Das Büro für Männer
Über sieben Wochen eingeschränktes Leben. Homeoffice und gleichzeitig Kinderbetreuung inklusive. Spätestens nach zwei Wochen wusste ich nicht mehr, wie ich die Kinder beschäftigen sollte. War ja alles dicht. Die Bastelsachen, die kurz vor der Schließung sämtlicher Geschäfte noch besorgt wurden, wurden bereits dreimal wiederverwendet. Die Motivation eigenständig Hausaufgaben zu machen, schwand bei meiner Großen von Tag zu Tag. Na wenigstens darf Sie ab morgen wieder zeitweise in die Schule. Tja und der kleine Kindergarten-Rocker langweilt sich ohne seine Spielkameraden.
Aber was soll man jammern? Solange man gesund ist, geht es einem doch gut. Und irgendwie gewöhnt man sich auch an die Situation. Halbe Stunden anstehen, um ein Brot zu kaufen. Hey, meine Kollegin, die in der DDR aufgewachsen ist, sagt, es ist wie früher. Kenn ich schon. Und auch sonst muss man die positiven Seiten sehen. Das Haus ist wieder sauber. Bei Mario Kart auf der Wii bin ich auch wieder besser geworden. Mein Sohn und ich haben bei Mario Party 9 alle Charaktere freigeschaltet. Ist doch super, oder? Also eigentlich mehr ich als er. Er guckt lieber zu. Und das Wände-Hochklettern bei Mario Party schaffe ich mittlerweile auch unter 10 Sekunden. Nicht schlecht. Youtube, Netflix und Amazon Prime haben wir auch bereits zweimal durchgeschaut. Und ansonsten mache ich Dinge, die ich vorher nie gemacht habe. Wie z. B. das Status-Checken bei WhatsApp. Dummerweise endet dieses immer in irgendeiner Aufgabe. Schickst du mir ein Herz, dann ich schick ich auch eins. Wusste bis zuletzt gar nicht, wie das geht. Aber meine Tochter (9), die erst seit Weihnachten ein Handy hat, hat es mir dann mal erklärt. Und überhaupt diese Challenges. Mein Favorit ist ja das Saufspiel. Einen Harten zu Beginn, dann ein Bier und zum Schluss einen Schnaps zum Runterspülen. Kennt Ihr das? Natürlich. Dumm nur, dass mein selbstgebrannter Sliwowitz jetzt alle ist und Bier musste ich auch mal nachkaufen. Man weiß nie, wann die nächste Nominierung kommt. Ich habe mir auch angewöhnt, den Namen des Nominierenden nicht mehr zu erwähnen. Dann kannste immer wieder das gleiche Video schicken. Und überhaupt Smartphones. Ich finde das toll. Meine Tochter kann trotz Kontaktverbot stundenlang Ihre Freundinnen sehen und das gleichzeitig. Grandios. Gabs in den 90ern nicht. Tja und sonst? Ich kenne mittlerweile jede Geschmackssorte der ortsansässigen Eisdiele. Mein Favorit? Weiße Schokolade mit Pistazie. Obwohl Cookie, Snickers, Kokosnuss, Melone, Mango, Vanille, Sahnekirsche, Malaga, Pistazie, (dunkle) Schokolade, Erdbeere, Pfirsich, Minze und Banane auch nicht schlecht schmecken.
So, wie komme ich jetzt hierdrauf. Ach ja. Homeoffice. Büro. Ich bin seit dieser Woche das erste Mal seit sieben Wochen wieder im Büro. Und zwar ganz alleine. Eine ganze Etage für mich. Sehr geil. Und der Duft hier soll ja das Büro für Männer sein. Jawoll. Das Büro. Der letzte Zufluchtsort für uns Männer. Die letzte Bastion. Was früher die Kneipe war, ist heute das Büro. Geht ja auch nicht anders. Kneipe zu. Und Fußball läuft ja auch nicht mehr. Was soll ich also in der Kneipe? Mich mit meinen Freunden unterhalten? Bitte! Und wie ich mit 1,5 Metern Abstand an das Bier am Tresen kommen soll, hat mir auch noch keiner erklärt.
Aber ich schweife wieder ab. Das Büro für Männer startet sehr frisch und sehr fruchtig. Und der Beginn kommt mir sehr bekannt vor. Ja, man könnte sagen, es riecht wie die vom Pfeffer entschärfte, fruchtigere Version von Sauvage. Aber eigentlich erinnert mich der Auftakt sehr an den Craftsman von Tabac Original. Und welche Frucht das sein soll, die ich da rieche, kann ich leider aus der Duftpyramide auch nicht entschlüsseln. Nach gut zwei Stunden wandelt sich das Ganze ein bisschen. Es gesellt sich ein wenig dieses Furztrockene hinzu, was man teilweise von Molecule Nr. 1 kennt. Vielmehr tut sich da auch nicht. Der Duft ist für mich eine Mischung aus Craftsman/Sauvage mit einem Schuss Molecule Nr. 1. Da mir diese Düfte insgesamt gefallen, muss ich sagen, gefällt mir auch dieser hier. Er spiegelt den aktuellen Zeitgeist wider. Nichts Neues. Nichts Spektakuläres. Dafür riecht man einfach frisch und sauber.
Und absolut nichts zu meckern, gibt es über die Haltbarkeit und die Sillage. Beide sind wirklich toll. So wünscht man sich das doch eigentlich.
Zum Flakon kann ich nicht viel sagen. Der Alte sah aus wie einer aus der Molecule-Reihe. Naja, vielleicht hat Herr Schön mal angerufen und zum neuen Parfüm gratuliert und dabei mal ganz dezent auf die Ähnlichkeit hingewiesen. Dafür erinnert mich das neue Flakondesign an die Comme des Garcons.
Was bleibt? Ein zeitgemäßer Duft, den jeder für sich mal ganz objektiv, ohne den Background zu beachten, testen sollte.
Ansonsten bleibt mir noch Euch Alltagsheldinnen und –helden zu grüßen. Macht weiter so!
Euer Profumorist
PS: Fast hätte ich es vergessen. In dieser Krise besonders wichtig: #supportyourlocal