Puderperle

Puderperle

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Puderperle vor 4 Monaten 33 30
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Duft
Wer gewinnt den Schönheitswettbewerb?
Die Spannung stieg. Nachdem Miss Bleue die Bezirkswahl gewonnen hatte, erhielt sie damit die Qualifikation zum weltweiten Duftschönheitswettbewerb. Wer würde sich mit dem Titel der „Miss Fragrance of the World“ schmücken dürfen?

Im Vorfeld wurde Miss Instant Magic disqualifiziert, weil sie bei ihrem Alter geschummelt hatte. Eine Teilnahme war erst mit der Volljährigkeit erlaubt. Das rosa Tütü war auch ehrlich gesagt nicht die beste Wahl. Darin wirkte sie wie ein gepudertes Babyface.

Für die Ausgeschiedene durfte eine Nachrückerin antreten. Als Miss Tabu aufgerufen wurde, sorgte diese für einen kurzen Schockmoment. Die Lederkorsage mit den Netzstrümpfen waren ganz schön gewagt, ja wenn nicht sogar obszön für derartige Schönheitswahl. So etwas hat es zwischen den Wasserwellen und Tellerröcken noch nicht gegeben! Hatte ihr eine eifersüchtige Mitstreiterin etwa das Kleid zerschnitten, sodass sie notgedrungen in ihrer Unterwäsche auftreten musste? Eine Dame in der Jury rümpfte die Nase.
Nach der ersten Drehung am Ende des Laufstegs war jedoch auch klar, dass sie sich den Platz der Nachrückerin durchaus verdiente. Rassig, würzig, düster und geheimnisvoll. Als ob das nicht schon reichte, begann Miss Tabu auch noch mit der Jury zu kokettieren. Wenn die nicht für Tuschelei hinter den Kulissen sorgte, wer dann…?

Als Shalimar angekündigt wurde, verschlag es allen die Sprache. Der Name war klangvoll und ließ auf eine indische Herkunft schließen. Wer war diese Geheimnisvolle?
Aus der Rauchmaschine trat eine Schönheit hervor, die zur gefährlichsten Konkurrentin werden konnte. Die schlanken Beine glichen zwei unendlich langen Vanilleschoten. Dann noch dieser äußerst geschmeidige Gang, der einer Königin glich. Ja, sie war wirklich wunderschön.

Die japanische Kandidatin Miss Mitsouko hatte so gar nichts Liebliches an sich. Rosa Kleider verweigerte sie vehement. Der herbe, androgyne Look im dunkelgrünen Hosenanzug aus Samt kam jedoch bei dem Publikum gut an und die Preisrichter begannen nickend untereinander zu flüstern.

Dann trat Miss Chanel auf die Bühne. Sie ist nett aber als Konkurrenz nicht ernst zu nehmen, dachte sich Miss Bleue. Schon öfter hatte sie Zeitungsartikel über die Dame gelesen, die es bislang immer nur auf die 5. Platzierung schaffte. Eigentlich schade, denn das Näschen war stets perfekt gepudert und das Tweed Kostüm mit Perlenkette saßen wie angegossen.
Aufgrund des wachsenden Bekanntheitsgrads reiste schon ein eigener Fanclub mit, der ihr zum Ansporn „alte Hüte“ in die Luft warf.
Winkend trat Miss Chanel von der Bühne. Es ging das Gerücht um, dass selbst Marilyn Monroe eine der glühendsten Unterstützerinnen ihrer sei. Die Teilnehmerinnen reckten die Köpfe, ob sie das bekannte Gesicht der Schauspielerin im Publikum ausfindig machen konnten. Nein. Erleichtert atmeten sie auf.

Da sollte es anscheinend noch eine geben, die Miss Bleue ähnlich sehen sollte, hatte Miss Mitsouko ihr beiläufig erzählt.
Ah das muss sie wohl sein: Miss Vanderbilt schritt auf den Laufsteg. Ach nein, nur weil sie auch blonde Haare hat, sieht sie mir noch lange nicht ähnlich, dachte sich Miss Bleue. Außerdem ist ihr Schwanenhals einzigartig. Der war mit keinem der anderen Hälse zu vergleichen.

Mademoiselle Arpège saß im Publikum und feuerte ihre Freundin Miss Bleue an.
Auch Mademoiselle Insolence hatte Miss Bleue viel Glück bei der Wahl gewünscht. Sie selbst musste ihre Teilnahme leider absagen, da sie mit einer Himbeervergiftung im Krankenhaus lag.

Als die Scheinwerfer ihre Filter wechselten und das ganze Publikum mitsamt der Bühne in sanft blaues Dämmerlicht tauchten, war ihre Stunde gekommen.

Miss Bleue war nun an der Reihe. Ihr Herz drohte unter dem Bergamotten Bolero zu zerspringen. Bloß nicht umkippen dachte sie sich.
Mit fließenden Bewegungen trat sie auf die Bühne. Gekonnt streifte sie den Bolero von den Schultern, um das seidige Nelkenkleid darunter in Szene zu setzen. Es schmeichelte ihrer weiblichen Figur besonders gut. Sie war die Eleganz in Person. Die puderzarte Haut war makellos, weiche blonde Wellen umspielten ihren Hals und ließen die goldenen Clipsohrringe ab und zu hervorschimmern. Es strömte ein zarter Hauch von Anis der Menge entgegen. Sie strahlte nun eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, die ihrer Reife zuzuschreiben waren. Ja, sie ruhte in sich selbst, denn sie wusste wer sie war und was sie konnte. Ihr bezauberndes Lächeln ließ selbst Eisberge schmelzen.

Die Preisrichter kamen erstaunlich schnell zum Ergebnis:

Miss Chanel wirkte mit dem 5. Platz professionell gefasst und ein wenig als hätte sie damit gerechnet. Sie blickt zuversichtlich hin zur nächsten Wahl, dort soll Marilyn Teil der Jury sein. Dies könnte ihr womöglich zu einer besseren Platzierung verhelfen.

Platz 4 wurde an die schöne Japanerin Miss Mitsouko vergeben, die sich mit einer gewissen Coolness kurz und knapp vom Publikum verabschiedete.

Platz 3 ging an die nette Miss Schwan äh an Miss Vanderbilt, die ihre Enttäuschung darüber kaum verbergen konnte und den Kopf hängen ließ.

Miss Tabu schien vermutlich gegen die Moraletikette verstoßen zu haben, weshalb sie in den Platzierungen gar nicht mehr auftauchte. Geschieht ihr recht, dachten sich insgeheim die Konkurrentinnen. Wer so schamlos mit dem Publikum flirtet gehört nicht auf einen Schönheitswettbewerb, sondern in ein anderes Etablissement.

Nun wurde es ernst. Der Komiteepräsident hauchte in das Mikrophon:
„Ladies and Gentlemen,… heute hatten wir die Ehre, die Schönheiten dieser Welt zu bestaunen. Doch keine hat die Anwesenden jemals so verzaubert wie dieser funkelnde Diamant am Parfumhimmel. Sie bietet mit ihrer Aura der Wärme ein Zuhause an, ja eine Vertrautheit. Angezogen von dieser Tiefe, die uns ins verborgene Herz hineinführt, wo pudrige Vanille umarmend zu süßen Klängen wiegt. Ich bin ergriffen von dieser zeitlosen Schönheit mit den tiefsten inneren Werten voller Reinheit und Anmut und übergebe die goldene Krone der Miss Fragrance of the World aaaan…

*Trommelwirbel*

MISS BLEUE!“

Die Menge tobte vor Begeisterung unter dem glitzernden Konfettiregen! Mademoiselle Arpège sprang jubelnd auf die Bühne und beglückwünschte ihre Freundin, die wie betäubt war. Die veilchenblauen Augen der Siegerin füllten sich mit Freudentränen. Sie hatte tatsächlich gewonnen.

Die blaue Stunde hatte ihr Glück gebracht, sie ins rechte Licht gerückt und die schärfste Konkurrenz Miss Shalimar auf den zweiten Platz verwiesen.
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Puderperle vor 4 Monaten 24 20
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Duft
Bist du Heiratsmaterial?
Lieber Shaghaf Oud,

nun ist es soweit, wir kennen uns jetzt zwei Jahre. Ich denke es ist an der Zeit dir ein paar Worte zu widmen und Bilanz zu ziehen.
Ich kannte dich nur vom Hörensagen. Jemand der über dich eine Schlagzeile schrieb, ein anderer sich das Maul zerriss, dann jemand der öffentlich von dir sprach- stell dir vor im Youtube haben sie über dich geredet! Und das sogar in englisch. Du hast tatsächlich den Status eines VIP.

Da du damals schon sehr beliebt warst, habe ich mich dann auf ein Blinddate eingelassen. Eigentlich bin ich eher der Typ der sich von Hypes nicht mitreißen lässt, weil sie damit für mich uninteressant werden. Du bist mir aber nicht aus dem Kopf gegangen. Ich war eben neugierig, ob du genauso bist wie dein Bild das du nach außen hin abgibst. Dein arabischer Name Shaghaf lässt anhand der Bedeutung auf das schließen, wonach jeder Mensch in seinem Leben auf der Suche ist: Liebe

Ist das nicht schön? Auf jedenfall sehr verheißungsvoll. Aber warst du tatsächlich derjenige, der mein Herz zu erobern vermochte und dem ich auch bereit war meine Liebe zu schenken?

Es war schon ein kleiner Schreck für mich, wie du aufgetaucht bist! Von Kopf bis Fuß in Gold, hast deinen besten Anzug rausgeholt und dich einfach mal wie ein Christbaum mit allem goldenen Klimbim behangen. Aber irgendwie doch passend zum edlen Zwirn.
Zu dem Zeitpunkt wusstest du aber gar nicht, dass ich wie eine Elster auf Gold reagiere. Ein Trigger sozusagen. Bei Gold schalten in meinem Hirn die Sicherungen aus. Vor Freude versteht sich.
Ich musste mich mächtig zusammenreißen um nicht gleich vor dir schmachtend in die Knie zu gehen bevor du noch ein Wort gesagt hattest. Nene Contenance Puderperle! So leicht bin ich nicht zu haben, auch wenn ich schnell zu begeistern bin. „Die inneren Werte zählen schließlich am meisten“, hat Mama immer gesagt. Was nutzt der dekorativste Mann, wenn er ein Nixnutz ist und nicht mal eine Glühbirne wechseln oder staubsaugen kann? Und dann gibt es ja noch das Sprichwort „Außen hui innen Pfui“. Jawoll!
Die Worte noch im Ohr, versuchte ich meine Augen zu schließen, um deinen inneren Werten volle Aufmerksamkeit zu schenken. War schwierig, muss ich zugeben. Aber ich falle nicht auf Blender rein! Ha!

Deine ersten Worte mannoman naja..., als ob mir eine Vuvuzela Süßholz ins Ohr rasp...äh „flüstert“!
Ich musste erstmal die Distanz regeln, damit das mit der Lautstärke klappt, ein Mittelmaß zwischen intaktem Trommelfell und höflichem Austausch, ohne 3 km zwischen uns...
Distanz zwischen dem goldenen Orient und meinem bescheidenen Landdorf.

Süße Sachen hast du mir erzählt... dass ich deine Rose bin und du gerne mit mir Urlaub in einer kuscheligen Holzhütte machen möchtest, weil du den Winter und die kalten Tage so gerne magst. Weil dann wirst du noch kuscheliger, meintest du.
Seltsam, dachte ich. Die meisten erzählen immer etwas von Sonne, Strand und Meer und schwören ewige Treue bei einer Zitronenlimo, sind aber nach 3 Std wieder verflogen, sobald man ins Schwitzen kommt oder die nächste Signorina Im Bikini winkt.

Ok ok er trägt ganz schön dick auf, aber macht sonst alles richtig. Jetzt schalte bloß nicht deinen Kopf aus dachte ich mir. Was sind seine Schwächen? Frag ihn nach seinen Schwächen! Wenn er da nicht authentisch ist, schick ihn in die Wüste! Keine falschen Versprechungen.

Immer noch mit geschlossenen Augen hörte ich dich sagen, dass du Schwierigkeiten in der Wüste hättest, weil die heißen Temperaturen nicht ganz so zusagen. Da wirst du für deine Mitmenschen anstrengend meintest du. Deine Lautstärke würde selbst Kamele vertreiben. Und dann hast du offen gestanden, dass bereits alles über 27 Grad zu viel für dich sei.

Wüste?- Ich dachte du könntest Gedanken lesen. Oder sind wir doch seelenverwandt? Mein Herz klopfte immer schneller.

Rose war dein Stichwort, du brachtest mir einen Strauß mit riesengroßen dunkelroten Samtrosen mit. Donnerwetter, und das zum ersten BLINDDate! Diese Rosen rochen bezaubernd. Zauber im wahrsten Sinne des Wortes, weil auch diese glitzerten. Beim näheren Betrachten stellte sich heraus, dass die Rosen in Sirup getränkt waren und dies auf dem weinroten Samt zu zartem Glitzer verschmolz. Zarte Safranfäden waren für die besondere Note kunstvoll in den Strauß eingearbeitet.

Ich verabschiedete mich und ließ offen, ob wir uns nochmals sehen. Es war Sommer und knapp 35 Grad. Auf dem Heimweg bekam ich so viele Komplimente, ich würde so gut duften und hätte so rote Wangen- ob ich verliebt sei wurde ich gefragt. Also bitte... So schnell doch nicht. Aber irgendeine Auswirkung hattest du auf mich. Habe ich mich doch blenden lassen?

Bei unserem zweiten Date trug ich kein kurzes Sommerkleid, sondern einen gestrickten Norwegerpulli. Das war ein Test, ob du mich auch so mochtest. Wie aufgeregt du warst!

Deine Stimme hallte noch vom ersten Date in meinem Ohr, deshalb konnte ich dich einschätzen und das mit der Nähe war nun kein Problem mehr für mich. Im Laufe des Abends konnte ich dir jedoch nicht nahe genug sein. Der Pulli war ein Volltreffer, sagtest du mit glänzenden Augen.
Deine Wärme und deine Stärke ließen mich fast schmelzen. Wir verbrachten nahezu 12 Stunden mit unseren inneren Werten und deinem goldenen Klimbim, bis wir uns im Morgengrauen verabschiedeten. Ich war dir zu diesem Zeitpunkt bereits verfallen.
Das habe ich schön für mich behalten, denn wer will schon eine Frau, die sich hinterherschmeißt. Er ist derjenige der jagen und erobern darf. Und das hast du getan. Jedesmal mit gleichem Interesse und der gleichen Energie, ohne zu schwächeln. Das hat mich beeindruckt.

Es folgte ein Date nach dem anderen.
In dieser ganzen Zeit des Kennenlernens durfte ich erleben, wie du mir Wärme und Geborgenheit gespendet hast. Jedesmal - bis heute- beschenkst du mich mit Rosen und Pralinen, erzählst von deiner schönen Holzhütte und fängst mich mit deinen starken Armen auf. Du hast mit Sillage und Haltbarkeit bewiesen, dass du eine treue Seele bist. Mindestens bis ans Lebensende. Nur die Kochwäsche könnte bedrohlich für dich sein.

Nicht alle meine Freunde mögen dich. Aber gut, sie müssen dir auch nicht so nahe sein. Echte Liebe verstehen nur diejenigen zwischen denen es knistert. Und es hat geknistert bis zum lodernden Feuer.

Einen schillernden Mann an seiner Seite zu haben hat auch immer zwei Seiten habe ich festgestellt.

1. bin ich stolz darauf, dass er bekannt und doch schon beliebt ist. Verstecktes Kompliment an mich: Spricht natürlich für meinen guten Geschmack hihi

2. Den haste aber dann doch nie für dich alleine. Hat auch Mama schon gesagt.

Und weil ich dich nur für mich ganz alleine haben will, du darüberhinaus der schönste aller olfaktorischen Erlebnisse für mich bist, ich dir ausnahmslos verfallen bin und ohne dich nicht mehr leben kann… lieber Shaghaf Oud…. Bitte… bevor es eine andere tut… bitte… bitte

HEIRATE MICH!
20 Antworten
Puderperle vor 4 Monaten 51 19
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Haltbarkeit
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Duft
Wenn die Frage nach dem Duft zur Schwerstarbeit wird
Da gab es diese eine Kollegin, die jede weibliche Konkurrenz aus der Ferne witterte und genau in diesem Moment ihr Knittergesicht auflegte. Da half alles Bemühen nicht. Guten Morgen Grüße oder Abschiedsformeln wurden konsequent ignoriert und nette Gesten ab und an registriert und grummelnd kommentiert- was ja bei der Ignoranz schon „nett“ war. Als weibliches Wesen Gespräche mit ihr zu führen war ein Ding der Unmöglichkeit, da sie ihren Kopf zum Fenster drehte und sich einfach taub stellte. Es sei denn ein männliches Wesen betrat den Raum. Da fand eine regelrechte Verwandlung statt. Schlagartig aufrechte Sitzposition, ein Strahlen im Gesicht als hätte man eine magische Lampe angeknipst. Dazu das zuckersüsseste Gesäusel einer Anrede an das Objekt von dem sie sich scheinbar Aufmerksamkeit erhoffte. Blickkontakt bis zum Sankt Nimmerleinstag. Das zog natürlich. Die Herren verfielen ihrem Bann.

Sich damit begnügend, dass selbst ein oberflächliches Hallo und Tschüss Schwerstarbeit im täglichen Kontakt bedeutete, wurden wir nun eines Tages gezwungen den selben Raum zu betreten. Sie lief vor, ließ auf ihre freundlichste Art und Weise die schwere Sicherheitstür vor meiner Nase zufallen. Eine logische Schlussfolgerung über diese nette Geste wäre ein inneres Augenrollen gewesen, doch dazu kam es Gott sei Dank nicht.
Denn ich nahm in dem Moment einen wundervollen Duft wahr, meine Nase war wie verzaubert. Was bitte war das?
Ein süßes, cremiges Irgendwas, harmonisch abgestimmt aber auch irgendwie verführerisch, das mich einhüllte. Wow.
Konnte dieser engelsgleiche Duft von dieser Eisprinzessin sein?
Ich hatte so etwas zuvor noch nie gerochen und zwang meine innere Krawallschachtel beschwichtigend zur Ruhe, um an dieses Geheimnis zu gelangen, dass sie vor mir sicherlich fest verschlossen im Inneren mit tausend Passwörtern sicherte. Keinen Ton zur Tür!

„Wooow du riechst gut.“
*Schweigen. Dreht mir den Rücken zu*

„Ich habe so etwas noch nie zuvor gerochen“
*immer noch hartnäckiges Schweigen*

Ich denke mir ok sie will nich, lässt sich auch mit Süßholzgeraspel nicht bestechen. Komm überwinde dich und frag sie direkt.

„Was trägst du denn für einen Duft?“
*atmet schwer aus und guckt demonstrativ weg*

Komm letzter Versuch: „Wie heißt dein Parfum?“
*atmet genervt aus* „Ifslro..“

„Wie?“
„IfslROOH“

„Aha… ok danke“

Nun gut. Sie hat sich wenigstens bemüht. Aber was bitte ist „Ifslro“? Diese Information hatte sie scheinbar schon genug Energie gekostet und ich fürchtete einen Stromschlag, sollte ich mich erdreisten weiterzufragen.

Immerhin hatte ich einen Anhaltspunkt. „Ifslro“ ist schon ein richtig verstörender Name für ein gutes Parfum dachte ich mir.
Die nächsten Minuten war ich innerlich beschäftigt zu überlegen, wo mir dieser Name schon mal über den Weg lief. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Parfum-Game und hatte ehrlich gesagt nicht den leisesten Schimmer.

Auf dem Heimweg kam es mir wie ein Geistesblitz „Yves Saint Laurent“!
Ha das war also dieser geheimnisvolle „Ifslro“.
Glückselig steuerte ich kurz danach die Parfumerie an, um das Rätsel endgültig zu lösen. Der erste Griff zum Black Opium- und meine glückliche Nase, die sich Gott sei Dank nicht an der Metalltür verletzt hatte, hatte einen Flashback. Das war er! Ein wunderschöner weicher Duft…

Hauptsächlich Orangenblüte, etwas Jasmin und ordentlich Vanille so wunderbar mit den Kaffeenoten verblendet, dass ein süß-blumiger Latte Macchiato in Erscheinung tritt, ohne wirklich milchig zu sein. Pfeffer gibt im Hintergrund die geheimnisvolle Seite, verweilt allerdings nur kurz. Patchouli bleibt glücklicherweise eher unbemerkt.
Schade, dass Black Opium hier so schlecht weg kommt. Für mich zählt er seit der ersten Begegnung zu einem Duft, der konstant weiblich und verführerisch wirkt. Im beruflichen Umfeld ist er durch seine unaufdringliche Sanftheit, wie soeben beschrieben, tragbar. Seine Wirkung entfaltet sich jedoch meines Erachtens am Abend oder zu besonderen Anlässen, angelehnt an den schönen Flakon in schwarzem Kleid oder Lederjacke mit glänzenden Accessoires. Die Haltbarkeit ist moderat aber kein Beast, den vergebenen Punkten hier schließe ich mich an. Die Sillage ist gut.

Ich weiss letztendlich nicht, ob es der aufrechte Rücken, das süßeste Lächeln und der Wimpernaufschlag war oder der Duft, den die Männer dazu brachte vor ihr niederzuknien. Vielleicht auch eine Kombination aus beidem.
Auf mich hatte jedenfalls der Duft eine ebenso betörende Wirkung, die bis heute anhält wenn ich ihn rieche.
Hier hatte die Dame wirklich guten Geschmack bewiesen und ich bin ihr bis heute dankbar, dass sie mich mit Herrn „Ifslro“ bekannt gemacht hat.
Sehr oft wurde ich mit Komplimenten bedacht und nach „Ifslro“ gefragt. Gerne half ich mit „Black Opium“ weiter, um die Suche für den Fragenden zu erleichtern. Mädels wollten genauso riechen und Männer kauften ihn für ihre Ehefrauen, die anhand des Feedbacks sehr glücklich mit dem Duftschatz waren.

Nun ja, ich fühle mit allen, die sich nicht trauen Personen nach ihrem Duft zu fragen, wenn sie davon begeistert sind. Auch wenn die Gefahr besteht, im schlimmsten Fall keine Antwort zu bekommen. Seien wir doch ehrlich: Meistens fühlt sich der gefragte Duftträger doch meist gebauchpinselt. Und selbst wenn eine Eisprinzessin einen guten Duft trägt, kann man wohlwollend über Morgenmuffeligkeit hinwegsehen… die Nase freut sich und IfslROO stört das sowieso nicht.
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Puderperle vor 2 Jahren 16 7
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Flakon
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Duft
Der Duft der gut betuchten Damen
Vor einiger, (gefühlt langer) Zeit, als die Welt noch in Ordnung war und „click & meet“ noch in den Sternen stand, schlenderte ich über die Frankfurter Goethestraße, wo sich neben Luxusläden wie Tiffany’s, Louis Vuitton und Versace auch ein Massimo Dutti Laden einreiht. Bereits am Eingang des zuletzt erwähnten Geschäfts kam mir ein frisch blumiger Duft entgegen, der mich schlagartig begeisterte. Bis dato war ich nicht wirklich an frischen Blumendüften interessiert. Ich hatte Vorurteile, sie waren mir zu langweilig und nichtssagend. Mich faszinieren eher die schweren, schwülstigen, amberlastigen Haltbarkeitskracher, wovon das Umfeld bei Überdosierung klatschende Ohrfeigen bekommt.

Auf der Goethestraße tummeln sich meist die gut Betuchten, die sich vielleicht von ihrem Besuch vom Schönheitschirurg oder dem (Scheidungs)anwalt auf der besagten Straße, in den nahe liegenden Geschäften mit Shopping trösten oder belohnen möchten.

Ich lief durch die Boutique und versuchte mich auf das angebotene Kleidersortiment zu konzentrieren, was mir nicht gelang, weil der Duft meine Sinne derart ablenkte. Bloß wo kam der her? Ich lief einer sehr feinen Dame mit dickem goldenen Ohrschmuck und einer 1A Föhnfrisur wie aus einem Magazin, hinterher. Sie war mittleren Alters und bis aufs i-Tüpfelchen klassisch, typgerecht und farblich abgestimmt gestylt. Der Duft konnte nur von ihr kommen, dachte ich. Ich hielt es nicht mehr aus und fragte sie, ob sie nach diesem Duft rieche. Sie war ein wenig irritiert und verneinte. Dennoch überlegte sie kurz mit, woher die Wolke kam, aber entschied sich, mir nicht weiter hilfsbereit zu sein. Mein Begleiter schien sich zu schämen und verzog sich lautlos in die hintere Herrenabteilung. Na gut, ich wollte es wirklich wissen und fragte mich durch, bis ich in der Mitte des Geschäfts stand und die anderen Kunden schnuppernd mit mir rätselten. Plötzlich deutete eine junge, auch sehr gut gekleidete Frau auf einige Flakons an der Kasse, die zur Probe ausgestellt waren. Ich testete sie durch und die Verkäuferin verwies mich auf „Massimo Dutti in black“. HAAA! Da war er! Ich hatte ihn gefunden, den Duft der mir so gut gefiel, dass ich den ganzen Laden verrückt machte. Die Kassiererin holte den original verpackten Flakon heraus mit dem Hinweis, dass es der letzte war. Ich hielt ihn fest wie einen Olympiapokal, um den ich mich zur Not geprügelt hätte und winkte damit begeistert meiner Begleitung in der Herrenabteilung zu. Bis dahin konnte er nicht mehr leugnen, mich zu kennen. Aber ein wenig erleichtert war er schon, denn die Suche hatte ein Ende. Den gab ich nicht mehr aus der Hand.
So nahm ich es mit, mein erstes frisch blumiges Lüftchen, das so viel Leichtigkeit und Weiblichkeit in die Stadt des Geldes und der Banken versprühte.

Ehrlich gesagt war ich überrascht, diesen recht günstigen Duft an der Kasse vorzufinden. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass die an Kassen ausgestellten Parfums eher von geringer Dupe-Qualität oder wenig Wiedererkennungswert sind mit dem Effekt wie Süßigkeiten im Kassenbereich: Haja, wenn man eh am Anstehen und Warten ist, kann man eben nochmal das Düftchen in den Korb schmeißen. Ziemlich lukrativ für das Geschäft. Wer sich Schuhe kauft, kennt das Sortiment von Pflegeschwämmen über Schnürsenkeln bis hin zu Einlegesohlen, die von den Verkäufern immer nochmal zuverlässig penetrant angeboten werden, weil das Kruscht die Kohle bringt.

Diesen Duft hätte ich einer stilsicheren, wohlhabenden Lady oder auch jungen Frau zugeordnet. Einer selbstbewussten Karrierefrau, die zu ihrem perfekten Outfit ein Parfum wählt, welches sie durch den Tag begleitet, ohne zu laut „HIER“ zu kreischen. Ein florales Understatement das nicht aneckt, aber wertig wirkt. Ich kann es mir zu einem gepflegten Sommerkleid, einer Jeans oder einem Businessoutfit vorstellen.

Den Apfel nehme ich wahr, er erinnert ganz leicht an See by Chloé. All die anderen Früchte gehen in der prominenten Rose unter. Einen großen Duftverlauf erkenne ich nicht. Das Gesamtbild ist hell, freundlich, frisch und weiblich. Für einen Freshie ist die Haltbarkeit gut.

Schade, dass er so schlecht bewertet ist, das hat er meiner Meinung nach nicht verdient. Vielleicht bin ich auch noch kein wirklicher Profi auf dem Gebiet der floralen Muntermacher. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
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Puderperle vor 2 Jahren 27 17
10
Flakon
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Sillage
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Haltbarkeit
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Duft
Komm ich erzähl dir eine (pudrige) Geschichte…
Betty war ihr Spitzname. Eigentlich hieß sie Elisabeth. Um mit dem vollen Namen gerufen zu werden, war sie irgendwie noch zu klein. Aber für ihre sechs Jahre hatte sie schon große Träume.
„Einmal,… einmal wenn ich groß bin, werde ich auch so schön wie Mama sein“ dachte sie, während sie sich heimlich auf Zehenspitzen aus dem Bettchen schlich und durch das Schlüsselloch des Ankleidezimmers ihrer Mutter lunste. Dass ihre nackten Füßchen dabei kalt wurden, schien sie nicht zu bemerken. Süß war sie, wie sie da im hellrosa Rüschennachthemd stand und mit offenem Mund staunte.

Hinter dem Schlüsselloch stand ihre Mutter unter einem glänzenden Chandelier. In Gedanken versunken konnte sie sich zwischen dem cremeweißen Seidendress und dem weinroten Samtkleid nicht entscheiden. Vor den Spiegel musterte sie die am Bügel vorgehaltenen Kleidungsstücke. Hmm, beide waren elegant und weiblich.
Sie freute sich, den freien Abend mit ihrem Mann zu zelebrieren und war aufgeregt, weil gemeinsame Abende so selten geworden sind. Nichts dem Zufall überlassen. Sie wollte die Schönste für ihn bleiben, er sollte sich in seinen Gedanken bestätigen, dass sie damals die richtige Entscheidung gewesen war.

Das Grammophon spielte Natalie Coles „This will be“. Verträumt im Satinbademantel zur Melodie drehend, prostete sie sich mit dem Champagnerglas selbst zu.

Vor dem nostalgischen Hollywood Schminkspiegel löste sie die Lockenwickler aus dem Haar. Sanfte Wellen umschmeichelten ihr Gesicht. Wie schön sie war. Die schwere Perlenkette stand ihr ausgezeichnet. Durch eine ungeschickte Handbewegung fiel das Kristallglas gegen die Puderdose und das lose Puder verteilte sich im Raum bis durch das Schlüsselloch.

„Hatschi!“ Klein Betty hatte sich verraten. Da stand sie nun mit aufgerissenen, glitzernden Augen und betretener Miene vor ihrer Mutter, die sich in letzter Sekunde das Schimpfen verkniff. Als sie die Bewunderung der kleinen Tochter bemerkte, fühlte sie sich selbst in ihre Kindheit zurückversetzt. So durfte die Kleine die heilige Halle, das mit Puder bestäubte Ankleidezimmer betreten. „Mama, wenn ich so groß wäre wie du, dann würde ich das anziehen, weil das genauso rot wie dein Lippenstift ist.“ Sie zeigte auf das schulterfreie Samtkleid, das fand sie am Schönsten.

Die Eltern waren bereits aus dem Haus und sie versank in ihrem rosa Himmelbett in das Land der Träume. Die kleinen Puderfußabdrücke auf den dunkel glänzenden Fliesen würden sie am nächsten Tag noch an den zauberhaften Punderunfall erinnern…

Zum Duft:

Love Chloé ist für mich der Inbegriff eines weiblichen Parfums. Der Duft hat einen einzigartigen Vintage-Zauber.
Er bringt eine gewisse Schwere mit, die sich wie ein angenehmer Stoff an die Haut schmiegt. Ein Stoff von höchstem Wert. Es ist kein leichter, unbeschwerter Duft. Eher etwas staubig angehaucht. Die Trägerin ist sich dessen vermutlich bewusst. Gezielt eingesetzt entfaltet er seine wundervolle Wirkung. Gepflegt, wohlhabend und elegant unterstreicht er die weiblichen Vorzüge einer Frau.

Den nostalgischen Charakter vergleiche ich mit einer klassisch cremeweißen Perlenkette. Altbacken empfinde ich ihn jedoch nicht. Er ist absolut Ladylike.
Die Kopfnote kann im ersten Moment als zu intensiv wahrgenommen und das Gefühl von vor den Kopf gestoßen zu werden, vermitteln. Daran ist der Pfeffer schuld. Hey aber er ist immerhin rosa! Ausgleichend wirkt eine leichte Süße, die für das Liebliche sorgt.

Nach wenigen Sekunden kommt der schönste Puderduft zum Tragen. Diese Pudernote bleibt bis zum Ende dominant. Orangenblüte, Iris, Flieder, Heliotrop finden sich häufig in pudrigen Düften wieder, schwierig sie hier einzeln zu identifizieren. Ich weiß nicht, wonach Talkum riecht, aber es muss gut sein, denn in Kombination mit Moschus und Reispuder klingt der Duft harmonisch warm aus.

Die Haltbarkeit ist kein Beast, aber bis zu 6 Stunden ist er wahrnehmbar. Vorsichtig dosiert ist er eher abhängig von Laune und Anlass. Nichts für jeden Tag. Wie der Beschreibung zu entnehmen ist, erfreut er sich an besonderen Momenten. Momente, die zu bleibenden Erinnerungen werden (können).

Love Chloé ist ein lieblicher Name, der roségoldene Flakon wunderschön. Das zarte, goldene Kettchen ist am Deckel und der Glasflasche befestigt. Ein wertiges und verspieltes Detail.

Eau Florale war die leichtere, frischere Version. Die Intense Version habe ich nicht mehr in meinem Duftgedächtnis gespeichert, daher kann ich keine zuverlässigen Angaben mehr dazu machen.

Ich kann nur traurig rätseln, weshalb Love Chloé aus dem Sortiment genommen wurde. Vermutlich ergaben sich nicht genügend Gelegenheiten für seine Träger*innen, ihn gebührend zu feiern.
Meiner Meinung nach hatte er die Qualität für einen echten Klassiker. Betty, das Puderfüßchen stimmt mir übrigens zu. Schade. Uns hat keiner gefragt.
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