Die leckere, sanfte Lederjacke am nächsten Morgen einer durchrockten langen Nacht
Der "This is Him" (TiH) ist für mich einer der Düfte aus der Kategorie "weiß man erst zu schätzen wenn man weiß was gut ist".
Denn er stand, nach einigen jugendlichen Jahren voller Bruno Banani, Adidas u.ä. und dem ersten Dior Sauvage und Calvin Klein schon relativ früh am Anfang meiner olfaktorischen Reise. Empfohlen damals von einer Verkäuferin im orangenen M, als Geheimtipp, als "jung und rockig" wie die ganze Marke Zadig&Voltaire, von gerechtfertigten Preisen (knapp 65€/100ml) hatte ich damals noch keine Ahnung und nach einer Weile schnüffeln und überlegen gab ich diesem hier den Vorzug vor seinem Bruder (
Just Rock! pour Lui ). Dabei war ich irgendwie gar nicht so besonderes happy, er roch für mich eigen, so düster, so säuerlich, außerdem kam der Frühling, meine Sammlung wuchs, auch mit anderen dunklen Düften und so ließ ich ihn einfach links liegen. Im Nachhinein zu Unrecht, denn als ich ihn einige Zeit später einmal wieder hervorholte und nun mit vielen Düften ähnlicher Kategorie vergleichen konnte kann ich nur meinen Hut ziehen. Nathalie Lorson hat hier (mal wieder! Ein Blick auf ihre Vita lohnt) eine tolle Kreation erschaffen.
TiH startet ungewohnt, der kräftige, aber auf mich sehr natürlich wirkende Pfeffer zusammen mit der leicht bittersauren Grapefruit geben dem Duft einen besonderen Auftakt. Dieser Auftakt war es, der meine damals noch ungeübte und unerfahrene Nase etwas irritierte. Dieses Opening legt sich aber nach einer halben Stunde immer sanfter und verweilt im restlichen Duft nur noch als leichter Hauch. Der Weihrauch gesellt sich bereits zum Opening hinzu und gibt diesem Duft etwas sehr markantes, leicht verruchtes - rockig eben. Doch auch das lehnt sich nach seiner Dominanz in der Mitte immer weiter zurück. Vor allem wahrnehmbar ist über die längste Zeit die schöne milde Vanille und das Sandelholz. Und meine Nase nimmt da irgendwo noch ein wenig Leder wahr, auf angenehme Art. Dieses leicht süßliche, ledrige Holz verweilt.
Das Parfum ist dabei vor allem anfangs lauter, wird dann nach 60-90 Minuten immer zurückhaltender, hält in seinem sanften Ausklang dann aber erstaunlich lange, gute 7h auf meiner Haut.
Täglich tragen kann man ihn vor allem in Herbst und Winter, von jung bis mittelalt würde ich sagen. Durch die Anfangsnote verleitet er aber auch zum Tragen, wenn es abends mal in eine Bar, auf ein Konzert oder anderweitig um die Häuser geht. Sobald (!) der laute und markante Beginn verflogen ist lädt er dann sogar zum Kuscheln und zu Nähe ein. Er wandelt sich von rockig-frech zu wohlig-umarmend. Der Flakon ist simpel, hat sein eigenes Design mit der "Bruchkante", nur der Deckel hätte etwas wertiger sein dürfen.
Ich kann an dieser Stelle nur Danke an die nette Verkäuferin sagen, die mir diesen kleinen "Geheimtipp" in meine Sammlung gebracht hat - ich brauchte nur einige Zeit Geruchserfahrung, um ihn zu schätzen zu wissen. Seit nunmehr zwei Wintern und immer wieder speziellen Anlässen trage ich ihn trotz immer größeren Sammlung gefühlt immer öfter.