Puderperle

Puderperle

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6 - 10 von 33
Puderperle vor 3 Monaten 26 30
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Rollkragenerotik
„Dita ist alles in Ordnung? Du musst gleich auf der Bühne sein.“

Dita biss sich gequält auf die Unterlippe. Nein, nichts war in Ordnung.
„Schick mir Victor! Dringend!“ bat sie ihre Assistentin durch geschlossene Tür.

„Victor? Der Hausmeister? Bist du sicher, dass du den meinst?“ fragte Feline, die Assistentin erstaunt.

„Ja ganz sicher! Und sag ihm er soll seinen Werkzeugkasten mitbringen!“

Victor, ein stämmiger zwei Meter Hüne aus Sibirien musste ihr Diskretion zusichern, bevor sie ihn hereinließ. Verstohlen musterte er sie aus dem Augenwinkel. So war ihm auch nicht entgangen, dass sie ihre Arme eng um den zierlichen Oberkörper schlang. Untenrum trug sie wie gewohnt ihr winziges Höschen.
Ihre Corsage war gerissen und ließ sich von ihrer Assistentin auf die Schnelle nicht nähen. Da sie in ihm einen lösungsorientierten Handwerker vermutete, bat sie ihn um Hilfe. Für Victor kein Problem, sondern eine äußerst ehrenvolle Aufgabe. Scheppernd öffnete er den Werkzeugkoffer und kramte nach Ösen, Dübeln, Schrauben und Zangen. Doch nichts schien so richtig zu zünden. Dita wurde immer nervöser. Sie tippelte von einer Fußspitze auf die nächste. Den Teil weshalb die Corsage gerissen war, hatte sie nicht erwähnt. Besser weihte man die Männer in die Geheimnisse praller Dekolletés nicht ein. Denn dieses mal hatte sie es mit dem ausstopfen sichtlich übertrieben.

„Tadaaa ich habs.“ Triumphierend hielt er graues Gewebeband in die Luft. Ehe sie verstand was gerade vor sich ging, wickelte er die kleine Künstlerin wie eine Puppe um die eigene Achse im Klebeband ein.
Nun ja, es hielt aber entsprach nicht den optischen Anforderungen einer Bourlesque Show. Ihre Lippe begann zu beben und bevor sie in Tränen ausbrach, zog er seinen tannengrünen Rollkragenpullover aus und stülpte ihr diesen über. Er roch wunderbar nach Holz.
„Mein Lieblingspullover, den ziehe ich zum Scheite hacken im Wald an.“ zwinkerte Viktor.
Da sie fast darin ertrank, zog er den Strick hauteng im Rücken zurück und tackerte alles schön fest. Zufrieden beäugte er sein Werk. Von vorne ein traumhaftes Kleid in Knielänge, das jede Kurve schmeichelhaft betonte. Die Rose im dunklen Haar gab den letzten Schliff.

Aber so konnte sie keine erotische Darbietung auf der Bühne bringen. Geschweige denn als eingeschnürtes Paket tanzen. Dita fühlte schon regelrecht, wie faule Eier und Tomaten aus dem Publikum auf sie einprasselten.

Auch das war kein Problem für Victor. Aus seiner Arbeitslatzhose zog er ein zerfledertes Buch und drückte es ihr in die Hand. Sie sollte einfach etwas vorlesen. Damit das ganze intellektueller wirkte, zog er sich die Hornbrille von der Glatze und setzte sie auf ihr hübsches Stupsnäschen.
Geschwind band er ihr noch eine schwarze Quaste vom Theaterumhang um die schmale Taille. Die Wirkung von Accessoires war schließlich nicht zu unterschätzen. Los raus, die Show beginnt.

Fast hätte er sich vergessen und ihr einen schwungvollen Klaps mit seiner Riesenhand auf das Hinterteil verpasst, konnte sich aber noch in letzter Sekunde besinnen. Es war schließlich nicht Galina, seine Frau. Puh, Glück gehabt!

Dita tippelte seitlich zu dem bereitgestellten Holzstuhl auf der Bühne, damit keiner die getackerte Wurst im Rücken sah. Sie nahm eine äußerst elegante Pose ein.

Hinter ihr befand sich das überdimensionale Martiniglas. Nur dass anstatt Dita, jetzt ein Haufen Schraubenmuttern und Metallspäne darin schwammen und herrlich glitzerten. Victor hatte wirklich ein Auge für Details.

„Ich hätte noch einen Bunsenbrenner für Spezialeffe…“, flüsterte er ihr zu.
„Nein, nein! Das ist schon gut so“, unterbrach sie ihn raunend. Kein Feuer, keine Axt und keine Motorsäge.

Dita hauchte eine Begrüßung ins Mikrophon. Jetzt war ihr Improvisationstalent gefragt. Was war das eigentlich für eine Lektüre, die ihr der Hausmeister da in die Hand gedrückt hatte… Eine Gebrauchsanweisung für Fahrstuhlhydraulik??? Es konnte nicht mehr schlimmer werden.

Sie entschloss kurzerhand, das Publikum mit einzubeziehen.
Victor- der Mann der Stunde, pickte jeweils einen Gast heraus und geleitete ihn in sicherem Abstand an Ditas Mikrofon. Er gefiel sich in der Rolle des Personenschützers, Modedesigners und Hydraulikbeauftragten.
Der Gast durfte eine Nummer zwischen 1 und 359 nennen, sie schlug die Seitenzahl nach und las einen beliebigen Satz daraus vor.

Seite drei war das Inhaltsverzeichnis und aus Ditas Mund äußerst anregend und klangvoll.
Jetzt: Seite 24. „Möchten… Sie abwärts… oder lieber aufwärts… fahren?“ fragte sie mit spannenden Zwischenpausen und blinzelte flirtend über den schwarzen Brillenrand.

„Aufwärts, lieber Aufwärts!“
„Ja, ja! Aufwärts ist besser!“
riefen drei Männer synchron, unterstützt von zustimmendem Gemurmel aus der Menge. Als die Seite mit den Warnhinweisen aufgerufen wurde, begannen die Herren im Publikum ihre Krawatten zu lockern und obersten Hemdknöpfe zu öffnen. Auch Frauen hingen gebannt an ihren Lippen. Es war mucksmäuschen still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Jeder der seine Nummer an Ditas Mikrophon loswurde, nahm im warm weichen Bühnenlicht den holzigen Duft vom getackerten Hausmeisterpullover wahr, der sich mit der cremigen Hautpflege und der dekorativen Rose der Künstlerin verband. Weihrauchharz, der balsamisch wirkte und minimale Pfefferspuren, verblendet mit weichen Sandel-/Hölzern. Nichts störte oder kratzte, alles passte angenehm zusammen. Süße ließ sich hier nur erahnen, die sich anbahnte wie ein Nießer, aber dann doch kitzelnd in der Nase verblieb. Ein leiser Wohlfühlduft mit der Assoziation zuhause zu sein. Kein Wunder, dass Victor die Gäste von der Bühne schieben musste, die nicht aufhören wollten zu schnuppern. Nie war ein Auftritt erotischer und interessanter gewesen, ganz gleich was der Inhalt ihrer Lektüre war. Der motivierte Hausmeister hatte kurz den Gedanken an einen Hydraulik Zetteltest, verwarf ihn dann aber doch. Denn ausnahmslos alle hatten gebannt zugehört. Also ein voller Erfolg. Dazu brauchte es keine nackte Haut. Erotik mit (technischem) Anspruch und Intelligenz für beide Geschlechter.
Dies war die Geburtsstunde des Parfums. Da sich ein Duft mit dem Namen ihrer Inspirationsquelle „Victor“ nicht gut genug verkaufen lassen würde, nannte sie ihn kurzerhand „Victresse“.

(Es handelt sich um eine fiktive Geschichte)
30 Antworten
Puderperle vor 3 Monaten 24 30
10
Flakon
9
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Zappzarapp
Entschlossen öffnete ich die Tür der Parfümerie. Die Absätze meiner Louboutins klackerten auf dem Marmorboden.
Ach so, Lächeln nicht vergessen.

Der Kopf einer Verkäuferin tauchte über den Regalen auf. Sie hatte sich wohl auf die Fußspitzen gestellt. Überfreundlich kam sie um den aufgestellten Werbeadonis von Paco Rabanne getippelt und musterte mich ungeniert.
„Kann ich Ihnen behilflich saaaain?“

Automatisch spiegelte ich ihre Süffisanz wieder. Natürlich, unbedingt brauchte ich ihre Hilfe für mein Vorhaben:
„Ja das ist furchtbar nett von Ihnen, ich würde gerne einen klassischen Damenduft testen, der heute noch tragbar ist.“

Dabei drehte ich mich langsam in Richtung Guerlain. Sie steuerte aber zielsicher in Richtung Chanel. Ein Griff und Pftpftpft hielt sie mir den Papierstreifen unter die Nase. Ich erkannte sofort No. 5, stellte mich aber dumm.

„Sie haben etwas Feines herausgesucht“, lobte ich sie.
Da er mir dann doch ein wenig zu pudrig war, bat ich um weitere Auswahl.
Quelque Fleurs war mir zu blumig, Aromatics zu würzig und White Linen zu sauber. Mit gutem Zureden, ob sie mit ihrem Sachverstand auch vielleicht etwas vanilliges mit exotischem Namen zeigen könne, griff sie zu Eden. Man die Alte war echt schwer von Begriff. Man mag es kaum glauben, aber geheucheltes Lob kostet auch seine Anstrengung. Fast wollte ich aufgeben, bis sie innehielt und sich kopfkratzend vor dem Guerlain Regal platzierte. Erleichtert atmete ich aus. Endlich stand sie da wo ich sie haben wollte.
Ihre Augen wanderten die einzelnen Flakons durch bis -„Ha hier hab ich was“, -
sie den zauberhaften Flakon von Shalimar, dem Objekt meiner Begierde in die Höhe hielt. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit schwappte in der kunstvoll gefertigten Glasflasche. Sie nahm den blauen Deckel ab und sprühte den Duft großzügig auf meinen ausgestreckten Unterarm.
Ich schloss die Augen. Endlich. So fühlte sich der Himmel an. Dort blicke ich auf mir herab, konnte aber zunächst nichts erkennen. Waren es die Wolken oder dichter Rauch? Es wäre mir neu, dass Engel eine Vorliebe für Tabak hegen oder auch sehr unwahrscheinlich, dass der Himmelsthron gerade abfackelt. Was könnte es also sein?

Eine Reihe bezaubernd schöner Tempeldienerinnen kam tanzend und singend auf mich zu. Ich staunte. Die erste hielt Räucherwerk in ihrer Hand, das sie mit sanften Bewegungen um mich schwang. Die zweite setzte mir eine Krone aus Bergamotten auf, für den zitrischen Einschlag. Die dritte Tänzerin half mir in ein zartes Seidenkleid, dessen Oberfläche golden schimmerte. Den Reigen beschloss die Spiegelträgerin, mit einer Einladung mich zu betrachten. Ich rieb meine Augen. Was war mit meinen Beinen passiert? Waren das Vanilleschoten? Tatsächlich. Endlos lange Vanilleschoten. Aber es sah irgendwie gut aus.
Ich fühlte eine Hand auf meiner Schulter und als ich im Begriff war, wiegend in den Reigen mit einzustimmen, hörte ich

„Hallo? Der Duft gefällt Ihnen wohl auch nicht?“

Schlagartig holte mich die Parfumverkäuferin mit dem gezwungenen Lächeln und viel zu kleinem Blazer zurück.

„Äh nein, leider nein. Gar nicht“, log ich, behielt den Flakon aber in der Hand. Um sie bei Laune zu halten, schmierte ich ausreichend Honig um ihren schwarz umrandeten Mund und bat sie noch ein letztes mal um einen bestimmten Duft, von dem ich wusste, dass er nicht im Laden erhältlich sei. Die Dame fühlte sich offensichtlich gebauchpinselt und begann aus ihrem Privatleben zu plaudern. Dann schwebte sie übereifrig an ihr Tablet, um die Bestellverfügbarkeit zu überprüfen.

Mein Telefon klingelte und ich entschuldigte mich, den armen Taxifahrer nicht warten lassen zu wollen. Bevor sie die Bestellung abschließen konnte, bedankte ich mich überschwänglich für ihr exzellente Beratung und ließ dabei Shalimar unauffällig in meine Manteltasche plumpsen. Draußen stellte ich den Wecker aus und schritt langsam zur Bushaltestelle, damit die Krone nicht verrutschte….

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Nein liebe Leser, klauen ist nicht gut. Auch nicht bei Testern. Handschellen sind nämlich nicht unbedingt das schönste Accessoire.
Den Beschreibungen, der Duft sei altmodisch, kann ich mich nicht anschließen. Bereits beim ersten Test wurde ich wie oben beschrieben in eine andere Welt versetzt. Bergamotte auf dem Kopf, die endlosen, nicht zu süßen Vanilleschoten, gehüllt in einen warmen Rauchmantel. Zeitlose Eleganz und Charakter, Schönheit und Adel. Nicht kleidsam genug für die Jeanshose, eher ein Begleiter für den großen Auftritt. Ein abgedroschenes Wort der KI, aber ich kann es nicht anders sagen, sondern ehrfürchtig flüstern: Shalimar ist für mich wahrhaft ein „Meisterwerk“.
30 Antworten
Puderperle vor 3 Monaten 19 22
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9
Duft
Eichhörnchen
Konstantin liebte Routinen. Jede Mittagspause ging er exakt um 12 Uhr mit seinem Buch in den Park, um dort alleine auf seiner Lieblingsbank einen Fantasy Roman zu lesen. Er las immer nur so weit, bis er wieder bei gerader Seitenzahl rechts unten aufhören konnte. Einsam war er nicht, zumindest würde er es niemals eingestehen. Er hatte genug Enttäuschungen erlebt, die ihn dem weiblichen Geschlecht gegenüber zunehmend verschlossen.

Neuerdings konnte er sich kaum auf seine Mittagslektüre konzentrieren, denn da gab es dieses eine „Problem“.
Seit etlichen Tagen bemerkte er die großflächig verteilten Abfälle eines übermäßigen Pistazienkonsums. Jedesmal schwoll ihm der Kamm, wenn er die Schalen sah. Es kratze erheblich an seinem Hygiene- und Symmetrieempfinden. Böse Zungen würden behaupten er würde möglicherweise unter einer Zwangsstörung leiden.

Eines sonnigen Frühlingstages konnte er eine frische Spur entdecken. Die Augen verfolgten suchend die Linie auf dem Kiesweg, die ihn zu einer Sandelholzbank unter schattigen Bäumen führte.
Aha. Hier musste die Quelle der Verunreinigung sein. Um die Bank herum lagen im weiten Bogen hunderte von Nussschalen im Gras verteilt.
Er wollte gerade mit einer ziemlich unfreundlichen Ermahnung ansetzen, die sich wochenlang in ihm aufgestaut hatte, als ihm das „Eichhörnchen“ zuvorkam und sich umdrehte. Das lieblichste Wesen, das er je gesehen hatte lächelte ihn an. Ihm blieb jedes Wort im Halse stecken. Klassischer Fall von Blackout.
In ihrem weiß-rosa gestreiften Kleid und den Spacebuns erinnerte sie an eine Anime Puppenfrau. Das zarte Gesicht wirkte, als hätte man einen weichen Filter aus alten Hollywoodfilmen darüber gelegt. Kam es ihm nur so vor oder hörte er Geigen spielen?

Das Rascheln einer Nusstüte holte ihn wieder zurück. Sie fischte eine Pistazie heraus und klemmte sie zwischen ihre perlweißen Zähne. Bei dem Knacken zuckte er unweigerlich zusammen. Die arme Nuss verliert ihre Behausung, dachte er kurz.

Die Nussknackerin hielt ihre Hand hin „Jasmin“ stellte sie sich vor.
„Du meinst wohl Schöne Jasmin“ korrigierte er.

Die schöne Jasmin kicherte.

„Eh… ist Aladdin auch hier?“ hörte er sich selbst ein wenig zu übermütig kieksen, um sich im nächsten Moment wie ein Idiot zu fühlen. Zu spät, er spürte schon die Hitze in seinem Quadratschädel pulsieren.

Zum Glück unterbrach sie die peinliche Stille. „Wie heisst du?“

„Konstaldin“

Sie blickte zunächst verdutzt drein, um im nächsten Moment in schallendes Gelächter auszubrechen.

Stolz, dass sein Wortwitz so gut ankam, räusperte er sich jetzt, um endlich zum Punkt zu kommen:
„Du hast heute 392 Pistazien gegessen. Und seit Montag vor drei Wochen insgesamt 8.934. Offenbar hast du vergessen abzuräumen.“
Er hielt ihr triumphierend eine ausgeblichene Netto Tüte mit Nussschalen unter die Nase.

Ihr Lachen verstummte. Sie war sprachlos. Oder beeindruckt. Das konnte er nicht so genau sagen. Mimik aus Gesichtern abzulesen gehörte nicht zu seinen Stärken, ebensowenig zu merken, wann man das Richtige im passenden Moment sagen oder tun sollte und umgekehrt. Was er aber dann doch erkannte waren die weißen Kleckse in ihrem sonst makellosen Gesicht.

„Du hast da was.“
Schneller als sie reagieren konnte, malte sein Zeigefinger schon auf ihrer Wange und verschwand daraufhin in seinem Mund.
„Ah Creme. Nivea Creme mit Paraffinum Liquidum ums genauer zu sagen“, analysierte er.

Jetzt war sie ein wenig peinlich berührt, dass sie so stümperhaft mit ihrer Pflege am Morgen umgegangen war. Das störte aber nicht weiter. Ganz verzaubert von ihren Mandelaugen vergass er seinen Vorsatz, Abstand zum weiblichen Geschlecht zu halten. So fasste er sich ein Herz und fragte, ob sie mit ihm ausgehen wollen würde. Das sei viel zu kompliziert, entgegnete die schöne Jasmin, sie habe eine Lebensmittelallergie. Sie könne nichts außer diese Nüsse essen.
Das konnte er logisch nachvollziehen und sein Ärger war ihm fast schon peinlich.

Aufgrund des Umstandes saßen sie tagein- und tagaus auf der gleichen Bank und teilten sich Pistazien aus einer Packung. Für das wilde Spucken der Schalen konnte sie ihn leider nicht gewinnen. Er ging soweit den Kompromiss ein, die Nettotüte symmetrisch in Fußnähe aufzustellen, um dort hineinzuzielen.

Randnotiz: Sie wurden durch den übermäßigen Konsum übrigens auch immer schlauer und gesünder und das beste von allem: einsam war auch keiner mehr. Aber das würde Konstaldin natürlich nie zugeben, genauso wenig, dass er sein Buch niemals zuende lesen würde.

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Dieser Trussardi hat mich auf Anhieb verzaubert. Ein unaufdringlicher Puderduft wie das sanfte Lächeln der Frühlingssonne. Neroli und Bergamotte geben nur ganz zart in der Kopfnote eine frische Brise, die Pistazie ist angenehm süß, ohne klebrig zu werden. Salz bleibt mir verborgen. Cremig ist der Duft von Anfang bis zum Sandelholzende. Ich rede aber von einer Hautpflegecreme, keinem essbaren Dessert. Den Pflegeaspekt hat der Duft der schönen Jasmin zu verdanken, die immer harmonisch und nie aufdringlich wird. Die Sillage nehme ich eher hautnah wahr.

Ich danke dir liebe Kalinka1973, dass du deine Schatzkiste geöffnet und die Liebe für den Duft mit mir geteilt hast. Es ist wie ein gemeinsames Pistazienfuttern unterm Jasminstrauch.
22 Antworten
Puderperle vor 4 Monaten 16 26
10
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
3
Duft
Nonnengrenzschutzpolizei
Schwester Bernadette hatte ein komisches Bauchgefühl. Da war doch was im Busch. Als sie am Morgen nach der Andacht durch den Klosterflur lief, verstummten die Gespräche. Die Nonnen huschten in ihre Zimmer, als ob sie auf der Flucht wären. Dem würde sie auf den Grund gehen müssen, denn als von Gott eingesegnete Äbtissin trug sie schließlich die Verantwortung für das Kloster und alle Ordensschwestern.

Getuschel hier, Getuschel da. Vereinzelt lief die ein oder andere Schwester rot an und wich ihren Blicken aus, wenn Bernadette erschien. Von einem auf den anderen Tag rissen sich die Schwestern um die anstrengende Arbeit im Klostergarten. Ja auch bei Wind und Wetter.

Schwester Bernadette hatte früher unter ihrem Vater gelitten. Er war Polizist und streng mit seinen Kontrollen, auch zuhause. So entfloh sie mit der Volljährigkeit und legte ein Gelübde ab. Ihren Scharfsinn, die Lust am Ermitteln, sowie die Fähigkeit um die Ecke zu denken nahm sie jedoch dankbar aus der Erziehung mit. Diese führten sie nämlich geradewegs in das gemäuerte Türmchen, wo sie mit dem Fernglas folgende Szenerie beobachtete:

Die drei Nonnen, Victualia, Rebecca und Edelgart tuschelten gebückt im Schutze der Tomatenstauden. Dann stand eine nach der anderen auf und lief querfeld über die Möhren, Zucchini und Ringelblumenbeete, ohne den Trampelpfad zu benutzen.

Schwester Bernadette schnappte nach Luft.

Im Abstand von wenigen Metern liefen sie nun am Ende des Gartens in Zeitlupe entlang. Genauer gesagt schritten sie feierlich mit erhobenen Häuptern wie bei einer Hochzeit. Nur dass es hier keinen roten Teppich, sondern rote Beete gab. Das Schauspiel wurde immer bizarrer als… ein Mönch aus einem nachbarschaftlichen Gemäuer geradewegs auf die rote Beete zulief. Ja er wirkte regelrecht wie ferngesteuert. Doch was war das?
Er begann sich den drei Schwestern zu nähern und im gleichen Abstand hinter ihnen die Runden zu laufen. Wie ein Ententanz. Erst kicherte Schwester Victualia, dann Rebecca. „Pssssssst“ machte Edelgart, die immer noch den Rechen in der Hand hielt. Sie wechselten ein paar Worte mit dem Mönch und sprangen wie euphorisierte Gazellen zurück in den Klosterhof. Gearbeitet hatten sie nichts. Der Glaubensbruder lief zwei weitere Runden im fremdem Garten, schnüffelte dabei wie ein Hündchen und trottete anschließend von dannen.

Das war zu viel für Bernadette. Zitternd ließ sie das Fernglas sinken. Noch heute Abend würde sie während der Abendandacht die Zimmer der jungen Schwestern durchsuchen, um sie vor der Sünde zu bewahren. Sie durfte nicht zulassen, dass der Teufel seine Klauen um die Herzen ihrer unschuldigen Glaubensschwestern schlingen würde. Und das war ihre lautere Befugnis, die heimliche Durchsuchung durchzuführen.

Die Fundstücke legte sie ungläubig auf den hölzernen Schreibtisch: Eine Parfumflasche Obsession, Decadence, einen sternförmigen Angel und das sündigste von allen: ein rosa Flakon mit nackten Silberbeinen als Deckel! Skandal war darauf abzulesen. Alle Düfte rochen süß und zutiefst verführerisch. Pfui Teufel! Ja die Wirkung wäre regelrecht hypnotisch auf einen… - sie hielt vor Schreck die Hand vor den Mund und zählte 1 und 1 zusammen! In tiefster Trauer war guter Rat nun teuer. Was sollte sie tun? Den Exorzisten bestellen? Die Nacht war schlaflos.

Am nächsten Morgen rief sie inbrünstig dazu auf, ob es jemanden gäbe, der vielleicht Buße tun und sein Gewissen bereinigen möchte. Das gezeichnete Höllenfeuer schien wenig Eindruck zu schinden, keine meldete sich. Etliche blickten beschämt zu Boden. Der Zusammenhalt unter den Nonnen war vorbildlich. Sie hatten das Fehlen der Flakons natürlich bemerkt, keine würde es jedoch wagen die Besitzerinnen zu verpfeifen. Zumal sie die Kostbarkeiten geteilt hatten.

So blieb der Ordensschwester Bernadette nichts anderes übrig, als das Kommando selbst zu übernehmen. Sie wies ein paar gutgläubige Pilger an, das Moos von den Klostermauern zu kratzen. In der Hoffnung Punkte auf dem Himmelskonto zu sammeln, füllten sie fünf Körbe. Den Lausebengeln, die ihre Küchenkräuter aus dem Garten gebuddelt hatten, war sie nicht mehr nachtragend, denn die herben Kräuter legte sie nun zu dem Moos.
Sie zog sich in die Kellersuppenküche zurück und schnitt eine ordentliche Ladung Patchouli hinein. Abgedeckt mit einer alten Lederjacke köchelte das Gebräu über Nacht. Dort wurden Rosen, Jasmin und Ylang Ylang, sowie Moschus und Vanille aufgrund der hohen Hitze bis zur Unkenntlichkeit verkocht. Galbanum überlebte. Die Flüssigkeit nahm den modrigen Geruch der Gemäuer auf. Noch bevor der Morgen graute, zog Bernadette mit dem Kessel los. Schöpfkelle für Schöpfkelle lief sie die Klostergrenzen ab und verteilte die Flüssigkeit überall wo sie hinkam. Der Zerstäuber war übrigens praktisch für die Ritzen im Gemäuer. Bis zum Sonnenaufgang war das gesamte Anwesen, inklusive des Gartens getauft. Alles dampfte. Der Geruch war so streng, dass die Gartenarbeit ruhen musste, Honigbienchen und schaulustige Pilger blieben aus. Auch der Mönch wurde nie wieder gesehen. Die Schwestern dachten an Himmelfahrt oder plötzlichen Herztod. Schwester Bernadette nahm ihr Geheimnis übrigens mit ins Grab. Sie war glückselig, ihre Glaubensschwestern vor der Verführung bewahrt zu haben. Sie nannte die Erfindung Grès Cabochard. Seitdem wird es im Kloster in hübschen Fläschchen zum Verkauf mit 100%iger Wirkungsgarantie angeboten. Gesprüht werden muss im Kloster übrigens nichts mehr, es hält bis ins 1000 jährige Reich.
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Sinnlich ist an dem Duft mal so gar nichts. Muss auch nicht. Ein strenger Chypre. Faszinierend und abstoßend zugleich. Blumen? Da sind Blumen drin? Ich rieche bloß Galbanum, Leder, Erde, bittere Kräuter und Moos. Viel Moos. Süß ist hier nur der Flakon. Mit meiner Schwäche für hübsche Verpackungen bin ich ihm auf den Leim gegangen. Die verspielte Schleife passt kein bisschen zum Inhalt, bzw. hatte ich eine andere Vorstellung davon. Die guten Bewertungen haben mich auch in die Irre geführt, oder vielleicht verstehe ich den Duft (noch) nicht. Ich habe ihn behalten, weil ich jedesmal lachen muss wenn ich daran rieche und an Schwester Bernadette denke. Gott hab sie selig. Sie hat es doch nur gut gemeint.
26 Antworten
Puderperle vor 4 Monaten 13 43
8
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Unberührt berührt
Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als ich dir zum ersten mal begegnet bin. Als wäre es erst gestern gewesen. Du wurdest uns als neue Kollegin vorgestellt. Ich war nicht darauf vorbereitet. Dass eine Neue kommt zwar schon, aber nicht auf die Wirkung, die du auf mich hattest.
Alle Eindrücke prasselten in den nächsten Tagen auf dich ein, so viele Namen und Arbeitsabläufe. Der ganze Trubel war eine gute Tarnung für mich. So blieb dir verborgen, dass ich dich beobachtete. Ganz ungeniert.
Meinen Namen konntest du dir nie merken, ich sagte ihn dir fünf mal. Immer dann, wenn wir flüchtig miteinander zu tun hatten. Übel habe ich dir das nie genommen. Dazu bist du viel zu charmant. Außerdem hast du kleine Grübchen in der Wange, wenn du verlegen wirst. Also frag mich noch 1000 mal nach meinem Namen. Ich werde nie müde, ihn dir zu sagen.

Ich ertappe mich dabei, Gründe zu erschaffen, um mich in deiner Nähe aufzuhalten.
Jeder Blickkontakt mit deinen schwarzen Johannisbeeraugen lässt mein Herz für einen Moment aussetzen und dein Lächeln an mich gerichtet versetzt Berge. Oder lässt Koriandersamen regnen. Ja merkwürdige Dinge passieren in deiner Gegenwart.

Deine Stärke. Die ist enorm. Du betrittst den Raum und du füllst jeden Winkel mit einer Präsenz aus, die Räuber in die Flucht schlägt. Vermutlich, weil du aus Oud Holz geschnitzt bist.
Du hattest mal erwähnt, Winter sei deine Zeit. Eindeutig ist das so. Deine Wangen strahlten nie rosiger. Strickpullover mit kräftigen Safranfäden halten dich warm und schenken dem Umfeld eine angenehme Sillage. Du trotzt jeder Kälte, bringst Eisberge zum Schmelzen. Ob das am orientalischen Einschlag liegt? In dir glüht das Feuer der Wüste.

Leider stand dein Name nicht auf meinem Wichtelzettel. Gott hatte mein Gebet nicht gehört. Höflich lächeltest du die olle Schneemann-Duftkerze weg, um Günther nicht zu verletzen.
Ich hingegen hätte dir die Welt geschenkt. Oder ein Pferd, damit wir es nicht erst stehlen müssen. So würden wir Zeit sparen und könnten gleich abhauen. Mit Sternen kannst du vermutlich nichts anfangen, du bist zu taff. Du würdest sie selbst vom Himmel pflücken. Ganz ohne Leiter. Dafür brauchst du keinen Mann.

Der Duft deiner Haare hypnotisiert mich selbst auf Abstand. Wie mögen sie sich wohl anfühlen? Nein. Ich bin ein Mann mit Anstand und Respekt. Ich berühre dich nicht. Außer… den Gedanken sind keine Grenzen gesetzt. Und in meiner Phantasie komme ich langsam zwei Schritte näher, rieche an deinem Haar… ganz zart, Moschus und Vanille…

„Ist alles in Ordnung?“
Ertappt laufe ich rot an, traue mich nicht dir in die Augen zu schauen. Habe ich gestarrt? Hast du mir die gestammelte Notlüge, den Tacker zu suchen abgenommen? Er wird wohl kaum in deinem Haar gesteckt haben.

Nein. Ich bin kein Stalker. Werde ich nie sein. Erlaube mir, dir meine aufrichtige Bewunderung auszusprechen für die Schönheit deines Charakters. Dafür, dass dein offenes Lachen fesselt. Und erlaube mir das Kompliment, das du vermutlich noch nie gehört hast: Dein Gehirn ist sexy.
Die Kombination aus Klugheit und gesundem Selbstbewusstsein machen es aus.

Du kannst süß sein, wenn du willst. Den Job überlässt du aber lieber anderen Kolleginnen. Eine durchsetzungsstarke Geschäftsfrau, die sich auch im weinroten Abendkleid wohlfühlt, das bist eher du. Dennoch gehst du nicht brachial vor, sondern behältst mit der Rose in der Hand deine Weiblichkeit. Patchouli erdet dich ganz leise im Hintergrund.
Ich glaube Lederjacken würden dir übrigens sehr gut stehen.

Du bist mein Geheimtipp. Ob ich meinen Freunden von dir erzählen würde? Um Gottes Willen, niemals. Sie würden mir mit ihren neugierigen Köpfen dauerhaft die Sicht auf dich versperren. Zu viel Publicity wirkt sich auch nicht förderlich auf den Charakter aus. Stell dir vor, alle würden den Tacker suchen!

Bin ich komisch, wenn ich sage ich freue mich auf jeden Montag Morgen und trauere bereits am Freitag? Jeder Tag mit dir ist ein wertvolles Geschenk, ja ich übertreibe nicht. Dich in meiner Nähe zu wissen ist pure Glückseligkeit.

Ob ich den Brief an dich abschicke? Himmel nein. Obwohl - du würdest dir dann sicher meinen Namen merken. Aber nein. Ich entscheide mich dagegen und bleibe lieber heimlich dein treuester Verehrer. Für mich bist du die wahre Ikone. Du machst es einem schwer, dich nicht zu lieben.

P.s. Die rote Montagsrose auf deiner Tastatur ist von mir.

Etienne A.

(Danke C. für das schönste Kompliment von dir, das ich je bekommen habe. Du warst meine Inspiration.)
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