Puderperle

Puderperle

Rezensionen
1 - 5 von 57
Königin von Saba
Nein, ich bin keine Kriminelle. Ich war es nie. Aber ist es nicht so, dass man manchmal in Gedanken abschweift und sie naja wie soll ich sagen… sich so echt anfühlen, als wäre man mitten drin im Film seiner lebhaften Phantasie, in der alles legal ist?

Awraq al oud ist so ein Trigger. Ich halte den Flakon in der Hand. Er ist aus geriffeltem Glas mit bräunlichem Farbverlauf und ziemlich schwer. Der transparente Deckel wie ein kleines Sahnebaiser. An sich ganz hübsch, aber ich hätte einen maskulinen Oud Duft darin vermutet und damit wirkt er erstmal nicht sehr einladend auf mich ihn zu testen.

Ich sprühe einmal und die Intensität trägt mich schlagartig in ein Marmorbadezimmer des fernen Orients. Glänzende Oberflächen. Kunstvolle Wandmalereien. Goldene und silberne Schalen, verzierte Spiegel, ein eingelassenes Schaumbad mit frischen Rosenblättern. Eine kühle Brise weht durch die offenen Fenster. Die hübschen Dienstmädchen zwinkern sich aus den kayalumrandeten Mandelaugen zu, sie stehen bereit für die Königin von Saba. Das Echo von langsamen Schritten hallt an den gewölbten Decken wieder. Erhaben, ja fast schwebend tritt sie ein. Eine Erscheinung. Das Rascheln von hochwertig bestickten Stoffen, vom makellosen Körper gestreift. Die Mädchen würden lügen, wenn sie sagen sie hätten nicht hingeschaut. Wir alle bewundern verstohlen die göttliche Silhouette, die einer Stradivari gleicht. Wie schön sie ist. Im Bad eingetaucht reckt sie ihre Hand in die Luft. Instinktiv weiß ich sofort was sie braucht und reiche ihr ein hölzernes Schälchen mit einem Stück Rosenseife. Unsere Augen verfolgen wie sie damit in Zeitlupe über ihre samtige Haut streift, als wäre sie das zerbrechlichste der Welt. Oh möge dieses zauberhafte Ritual nie enden. Ich bemerke nicht, dass ich den Atem anhalte. Was für eine Ehre in den heiligen Hallen sein zu dürfen. Gerade als ich eine Seifenblase berühren will, platzt sie und zack sitze ich wieder auf meiner Ikea Couch, links von mir die Kartoffelchips und rechts der Flakon. Was war das gerade? Noch angetan von diesem Schauspiel möchte ich das goldene Etikett abkratzen und es umbenennen in „Königin von Saba“. Oder nein, noch besser…

Ich sprühe noch einmal und werde schlagartig in ein Pariser Atelier getragen. Es wirkt geschäftig, viel Gemurmel und das Klappern von feinstem Porzellangeschirr. Ich schaue genauer hin, es sind die antiken Sammeltassen mit Rosenmustern und Goldrand, die man heute fast nur noch in den Vitrinen der Großmütter oder Antiquariaten findet. Überall auf den Tischen liegen gezeichnete Entwürfe für wunderschöne Kleider. Oh fast hätte ich einen Hut mit Netzbesatz von einem Stuhl gefegt.
„Wir brauchen eine neue Inspiration. Chanel hat es doch auch geschafft mit ihrer Nummer 5.“, höre ich eine Damenstimme sagen. Ich drehe mich um. Es wird ganz still im Raum aber keiner scheint mich zu bemerken. Immer noch rätsele ich, in welchem Jahr ich hier gelandet bin. Die 30er? 40er oder doch in den 50er Jahren? Die Damen tragen Perlenschmuck und Seidenstrümpfe mit einer schwarzen Naht an den Waden. Die Haare sorgfältig in Wellen gelegt, roter Lippenstift soweit das Auge reicht. „Darf ich?“ höre ich mich sagen und nestele Awraq al Oud aus meiner Manteltasche. Da mir der Flakon ein wenig unwürdig erscheint, fülle ich ihn in ein Kristallfläschen in Rosenform ab. Ein Schüttflakon selbstverständlich, denn ein Tropfen reicht. Mit einer roten Quaste um den Flaschenhals gebunden reiche ich ihn der Dame. Sie kommt nicht dazu sich über den fremden Eindringling zu wundern, da sie offensichtlich gerade ihr Herz an die magische Flüssigkeit verliert. Mit aufgerissenen Augen schaut sie geschockt in die Runde „Das ist er! Chanel hat ernste Konkurrenz..!“ Ein greller Jauchzer. Alle Anwesenden scharren sich aufgeregt um den Flakon. „Wie heißt er?“ Ich kann noch im letzten Moment ein lächelndes „Königin von Saba“ sagen, bevor mich eine behandschuhte Hand ergreift, ich mich in Luft auflöse und wieder plumpsend auf meinem Sofa ankomme.

Was für ein Duft. Ich schäme mich nicht für den Gedanken das Parfum umfüllen zu wollen, in ein edleres Gewand. Lattafa du hast mich überrascht und beeindruckt. Ich würde ihn für das 15 fache verkaufen. Sillage und Haltbarkeit sind überdurchschnittlich stark. Ein Sprüher füllt Räume. Die Aldehyde beginnen energisch, kühl und seifig. Satte, reife Rosen entfalten ihre Schönheit, gebettet in holziger Schale. Es ist kein typisch orientalisches Oud mit stallig oder käsigem Charakter. Viel verträglicher und harmonisch zurückhaltend verblendet. Eher ein Einsteiger-Oud. Auch kein Vergleich zu den sonstigen Rosen-Oud Düften. Süß wird es hier nicht, ich hätte ihn beinahe als Chypre betitelt. Aldehyde haben fast immer einen Vintagecharme. Hier auch ein wenig, aber die Seife steht im Vordergrund und dennoch hat es einen zeitlosen Charakter. Der Duft impliziert Selbstbewusstsein. Der Wunsch nach einem zarten Skinscent wird hier gnadenlos überrollt. Ob ihn Herren tragen würden? Nun, wenn sie kein Problem mit gehäkelten Deckchen haben nur zu!
Ich fühle mich nicht von dieser Welt, sondern 40 Jahre intelligenter, gehoben, elegant und super teuer auf meinem Ikea Mobiliar mit Chips in den Ritzen. Wer kann mir schon das Wasser reichen?
„Ich“ haucht die Königin von Saba und reißt mich in meinem Wohnzimmer mit ihrer Rosenschale aus den Träumen.
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Neujahrsvorsätze
„Der Morgen weckte mich mit einer neuen Klarheit. Der weiße Mantel und meine Gedanken begleiteten mich in den Wald. Die kühle Luft färbte meine Wangen rosig, mein Atem dampfte. Nur meine Schritte waren zu hören. Nur ich und der Wald. Innerlich ließ ich den Ballast los, den ich so lange mit mir herumgetragen hatte. Es schien als würden mir die Nadelbäume freundlich zunicken und Mut zusprechen. Mein Nervensystem entspannte sich. Das was meine Seele bedrückte durfte gehen. Die Staubschicht auf allem vor dem ich mich fürchtete und die Wollmäuse aus den dunklen Ecken. Ein Gefühl des Aufgeräumt seins machte sich in mir breit.“

„Das war eine poetische und tiefgründige Antwort auf meine Frage, was deine Neujahrsvorsätze sind. Aber was hast du dir vorgenommen oder weggelassen?“, hakte er konkreter nach.

„Ach entschuldige, der Wald verleitet mich zum Träumen. Ich verliere mich immerzu darin“, antwortete sie, während sie ein wenig verlegen zu Boden blickte. „Ich habe den Koffer mit den synthetischen Stoffen entsorgt. Helle Baumwoll- und Leinenkleider schmeicheln mir so viel besser. Dem Zucker habe ich gänzlich abgeschworen. Jeden Morgen mein Näschen pudern und transparenten Lipgloss aufzutragen wird für einen Hauch Eleganz im Alltag sorgen, ohne aufdringlich zu sein. Und Leichtigkeit- ja ich möchte leichtfüßig durch mein Leben schweben, wie ein frischer Seifenhauch, der mein Umfeld in einen Wohlgeruch verwandelt. Wie schön wäre es, auch durch schwere Zeiten tanzen zu können…“

Seine Augen wurden glasig, der Atem beschleunigte sich. Er widerstand dem Drang ein wenig näher zu rücken. Trotzdem traute er sich nochmals nachzufragen: „Was brauchst du denn, um in schweren Zeiten tanzen zu können?“

Ein scheues Lächeln huschte ihr über das schöne Gesicht. „Eine starke Zeder, die mir Halt und Sicherheit gibt, sodass mich kein Wind davonwehen kann.“

Sie hatte es tatsächlich gesagt! Sein Herz machte einen Glückssprung. Behutsam griff er nach ihren zarten Händen. „Liebste Iris, lass mich dein Cèdre sein“.

Wer könnte sich nicht über diese wunderbare Verbindung freuen? Prada hat etwas Magisches erschaffen. Der schwere Glasflakon mit der verzierten Silberplatte hat etwas Nostalgisches. Es erinnert mich ein wenig an alte Apothekerflaschen. Auch der Inhalt passt gut. Pure Reinlichkeit und Frische. Die Zeder begrüßt sofort, bedeckt mit kühlem Seifenschaum. Es ist keine altmodische Seife, wie man sie von Aldehyden kennt. Sie ist jung geblieben, dynamisch, zeitlos. Iris – du hübsche Iris. Du sorgst für leichte Pudrigkeit, ohne zu sehr ins Feminine zu kippen. Du bringst in der Regel Lippenstift mit, aber hier bleibst du unisex transparent.
Im Vergleich mit Infusion d'Iris (2015) Eau de Parfum bist du frischer, luftiger und holziger. Ich rieche helle Farben, gebügeltes Outfit und ordentlich gekämmtes Haar. Dezent und professionell, ohne Emotionalität. Und selbst wenn ich schwitze- deine Seife hält durch. Auf meiner Kleidung nehme ich dich mehr als acht Stunden wahr.
Ach Iris Cèdre ich kann es nur so sagen: Du bist wunderschön!
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Dating unter Geschäftsleuten
Wie geht ein vielbeschäftigter Unternehmer vor, dessen Zeit knapp, aber sein Bedürfnis nach Bindung groß ist?
Genau, er beauftragt seine Sekretärin nach einer Kandidatin auf Augenhöhe zu suchen, die mit dem Geschäftssinn hinreichend vertraut ist. Dank ihrer Bemühungen auf einer Online Partnerbörse saß er schon wenige Tage später im noblen Restaurant. Ein Blind Date, das er zwischen etliche Termine schob. Der Sekretärin konnte man vertrauen, sie hatte ihn schließlich noch nie hängen lassen. Wie die ideale Frau sein sollte? Pfeffer im Hintern und auf keinen Fall langweilig, war sein Wunsch.

Etwas aufgeregt war er schon, nahm sich jedoch vor, dieses Gefühl mit rationalem Verstand zu unterdrücken. Ein winterlicher Wind wehte herein, als sich die Tür öffnete. Die Dame steuerte geradewegs auf ihn zu. Nach einer kurzen und effektiven Begrüßung ohne überflüssige Floskeln, half er ihr aus dem weißen Mantel. Darunter trug sie einen weißen Hosenanzug ohne Schnickschnack. Ob sie wohl eine Ärztin war? Spannend. Er wusste nichts über sie. Verstohlen blickte er immer wieder auf, bloß nicht starren. Makellos helle Haut. Rosige Wangen.

Die Bedienung trat an den Tisch für die Getränke heran. „Was darf es für die Dame sein?“
„Führungskräfte trinken Leitungswasser“, lächelte sie entschieden. Er musste sich ein Schmunzeln unterdrücken, bestellte dann aber aus ganz logischen Gründen das gleiche. Warum war er nie auf diesen Gedanken gekommen? Ihre Selbstverständlichkeit beeindruckte.

Die Unterhaltung war klar und strukturiert. Es blieb kein Raum für verspielte Flirtereien.
Ihm wäre fast entgangen, dass sich das Wasser, in welches sie ihren Zeigefinger tunkte, schlagartig in Eis verwandelte. Alles ganz beiläufig, beim studieren der Speisekarte.
„Äääh dein Glas…“ verschlug es ihm die Sprache.
„Ja? Willst du auch?“ Fragend blickte sie ihn an. Zack klirrten auch in seinem Getränk die Eiswürfel. Es war nicht möglich, diesen Moment zu verarbeiten, da nun die Bestellung für das Essen aufgenommen wurde. Was sie bestellte? Genauso absurd: Eine Schüssel Leitungswasser und extra große Pfefferkörner.

„… Und davon wirst du satt?“, entfuhr es ihm. Es ist ja nicht so, dass er sie in einen Schnellimbiss ausgeführt hatte. Die Speisekarte gab alles an Köstlichkeiten her, was man sich nur wünschen konnte.
Sie lächelte einfach. Unglaublich. Diese Frau wusste scheinbar genau was sie tat. Sie hatte Stil, auch wenn die Verwirrung in seinem Kopf nicht abriss.
„Was ich beruflich mache? Ich habe ein erfolgreiches Unternehmen gegründet.“
„Ja und was für ein Unternehmen?“ hakte er etwas ungeduldig nach.
„Ein Eiswürfelverleih.“
Er prustete laut durch das Restaurant. Grundgütiger hatte diese Frau Humor. Aber als sie ihm den Internetauftritt zeigte, gefror ihm das Lachen buchstäblich. Sie hatte sich keinen Scherz erlaubt.
Ein Glück wurden gerade jetzt die Speisen gebracht. Klong, klong, klong bereitete sie sich selbst wieder Eiswürfel zu, aber dieses mal in Rosenform. Dann streute sie großzügig mit der Pfeffermühle grobe Körnchen darüber. Er lehnte für sich dankend ab. Ihr Atem dampfte, während die Rosenwürfel zwischen den Zähnen knirschten.

Sie schaute auf die Uhr. Viel Zeit bleibe nicht mehr, denn sie könne nicht riskieren, dass eine Konkurrentin an ihrem Bein säge.
Warum sollte jemand an ihren Bein sägen?
Als könne sie Gedanken lesen, landete mit einem Rrrums ihr Bein auf der Tischkante. Sie zog den Stoff der Hose hoch und…. die Trüffel fielen ihm buchstäblich aus dem Mund, als er tatsächlich auf ein Holzbein blickte. Sie war aus echtem Holz geschnitzt.
Einen klitzekleinen klaren Moment hatte er noch und eine Frage die ihn brennend interessierte: „Wird eigentlich alles was du anfasst zu Eis?“ Ja, sie nickte. Reflexartig presste er die Oberschenkel zusammen.

In seinen Gedanken verfasste er bereits einen Abschiedsgruß: „Vielen Dank Frau Lalique, die Firma meldet sich. Für eine partnerschaftliche Ambition ist mein Interesse eingefroren aber für eine berufliche Zusammenarbeit bleibe ich offen…“ Was er noch nicht ahnt: Sie wird die Worte hören und das Tränchen auf ihrer Wange zu einem Eiskristall verzaubern.

Lalique.
Du bist schwer zu beschreiben.
Dass der Duft keine Emotionen transportiert kann ich nicht behaupten. Zwischen Gänsehaut und kühler Distanz liegen noch ein rosiges Lächeln und ein Nießen vom Pfeffer.
Die holzige Basis bringt kaum Wärme in den Eiskörper. Der Flakon zeigt schon gut auf, wohin die Reise geht. Matt gefrostetes Glas mit schwarzen Körnchen an den Randecken. Pudrig oder süß empfinde ich ihn gar nicht nicht. Tonka wo bist du eigentlich wenn man dich mal braucht? Patchouli gesellt sich zum Holz. Aber es hält sich alles noch im Rahmen. Kalt, holzig, rosig und würzig. Vor allem aber distanziert. An einem Mann gefällt mir der Duft besser als auf meiner Haut. Er hat einen speziellen Charakter, weshalb er gerne für berufliche Zwecke vorgeschlagen wird. Zu meinen Lieblingen gehört er nicht. Wird er vermutlich auch nie. Es brauchte eine Weile bis ich ihn irgendwie greifen oder verstehen konnte. Das liegt aber mit Sicherheit daran, weil ich nichts vom Eiswürfelverleih verstehe.
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Täter ermittelt
„Sie war die Schönste unter uns“ schluchzte die Frau des Bürgermeisters. „Und die Freundlichste“, weinte die beste Freundin.
Tränen rannen den Trauernden über die Wangen. Es war schwer zu ertragen. Das Unglück erschütterte die ganze Dorfgemeinde.
Ein gerahmtes Bild in Schwarz weiß mit Band ließ nur erahnen, wie bezaubernd die Verstorbene wirklich war. Jung und zart, das ganze Leben noch vor sich. Ihr seidiges Haar hatte stets nach Puder geduftet, die Haut war sanft und makellos gewesen.
„Weil sie in Rosenwasser gebadet und sich mit Heliotrop gepudert hat.“ wusste die Briefträgerin.
„Welche Blütencreme sie verwendet hat, wissen wir bis heute nicht“, grämte sich die Dorf-Pummelige, die trauriger darüber war, das ungelüftete Geheimnis beerdigen zu müssen. Etwas zu emotional pfefferte sie eine Handvoll Vanilleschoten ins Erdloch. „Benimm dich“, raunte ihr glatzköpfiger Ehegatte, der ihr dabei in die Seite puffte. Es fiel ihm schwer die aufrichtige Trauer zu verbergen, um den Hausfrieden nicht zu gefährden.

Vereint standen sie nun am Grab, warfen nach der Reihe ätherische Blättchen auf den heruntergelassenen Sarg. Keiner der Dörfler schien sich darüber zu wundern, denn die Puderpuppe war für ihre Hilfsbereitschaft und medizinisches Know How bekannt. Regelmäßig machte sie Hausbesuche und pflegte gebrochene Herzen mit Anis und Eukalyptus, die sie aus ihren lila Köfferlein hervorzauberte.

Am lautesten schniefte die Reihe der jungen Verehrer, denn niemand von ihnen hatte die Schöne retten können.
Weil die Augen bereits so angeschwollen waren, ließ der Dorfschönling versehentlich sein eingeschnäuztes Taschentuch ins Loch fallen, anstatt den Amberbrocken. Sie hatte den herbstlich-süßen Duft von Amber geliebt. Er ließ sie manchmal daran riechen, wenn er im Gegenzug mit ihr einen Walzer tanzen durfte.

Eine gute Nachricht gab es aber: Der Täter konnte noch am Tage der Beerdigung anhand von seinen dreckigen Fingernägeln ermittelt werden, die als erdige Spurenanhaftung auf dem Kleide des Opfers gesichert wurden. Wer hätte es gedacht? Es war der Totengräber Pat Schouli!

Oh weh, so eine traurige Geschichte. Leider fühlte sich mein Herz beim Testen genau so an. Eine unbeschreibliche Schönheit erscheint in den ersten zwei Sekunden. Feminin, zart, süß und hauptsächlich pudrig. Ja, genau so möchte ich duften. Kurz bevor man sie greifen und ans Herz drücken kann, erscheinen erdig, dreckige Grabschaufeln, die sie wegziehen wollen. Ein Kampf um die reine Seele beginnt. Im Hintergrund macht Anis auf sich aufmerksam und findet Gehör beim ätherischen Eukalyptus. Jedoch sind die Blüten zu weit entfernt, als dass sie das Spektakel wirklich mitbekommen. Vanille verteidigt sich, kommt gut zum Vorschein. Der Rest bleibt unbemerkt.

Den Seelenräuber, der mich zwangsläufig an Modriges oder feuchte Erde erinnert, kommt bei mir in der Regel nicht gut an.
Für manche mag die Kombination gut funktionieren, ich kann es leider nicht voneinander trennen, Patchouli stört mich einfach.

So legt sich ein Schleier von Trauer über mein Gemüt, denn erlösen kann ich meine Porzellanfee nicht mehr. Zu weit steckt sie schon im Erdloch. Traurig löse ich meinen Klammergriff und überlasse sie dem Herrn des Erdreichs.

Zum Abschied ritze ich „… leider wirst du niemals mein sein“, in das Holzkreuz. Ruhe in Frieden du Dorfschönheit.

Während ich schon davongelaufen bin, konnte sie sich mit einem Bein aus dem Grab befreien. Leider habe ich nicht die Geduld gehabt, so lange zu warten.

Danke liebe Pollita für die Testmöglichkeit.
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Der Bachelor
Wollt ihr wissen, weshalb die TV Aufnahme vom Finale so verwackelt war? Ich verrate es euch:
Da war er nun der Moment auf den alle gewartet hatten. Der Bachelor musste sich zwischen den bezaubenden Finalistinnen entscheiden. Eine ganze Nation fieberte Samstag Abend mit Popcorn vor den Bildschirmen mit. Es war zu spannend. Würde er sich für die Rothaarige mit den grünen Katzenaugen entscheiden oder für die Exotische Mitstreiterin, deren Lachen ganze Eisberge zum Schmelzen brachte?

Die Location hätte nicht effektvoller sein können: Hunderte Kerzen tauchten den Festsaal des Schlosses in warmes Licht, die Kristalle der Chandeliers funkelten königlich. Die Dekorateure krochen zuvor tagelang auf allen Vieren, um den roten Teppich mit Pinzetten zu entfusseln. Blumenbouquets und Pyramiden aus Champagnergläsern so weit das Auge reichte. Es war beeindruckend.

Die 4 Meter hohe Tür öffnete sich und der attraktivste Mann den die privaten Fernsehsender je ausgestrahlten, trat herein. Was für eine Erscheinung. Eine dunkle Strähne fiel ihm wie zufällig in die Stirn. Eine Labdanum-Jawline wie in Marmor gemeißelt. In seinen Lackschuhen konnte man sich spiegeln. Der Anzug vemochte kaum einen Benzoe-Muskel seines trainierten Körpers zu verbergen. Er war zwar immer schön, doch heute hielt man den Atem an. Den Knopf im Ohr mit den Stimmen der Regie brauchte er nicht, die Ansprache an die Damen hielt er gekonnt aus dem Stehgreif. Kurz ließ er die Traumdates Revue passieren:
Aus einer Taubenfeder bastelte er ein Flugzeug und brachte damit eine Kandidatin auf die Seychellen, dann zähmte er einen wilden Löwen, indem er ihm ins Ohr flüsterte und somit der zweite Dame in der Wüste das Leben rettete . Auch sein Sprung aus dem Weltall war spektakulär. Das ängstliche Mädel wartete am Boden auf ihren Helden. Jede Kobra ließ sich willenlos von ihm hypnotisieren und in Windeseile erschuf er ein Palmenparadis mit einer einzigen Schaufel- Aber erst nachdem er gestrandete Wale mit einer winzigen Tonkabohne zurück ins Wasser schob. Auf dem Wasser laufen konnte er bestimmt auch, würde er es versuchen. Das wäre aber genug der Angeberei. Chuck Norris verschoss auch nicht auf einmal sein ganzes Pulver.

Nun setzte er sich an den Flügel. Schon die ersten Klänge trieben Rührungstränen in die Augen aller Anwesenden. Sehr zum Leidwesen der Make up Artisten. Jetzt begann er auch noch zu singen. Natürlich konnte auch singen. Was konnte er nicht?

Nach elend langer emotionaler Achterbahnfahrt kam nun der Moment der letzten Rosenübergabe. Die Nerven waren zum Zerreissen gespannt. Endlich machte er einen Kniefall vor der Rothaarigen. Die Ansprache glich fast einem königlichen Heiratsantrag.
Doch sie reagierte etwas seltsam. Ein bedauernder Gesichtsausdruck, anstatt sich glückselig um seinen Hals zu werfen.
Beschämt zeigt sie mit ihrer Hand direkt in die Kamera. „Was ist?“ fragte der Bachelor etwas betröppelt, immer noch kniend. „Ich will lieber ihn“, sagte sie mit einem Frosch im Hals und räusperte sich, immer noch in die Kamera zeigend. Sein Lächeln war ihm soeben eingefroren. Ich möchte nicht wissen, wieviele Männer vor den Bildschirmen in Jubel ausgebrochen sind, die sich angesprochen fühlten.

Nun wurde groß auf ihr Gesicht gezoomt, als sie ihre Entscheidung zu erklären versuchte. Es ist nicht so, dass der Bachelor ihr nicht gefallen hätte. Ja er war sogar überdurchschnittlich attraktiv und talentiert. Allerdings sei er ihr zu perfekt. So ganz ohne Ecken und Kanten. Sie fühle sich unter Druck gesetzt, ebenso perfekt zu sein. Dabei sei sie so menschelnd. Es fühle sich alles wunderbar warm, glamourös und edel an, aber auf Dauer würde sie es langweilig empfinden.

Da der Bachelor auch mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet war, erhob er sich langsam aus seiner knienden Position. Jetzt dämmerte ihm der Korb. Wen meinte sie aber nun? Wen wollte sie mit ihrem Zeig in die Kamera?
„Den Mann dahinter“ lächelte sie schüchtern. Vor lauter Glück, dem schönsten Mann des Fernsehens vorgezogen worden zu sein, ließ der verstrubbelte Kameramann im Holzfällerhemd doch glatt die Kamera auf seine abgeranzten Chucks fallen…

Das war nun des Rätsels Lösung.
Grand Soir ist wie der Bachelor. Wunderschön, Kronleuchter-elegant, edel und harzig warm. Vanillig süß und unaufdringlich. Fast königlich mit Etikette. Keine Note sticht, kreischt oder vergreift sich im Ton. Alles ist und bleibt in perfekter Harmonie. Perfekt- das ist das richtige Wort. Ich dachte ich müsste ihn haben. Zwei Abfüllungen, die ich noch nicht mal geleert habe, ließen mich zweifeln. Irgendetwas fehlte mir. Gewürze? Likör? Eine schmuddelige Rose? Vielleicht hätte ein verschwitztes T-Shirt oder ein Kippchen? Eine Zahnlücke… Die Ecken und Kanten scheine ich wohl zu vermissen. Dies würde mich auf Dauer mit Langeweile plagen. Deshalb bleibe ich bei den Abfüllungen und genieße die Perfektion in den Herbst- und Wintermonaten wenn ich mich im Abendkleid an einen Flügel unter dem Kronleuchter setze oder realistischer: mit kuscheligem Pullover durch die weihnachtlich geschmückte Stadt spaziere. Zum Ausgehen eignet er sich hervorragend und wird aufgrund der starken Ausstrahlung sparsam im Verbrauch sein. Grand Soir ist natürlich ein Duft der unisex tragbar ist, ich hatte die männliche Form nur für den Unterhaltungswert bestimmt.
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