Puderperle

Puderperle

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1 - 5 von 32
Puderperle vor 5 Tagen 27 33
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Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
5.5
Duft
Stutenbissigkeit
Montag, 8:32 Uhr. Ich atmete tief ein und aus, bevor ich den Weg durch das Gebäude in mein Büro antrat.

„Ha, bist du auch schon da?“ bemerkte Hannah, die vermutlich meine Absätze klackern hörte. Ja, ich bin kein Morgenmensch. Eher eine Nachteule. Und am konzentriertesten kann ich arbeiten, wenn schon alle nach Hause abmarschiert sind.

„Es wird ja jeden Tag später, wir haben ZWEI – ZWAHAIII nach halb Neun! Ich bin schon seit 6:30 Uhr hier“, meinte Jessi, die schnippischste von allen aus der Abteilung. Ja schön für dich, dachte ich im Stillen.
Mit verschränkten Armen stellte sie sich in meinen Türrahmen, während ich den Mantel aufhing und den PC einschaltete. Ihre Augen musterten wachsam jede meiner Bewegungen.
„Hast du schon wieder eine neue Handtasche?“ fragte sie ohne sich die Mühe zu machen, ihre Missgunst zu verbergen. Dennoch konnte sie es sich nicht verkneifen, die Tasche mit dem Zeigefinger anzutippen. Sie identifizierte Leder und verdrehte dabei die Augen, als ob es sich um einen infektiösen Fremdkörper handelte. „Dein Parfum kenne ich doch auch irgendwoher…“

Manchmal ist es besser, wenn man sich seinen Teil denkt, anstatt auf dummes Geschwätz zu reagieren. Es erspart sinnlose Konflikte und irgendwann vergeht auch der lautesten Krähe die Lust, auf einer aalglatten, wortkargen Wand herumzuhacken. Macht ihr dann auch keinen Spaß mehr. Nett lächeln und dümmlich gucken. Und Bemerkungen zu meinem Parfum kommentiere ich schon lange nicht mehr. Ich wechsele meine Düfte zwar gerne ab, beachte aber stets dabei, auch hier keine Angriffsfläche zu bieten. Gemotze über Übelkeit, Kopfschmerzen oder gespieltes Gebaren mit Atemnot trugen nicht gerade zum besseren Arbeitsklima bei.
Es ist für meine Nase zwar manchmal etwas langweilig, aber hautnahe sillagearme Frischedüfte sind im Büroalltag relativ konfrontationsarm. Meinen Hang zu starken, orientalischen Parfums habe ich hier auf schmerzhafte Tour gelernt, besser zuhause auszuleben.

Meine Sillage geriet schnell in Vergessenheit, als der neue Kollege vorgestellt wurde. Der Hühnerhaufen schien bei seinem Anblick völlig außer Rand und Band zu sein. Abgesehen vom akkurat sitzenden Anzug und seiner sportlichen Statur, war er wirklich schön anzusehen. Fast schon eine Verschwendung fürs Büro. Die Damen schienen einen regelrechten Wettbewerb auszutragen, wer ihn zuerst durch die Räumlichkeiten führen dürfe und alle wichtigen Dinge erklären könne. Als er den vierten Kaffee dankend ablehnte, hielt es Jessi und Antonia noch lange nicht davon ab, einen weiteren mit klimpernden Augen vor seine Nase zu stellen.
In den nächsten Tagen fand das reinste Schaulaufen statt. Herausgeputzt wie schon lange nicht mehr und immerzu lächelnd drängten die übereifrigen Kolleginnen dem armen Josua ihre Hilfsbereitschaft auf. Irgendwie tat er mir leid und ich hoffte insgeheim, seine Menschenkenntnis möge ihm heller scheinen, als der goldene Modeschmuck der drei aufgeregten Frauen.

Interessant wurde es allerdings, als sich Jessi mal ganz beiläufig bei mir nach dem beliebtesten Damenduft erkundigte. Sie war eine schlechte Schauspielerin. Ich gab ihr die Auskunft nach den höchsten Verkaufszahlen im Damenduftsegment: "La Vie est Belle L'Eau de Parfum | Lancôme". Kurze Zeit später schlich sich Hannah in mein Büro und fragte nach einem modernen Duft der zu ihr passen würde. Lady Gaga erschien vor meinem geistigen Auge und so empfahl ich das Parfum, für welches die Sängerin geworben hatte: "Voce Viva (Eau de Parfum) | Valentino" . Als Antonia auf dieselbe Idee kam und eine blumige Inspiration suchte, wollte ich nicht direkt gemein sein, sondern wies sie subtil mit "My Way | Giorgio Armani" – away aus meiner Tür.

Und dann am nächsten Tag nahm das Unheil seinen Lauf. Der schöne Josua schloss sich in seinem Büro ein, vermutlich wollte er ungestört arbeiten. Die drei, nun überaus bedufteten Grazien tänzelten im Flur auf und ab und schielten auf seine immer noch verschlossene Tür. Kurz vor der Mittagszeit begann ihre Ungeduld neue kreative Blüten zu schlagen. Die eine stellte in der Küche eine prickelnde Zitronenlimonade auf Josuas Platz, die nächste dekorierte einen lieblichen Jasminstrauch neben dem Trinkglas und die dritte wischte die übrig gebliebene Tischfläche mit einem feuchten Tuch 4711 ab.

Sie hielten den Atem an, als sie das Öffnen seiner Tür hörten. Wie auf Kommando griffen sie in ihre Handtaschen und sprühten sich in Windeseile von Kopf bis Fuß mit ihren neuen Dufterrungenschaften ein.
Josua, gerade im Begriff einzutreten „Mahlz…“ und blieb im Türrahmen stehen, drehte sich einmal um die eigene Achse und versuchte erneut einzutreten. Seine Augen hatten die Größe von Untertassen. Es wirkte, als wäre er gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Japsend sagte er „Es ist… es ist…“

„Was ist es?“ rief Jessi aufrichtig besorgt, ja fast schon hysterisch.

„Es ist paradox“, waren seine letzten Worte, bevor er wie ein Baumstamm einfach nach hinten umfiel.

Und wer jetzt fragt, wer schuld ist an der ganzen Misere, kann ich klar sagen: Prada.
Nein, der Duft ist an sich nicht schlecht. Man hat jedoch das Gefühl ihn schon zu kennen. Er wirkt auf mich wie ein Mix der oben genannten Düfte, die alle gefällig und tragbar sind aber zusammen keine neue Erkenntnise zu Tage bringen. Beschreiben kann ich ihn nur so: Zitrische Kopfnote mit Jasmin und Orangenblüte ergeben ein süßes Miteinander, dem die Individualität jedoch verloren gegangen ist.
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Puderperle vor 23 Tagen 25 38
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Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
4
Duft
Der Schlussmacher
Nervös lief ich in der Wohnung auf und ab.
Ich hasste solche Momente wie der, der mir gleich bevor stand. Einem Menschen das Herz zu brechen schmerzt fast genauso wie demjenigen, dem es gebrochen wird.
Ein Jahr Beziehung mit Knobi war anfangs aufregend, bis die Unterschiedlichkeiten immer mehr Konflikte zu Tage brachten. Für mich zumindest. Ihn schienen sie nicht zu stören oder er war ein Meister im wegignorieren.

Für ihn war ich immer noch die alte Pfanni. Pfanni, weil es bei mir so gut nach Pfannkuchen mit süßer Vanillesauce duftete. Ein behagliches Gefühl für zuhause oder Mama, sagte er.

Als ich auch einen Spitznamen für ihn suchte, schwankte ich zwischen Knobi oder Lochi. Lochi, weil alles durchlöchert war: Socken, Schuhe, T-Shirt, Gehir… naja lassen wir das. Aber letztendlich entschied ich mich dann doch für Knobi, weil man ja nicht auf den Defiziten rumhacken wollte. Und Knobi ist eigentlich selbsterklärend- er isst nahezu zu allen Mahlzeiten Knoblauch. Ja, selbst zu Pfannkuchen. Insgeheim war ich schon ein wenig stolz auf meine Liebes- und die damit verbundene Leidensfähigkeit.

Mit meinem Zeh schob ich die alten Schallplatten auf dem Fußboden zur Seite. Roxette, The Cure und… Jack White. Was hatte er sich bei letzterem bloß gedacht. Na die Frage sollte ich mir sowieso nicht mehr stellen, denn weshalb verschenkt man überhaupt Flohmarktplatten wenn die Beschenkte keinen Spieler dafür hat. Bohemian und so. Sagte er zumindest.
Knobi hing noch in seinen Träumen fest.
Diese „Lebe in den Tag“ Attitüde, die mich zu Beginn angezogen und das Gefühl von Leichtigkeit vermittelt hatte, wurde zunehmend unbequemer. Ich fühlte mich ausgebremst, denn seit einiger Zeit setzte ich meine Vorstellungen vom Leben durch Fleiß und harte Arbeit ganz praktisch in die Tat um.
Und irgendwann passten wir einfach nicht mehr zusammen.

Es klingelte an der Tür. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Ein Blick durch den Spion. Da stand er mit Haaren, die ungekämmt in alle Himmelsrichtungen abstanden. Bei unserem Kennenlernen hätte ich es noch als verwegen bezeichnet.
„Hey Babe. Ich hab’ dir was mitgebracht.“ Lächelnd hielt er mir etwas in Alufolie eingepacktes hin. Ein labberiges Stück Pizza, das er mir aufgehoben hatte.
Ach Mensch Knobi. Warum machst du es mir so schwer, seufzte ich innerlich.

Als er hinter mir ins Wohnzimmer trottete, griff er auf dem Weg beherzt in die Nussschale.
Es brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um das klackklackklack den salzigen Erdnüssen zuzuordnen, die genau zwei Sekunden später durch seine löcherige Hosentasche auf das Parkett rieselten.

Er war ja doch auf seine Art so liebenswert und goldig. Um den Kloß im Hals runterzuschlucken, verschwand ich kurz im Bad. Tränen bahnten sich an. Tief durchatmen, redete ich mir gut zu.
Mein Blick fiel auf den noch verpackten "Zara Exclusive N°04 - Leather Jardin | Zara" den mir meine exzentrische Tante als Geheimtipp zusteckte. Sie, eine histrionische Schauspielerin, die sich dem Altern mit aller Gewalt erfolglos entgegensetzt und aufdringlich den Mittelpunkt sucht, so wie die Motten das Licht.
„Trag ihn und unvorhergesehene Dinge passieren! Damit machst du dich interessant!“ flüsterte sie mir bedeutungsschwanger im Biergarten zu. Die Dramaturgin. Dort erschien sie übrigens im bodenlangen Taftkleid, das im Rücken mit einer überdimensionalen Schleife gebunden wurde. Es erinnerte an einen Propeller, aber hatte irgendwie auch Stil.
Na gut, stöhnte ich resigniert. Den hatte ich noch nicht getestet. Vielleicht lenkt er ein wenig von der Traurigkeit ab. So sprühte ich und verließ das Bad.

In dem Moment als ich wieder ins Wohnzimmer trat, erhob sich Knobi in Zeitlupe von der Couch. Er sah aus, als hätte er gerade einen Geist gesehen.
„Pfanni… jetzt weiss ich Bescheid…“ stotterte er mit aufgerissenen Augen und bleicher Gesichtsfarbe. Rückwärts bewegte er sich zum Ausgang. Ich verstand nicht, was hier gerade vor sich ging.
„Wo isser? Wo isser?“ fragte er mehrmals nacheinander. Irritiert beteuerte ich, dass außer ihm und den Erdnüssen niemand sonst hier wäre. Ok Jack White, aber der läge in gepresster Form auf dem Boden.

„Pfanni…“, begann er mit zitternder Stimme, als er bereits an der Haustür angelangt war. „Ich weiß, ich kann dir all den Luxus nicht bieten, den du so gerne hast…. Aber ich hab offensichtlich gegen ihn verloren. Schönes Leben noch.“
Tränen standen in seinen Augen als er sich umdrehte und im Treppenhaus außer Sichtweite geriet.

„Gegen wen hast du verloren Knobi? Wen meinst du denn?“ brüllte ich von oben in die untersten Stockwerke, während sich meine Hände um das Gelände krallten.

„Dein Sugardaddy!“ schrie er kläglich zurück.

Und in dem Moment holte mich die Sillage voller Wucht ein. Schallende Ohrfeigen, so stark wie die von Arnold Schwarzenegger mit Galbanum Boxhandschuhen. Moos zwiebelte die nächste Chypre-Klatsche und Leder knockte mich letzen Endes aus. K.O.
Sah ich Sternchen oder drückte ein kettenrauchender Geist anschließend seinen würzigen Korianderglimmstengel auf mir aus?
Wahnsinn. Drei Sprüher hatten mir fast die Rübe abgesägt.

Und dann dämmerte mir Knobis Flucht. Er dachte wohl, ich hätte einen alten, gut situierten Herren mit Arrangement im Badezimmer versteckt, der mir geschwind im senffarbenen Hemd Bussis zusteckte.
Oh nein! Er tat mir schrecklich leid. Das schlechte Gewissen, es richtig zu stellen und das schmerzende Herz rangen gegen meinen Verstand. Letzterer gewann.

Meine Tante hatte jedenfalls recht, dass unvorhergesehene Dinge passieren. So hatte mir der Duft in seinem herb männlichen Dasein ganz ohne Grapefruit und Rosen einen Dienst erwiesen und die unliebsame Aufgabe abgenommen. Er löste nämlich alles andere als den Wunsch nach inniger Bindung aus.

Behalten habe ich den "Zara Exclusive N°04 - Leather Jardin | Zara" allemal. Er steht seitdem etwas abseits im Frösche Regal. Vielleicht wird er noch als Hilfsmittel Bekanntschaft mit denjenigen schließen, die sich letztendlich nicht in den Prinzen verwandelt haben. Und sollte sich ein Frosch unbeeindruckt zeigen und nicht gehen wollen, kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass "Zara Exclusive N°04 - Leather Jardin | Zara" mit einer einzigen Anwendung die Ausdauer von Tagen beweist. Er gewinnt jedes Armdrücken, mein Sugardaddy.
Knoblauch war kein Endgegner. "Erba Pura | XerJoff" wäre es mit Sicherheit. Aber mit dem werde ich mich in diesem Leben niemals einlassen.
38 Antworten
Puderperle vor 2 Monaten 29 35
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Flakon
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Sillage
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Haltbarkeit
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Duft
Je ne regrette rien
Ich wache auf, blinzele in die warmen Morgenstrahlen. Das Sonnenlicht küsst meine Nasenspitze. Die Sommersprossen, die du gestern so süß fandest, zwinkern sich wissend zu. Sie sind Zeuge. 
Mein Blick wandert über die Spuren letzter Nacht. Doch du bist nicht mehr da. Der Platz neben mir ist leer. Ich spüre Leere in meiner Brust. Nicht, dass ich es nicht gewusst habe. Die Vernunft hatte mich gewarnt. Geh nicht, sagte sie. Es wird später weh tun.  
Und doch habe ich nicht einen Moment gezögert, der Versuchung nachzugeben. Den Nervenkitzel des Ungehorsams zu spüren, mich euphorisch hineinzustürzen, um in deinen starken Armen zu landen. Ein Tanz energetischer Vertrautheit, pulsierender Körper, Wärme, 10.000 Volt… 

Ich zünde mir eine Zigarette an und beobachte die Ringe in der Luft. Noch gestern hast du versucht, sie auf deinem Zeigefinger aufzustapeln. Kichernd wählten wir irgendwelche Nummern und erlaubten uns mit verstellten Stimmen kindische Scherze.  

Wir waren betrunken vor Adrenalin und Anziehungskraft. 

„Tu es belle comme une cathédrale
Je veux m'agenouiller avec crainte
T'at tout admettre
Et demander ta bénédiction“

„Du bist schön wie eine Kathedrale
Ehrfürchtig möchte ich niederknien
Dir alles beichten
Und um deinen Segen bitten“

Ich hauche die Versprechen, die du mir gestern gegeben hast, in die morgendliche Frische. Mein Körper dampft, als die Kühle des geöffneten Fensters auf meine zarte Haut trifft. Meine Haut, die noch davon zehrt, von dir berührt worden zu sein. Du hast mir gezeigt, was eine richtige Gänsehaut ist. Du warst mein bester Lehrer. 
Ein letztes mal drücke ich mein Gesicht in die weißen Laken und atme den balsamischen Duft ein, den dein Körper ausgeschwitzt hatte. Süße, orientalische Klänge hallen blass in mir nach. Dabei hatte ich mich so bemüht, im Moment zu leben und ihn doch festzuhalten. Ich hatte keine Chance. Der Schlaf stahl ihn sanft aus meinen Armen.

„Il n'y a rien à avoir“
„Es gibt nichts zu beichten“, schreibe ich auf einen Post it und klebe ihn an deinen Spiegel, neben den violetten Lippenstiftabdruck meines Kussmundes.

In dem Moment als ich die Tür hinter mir zuziehe, trifft mich der Schmerz voller Wucht. Ob ich es bereue? Je ne regrette rien!

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Der Versuchung, mich auf einen Test mit "Lancaster (Eau de Toilette Concentrée) | Lancaster" einzulassen, habe ich nach all den verlockenden Rezensionen nachgegeben. Balsamisch würzige Kräuter, die mich in ihren Bann gezogen haben. Sie einzeln zu benennen ist für mich unmöglich. Rauch liegt in der Luft. Orientalisch, fast schon ätherisch mit leichter Süße. Starke Projektion mit kraftvoller Haltbarkeit. Beeindruckend für ein Eau de Toilette. Ein Schwergewicht, das dennoch durch die Transparenz halb so schwer wirkt. Wahnsinn, es steckt so viel Leidenschaft in diesem unscheinbaren Flakon, der äußerlich eher an einen alten Selbstbräuner erinnert.
Ich wusste, er wurde bereits eingestellt. Ich wusste, es wird nur eine Liebe für den kurzen Augenblick.
Tut es weh? Unfassbar ja.
Habe ich es bereut? Nicht eine Sekunde.
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Puderperle vor 2 Monaten 21 32
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Flakon
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Sillage
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Haltbarkeit
10
Duft
Puderpuppe
„Quentin, mach doch mal der Anna-Isabella ein Kompliment“, forderte der Datingexperte den schüchternen Teilnehmer seines Flirtkurses auf.

Quentins Hände rutschten von der Armlehne des Stuhls, so nassgeschwitzt waren sie. Er rieb sie an seiner Kordhose ab. Man konnte von außen regelrecht beobachten, wie sein Oberstübchen am Arbeiten war.
„Du… du hast hohe Absätze.“ quetschte er heraus und zeigte auf ihre Riemchenschuhe, in der Hoffnung das richtige gesagt zu haben.

„Ja das hast du folgerichtig erkannt“, sagte der Coach und ermutigte Quentin, noch etwas Nettes hinterherzuschicken. Der Schweiß rann ihm von der Stirn. Anna-Isabella reichte ihm ein Taschentuch.
„Du… ehm… du hast Taschentücher dabei, …das ist voll praktisch“, stammelte er.

Der selbstbewusste Coach mit dem super modernen Haarschnitt erklärte daraufhin nochmals allen Teilnehmern was unter einem Kompliment zu verstehen sei.
Er setzte sich auf die Kante seines Tisches und baumelte mit einem Bein. Das helle Weiß der Sneaker blendete regelrecht, passte aber hervorragend zu der Farbe seiner Veneers. Nachdem er die Zweiergrüppchen ausreichend beobachtet hatte, kündigte er an, einen Schritt weiter zu gehen. Nun sollte es nach einem erfolgten Kontaktaufbau bei beidseitiger Sympathie etwas intimer werden.

Mit ausdrücklicher Erlaubnis von Anna-Isabella, sollte Quentin nun etwas näher kommen, sodass er ihr Parfum wahrnehmen konnte. Was ihm dazu einfallen würde.
Der Bauch des armen Quentin machte jetzt wilde Glucker Geräusche. Er war peinlich berührt und aufgrund der Ablenkung wirklich nicht imstande nun so etwas tiefgründiges zu tun.

„Du riechst nach hübscher Frau, Anna-Isabella“, brachte er noch wahrheitsgemäß heraus. Sie errötete. Der Coach war begeistert, aber konnte seinem Teilnehmer keine weitere Beschreibung aus den Rippen leiern.

Um der Truppe zu demonstrieren, wie man es richtig macht, zog er einen Stuhl neben Anna-Isabella. Er betrachtete ihre zierliche Hand und legte seine große gebräunte daneben. Automatisch maß sie im Kopf den Längenunterschied und lächelte. Er begann ihre zarte, durchschimmernde Porzellanhaut zu beschreiben. Welchen Duft sie heute aufgelegt hatte, wollte er wissen und tat, als würde er einen Hauch von Ahnung besitzen. Wie erwartet hielt sie ihm ihren Handrücken hin. Ganz Gentleman, den Kopf geneigt, fragte er „Darf ich?“ und auf ihr Nicken nahm er ihr fast schon zerbrechliches Handgelenk in seine Hand und führte den Puls in Zeitlupe an seine Nase. Mit geschlossenen Augen atmete er ein.

„Rose. Du liebst Rosen“, mutmaßte er genußvoll. „Aber Puder steht im Vordergrund.“
Anna-Isabella machte große Augen. Ja das stimmte. Für diese Art von Aufmerksamkeit war sie sehr empfänglich. Leider hatte der Duft am Handgelenk an Haltbarkeit verloren, deshalb könne er nicht mehr so viel dazu sagen, obwohl er gerne die Tiefen des Dufts erforscht hätte. Folgerichtig spürte sie den Drang ihr seidiges Haar hinter die Schulter zu legen und ihm ihren Hals anzubieten. Mit gespielter Überraschung und Dankbarkeit nahm er das Angebot an und kam langsam näher.

„Hmm, wie wundervoll. So unschuldig. Der Duft deiner Haut gibt diesem zarten Parfum ein angenehmes Zuhause. Die sanfte Pudrigkeit unterstreicht deine natürliche Schönheit in harmonischen, leisen Tönen. Moschus bringt mich dazu, dich beschützend umarmen zu wollen. Voller Achtsamkeit. So wie man feinstes Porzellan betrachtet und mit Samthandschuhen berührt.
Holz… ja ich rieche Holz, der wie ein freundlicher Parkettboden leise knarrt, wenn du leichtfüßig darauf tanzt. Einer der dich sicher trägt. Du erinnerst mich an eine Ballerina, sauber, edel, anmutig. Dein Duft ermutigt mich, dir Geborgenheit zu schenken aber gleichzeitig fühle ich mich darin so wohl, als ob du diejenige bist, die mir einen leicht warmen Mantel um die Schultern legt. Ich kann es nicht anders sagen als: Einfach bezaubernd, kleine Puderpuppe. Erlaubst du mir diesen Spitznamen?“

Heftig nickend strahlte die Puderpuppe ihn an.

„Aach war das schee!“ Verzückt klatschte Regina in die Hände.
„Ja guck an, es gibt sie noch, die romantischen Männer“, träumte Bettina.

Leider hatte Quentin die Szene verpasst, als er von der Toilette wieder kam.
Anna-Isabella, der Inbegriff eines Clean-Girls war das egal, sie rückte ihr hellrosa Blusenkleid zurecht, um den Coach nach Ende des Kurses… nun ja, nach seinem Duft zu fragen.

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Der Coach der kleine Schelm hat den Duft genau so beschrieben, wie ich es tun würde. Hell, pudrig, unaufdringlich, sauber und feminin. Ein Wechselspiel zwischen warm-kalt. Er ist ladylike, aber so natürlich und kommt ohne Künstlichkeit aus. Fluffiger Narciso typischer Moschus und unstaubiger Puder machen den Auftakt. Rose ist gut wahrnehmbar, bleibt aber harmonisch im Zusammenspiel. Jasmin bemerke ich nicht. Die Basis ist pudrig zedernholzig. Er ist einfach leicht: leicht süß, leicht cremig und wird zum Ende hin auf meiner Haut auch leicht wärmer wie ein Frühlingstag. Ein faszinierender Duft, den ich niemals missen will.
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Puderperle vor 2 Monaten 21 28
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Rollkragenerotik
„Dita ist alles in Ordnung? Du musst gleich auf der Bühne sein.“

Dita biss sich gequält auf die Unterlippe. Nein, nichts war in Ordnung.
„Schick mir Victor! Dringend!“ bat sie ihre Assistentin durch geschlossene Tür.

„Victor? Der Hausmeister? Bist du sicher, dass du den meinst?“ fragte Feline, die Assistentin erstaunt.

„Ja ganz sicher! Und sag ihm er soll seinen Werkzeugkasten mitbringen!“

Victor, ein stämmiger zwei Meter Hüne aus Sibirien musste ihr Diskretion zusichern, bevor sie ihn hereinließ. Verstohlen musterte er sie aus dem Augenwinkel. So war ihm auch nicht entgangen, dass sie ihre Arme eng um den zierlichen Oberkörper schlang. Untenrum trug sie wie gewohnt ihr winziges Höschen.
Ihre Corsage war gerissen und ließ sich von ihrer Assistentin auf die Schnelle nicht nähen. Da sie in ihm einen lösungsorientierten Handwerker vermutete, bat sie ihn um Hilfe. Für Victor kein Problem, sondern eine äußerst ehrenvolle Aufgabe. Scheppernd öffnete er den Werkzeugkoffer und kramte nach Ösen, Dübeln, Schrauben und Zangen. Doch nichts schien so richtig zu zünden. Dita wurde immer nervöser. Sie tippelte von einer Fußspitze auf die nächste. Den Teil weshalb die Corsage gerissen war, hatte sie nicht erwähnt. Besser weihte man die Männer in die Geheimnisse praller Dekolletés nicht ein. Denn dieses mal hatte sie es mit dem ausstopfen sichtlich übertrieben.

„Tadaaa ich habs.“ Triumphierend hielt er graues Gewebeband in die Luft. Ehe sie verstand was gerade vor sich ging, wickelte er die kleine Künstlerin wie eine Puppe um die eigene Achse im Klebeband ein.
Nun ja, es hielt aber entsprach nicht den optischen Anforderungen einer Bourlesque Show. Ihre Lippe begann zu beben und bevor sie in Tränen ausbrach, zog er seinen tannengrünen Rollkragenpullover aus und stülpte ihr diesen über. Er roch wunderbar nach Holz.
„Mein Lieblingspullover, den ziehe ich zum Scheite hacken im Wald an.“ zwinkerte Viktor.
Da sie fast darin ertrank, zog er den Strick hauteng im Rücken zurück und tackerte alles schön fest. Zufrieden beäugte er sein Werk. Von vorne ein traumhaftes Kleid in Knielänge, das jede Kurve schmeichelhaft betonte. Die Rose im dunklen Haar gab den letzten Schliff.

Aber so konnte sie keine erotische Darbietung auf der Bühne bringen. Geschweige denn als eingeschnürtes Paket tanzen. Dita fühlte schon regelrecht, wie faule Eier und Tomaten aus dem Publikum auf sie einprasselten.

Auch das war kein Problem für Victor. Aus seiner Arbeitslatzhose zog er ein zerfledertes Buch und drückte es ihr in die Hand. Sie sollte einfach etwas vorlesen. Damit das ganze intellektueller wirkte, zog er sich die Hornbrille von der Glatze und setzte sie auf ihr hübsches Stupsnäschen.
Geschwind band er ihr noch eine schwarze Quaste vom Theaterumhang um die schmale Taille. Die Wirkung von Accessoires war schließlich nicht zu unterschätzen. Los raus, die Show beginnt.

Fast hätte er sich vergessen und ihr einen schwungvollen Klaps mit seiner Riesenhand auf das Hinterteil verpasst, konnte sich aber noch in letzter Sekunde besinnen. Es war schließlich nicht Galina, seine Frau. Puh, Glück gehabt!

Dita tippelte seitlich zu dem bereitgestellten Holzstuhl auf der Bühne, damit keiner die getackerte Wurst im Rücken sah. Sie nahm eine äußerst elegante Pose ein.

Hinter ihr befand sich das überdimensionale Martiniglas. Nur dass anstatt Dita, jetzt ein Haufen Schraubenmuttern und Metallspäne darin schwammen und herrlich glitzerten. Victor hatte wirklich ein Auge für Details.

„Ich hätte noch einen Bunsenbrenner für Spezialeffe…“, flüsterte er ihr zu.
„Nein, nein! Das ist schon gut so“, unterbrach sie ihn raunend. Kein Feuer, keine Axt und keine Motorsäge.

Dita hauchte eine Begrüßung ins Mikrophon. Jetzt war ihr Improvisationstalent gefragt. Was war das eigentlich für eine Lektüre, die ihr der Hausmeister da in die Hand gedrückt hatte… Eine Gebrauchsanweisung für Fahrstuhlhydraulik??? Es konnte nicht mehr schlimmer werden.

Sie entschloss kurzerhand, das Publikum mit einzubeziehen.
Victor- der Mann der Stunde, pickte jeweils einen Gast heraus und geleitete ihn in sicherem Abstand an Ditas Mikrofon. Er gefiel sich in der Rolle des Personenschützers, Modedesigners und Hydraulikbeauftragten.
Der Gast durfte eine Nummer zwischen 1 und 359 nennen, sie schlug die Seitenzahl nach und las einen beliebigen Satz daraus vor.

Seite drei war das Inhaltsverzeichnis und aus Ditas Mund äußerst anregend und klangvoll.
Jetzt: Seite 24. „Möchten… Sie abwärts… oder lieber aufwärts… fahren?“ fragte sie mit spannenden Zwischenpausen und blinzelte flirtend über den schwarzen Brillenrand.

„Aufwärts, lieber Aufwärts!“
„Ja, ja! Aufwärts ist besser!“
riefen drei Männer synchron, unterstützt von zustimmendem Gemurmel aus der Menge. Als die Seite mit den Warnhinweisen aufgerufen wurde, begannen die Herren im Publikum ihre Krawatten zu lockern und obersten Hemdknöpfe zu öffnen. Auch Frauen hingen gebannt an ihren Lippen. Es war mucksmäuschen still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Jeder der seine Nummer an Ditas Mikrophon loswurde, nahm im warm weichen Bühnenlicht den holzigen Duft vom getackerten Hausmeisterpullover wahr, der sich mit der cremigen Hautpflege und der dekorativen Rose der Künstlerin verband. Weihrauchharz, der balsamisch wirkte und minimale Pfefferspuren, verblendet mit weichen Sandel-/Hölzern. Nichts störte oder kratzte, alles passte angenehm zusammen. Süße ließ sich hier nur erahnen, die sich anbahnte wie ein Nießer, aber dann doch kitzelnd in der Nase verblieb. Ein leiser Wohlfühlduft mit der Assoziation zuhause zu sein. Kein Wunder, dass Victor die Gäste von der Bühne schieben musste, die nicht aufhören wollten zu schnuppern. Nie war ein Auftritt erotischer und interessanter gewesen, ganz gleich was der Inhalt ihrer Lektüre war. Der motivierte Hausmeister hatte kurz den Gedanken an einen Hydraulik Zetteltest, verwarf ihn dann aber doch. Denn ausnahmslos alle hatten gebannt zugehört. Also ein voller Erfolg. Dazu brauchte es keine nackte Haut. Erotik mit (technischem) Anspruch und Intelligenz für beide Geschlechter.
Dies war die Geburtsstunde des Parfums. Da sich ein Duft mit dem Namen ihrer Inspirationsquelle „Victor“ nicht gut genug verkaufen lassen würde, nannte sie ihn kurzerhand „Victresse“.

(Es handelt sich um eine fiktive Geschichte)
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