TerraTerras Parfumblog

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Vor einiger Zeit gab mir ein lieber Parfumo ein paar Blindproben. Also lediglich nummerierte Proben, bei denen ich mich ahnungslos, was da auf mich zukommt, durchschnuppern konnte. Vielen Dank an dieser Stelle an den Probenspender. Natürlich möchte ich euch an meinen Notizen zu den Düften teilhaben lassen. Die Auflösung findet ihr jeweils in einem Google-Dokument unter der Duftbeschreibung. Einfach den Link öffnen!

Viel Spaß!

Nr. 1:

Zu Beginn rieche ich Waschmittel mit Zitrusfrüchten, wozu sich schnell etwas Harz gesellt. Möglicherweise Weihrauch? Ich bin mir nicht sicher, da es für Weihrauch untypisch dunkel wirkt. Vielleicht handelt es sich auch um Labdanum oder eine Ledernote. Es riecht eben harzig, aber auch ledrig und leicht rauchig-dreckig.

Das Ganze kommt mir irgendwie bekannt vor. Habe ich den Duft schon getestet/bewertet?

Es könnte einer der X Harz/Rauchdüfte sein, von denen sich viele ein wenig ähneln und wo ich erst kürzlich viele getestet habe. Er ist nur viel leiser. Liegt vielleicht an der Applikation. Nach kurzer Zeit ist der Duft auch fast verflogen, doch er war sowieso direkt hautnah – obwohl ich alles aufgetragen habe.

Er riecht jetzt keinesfalls schlecht, aber ich versteh den nicht. Er bringt vermeintlich düstere Noten (ledriges, rauchiges, harziges) mit rein, doch am Ende wirkt der Duft wieder ungeheuer zahm. Für mich hätte es dieses Zusammenspiel in so einem Kontext nicht gebraucht. Für den totalen Harzjunkie der nen zitrischen Sommerduft sucht, ist das aber vielleicht ziemlich cool.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1Gk6eAIrFXh_vKi...

Nr. 2:

Auch dieser Duft kommt mir vorerst bekannt vor. Der Auftakt beginnt mit einer ziemlich knackigen Zitrusfrucht, die kurz davor ist in eine Nimm2-Richtung abzudriften, dafür aber zum Glück noch zu sauer/spritzig ist. Dazu gesellt sich etwas angenehm Grünes. Nicht krautig, sondern eher weich-grün. Was mich irritiert, ist etwas mandelartiges, was ich hintergründig wahrnehme. Das ist nun um Himmels Willen (noch?) nicht wirklich süß oder gourmandig, aber diese Mandelnote schimmert im Hintergrund und erhöht die Spannung, wie sich der Duft entwickelt. Ich habe Galbanum im Verdacht gehabt für den grünen Eindruck, aber möglicherweise wurde auch etwas Coumarin eingesetzt, um jenen zu unterstützen, was vielleicht auch diese Mandelnote verstärken könnte?!

Im Verlauf wird alles noch etwas runder, die Zitrusfrucht also weicher und weniger vordergründig.

Mit etwas böser Absicht könnte man auch sagen, es riecht ein wenig nach grünem Spüli. Die Assoziation hatte ich eben und ja... analysiert man den Duft nicht, sondern schnuppert nur kurz hin, ist die Nähe deutlich. Ich könnte mir also vorstellen, dass er für manche Außenstehende eher nach Spülmittel riecht.

Im Ausklang wird der Duft weicher. Moschusbetont, nehme ich an. Angenehm, nicht gewöhnlich, aber unspektakulär.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1b0dYVyy9rjt_yD...

Nr. 3:

Mein erster Gedanke: Oh man, will er mich ärgern? Plastik-Montaleoud. Ich rieche also einfach nur eine künstlich wirkende, stechende, heftpflasterartige Oudnote - möglicherweise hervorgerufen durch eine ungünstig gearbeitete Safran-Oud Kombi. Jene ist schon in edelsten/natürlichen Varianten sehr eigen (Gao von XerJoff & co.) und wirkt auf mich schnell künstlich. Am Ende ist es dann aber nicht so wild, denn wie üblich beruhigt sich das Ganze schnell. Zur weiteren Besänftigung kommt noch eine gute Schippe Vanille hinzu und möglicherweise auch etwas obligatorische Rose. Der Duft wird also süß und angenehm weich. Ich würde ihn somit zum jetzigen Zeitpunkt als ganz nett bezeichnen, aber auch nicht als Must Have.

Dieser Oud-Akkord hat für mich was Montale-artiges, aber es ist glaube ich kein Montale. Es könnte ein LM, Terenzi oder so sein. Also irgendein Nischenlabel was das ganze teurer verkaufen will, weil der Duft später so gefällig wirkt und zwar so einen Montale-Oudcharakter zeigt, aber nicht deren Agressivität.

Im Verlauf ist der Duft quasi ein Vanille-Karamell-Gourmand, bei dem im Hintergrund dieser für mich nicht sooo tolle und zumindest leicht synthetisch wirkende Oud-Akkord mitschwingt, was eine etwas dreckige Kante gibt.

Also wird er im Endeffekt ein süßer Kuschler mit leichter Kante. Das ist nicht spektakulär und mir zum wirklichen Tragen etwas feminin. Aber es ist zweifelsohne ein ganz netter Duft.

Zu Beginn ist der Duft furchtbar laut, wird aber ungewöhnlich schnell relativ leise. Die Haltbarkeit ist für einen Duft dieser Gattung auch eher bescheiden.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1XYZA6NMQL_3fJ1...

Nr. 4:

Der Auftakt ist schon mal recht cool. Ich rieche angenehm knackige Zitrusfrische - aber da ist noch mehr. Eine Aquatiknote? Doch wenn, dann eine ziemlich untypische. Keine Cool Water-Aquatik und keine Algen-Öltankeraquatik. Es ist eher eine sehr grüne Note. Hat was von Petersilie, Koriander (grün-krautig-seifig) und Limette mit Meersalz. Die Kombi erinnert mich an das Dressing von einem Couscoussalat, den ich gerne zubereite. Also eher eine mediterrane Erinnerung in vielerlei Hinsicht und nicht der direkte Gang an der brechenden Welle entlang.

Diese Krautigkeit wird für mich deutlicher, weil sich die Zitrusfrucht langsam verzieht. Dadurch riecht der Duft für mich sehr deutlich nach Koriander und anderen Kräutern. Die Koriander-Petersilien-Salz-Kombi passt wirklich zu diesem Eindruck. Später gefällt mir der Duft weniger, weil ich immer mehr das Gefühl bekomme, nach einer Frosta-Kräutermischung als nach einem Parfum zu riechen.

Im Verlauf wird der Duft leiser und weicher, somit stört die Küchenkrautnote weniger, aber das Versprechen des schönen Auftakts wird für mich dennoch nicht eingehalten.

Auflösung:

https://docs.google.com/document/d/1tolWN-pCR_rJjP...


8 Antworten

zu Weihnachten hat mir ein liebenswerter Parfumo-Freund einige Blindproben geschickt. Sie waren also lediglich nummeriert, die Auflösungen um welche Düfte es sich handelt befanden sich aber in einem separaten Umschlag. Nun möchte ich euch natürlich an meinen Eindrücken teilhaben lassen und versuche es etwas spannender als in meinem letzten Blog zu gestalten. Die Auflösungen um welchen Duft es sich handelt findet ihr somit in einem Internetdokument unter der jeweiligen Beschreibung, damit ihr es nicht schon beim Überfliegen seht. Kleiner Tipp: Rechtsklick auf den Link -> Link in neuem Tab öffnen. Dann bleibt die Parfumo-Seite offen. Achja: Die Eindrücke sind wie auch das letzte Mal ungeschönt. Ihr seht das, was mir in den Kopf kam :).

Ebenso gibt es noch ein Fazit meinerseits in einem separaten Dokument. Viel Spaß :).

Und bitte in den Antworten nicht aus Versehen verraten, um welche Kandidaten es sich handelt :).


Blindtest 1:

Der Auftakt wirkt seltsam säuerlich (irgendwie chemisch und zugleich natürlich - wie eine Zitrone die in einer Reifenfabrik ausgepresst wird). Gummi, Klebstoff und Lösemittel, heiße Bremse - all das kommt mir vorerst in den Sinn. Doch der Duft wird schnell weicher und heller. Nun scheint er in Relation zum Beginn fast anschmiegsam, dabei frisch-zitrisch, aber immer noch ziemlich kantig.

Im Verlauf wird alles immer weicher. Die Gummianmutung bleibt, dazu kommt aber ein Karamellton und vordergründig macht es momentan auf mich den Eindruck, als hätte sich ein Industriearbeiter mit einem zitrisch-cremigen Duft parfümiert. Also zitrisch, weich-süß-cremig, aber auch mit stereotyp maskulinen Noten die immer mitschwingen.

Ich hatte tatsächlich die Idee, es könnte ein Tauer sein, weil sich auch in seinen Düften teilweise solche kantig industriell wirkenden Noten finden, das dann aber nicht selten mit hellen und weichen Noten kontrastiert wird.

In der Basis verstärken sich die Eindrücke sogar. Es bleiben nur noch Karamell, Gummi und Zitrone. In der Phase gefällt mir der Duft am Besten. Er ist noch nicht hunderprozentig rund, aber nah dran. Beinahe sexy in dieser Phase.

Auflösung 1:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YaJWQMlnXpYI9Nus


Blindtest 2:

Der Auftakt ist direkt dunkel-rauchig. Rieche ich Birkenteer? Der Eindruck streift durchaus die Räucherschinken/Hausbrand-Ahnung. Etwas diffus Weiches und Helles ist im Hintergrund, aber erstmal nichts klar erkennbares außer dem Rauch.

Ich finde den Verlauf recht geschmeidig und linear. Der wirkt wesentlich runder/glatter als die Nummer 1, die Noten sind besser miteinander verblendet. Die Basis hat was wildlederartiges, eine leichte Vanilletönung ist zu erkennen und der Duft ist irgendwie anschmiegsam und anziehend. Trotzdem geht er nie in die Richtung von süßem Kuschelzeug, denn auch hier ist immer noch eine Aschenbecher/Hausbrandnote deutlich, nur sticht sie weniger hervor. Die Basis finde ich sehr schön, beinahe orgiastisch. Ich würde ihn hier als Lederduft bezeichnen, aber als einen der erotischsten, die ich kenne. Der zieht mir hier beinahe die Schuhe aus. Warmes, raues Wildleder. Nicht sehr süß, tatsächlich wärmend. Ich fühle mich damit heimisch und wohl, empfinde ihn als kuschlig. Trotzdem ist der Duft keineswegs brav. Er wirkt in dieser Phase ungeheuer edel. Ein genialer Duft, mit dem ich mich näher befassen möchte.

Auflösung 2:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YbUgBLhRs3j9fm_g


Blindtest 3:

Im Auftakt rieche ich einen ölig-harzigen Weihrauch, wie ich ihn auch aus Sahara Noir oder den Rundholz-Krachern kenne, doch hier wirkt er deutlich weniger dominant und krass, weil er mit viel mehr warm-weich-balsamischen Noten umspielt wird. Direkt von Beginn an ein sehr anschmeichelnder, angenehmer Duft. Hinzu kommt noch eine Rauchnote, die ich nicht Weihrauch zuschreiben würde. Zu Beginn erinnert der Duft ein wenig an die schöne Phase des wundervollen Blindtestkandidaten 2 und ich hatte die Hoffnung, er würde so bleiben. Der Verlauf ist tatsächlich recht linear, doch wie es meist in Richtung Basis ist, wird der Duft süßer und dicker, was ich hier etwas schade finde. Er hat hier so einen Einschlag von Sahne-Muh-Muhs, wirkt nun etwas zu süß-karamellig. Das Harz ist noch riechbar, wirkt aber eher, als hätte sich ein wenig davon in die Basis eines Gourmands verlaufen. Das ist jedoch Jammern auf Hohem Niveau - der Duft ist schon cool. Beim Blindtestkandidaten Nummer 2 ist der Auftakt vielleicht etwas too much, hier finde ich die Basis nicht ganz ideal. Ich würde aber der 2 ohne beide Parallel getestet zu haben den Vorrang geben.

Auflösung 3:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1Yb-UNmOzaUc-_Sfk


Blindtest 4:

Der Auftakt wirkt frisch und ich vernehme eine Ahnung von Nimm-2 Orangenfüllung, aber auch etwas Körperliches, an Sperma erinnerndes und hintergründig etwas leicht Warmes. Nach dem Auftakt wird auch deutlich, was das ist. Ein hell-sakraler Weihrauchduft. Aber richtig toll gemacht. Das Warme könnte ein (angenehm) synthetischer Ambermix, Cashmeran und/oder ein Moschus sein, der Duft wirkt bis auf den Weihrauch nämlich nicht sehr harzig, sondern eher angenehm fluffig-weich und warm. Doch auch eine schöne Frische ist immer noch vorhanden. Also im Gesamteindruck ein frisch-weicher, heller Weihrauchduft. Ganz diffus ist da auch so eine leichte Gewürznote, die mich hier noch stört. Ganz direkt auf der Haut hat der so eine Ahnung von Curry.
Wirklich ein schöner Duft, über den ich schon „brav“ schreiben wollte. Nunja, der ist auch eher freundlich gestimmt, aber trotzdem sehr eigen und nicht langweilig.
Insgesamt ist der mir von beiden Testkandidaten heute sogar immer mehr aufgefallen. Einmal weil die Sillage glaube ich deutlicher ist, aber auch, weil er doch einen recht prägnanten Charakter hat, dabei aber wirklich stets angenehm und gut tragbar ist. Schon cool!

Auflösung 4:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YcQb0LjvViR4-Ecc


Blindtest 5:

Im Auftakt glaube ich, dass ich Weihrauch, Zitrus, Vanille und Gummi wahrnehmen kann und die etwas ungeordnet nebeneinander stehen. Erinnert mich an einen anderen der Düfte; ich glaube die Nummer 1; nur wirkt dieser hier noch weniger geordnet. Im Verlauf zeigt er sich trocken-harziger, mir kommt das Bild eines eingetrockneten Tuschkastens mit Deckweiß und Radiergummis sowie alte Sportmatten in den Kopf. Dazu kommt etwas leicht muffig-würziges, wobei ich irgendwie an Strohblume denke. Der gefällt mir bis hierher nicht. Ich war kurz davor, ihn abzuwaschen... doch dann wird der noch richtig schön. Aus diesem Elend schält sich ein ölig-harziger Weihrauch, wie man ihn aus 20Mars2022, Fille en Aiguilles, Sahara Noir usw. kennt und dazu gesellt sich eine doch recht schöne Würze. Dezent pfeffrig und kardamonartig, doch stellenweise kommt eine Sellerieanmutung dazu. Die Strohblumenvermutung passt also auch hier auf ein paar Facetten, doch so richtig riecht es trotzdem nie nach Strohblume. Das alles wird auf einer samtig vanillig-balsamischen Basis gebettet, ist im Ausklang echt angenehm. Wow. Beginnt so unangenehm, endet aber wirklich schön.

Auflösung 5:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1Yc0Lgw48jmpWQj4A


Blindtest 6:

Cooler Auftakt. Wirkt alkoholisch, modern. Dann kommt mir ein Bild von Gurke in den Kopf und zu dieser ungewöhnlichen, grün-frisch-wässrigen Note gesellt sich ein durch Iris staubtrockenes Leder. Echt schön gemacht. Ist es Iris Nazarena? Ich kenne zumindest nichts vergleichbares. Weihrauch finde ich gar nicht präsent. Ich suche aber auch nur danach, weil er im Nazarena genannt ist. Ich denke hier könnte ein Weihrauch schon mit zu dem Dufteindruck beitragen, aber irgendwie herausstechend ist das hier echt nicht. Ich vermute einen Moschus zu riechen und die Iris ist hier zwar deutlich, bestimmt aber nur die trockene Ledernote und wirkt somit sehr markant, maskulin. Die im alkoholischen Auftakt aufkeimende und zum Glück bleibende Gurkennote ist fantastisch. Es ist absolut kein typischer Harzduft, aber ein moderner und ziemlich toller Duft. Ich frage mich, wieso ich noch nicht in Erwägung gezogen habe, den Anzuschaffen (wobei ich momentan ja tatsächlich glaube, Iris Nazarena zu riechen). Er gefällt mir doch wesentlich besser als viele Hypes, die in der Nische so aufkommen.

Leider verhält er sich in der Entwicklung fast konträr zur Nr. 5.

Die Basis ist durchaus sehr schön, aber im Vergleich zu dem tollen, ungewöhnlichen Auftakt ein wenig lasch. Es bleibt ein zarter, weicher, leicht heliotropartig-vanilliger, aber nicht arg süßer Hautduft, der zwar absolut nicht aufregend, aber irgendwie ziemlich sexy ist. Ganz nah an der Haut ist etwas, dass ich nur mit Mühe erschnüffeln kann. Ich vermute, dass sind Reste des Leders und dieser Gurkennote, doch aus irgendeinem Grund kommt mir ein Bild von Früchtetee in den Kopf. Das nehme ich aber echt nur mit der Nase direkt an der Haut ganz hintergründig wahr. Die Sillage und auch Haltbarkeit ist etwas mau im Vergleich zu Nr. 5. Ich habe mich sehr schnell auf Iris Nazarena fest gebissen. Wer weiß, ob ich da also nicht gerochen habe, was ich riechen wollte.

Auflösung 6:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YdUfQl0abX7TNfY8


Blindtest 7:

der Duft kommt mir sofort bekannt vor. Auch hier glaube ich wieder Gummi zu riechen, was sicher an einem Harz liegt. Hier ist diese Note schön schmeichelnd und weich eingebunden. Bisher empfinde ich ihn als harzig-weichen, aber doch auch knarzig-maskulinen Duft, der eigen aber trotzdem elegant und bürotauglich ist. Während sich die Nr. 8 im Auftakt bewusst nischig zeigt, wird die Nr. 7 immer weicher, bekommt etwas süßlich-vanilliges. Klar, dieses prägnant gummiartig-harzige ist noch vorhanden, aber er dreht sich schon sehr schnell in eine zusehends softe Richtung, die aber zeitgleich von herb-dunklen Holztönen, die leider einen synthetischen Einschlag haben, kontrastiert wird. Dieser synthetische Holzeindruck wird mit der Zeit sehr dominierend und unangenehm. Das könnte auch eine synthetische Oudnote sein. Ich weiß es nicht. Es ist eine sehr unangenehm synthetisch-dunkel-holzige Note, die kaum noch Platz für etwas anderes lässt und mir den Duft total verleidet. Nun ein Abwaschkandidat.

Auflösung 7:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1Yd4rdtrHUFwu38NU


Blindtest 8:

interessant! Im Auftakt rieche ich sowas wie einen Brand, also Alkohol mit einer Art bitteren Pflanze. Es schält sich eine bitter-grüne Note heraus. Das ist tatsächlich schon sehr, sehr grün. Dabei kein saftig-pflanzliches oder waldiges grün, sondern ein trockenes, stumpfes und trotzdem sehr pflanzlich-natürlich wirkendes. Als hätte man Blattgrün entsaftet und den Pflanzensaft eingetrocknet. Ziemlich cool, aber auch sehr edgy. Auch der Duft entwickelt sich in eine recht dunkel-holzige Richtung. Vielleicht hätte Nummer 7 so in etwas besser riechen können. Leider ist auch hier ein synthetischer Einschlag nicht zu verleugnen, der mich ein wenig nervt. Doch jener ist lange nicht so anstrengend wie in No. 7, sondern fügt sich hier in ein noch angenehmes Duftbild. Die Basis finde ich fast seriös und sie könnte so auch als beinahe mainstreamiger Holzduft in Richtung Wonderwood (den ich zugegeben nur noch grob in Erinnerung habe) oder ähnliches durchgehen. Insgesamt sind Nr. 7 und Nr. 8 für mich eher schwache Kandidaten.

Auflösung 8:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YeY2cnHc5-z5VdZ0


Fazit:

https://1drv.ms/w/s!AmDK1shlkN1YezAg_CjzB9YmQko


17 Antworten
Vor 2 Jahren
74 Auszeichnungen

Gestern Nacht zeigte mir meine Parfumoseite an, dass ich heute das siebte Jahr bei Parfumo angemeldet bin. Das erinnerte mich aber nur zweitrangig an die vielen Düfte, die ich in dieser Zeit kennenlernte, sondern eher an den Abschnitt meines Lebens, den diese Zeit für mich bedeutet hat. Ich muss mich kurz nach meinem 24. Geburtstag hier angemeldet haben. Klar, ich wollte mir einen neuen Duft schenken. Aber was geschah dann? Wie viele Menschen sind mir in dieser Zeit begegnet, was habe ich erlebt, wie habe ich mich verändert. Es war eine bewegte Zeit. Viele Menschen kamen, einige Begegnungen haben mich sehr geprägt oder bewegt, manche Menschen blieben. In einigen Monaten schien mein Leben zu stagnieren, in anderen überschlugen sich die Ereignisse. Ich war glücklich, ich war unglücklich; ich war verliebt oder enttäuscht. Das ist in dieser Zeit sicher alles recht normal, doch wie die Zeit auch mich verändert hat, scheint gewaltig. Lese ich mir alte Kommentare von mir durch, kann ich manchmal nur die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen. Mein Ego war größer, meine Weisheit kleiner. Meine Lebensumstände scheinen sich mit zunehmendem Alter weniger schnell zu verändern; doch meine Empfindungen, Ideen, Einstellungen befinden sich immer noch im stetigen Wandel. Gut so, es wäre schade, schon stehen zu bleiben! Und die Düfte? Die begleiten mich hier natürlich immer noch täglich, auch wenn es nicht mehr das lodernde Feuer des Anfangs ist sondern eher eine beständige Glut, die immer wieder Flammen schlägt. Der erste Duft, den ich über Parfumo fand, war „Le Vetiver – Itasca“. Interessanterweise hat Itasca damals viel in mir bewegt. Ich hatte das Gefühl, ihn schon mal an einem äußerst attraktiven, jungen Studenten gerochen zu haben und fand, dass er Charakter hat. Mittlerweile mag ich ihn zwar noch sehr, aber er fühlt sich für mich zu förmlich an, zu sehr als würde ich mich als Steuerberater verkleiden. Ich wollte damals einen Duft der zu jeder Tages- und Jahreszeit funktioniert und den ich eher zu besonderen Anlässen trage. Mittlerweile soll ein Duft zu meinen Stimmungen passen, stellenweise etwas von meinem Charakter widerspiegeln und manchmal auch mit dem Wetter harmonieren. Somit erfreue ich mich nun an Düften, die ich vor Jahren noch völlig untragbar fand und weiß, auch meine Lust auf Düfte befindet sich im stetigen Wandel wie eben auch der Rest des Lebens. Wo ich mich im Moment mit ziemlich rauchigen oder zibet- und castoreumanimalischen Düften pudelwohl fühle, waren jene für mich lange ein Grauen. Die meisten dieser Dufterfahrungen wären ohne euch Mitparfumos nicht möglich gewesen, denn auch wenn ich in einer Großstadt lebe, so ist die Auswahl an Nischendüften hier sehr überschaubar. An dieser Stelle also natürlich auch ein herzlicher Dank an die vielen, tollen Tauschgeschäfte, die unheimliche Großzügigkeit die mir hier schon zuteil wurde und die teils jahrelangen Freundschaften, die sich hier schon ergaben.

33 Antworten
Vor 2 Jahren
31 Auszeichnungen

Ein Parfumo-Freund hat mir 5 Düfte zur Blindverkostung zugeschickt. Sprich sie waren lediglich nummeriert, aber ich hatte keine Ahnung um was für Düfte es geht. Die Auflösung war in einem verschlossenen Umschlag dabei.

Meine Ergebnisse möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Teilweise weichen sie doch stark von den Kommentaren ab, teilweise stimme ich mit den Kommentatoren aber auch in vielen Punkten überein. Interessant ist sicher auch, wie viel man so aus der Pyramide erkennt im Vergleich zu einem konventionellen Kommentar.

Ich gebe euch hier meine ungeschönten Aufzeichnungen. Sie sind etwas ins Reine geschrieben wenn es dem Verständnis dient, aber inhaltlich habe ich nix verändert, auch stilistisch kaum.

Im Übrigen werde ich in absehbarer Zeit nochmal einen Blog mit den Eindrücken von 10 Düften veröffentlichen, da die Zusammenstellung aber mehr Zeit beansprucht und ich die Düfte nochmal nachtesten möchte, wird das mehr Zeit beanspruchen. Nur soviel: Da lag ich trotz vermeintlich simplerer Düfte häufiger daneben als hier.

Nun aber viel Spaß beim lesen:


Duft 1:

Der Auftakt riecht für mich ziemlich authentisch nach Whiskey oder eher noch, Weinbrand. Weinbrandbohne trifft es ganz gut, weil er auch süß ist. Es hat auch was weihnachtliches, erinnert mich daher auch an Weihnachtspunsch - aber dann einen aus Weinbrand mit Gewürzen.

Ich denke hier an Nelke und ggf. auch Zimt - Nelke aber ziemlich sicher. Vanille wird auch drinnen sein. Alles entwickelt sich dann zu einem würzigen Tabakduft. Eine sehr deutliche Tabaknote.

Insgesamt ein schöner, würzig-winterlicher, nicht arg süßer, elegant-zurückhaltender Herrenduft. Ich denke es ist entweder gut gemachter Mainstream oder so Nische für Leute die Nische tragen wollen, aber nicht nach Nische riechen wollen :D. Die Tabaknote erinnert mich an den Roja Enigma und auch etwas an den Royal Crown... Upper Class, wenn ich mich recht erinnere. Die beiden waren aber insgesamt doch anders, glaube ich.

Also gut gemacht, schöner Duft. Wäre mir zu unspektakulär.

Auflösung: Potion (Eau de Parfum)


Duft 4:

Der Auftakt gefällt mir. Frisch-alkoholisch. Weihrauch klar-hell. Seife? Dann kommt etwas an Gewürze erinnerndes, ohne das etwas heraussticht sowie scheinbar Leder und Holz. Alles bleibt jedoch recht hell. Feuchter Keller – das ist die Assoziation, die gefehlt hat. Hell, aber nicht frisch. Nun fällt mir der Fetish von Neil Morris ein, aber der ist süßer und dicker. Im Moment erinnert es an Monsieur. von Malle. Toll, mag ich sehr. Aber wo sollte da der Weihrauch herkommen?

Stunden später bin ich total verwirrt. Nun meine ich Gucci pH 1 zu riechen. Es ist JAHRE her, dass ich den unter der Nase hatte. Aber wenn mich mein Duftgedächtnis nicht total täuscht, dann riecht so nix anderes.

Ja. Weihrauch, dezente Gewürze, leichte Süße - alles toll eingebunden. Gucci pH1. Aber wie soll der Auftakt zu erklären sein?

Ist das der Bentley, von dem du neulich im Forum gesprochen hast?

Ich hab keine Ahnung!

Auflösung: Bentley for Men Absolute


Ich habe Duft 2 und 3 kurz auf dem Papier gehabt und dachte bei beiden ehrlich gesagt erstmal "langweilig". Bei einem dachte ich, dass es bestimmt ein CdG-Weihrauch ist. Der andere ist bestimmt auch irgend ein Weihrauchduft und auch einer, der eher unspektakulär und bekannt gewirkt hat auf dem Papier.

Duft 4 wirkte nun auch nicht wie exotische Nische, aber irgendwie hatte er was interessantes und den wollte ich dann tragen.

Nummer 2 und 3 gehen auf dem Papier für mich im Moment sogar in ne ähnliche Richtung. Der eine ist aufgeräumter und klarer, der andere mit mehr Patch bzw. irgendwie dichter. Vielleicht ist meine Nase von Nr 4 aber auch so geschwängert, das ich mir das einbilde. Muss ich nochmal nachtesten.


Duft 3:

Der erinnert mich auch an Gucci pH 1, hat aber weniger Verlauf als Duft 4 gestern. Er ist linearer und insgesamt weniger "ausgeschmückt". Es gibt keine so ausgefeilte Kopfnote, weniger Gewürz. Alles wirkt reduzierter. Trotzdem ist er der Basis vom Duft 4 auch sehr nah, nur riecht er so von Beginn an ohne sich so stark zu verändern und würde man mir sagen, es ist Gucci pH 1, dann würde ich das glauben (aber ich hatte den Gucci ja auch ewig nicht mehr unter der Nase).

Auflösung: Gucci pour Homme (2003) (Eau de Toilette)


Duft 2:

Der ist dunkler und rauchiger als Duft 3. Er wirkt insgesamt klarer, moderner und viel reduzierter. Trotzdem riecht er nicht wie etwas arg nischiges. Weihrauch, aber dunkler Weihrauch mit etwas Holz und viel Iso? Könnte Kyoto von CdG sein oder zumindest etwas in der Richtung. Tendenziell auch eher ein unaufgeregter Herrenduft, aber moderner.

Ich denke Duft 2 würde ich eher tragen wollen, weil ich den Stil mag. Ich mag mittlerweile weniger verspielte Düfte - ein Grund, wieso ich Chypre Palatin seltener verwende.

Duft 3 (Nachtrag Gucci pH1) und 4 (Nachtrag Bentley Absolute) finde ich aber fast "schöner" als Duft 2. Also stylistisch finde ich die 2 cool, aber 3 und noch viel mehr 4 finde ich schöner im Sinne von ausgeschmückter, verzierter. Hier hat mir vor allem Duft 4 sehr gefallen, Duft 3 ist im Vergleich dazu eine fast lahme Nudel, auch wenn die Basis von Duft 4 fast identlich wirkt, hatte Duft 4 einfach deutlich interessantere Twists.

Auflösung: Vetiver 46 (Eau de Parfum)


Duft 5:

bei Nr. 5 springt mich auch direkt Weihrauch an. Meine erste Idee war „Weihrauch und keine Ahnung was“. Der hellste und schlankste, reduzierteste Duft bisher.

Es wirkt zu Beginn fast so, als wäre da noch was zitrisches, aber dafür ist es ungewöhnlich wenig "fruchtig", sondern wirkt eher als würde der Eindruck von einem anderen Harz kommen. Sprich: auf ungewöhnliche Weise „harzig-zitrisch“. Es ist auch was dabei, das alles seeeehr weich macht - möglicherweise ein Moschus? Alles wirkt wie in Watte gepackt und rund, aber auch sehr weich. Was an Weihrauch auch nur ansatzweise kratzig, rauchig oder so sein kann, ist hier in Watte gepackt. Dann wird der Duft seifig und wachsig. Also nicht wie Kerzenwachs wachsig, irgendwie anders - schwer zu beschreiben. Oder doch... wie so eine Haushaltskerze an der man riecht, wenn sie nicht angezündet ist. Nicht benzoeartig wachsig und auch nicht wie die ausgepusteten Kerzen in der Kirche - eher wie eine bloße Haushaltskerze und dazu eben eine neutrale Arztseife.

In der Basis riecht er für mich nach 80% Seife, ein klein wenig Süße und diesem "Weichen", was ich einem Moschus zuschreibe aber sonst nicht genauer bestimmen kann.

Auflösung: Greyland


Fazit:

Ich habe Gucci pour Homme 1 am 21.03.2013 kommentiert. Ich hatte mal eine Abfüllung, aber ich habe ihn seit mindestens 2, eher 3 Jahren nicht mehr gerochen. Es wundert mich, dass der mir so gut im Gedächtnis geblieben ist. Potion habe ich auch vor längerer Zeit getestet - mehrfach glaube ich sogar, konnte ich aber nicht wieder erkennen und die angebliche Nähe zu Gucci pH 1 war für mich auch nicht zu riechen.Erst vor wenigen Tagen habe ich Comme des Garcon 2 Man getestet. Er hat für mich keine Ähnlichkeit zu dem als Zwilling genannten Le Labo. Genauso wie Greyland für mich keine Ähnlichkeit zu Gucci pH 1 hat, wenn auch als Zwilling genannt. Wie man erkennt, konnte ich nur beim Bentley blind und in zeitlich sehr dichter Folge getestet eine sehr nahe Ähnlichkeit zum Gucci feststellen. Das ich den Gucci im Vergleich zum Bentley als "lahme Nudel" bezeichne, liegt möglicherweise auch am Alter des Duftes. Er ist sicher nicht gekippt, aber das ein paar Facetten wegfallen hält scheinbar auch der Probenspender für möglich. Jedoch ist bei meiner Abfüllung Gucci pH1 mal die Kopfnote kaputt gegangen und der war dadurch ungenießbar. Ich denke also das der Duft noch in recht gutem Zustand war und das Lineare was ich bei ihm weniger spannend fand durchaus gewollt war, ich die anderen Facetten des Bentley aber einfach sehr überzeugend fand.



6 Antworten
Vor 2 Jahren
36 Auszeichnungen

kürzlich stand ich unter der Dusche und mir ist aufgefallen, dass ich kein einziges Duschgel habe, was vordergründig für Männer konzipiert ist. Wieso eigentlich? Die meisten Pflegeprodukte für Männer riechen in meiner Nase unheimlich synthetisch und steril. Während Männer olfaktorisch scheinbar die Sinnlichkeit eines von Dieter Rams designten Braun-Rasierers der 70er ausstrahlen sollen, dürfen Frauen noch verspielt und verführerisch riechen. Nun finde ich auch viele Frauenpflegepprodukte zu synthetisch oder für mich schließlich zu weiblich. Aber für sie gibt es Blumen, es gibt orientalisches, es gibt Süße – und teilweise sogar halbwegs naturnahe Düfte, wonach man bei den ganzen Sportduschgels für Männer lange suchen kann.

Woher kommt diese Entwicklung? Hat das in den 80ern mit Cool Water begonnen? Waren es schon zuvor Pflegeprodukte für Männer? Hat es in Bleu de Chanel und Sauvage den Höhepunkt erreicht?

Wo bleibt dabei die Sinnlichkeit für Männer? Sinnlichkeit heißt ja nicht, dass Männer nach Milch&Honig oder Orchidee&Mandel riechen sollen. Genauso muss es auch nicht Motoröl und Schweiß sein. Aber was spricht gegen einen modernen und zeitgemäßen Leder-, Vetiver- oder Holzduft? Wieso nicht ein klein wenig Zibet und Castoreum? Oder wenigstens ein Sauber- und Gepflegtduft, der ein wenig was hautartiges mit sich bringt (Prada und Helmut Lang zeigen wie es geht). Dabei soll kein Knize Ten oder Guerlain Vetiver rauskommen; klar muss es auch was geben, was dem 20-Jährigem und dem Anzugträger steht. Aber wieso muss es so steril und aufgesetzt sein? Wieso ein derart unkörperlicher Geruch, der nicht mal versucht, sich mit dem eigenen Odeur zu verbinden, sondern einfach wie eine chemische Schutzwand darüber liegt? Ein Geruch der so viel mit etwas menschlichem zu tun hat wie Cybersex mit der Vereinigung zweier Körper.

Nun geht es mir gar nicht darum, den Geschmack der Träger dieser Düfte zu kritisieren oder gar zu beleidigen. Erst recht möchte ich nicht melancholisch auf die Vergangenheit zurückblicken. Ich bin 30 Jahre alt, freue mich über zeitgemäße Düfte und Entwicklungen, auch wenn ich so manche kritisch betrachte. Es ist eher ein persönliches Hinterfragen dieses Trends und mich interessiert, woher das alles kommt. Ist es eine Prägung durch diese Pflegeprodukte? Oder kann man das ganze noch weiter spinnen? Ist es unsere Gesellschaft, die auch rationaler, kühler und weniger „sinnlich“ wird? Wo wir uns beim Onlinedating schon vorher die potentiellen Partner nach Haarfarbe, Gewicht, Größe, sexuellen Vorlieben, Bildungsstand usw. aussortieren, und uns so am Ende einsam machen oder zumindest die Chance erhöhen, das, was „Liebe“ bzw. „Sinnlichkeit“ ist, zu verpassen? Wo Computer anhand der Stimme entscheiden, ob man für einen Job geeignet ist, oder nicht? Wo die Mehrheit aller unter 25-Jährigen ihre Emotionen besser über Emoticons als über Sprache ausdrücken können?

29 Antworten
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