Haut richtig schön. Rund. Harmonisch. Fast edel.

Und genau da liegt mein innerer Konflikt:
Von „Pfui“ zu „Hui“ in relativ kurzer Zeit – emotional ist das eine Achterbahnfahrt. Auf dem Tester wirkt er kantiger, säuerlicher. Auf meiner Haut entwickelt er sich deutlich weicher und stimmiger.

Mein Fazit?
Ein wirklich toller, besonderer Duft mit Charakter und Entwicklung. Aber dieses Opening ist für mich schwer. Und ich frage mich ehrlich: Wie oft greife ich zu einem Duft, dessen erste Minuten mich abschrecken – selbst wenn der Drydown wunderschön ist?

Man man man …
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Marcel901 vor 19 Tagen
Viel Glanz, wenig Gefühl
Am Anfang riecht man direkt Safran und diese Solar-Note, bei der ich beim ersten Tragen ehrlich gesagt gar nicht wusste, was genau damit gemeint ist. Es wirkt hell, strahlend, schon speziell.

Dann geht er aber ziemlich schnell in eine synthetische, plastikartige Richtung und wird immer holziger. Dieses Helle bleibt die ganze Zeit da. Für mich wirkt er dadurch zu glatt, zu künstlich, zu „clean“. Aber kein cleaner Freshi - sondern so kantenlos clean. Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll – aber er fühlt sich einfach zu hell und plastisch an.

Von der Wirkung erinnert er mich etwas an Ganymede von Marc-Antoine Barrois – was wahrscheinlich auch die überdurchschnittlich gute Bewertung auf Parfumo erklärt. Den Hype um Ganymede verstehe ich nämlich genauso wenig. Er ist besonders, ja. Aber emotional gibt er mir nichts.

Wenn wir schon bei der Marke sind: B683 ist für mich deutlich besser. Mehr Tiefe, mehr Charakter, mehr Ausstrahlung. Der hätte den Hype eher verdient.

Ich hatte wirklich gehofft, dass mir Liquides Gold gefällt. Der Name, die Erwartung – alles klang nach Volltreffer. Aber am Ende ist es leider nicht mein Fall.

Bin ehrlich gesagt etwas traurig darüber.
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Luxus um jeden Preis?
Luxus um jeden Preis?

Ganz ehrlich: Der Preis ist in meinen Augen absolut nicht gerechtfertigt – viel zu überteuert. Man kauft hier weniger den Duft selbst als vielmehr das Luxusgefühl, den aufwendig gestalteten Flakon und natürlich den Namen Clive Christian. Nur weil ein süßer Panda darauf prangt, muss man das nicht automatisch haben.

Aber: Wer sich diesen Luxus leisten kann und genau dieses Statement sucht, der bekommt hier definitiv einen guten Duft. Der Duft wirkt sehr hochwertig, fein abgestimmt und absolut sublimiert.

Der Auftakt startet klar wahrnehmbar mit Anis und Kaffee – beides kommt deutlich durch und verleiht dem Opening eine leicht würzige, aromatische Tiefe. Aber keine Angst, es ist kein Lakritz Duft und Anis ist nicht lang wahrnehmbar. Relativ schnell entwickelt sich der Duft in eine süße, gourmandige Richtung.

Und hier wird es spannend: Für mich ist das hauptsächlich ein stärkerer Althaïr von Parfums de Marly – nur intensiver, dichter und noch einen Tick süßer. Ich bin ehrlich überrascht, dass dieser Vergleich bisher so selten gezogen wurde, denn die Parallelen sind deutlich.

Ein klein wenig Blond-Amber-Charakter schwingt ebenfalls mit, was dem Ganzen zusätzliche Wärme und Cremigkeit verleiht. Dennoch bleibt die DNA klar: Wer Althaïr liebt und sich eine kräftigere, luxuriös inszenierte Variante wünscht, wird hier definitiv fündig.

Fazit: Überteuert? Ja.
Guter Duft? Ja.
Ein Must-Have? Nur für diejenigen, die genau dieses Maß an Luxus suchen.
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Marcel901 vor 24 Tagen 1
Geduld ist gefragt
Der Duft startet überraschend frisch, gemischt mit würzigen Noten – fast so, als würde er kurz Leichtigkeit andeuten. Aber das hält nicht lange. Sehr schnell kommt das Oud durch. Und zwar nicht sanft, sondern eher streng, leicht animalisch und ziemlich präsent. Für meinen Geschmack bleibt diese Phase leider auch erst einmal dominant.

Man merkt sofort: Das hier ist kein luftiger Duft. Er ist sehr ölig – meine Haut glänzt nach dem Auftragen richtig. Das wirkt zwar hochwertig und konzentriert, heißt aber auch: Vorsicht bei Kleidung.

Was mich zwiegespalten zurücklässt, ist die Entwicklung. Nach etwa 15–20 Minuten wird er deutlich angenehmer. Das Animalische tritt zurück, die Strenge lässt nach und er bekommt eine schöne, leicht süße, holzige Richtung. Er wird runder, weicher, harmonischer. Den angekündigten Kaffee nehme ich übrigens kaum wahr – was ich bei der Auflistung der Noten eigentlich erwartet hätte.

Im Drydown gefällt er mir wirklich gut. Aber: Ich möchte einen Duft, der mich direkt packt. Einen, bei dem schon die Kopfnote ein „Wow“ auslöst und der mich dann weiter fesselt. Wenn ich erst innerlich Anlauf nehmen muss, um ihn aufzutragen, und dann noch 20 Minuten warten muss, bis er mir gefällt, dann wird es kein Duft, zu dem ich oft greife.

Er catcht mich nicht sofort. Er fordert erst einmal – und wird erst später harmonisch. Für manche vielleicht spannend. Für mich leider nicht ganz das, was ich suche.
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